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12.07.2016

IT-Dienstleistungen aus Belarus weltweit gefragt

Softwarebranche stark exportorientiert / Virtueller Hightech-Park ist die lokale IT-Hochburg / Von Uwe Strohbach

Minsk (GTAI) - Die belarussische IT-Industrie mit Fokus auf den Export von Softwareprodukten legt seit Jahren kräftig zu. Zwei Drittel der gut 1.000 Firmen für Softwareentwicklung sind im IT-Outsourcing für ausländische Kunden tätig. Marktkenner erwarten bis 2020 ein Wachstum der jährlichen Exporte von IT-Diensten von heute 0,8 Mrd. auf 2 Mrd. US$. Auftraggeber aus dem Ausland profitieren vom hohen fachlichen Niveau der IT-Spezialisten, günstigen Löhnen und steuerlichen Vorzügen. (Kontaktanschriften)

Die belarussische Wirtschaft befindet sich gegenwärtig in einer schwierigen Phase. Weggebrochene traditionelle Absatzmärkte, der Währungsabsturz sowie sinkende Realeinkommen führen 2016 wie schon 2015 zu Produktionsrückgängen. Dennoch gibt es Branchen, die weiterhin ein Wachstum ausweisen und ausländischen Unternehmen interessante Geschäftschancen versprechen. Hierzu zählt unbestritten die stark auf den Export ausgerichtete IT-Sparte Softwareentwicklung und -dienste.

Die offiziell ausgewiesenen Ausfuhren solcher Produkte sind in den Jahren 2013 bis 2015 im Schnitt um 25% pro Jahr gestiegen. Der jährliche Export hat sich 2015 gegenüber 2012 auf 818 Mio. $ fast verdoppelt. Tendenz steigend. Marktkenner prognostizieren für die Jahre bis 2020 reale Zuwächse von jeweils 20% und mehr. In Belarus sind etwa 1.000 Firmen im Bereich Softwareentwicklung tätig, die bis zu 40.000 IT-Spezialisten beschäftigen. Ausländische Unternehmen betreiben im Land rund 80 Forschung- und Entwicklungszentren. Der Anteil der Softwarebranche am belarussischen IKT-Markt insgesamt ist von 2012 bis 2015 von 6,8 auf 11,7% gestiegen.

Entwicklung des belarussischen Außenhandels in der Sparte Softwareprodukte und -dienste (in Mio. US$)
2010 2011 2012 2013 2014 2015
Exporte 223 279 416 555 690 818
Importe 53 51 55 72 90 88
Handelsüberschuss 170 298 351 483 600 730

Quelle: Nationales Statistikkomitee (Belta)

Rund 160 Firmen sind im belarussischen Silicon Valley aktiv

Als Vorzeigeprojekt der nationalen IT-Branche gilt der Mitte 2006 gegründete staatliche Hightech-Park (HTP) in Minsk. Die im HTP registrierten Unternehmen kommen in den Genuss erheblicher steuerlicher Vorzugsbedingungen (Befreiung von der Gewinn-, Mehrwert-, Vermögen- und Grundsteuer). Bei dem Park handelt es sich um ein virtuelles IT-Gewerbegebiet, das heißt der Firmenstandort in Belarus kann frei gewählt werden. Im HTP sind heute 159 Firmen mit mehr als 25.000 IT-Fachkräften tätig (Stand: 30.6.16). Allein 2015 erhöhte sich die Belegschaft um circa 3.000 Mitarbeiter. Rund 70 Unternehmen sind aus Belarus, in ausländischem Besitz befinden sich annähernd 60 Firmen. Bei den übrigen Unternehmen handelt es sich um Firmen mit einer ausländischen Kapitalbeteiligung.

Vom erzielten Gesamtumsatz in Höhe von 773 Mio. $ im Jahr 2015 entfielen 91,3% (705,6 Mio. $) auf den Export von entwickelter Software und Softwarediensten. Die auf dem Binnenmarkt erwirtschafteten Umsätze betrugen 67,4 Mio. $. Die Ausfuhren der im Park tätigen IT-Unternehmen legen seit Jahren deutlich zweistellig zu. Im Vergleich zu 2011 (230 Mio. $) haben sie sich bis 2015 mehr als verdreifacht. Im 1. Quartal 2016 stiegen die Exporte gegenüber der Vorjahresperiode um 17% auf 169,4 Mio. $.

Für das Gesamtjahr 2016 rechnet der Geschäftsführer des Parks, Waleri Zepkalo, mit einem Ausfuhrvolumen von bis zu 1 Mrd. $. Die im Hightech-Park registrierten Unternehmen stehen heute für etwa 85% aller belarussischen Exporte von IT-Diensten. Ein erheblicher Teil des Ausfuhrgeschäfts entfällt auf die Unternehmen EPAM Systems, Game Stream und IBA IT Park. Jeweils mehr als zwei Fünftel der Exporte gehen in die USA und nach Westeuropa.

Auf der Liste der weltweit besten Outsourcing-Serviceanbieter "The 2016 Global Outsourcing 100" der International Association of Outsourcing Professionals (IAOP) stehen vier IT-Unternehmen in Belarus, die unter dem Dach des HTP tätig sind. Die IAOP würdigt folgende Anbieter: EPAM Systems, IBA Group, Intetics und Itransition. Das wohl weltweit bekannteste IT-Unternehmen von Belarus ist die Gesellschaft Game Stream, der Entwickler des Computerspiels World of Tanks.

Softwarebranche punktet mit vielen Standortvorteilen

Die seit Jahren anhaltende positive Entwicklung der Softwarebranche verwundert nicht. Die EU-Anrainerrepublik kann auf eine Reihe von Standortvorteilen verweisen. So verfügt Belarus über langjährige Traditionen in der Softwareentwicklung. Zu Zeiten der Sowjetunion standen belarussische Experten für fast die Hälfte aller in der Sowjetunion entwickelten Softwareprodukte. Im Land gibt es zahlreiche Bildungseinrichtungen mit Ausrichtung auf den IT-Sektor. Allein die Anzahl der jährlichen Absolventen (IT-Fachkräfte) an den technischen Hochschulen beträgt um die 4.000.

Ein weiterer Standortvorteil ist das vergleichsweise günstige Lohnniveau in der belarussischen Softwarebranche. Das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt qualifizierter Fachkräfte betrug 2015 schätzungsweise etwa 1.800 bis 1.900 $.

Bruttomonatslöhne für IT-Fachkräfte in der belarussischen Softwaresparte (Juni 2016; in US$) *)
Position Bruttomonatslohn
IT-Projektmanager 2.000 bis 3.200
Teamleiter 2.500 bis 2.800
Senior-Softwareentwickler 2.000 bis 3.000
Intermediate-Softwareentwickler 800 bis 2.000
Junior-Softwareentwickler 500 bis 1.000
Programmtester 500 bis 1.300
Systemadministrator 500 bis 800

*) übliches Lohnniveau für bis zu etwa 75% der jeweiligen Mitarbeiter; die zum Teil hohe Spannbreite bei den Löhnen für Softwareentwickler ergibt sich zumeist aus der verwendeten Programmiersprache

Quellen: IT-Portal dev.by und Befragungen von Germany Trade & Invest

Verband Infopark hilft bei der Partnersuche

Ein wichtiger Ansprechpartner für das Softwaregeschäft in Belarus ist die wissenschaftlich-technologische Assoziation Infopark mit Sitz in Minsk. Dem im Jahr 2001 gegründeten Fachverband gehören heute knapp 60 IT-Unternehmen mit mehr als 10.000 Software-Spezialisten an. Unter den Mitgliedern befinden sich acht Firmen mit jeweils mindestens 250 Mitarbeitern.

Belarus hat auch im Ranking des von der Internationalen Fernmeldeunion (International Telecommunication Union/ITU) jährlich erstellten Informations- und Kommunikationsentwicklungsindex einen Sprung nach vorn gemacht. Im Zeitraum 2005 bis 2015 hat sich das Land um 38 Plätze von Rang 74 auf Rang 36 unter jeweils mehr als 160 Staaten verbessert. Der Index misst die Zugänglichkeit und die Nutzung von Internet und Mobiltelefonen sowie die Kompetenz der Bevölkerung im Umgang mit den Technologien. Das mittelfristige Programm der Regierung für die weitere Entwicklung des IKT-Sektors sieht 2016 bis 2020 die Umsetzung von Projekten für 1 Mrd. $ vor. Der Anteil der Branche am Bruttoinlandsprodukt soll von 3,2% (2015) auf 3,8% (2020) steigen.

Kontaktanschriften:

Verwaltung des Hightech-Parks Belarus

(Belarus Hi-Tech Park Administration)

ul. Kuprewitscha 1, dom 1, korp. 1, 220141 Minsk

Ansprechpartner: Waleri Wiljamowitsch Zepkalo, Direktor der Parkverwaltung; Inessa Wladimirowna Konzewaja, stellvertretende Direktorin

Tel.:00375 17/268 69-11, -22

E-Mail: info@park.by, Internet: http://www.park.by

Wissenschaftlich-technologische Assoziation Infopark

(Scientific and Technological Association Infopark)

ul. Komsomolskaja 12-55, 220030 Minsk

Ansprechpartner: Wladimir Basko, Geschäftsführer; Elena Burakowa, stellvertretende Geschäftsführerin

Tel.: 00375 17/211 03 69, 226 48 14; Fax: 00375 17/211 03 69

E-Mail: inbox@infopark.by, Internet: http://www.infopark.by

(U.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Weißrussland, Belarus Software / EDV-Dienstleistungen

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