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07.03.2019

IT-Infrastruktur in Afrika wird leistungsfähiger

Noch großer Rückstand zu anderen Regionen / Von Marcus Knupp

Berlin (GTAI) - In Afrika verbessern sich die Voraussetzungen zur Nutzung von Online-Diensten, wie der Inclusive Internet Index 2019 der Economist Intelligence Unit (EIU) zeigt.

Internet-Dienstleistungen, zu erreichen vor allem über das Mobiltelefon, gelten als einer der vielversprechendsten Wachstumsmotoren in Afrika. Voraussetzung ist allerdings eine Infrastruktur, die mit der rasch zunehmenden Datenmenge fertig wird. Zwar liegt die Qualität der Netze insgesamt noch weit unter dem Niveau in Europa oder Asien. Die jährlich zusammengestellten Daten zur Internetnutzung der EIU weisen für etliche Länder des Kontinents aber ein hohes Tempo bei der Aufholjagd aus.

Niedrige Ausgangsbasis

Sowohl die Zahl der Internetnutzer als auch der Anteil der Haushalte mit Breitband-Zugang sind auf dem afrikanischen Kontinent im Durchschnitt erheblich niedriger als etwa in Europa oder Asien. Nicht für alle untersuchten Länder in Afrika liegen in der aktuellen Studie neue Werte vor. Wo dies der Fall ist, gibt es in den meisten Fällen eine deutliche Zunahme. Weit geringer sind die Unterschiede zu anderen Regionen bei der Zahl der Mobilfunkverträge pro 100 Einwohner. Hier gab es daher nur vergleichsweise geringe Veränderungen.

Nutzung von Telekommunikationstechnik in ausgewählten Ländern 2017
Land Internetnutzer (in % aller Haushalte) Internetnutzer über Festnetz (Breitband, pro 100 Einw.) Veränderung (in % geg. Vorjahr) Mobilfunk-Verträge (pro 100 Einw.) Veränderung (in % geg. Vorjahr)
Marokko 70,2 3,86 5,7 122,9 1,8
Südafrika 55,9* 2,99 5,4 130,0 0,0
Ägypten 49,2 5,35 3,0 105,5 -7,2
Tunesien 44,5 6,95 k.A. 124,3 k.A.
Ruanda 39,7 0,18 4,8 81,4 8,2
Ghana 32,5* 0,20 -37,4 127,5 -2,0
Kenia 30,0* 0,58 76,2 86,1 6,0
Namibia 29,5* 2,52 15,1 104,5 -6,4
Côte d'Ivoire 22,7 0,59 -6,1 130,0 3,2
Senegal 19,9* 0,71 10,4 99,4 0,8
Mosambik 16,2* 0,14 -3,1 40,0 -39,6
Äthiopien 15,4* 0,55 0,3 59,7 -0,6
Nigeria 15,2* 0,04 160,3 75,9 -7,2
Angola 14,7* 0,33 k.A. 44,7 k.A.
Sambia 14,3* 0,21 6,0 78,6 4,9
Uganda 8,9* 0,34 30,3 58,2 5,7
Tansania 8,5* 3,22 1.167,6 69,7 -6,2
Benin 6,6* 0,26 k.A. 78,5 k.A.
DR Kongo 2,8* 0,00 k.A. 43,4 9,8
Zum Vergleich
Deutschland 87,9 40,45 6,3 129,1 12,7
Indonesien 57,3 2,29 20,9 130,0 0,0
Mexiko 50,9 13,26 4,7 88,5 0,3

*) Daten für 2016

Quelle: EIU Inclusive Internet Index 2019

Download-Kapazität steigt

Voraussetzung für eine sinnvolle Nutzung onlinebasierter Dienste ist eine ausreichend leistungsfähige und zuverlässige Netzinfrastruktur. Hier ist der Rückstand der meisten afrikanischen Länder noch beträchtlich. Aber es werden derzeit große Fortschritte erzielt, wie aus den Daten hervorgeht. So steigt die Abdeckung mit dem Mobilfunkstandard 4G vielerorts rasch, über Zugang zu 3G-Netzen verfügt in den meisten Ländern Afrikas mittlerweile die Mehrheit der Bevölkerung.

Abdeckung mit Mobilfunknetzen der 3. und 4. Generation (3G und 4G) in ausgewählten Ländern 2017
Land Abdeckung mit 3G (in % der Bevölkerung) Veränderung (in % geg. Vorjahr) Abdeckung mit 4G (in % der Bevölkerung) Veränderung (in % geg. Vorjahr)
Tunesien 99,00 k.A. 87,00 k.A.
Ägypten 98,71 0,0 61,00 k.A.
Südafrika 98,60 -0,6 80,00 3,1
Marokko 96,00 1,1 93,00 36,8
Ruanda 93,37 1,4 96,60 75,6
Angola 85,00 41,7 8,00 k.A.
Äthiopien 85,00 0,0 10,00 0,0
Kenia 85,00 9,0 25,00 16,3
Tansania 85,00 0,0 13,00 0,0
Ghana 80,00 0,0 34,86 0,0
Benin 65,00 k.A. 39,72 k.A.
Uganda 65,00 1,6 17,00 13,3
Madagaskar 63,01 14,6 23,08 15,4
Côte d'Ivoire 60,00 6,7 47,00 38,2
Nigeria 54,00 0,0 50,84 0,0
Namibia 53,00 0,0 39,00 0,0
Sambia 53,00 0,0 43,41 652,3
Senegal 50,00* 0,0 21,60* 0,0
DR Kongo 40,00 100,0 0,00 0,0
Mosambik 40,00 -20,0 21,87 0,0
Zum Vergleich
Deutschland 96,50 0,5 96,50 0,8
Indonesien 93,78 4,2 90,42 138,3
Mexiko 95,00* 0,0 58,00* k.A.

*) Daten für 2016 (Mexiko 4G: 2015)

Quelle: EIU Inclusive Internet Index 2019

Ein weiterer Indikator ist die durchschnittliche Geschwindigkeit für den Download und den Upload von Daten über das Mobilfunknetz. Zwar gilt auch hier: Vom Niveau, das Europa oder etliche asiatische Länder erreicht haben, ist Afrika noch ein gutes Stück entfernt. Die Werte verbessern sich jedoch mit zwei- bis dreistelligen Wachstumsraten.

Geschwindigkeit der Datenübertragung im Mobilfunknetz in ausgewählten Ländern 2018
Land Durchschnittliche Download-Geschwindigkeit (Kbps*) Veränderung (in % geg. Vorjahr) Durchschnittliche Upload-Geschwindigkeit (Kbps*) Veränderung (in % geg. Vorjahr)
Südafrika 20.136 -13,2 8.254 -14,0
Côte d'Ivoire 13.750 191,6 7.980 425,0
Marokko 13.721 17,7 7.525 19,0
Namibia 13.090 12,7 9.090 4,7
Kenia 12.761 -5,6 6.975 -6,0
Tunesien 9.579 k.A. 4.784 k.A.
Senegal 9.410 96,1 4.710 114,4
Tansania 9.070 76,0 4.994 47,1
Ghana 8.614 4,9 4.912 12,6
Ägypten 8.127 38,1 4.719 55,4
Nigeria 7.468 11,5 3.902 27,0
Uganda 6.479 23,6 2.814 49,4
Angola 5.992 32,9 4.990 222,9
Äthiopien 5.958 32,7 4.995 136,6
Sambia 5.740 59,1 4.908 272,7
Mosambik 5.485 k.A. 2.379 2,9
Ruanda 4.200 70,3 1.033 k.A.
Benin 3.629 k.A. 4.118 k.A.
DR Kongo 2.589 -31,4 3.728 216,2
Zum Vergleich
Deutschland 34.778 51,8 9.894 11,4
Indonesien 9.536 19,2 8.395 40,8
Mexiko 16.192 20,6 12.852 38,1

*) Kilobit pro Sekunde

Quelle: EIU Inclusive Internet Index 2019

Engpässe: Kosten und Stromversorgung

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass die Nutzungsgebühren für Telekommunikationsdienste in Afrika vergleichsweise hoch sind, insbesondere wenn sie in Relation zu den verfügbaren Einkommen gesetzt werden. In Extremfällen wie in Ruanda oder der DR Kongo überschreitet die monatliche Gebühr für einen Breitbandzugang per Festnetz das durchschnittlich zur Verfügung stehende Einkommen. Daraus folgt, dass sich nur Bezieher höherer Einkommen überhaupt ein Telefon leisten können. Länder mit besser ausgebauter Infrastruktur und höheren Einkommen wie Südafrika oder Ägypten liegen in dem für Schwellenländer üblichen Bereich.

Kosten für Telekommunikationsdienstleistungen in ausgewählten Ländern 2017 (in % des monatlichen Bruttonationaleinkommens pro Kopf)
Land Mobil (prepaid) Mobil (postpaid) Festnetz (Breitband)
Ägypten 0,34 2,67 1,28
Ghana 0,56 4,98 18,51
Tunesien 1,42 1,03 1,49
Südafrika 1,64 1,62 2,73
Nigeria 1,89 5,08 14,90
Kenia 2,02 5,42 37,88
Marokko 2,16 4,63 4,29
Senegal 2,17 11,78 32,33
Benin 2,58 15,66 38,65
Côte d'Ivoire 2,68 8,31 25,43
Angola 2,71 2,47 14,77
Namibia 2,72 2,70 9,78
Tansania 2,96 5,52 24,85
Ruanda 4,01 14,91 140,30
Äthiopien 6,27 1,68 18,45
Mosambik 7,19 9,20 29,21
Sierra Leone 7,33 13,20 38,24
Sambia 9,99 12,15 24,24
Uganda 11,08 13,99 11,08
DR Kongo 39,13 40,19 1.084,75
Zum Vergleich
Deutschland 0,16 1,00 1,09
Indonesien 1,39 1,54 7,94
Mexiko 1,10 1,76 2,57

Quelle: EIU Inclusive Internet Index 2019

Auch weitere Rahmenbedingungen erschweren die Nutzung moderner Telekommunikationstechnik in vielen Ländern Afrikas. Ein Engpassfaktor ist die Versorgung mit Strom. In etlichen Staaten Subsahara-Afrikas hat weniger als die Hälfte der Bevölkerung Zugang zum Stromnetz. Mobiltelefone erleichtern durch ihre Unabhängigkeit vom Festnetz und den relativ geringen Energiebedarf die Teilhabe an Online-Angeboten, da sich zum Aufladen der Akkus auch weniger leistungsfähige dezentrale Systeme nutzen lassen.

Kontaktadresse

Bezeichnung Internetadresse Bemerkung
The inclusive Internet Index https://theinclusiveinternet.eiu.com Datensammlung der Economist Intelligence Unit (EIU), 2019 zum dritten Mal zusammengestellt

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