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02.10.2019

Japan finanziert in Indonesien die Bahnstrecke Jakarta-Surabaya

Bau von 4,3 Milliarden US-Dollar teurem Projekt soll 2022 beginnen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Für die Finanzierung eines Kernprojekts des Infrastrukturausbaus hat Indonesien eine Absichtserklärung mit Japan unterzeichnet. Der Konkurrent China hat das Nachsehen.

Am 24. September 2019 haben das indonesische Transportministerium und die japanische Entwicklungsorganisation JICA eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) über die Finanzierung einer Bahnstrecke zwischen Jakarta und Surabaya unterzeichnet. Der Bau der 715 Kilometer langen Strecke ist seit vielen Jahren geplant. Die Kosten werden mit 60 Billionen Rupiah (circa 4,3 Milliarden US-Dollar (US$)) taxiert. Allerdings ist es auch in Indonesien nicht unüblich, dass die Kosten für Großprojekte die ursprünglichen Planungen deutlich übersteigen.

Auf der Strecke entlang des Nordens der Insel Java sollen die Züge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 Stundenkilometern fahren. So könnte sich die Fahrzeit zwischen den beiden größten Städten des Archipels auf fünfeinhalb Stunden halbieren. Es wird lediglich zwei Zwischenstationen geben: Cirebon in Westjava und Semarang in Zentraljava. Der Bau soll 2022 beginnen und 2025 abgeschlossen sein. Die Teilstrecke zwischen Jakarta und dem 200 Kilometer entfernten Cirebon soll bereits 2024 betriebsbereit sein.

Um den Streckenbau, der als sogenanntes nationales strategisches Projekt gilt, hatten in den vergangenen Jahren vor allem Japan und China gebuhlt. Die China Development Bank (CDB) hatte bereits den Zuschlag für Bau und Finanzierung der ersten Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Jakarta und Bandung bekommen, die derzeit vom Gemeinschaftsunternehmen Kereta Cepat Indonesia China (KCIC) gebaut wird und 2021 fertiggestellt sein soll. Die Kosten dafür belaufen sich nach jüngsten Angaben auf 80 Billionen Rupiah (circa 5,7 Milliarden US$).

Bedarf an Spezialtechnik und Baumaschinen

Sollte es zu einem endgültigen Vertragsabschluss kommen, dürfte der größte Teil der technisch anspruchsvollen Arbeiten von japanischen Firmen geleistet werden. So ist es auch beim Bau der im März 2019 eröffneten Metrolinie in Jakarta gewesen, die ebenfalls von JICA finanziert wurde. Einfachere Arbeiten werden indonesische Partnerfirmen übernehmen. Vor allem große staatlichen Baufirmen wie Waskita Karya stehen bereits in den Startlöchern. Für andere ausländische Anbieter dürfte allenfalls Spezialtechnik oder gegebenenfalls die Zulieferungen von Baumaschinen abfallen.

Bestandteil der Absichtserklärung ist ein sogenannter Summary Record, in dem sich beide Parteien auf technische Einzelheiten einigen, wie Konstruktionsart, Signalsysteme, Fahrzeugtypen, Brücken- und Tunnelbau (es soll alleine 500 Über- und Unterführungen geben) sowie die verschiedenen Konstruktionsphasen. Außerdem beinhaltet er den von indonesischer Seite bei Großprojekten oftmals eingeforderten Technologietransfer an heimische Unternehmen, die bei Auftragsvergaben ebenfalls häufig maßgeblichen Local-Content-Bedingungen sowie die Ausgestaltung des Public-private-Partnership (PPP), in dessen Rahmen das Projekt konzipiert wird.

Bau vieler neuer Strecken geplant, aber Umsetzung unsicher

Indonesien hat im Bahnsektor enormen Nachholbedarf. Es gibt gerade einmal etwa 8.000 Kilometer an Strecken (Vergleich Deutschland: 43.000 Kilometer). Und dies beinhaltet auch innerstädtische sowie nur industriell genutzte Kapazitäten. Der Bau zahlreicher neuer Strecken auf den Hauptinseln ist geplant, muss aber oftmals mangels privaten Kapitals verschoben oder gestrichen werden. Laut Angaben des Transportministeriums vom Jahresbeginn 2019 beträgt die Finanzierungslücke für das Gesamtjahr umgerechnet fast 3 Milliarden US$.

Der Archipel hat einen eigenen Hersteller von Zügen und Wagons: PT Inka. Das Staatsunternehmen stellt unter anderem städtische Zubringerzüge her und hat ebenfalls bereits Interesse an einer Projektbeteiligung geäußert. Inka ist aktuell ein Joint Venture mit dem Schweizer Zughersteller Stadler eingegangen. Beide Unternehmen haben Ende September 2019 angekündigt, für 100 Millionen US$ eine gemeinsame Fertigungsstätte in Banyuwangi zu eröffnen, am östlichsten Zipfel der Insel Java.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau

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