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20.06.2019

Japan entwickelt hohen Investitionsdrang nach Übersee

Im Jahr 2018 mehr als 330 Milliarden US$ im Ausland investiert / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Japans Unternehmen haben 2018 das fünfte Jahr in Folge wertmäßig steigende Fusionen und Übernahmen im Ausland getätigt. Zudem war Nippon die größte Quelle von Direktinvestitionen.

Nippons Unternehmen schauen sich nach neuen Wachstumsfeldern und Märkten im Ausland um, da die inländische Wirtschaft nur leicht wächst und die Bevölkerung schrumpft. Zudem verfügen die Firmen über hohe Kapitalreserven, die sie gewinnbringend anlegen wollen. Wegen gestiegener Unsicherheit durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die Handelsverhandlungen der USA mit Japan wird erwartet, dass das Investitionswachstum im Ausland 2019 etwas abflachen dürfte.

Dennoch bleiben die japanischen Unternehmen auf der Suche nach guten Investitionsmöglichkeiten, die dabei helfen, unter anderem den durch disruptive Technologien ausgelösten Veränderungen zu begegnen, Lieferketten zu stärken oder auf veränderte Konsumgewohnheiten zu reagieren. Dies tun sie durch Unternehmensfusionen und -übernahmen (Mergers and Acquisitions, M&A) wie auch durch Direktinvestitionen.

Japans M&A-Aktivitäten steigen

Beispielsweise hat im 1. Halbjahr 2019 Toyota angekündigt, in den chinesischen Fahrdienst Didi Chuxing etwa 550 Millionen US-Dollar (US$) investieren zu wollen. Interesse hat Mitsubishi Heavy Industries am Jetgeschäft von Bombardier angemeldet, was im Berichtsmonat Juni 2019 jedoch noch unkonkret blieb. Schon sehr konkret war hingegen der Kauf des Flugzeugfinanzierungsgeschäfts der deutschen DVB Bank durch die MUFG-Bank, der im 1. Quartal 2019 erfolgte. Diese Transaktion ließ sich die japanische Bank 6,4 Milliarden US$ kosten.

Japan war 2018 nach den USA der zweitgrößte Investor weltweit. Laut Angaben der M&A-Beratungsfirma Recof stieg der Wert der japanischen Fusionen und Übernahmen im Ausland um das Zweieinhalbfache auf rund 172 Milliarden US$. Unter den insgesamt 777 verzeichneten Transaktionen machte alleine die Übernahme des irischen Pharmazeutikaunternehmens Shire durch Takeda Pharmaceutical 63 Milliarden US$ aus. Die anderen M&A-Aktivitäten blieben unter der Marke von 8 Milliarden US$.

Direktinvestitionen bleiben hoch

Neben internationalen Akquisitionen haben japanische Unternehmen auch weiter hohe ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment, FDI) getätigt. Laut "World Investment Report 2019" der UNCTAD war Japan 2018 sogar der größte ausländische Investor weltweit, obwohl die Höhe der FDI gegenüber 2017 gesunken war.

Gemäß Zahlen der Japan External Trade Organization beliefen sich Japans FDI 2018 auf rund 159 Milliarden US$. Davon flossen 49 Milliarden US$ beziehungsweise 31 Prozent in die Europäische Union. Dort wiederum blieb trotz Brexit-Unsicherheit das Vereinigte Königreich wichtigstes Zielland vor den Niederlanden. Die FDI nach Deutschland legten zu.

Wichtigste Zielländer japanischer Direktinvestitionen (in Milliarden US$, Anteil und Veränderung in Prozent)
Land *) Wert 2017 Wert 2018 Anteil 2018 Veränd. 18/17
.USA 49,6 21,6 13,6 -56,5
.Vereinigtes Königreich 22,3 21,4 13,5 -4,0
.Singapur 9,5 15,9 10,0 67,4
.China 11,1 10,8 6,8 -2,7
.Niederlande 19,7 9,3 5,8 -52,8
.Thailand 4,9 6,6 4,1 34,7
.Deutschland 4,3 5,2 3,3 20,9
Insgesamt 173,9 159,1 100,0 -8,5

*) Kaimaninseln sind nicht berücksichtigt

Quelle: Japan External Trade Organization

Japans Unternehmen sind liquide

Aufgrund der M&A-Aktivitäten und der ausländischen Direktinvestitionen sind Nippons Vermögenswerte im Ausland 2018 weiter gestiegen. Dadurch blieb Japan gemäß Angaben des Finanzministeriums das achtundzwanzigste Jahr in Folge weltweit das Land mit den höchsten Vermögenswerten im Ausland. Die Nettoinvestitionsposition Japans belief sich Ende 2018 auf rund 3,1 Billionen US$ und lag damit 3,7 Prozent höher als 2017.

Diese dürfte auch 2019 weiter zulegen. Denn die Unternehmen sitzen wegen der guten Profitentwicklung der letzten Jahre auf hohen Geldpolstern. Dabei haben sie eine relativ schwache Landeswährung, sehr niedrige Kreditzinsen und eine gezielte Auswahl an Investitionsobjekten unterstützt. So betrug der Aufschlag, den Japans Firmen bei M&A-Transaktionen 2018 zahlten, laut Bloomberg circa 23 Prozent.

Nicht ohne Grund stehen daher japanische Firmen unter den "Top 1.000 Unternehmen weltweit" weit oben. Der Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zufolge belegte Japan unter den 1.000 umsatzstärksten Unternehmen bei der Anzahl mit 146 Firmen den zweiten Platz hinter den USA. Den gleichen Rang belegte Nippon mit 3,3 Billionen Euro auch beim Gesamtumsatz.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan Investitionen im Ausland / Joint Ventures

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