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03.04.2017

Italiens Exporte wachsen weiter

Handelsbilanzüberschuss auf Rekordhoch / Deutschland bleibt wichtigster Außenhandelspartner / Von Robert Scheid (März 2017)

Mailand (GTAI) - Die italienischen Ausfuhren erzielen jedes Jahr neue Rekorde, 2016 wurde der höchste Handelsbilanzüberschuss aller Zeiten erreicht. Industrieerzeugnisse bleiben die größte Produktgruppe im Außenhandel, gefolgt von Luxusgütern, zum Beispiel aus der Modebranche, und Nahrungsmitteln. Deutschland war auch 2016 das wichtigste Lieferland und der Hauptabsatzmarkt für italienische Waren. Im bilateralen Handel wurde 2016 ein Rekordwert erreicht.

Die lange Wirtschaftskrise in Italien, die 2009 ausgebrochen war, hat dazu geführt, dass sich die Außenhandelsstruktur geändert hat. Allen voran ist die Importnachfrage nach Energie zurückgegangen. Insgesamt wurden auch deutlich weniger Investitions- und Konsumgüter im Ausland eingekauft. Auf der anderen Seite legten die Exporte - auch während der Krise - weiter zu. Um zu überleben, haben viele Firmen angesichts des schwachen Binnenmarktes ihr Exportgeschäft ausgebaut.

Vor dem Hintergrund sinkender Importe und steigender Exporte konnte das Handelsbilanzdefizit von 30 Mrd. Euro im Jahr 2010 in einen Rekordüberschuss von 51 Mrd. Euro im Jahr 2016 umgewandelt werden. Analysten erwarten in den kommenden Jahren einen weiteren Anstieg der Exporte. Im Rahmen der Erholung der Gesamtwirtschaft werden sich auch die Importe positiv entwickeln und der Handelsbilanzüberschuss auf hohem Niveau stagnieren, so die Analysten weiter.

Außenhandel Italiens in Mio. Euro (Veränderung in %)
2011 2016 Veränderung 2016/2011
Importe 401.428 365.579 -8,9
Exporte 375.904 417.077 11,0
Handelsbilanzsaldo -25.524 51.498 -

Quelle: ISTAT

Außenhandel nach Handelspartnern

Deutschland weit vorne

Die wichtigsten Handelspartner sind die europäischen Länder. Italien bezieht 60% seiner Waren aus den EU-28, gleichzeitig exportiert es 55% seiner Waren dorthin. Dabei ist Deutschland der mit Abstand größte Handelspartner. Die industrielle Verflechtung verbindet die beiden Länder, Italien ist nach Deutschland das zweitwichtigste Industrieland Europas. Sogar nur die fünf Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein Westfalen, Hessen und Niedersachsen zusammengerechnet, kämen vor Frankreich auf Platz eins der Rangliste der Handelspartner Italiens.

Die Lieferländer Italiens sind mit wenigen Ausnahmen in den vergangenen fünf Jahren gleich geblieben. Deutschland konnte den Abstand zu Frankreich vergrößern, die Niederlande haben leicht an Anteil gewonnen, die Vereinigten Staaten haben Russland in der Rangliste überholt. Bei den Abnehmerländern konnte Italien seine Zielmärkte etwas diversifizieren. Vor allem die USA haben zwischen 2011 und 2016 an Bedeutung gewonnen. Insgesamt sind jedoch die Märkte Europas wieder in den Fokus gerückt.

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Außenhandel nach Warengruppen

Industrieerzeugnisse im Fokus

Die Struktur der Importe hat sich vor allem bezüglich der Rohstoffe geändert. Insbesondere sind die Erdölimporte drastisch zurückgegangen. Gründe dafür sind die im Zuge der Wirtschaftskrise gesunkene Energienachfrage, der Preisverfall des Rohstoffs und der Ersatz des Erdöls durch Erdgas und erneuerbare Energien, die heute rund ein Drittel des Stromverbrauchs in Italien decken.

Seit dem Jahr 2015 steigt die Investitionsneigung der Unternehmen wieder, auch das Konsumklima hellt sich auf. Es wird erwartet, dass diese Entwicklung anhält und die Importe ankurbelt.

Die Struktur des Warenaustauschs zwischen Deutschland und Italien hat sich in den letzten Jahrzehnten wenig verändert. Industrieerzeugnisse machen den Löwenanteil des Warenaustausches aus. Die italienischen Importe von Kfz und -Teilen, Maschinen, Chemieerzeugnissen und Arzneimitteln, Elektronik und Elektrotechnik sowie Metallerzeugnissen summieren sich auf fast zwei Drittel der aus Deutschland bezogenen Waren.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code *) 2011 2016
Gesamt 401.428 365.579
Chemische Erzeugnisse 5 56.143 58.865
Vorerzeugnisse 6 59.660 54.475
Fertigerzeugnisse 8 42.662 47.076
Straßenfahrzeuge 78 31.561 38.611
Mineralische Brennstoffe 3 79.086 37.195
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 29.485 31.545
Maschinen 71-74 26.727 30.774
Erdöl, Erdölerzeugnisse 33 50.499 23.016
Arzneimittel 54 18.087 22.064
Elektronik 75, 76, 776 25.168 19.021
Elektrotechnik 77 minus 776 12.732 14.706
Rohstoffe 2 18.181 14.219
Eisen/Stahl 67 17.327 13.450
Sonstiges 9 8.970 8.264
Tierische/pflanzliche Öle 4 2.956 3.682
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 4.559 3.598
Getränke/Tabak 1 3.519 3.528

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: ISTAT

"Made in Italy" mit hohem Renommee

Die Kernbranchen der italienischen Wirtschaft - die sogenannten "Vier A" - Alimentazione (Nahrungsmittel), Abbigliamento (Bekleidung/Mode), Arredamento (Einrichtung/Design) und Automazione (Automatisierungstechnik/Maschinenbau) - sind international ausgerichtet und profitieren im Exportgeschäft von dem hohen Ansehen der Marke "Made in Italy".

Hervorzuheben ist die Entwicklung in der Industrie: In den vergangenen Jahren konnte Italien seine Position als europäische Drehscheibe für Chemieerzeugnisse und Arzneimittel stärken. Die Fusion von Fiat und Chrysler hat unter anderem durch die Produktion der Jeep-Modelle in Italien einen Aufschwung für die Fiat-Werke im Land gebracht.

Nicht zuletzt ist Italien einer der weltweit wichtigsten Hersteller von Maschinen und Industrierobotern, den Anbietern ist es zudem gelungen, sich in bestimmten Segmenten sehr stark zu positionieren. So hält das Land einen Weltmarktanteil von 25% im Bereich Verpackungsmaschinen und rangiert damit gleichauf mit Deutschland. Großes Renommee und viel Erfolg auf den Weltmärkten haben auch Luxusgüter aus Italien: Im Fokus stehen Modeartikel, Möbel, Lebensmittel und Jachten.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
Warengruppe SITC-Code *) 2011 2016
Gesamt 375.904 417.077
Maschinen 71-74 74.903 83.721
Fertigerzeugnisse 8 63.925 76.332
Vorerzeugnisse 6 72.958 73.585
Chemische Erzeugnisse 5 43.952 53.511
Straßenfahrzeuge 78 25.348 33.877
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 20.798 26.417
Arzneimittel 54 14.679 20.446
Elektrotechnik 77 minus 776 16.023 17.633
Eisen/Stahl 67 18.012 14.877
Mineralische Brennstoffe 3 17.897 10.789
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 7.957 9.382
Sonstiges 9 11.196 8.642
Getränke/Tabak 1 6.024 8.033
Elektronik 75, 76, 776 7.832 7.775
Rohstoffe 2 5.209 5.159
Tierische/pflanzliche Öle 4 1.728 2.096

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: ISTAT

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Italien Export, Import, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Wirtschaftsbeziehungen zur EU, Außenhandel / Struktur, allgemein

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