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19.07.2018

Japan will Batterieentwicklung beschleunigen

Festkörperbatterien als Kerntechnologie / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Japan will im globalen Batteriemarkt weiter vorne mitmischen. Dabei soll der technologische Durchbruch bei Festkörperbatterien helfen, den ein Konsortium der wichtigsten Branchenakteure vorantreibt. Aber auch im herkömmlichen Lithium-Ionen-Batteriegeschäft haben die Hersteller eine gute Ausgangsposition, wird der Bedarf an Batterien durch die Entwicklung der Elektromobilität doch weltweit rapide steigen. Dieser soll durch den Ausbau der Kapazitäten im In- und Ausland bedient werden.

In Japan steht die Batterieentwicklung und -produktion gegenwärtig im Fokus. Im Rennen um Festkörperbatterien als effiziente und effektive Alternative zu den herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien auf flüssiger Elektrolyt-Basis wollen Japans Branchenunternehmen möglichst schnell Resultate erzielen. Denn der Batteriemarkt soll nicht allein der chinesischen Konkurrenz überlassen werden.

Japanisches Konsortium zielt auf schnelle Produktionseinführung

Daher haben in Japan im Juni 2018 ein Firmenkonsortium aus 23 Unternehmen und die staatliche New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) ein Projekt begonnen, um die Entwicklung von Festkörperbatterien gemeinsam voranzutreiben. Zum Konsortium gehören sowohl die großen Kfz-Hersteller als auch die Batterieproduzenten sowie nicht zuletzt die Werkstoff- und Komponentenlieferanten.

Gegenwärtig halten japanische Unternehmen laut NEDO bereits die meisten Patente für Festkörperbatterien, darunter soll Toyota der führende Patentanmelder sein. Zudem gehört bei spezialisierten Werkstoffen für Batterien ebenfalls eine Reihe japanischer Unternehmen wie Asahi Kasei, Toda Kogyo, Sumitomo Chemical, Mitsubishi Chemical oder auch Toray international zu den wichtigsten Lieferanten.

Ziel ist, bis zum Jahr 2022 die Kerntechnologie so weit entwickelt zu haben, dass erste kommerziell einsetzbare Batterien produziert werden können. Bis 2030 wird angestrebt, dass Festkörperbatteriemodelle im Vergleich zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien pro Kilowattstunde um ein Drittel weniger kosten und die Ladezeit um ein Drittel geringer sein wird. Zudem soll die Reichweite für Elektrofahrzeuge ausgeweitet werden.

Batterien für Elektrostraßenfahrzeuge als eine der kritischen und bislang teuersten Komponenten ziehen global hohes Interesse an. Laut Prognose des Yano Research Institute auf Basis herkömmlicher Lithium-Ionen-Batterien soll sich der weltweite Bedarf allein zwischen 2017 und 2020 verdoppeln und dann von 2020 bis 2025 nochmals mehr als verdoppeln.

In Japan sind aufladbare Lithium-Ionen-Akkumulatoren mit 51 Prozent bereits das größte Segment beim Produktionswert. Wenn es nach Stückzahl geht, standen 2017 laut Battery Association of Japan bei der lokalen Erzeugung immer noch Primärbatterien an erster Stelle, die einen Anteil von 57 Prozent ausmachten. Auf wertmäßiger Basis sind diese jedoch mit einem Anteil von 8 Prozent nur von geringer Bedeutung.

Produktion von Batterien und Akkumulatoren (in Millionen US$, Veränderung in Prozent)
Produktgruppe 2016 1) 2017 2) Veränd. 17/16 3)
.Trockenbatterien 572 565 2,1
.Speicherbatterien 6.483 6.627 5,5
..Blei-Säure-Speicherbatterien 1.471 1.491 4,6
...für Kfz (ausgenommen Zweiräder) 902 915 4,6
...andere 568 576 4,7
..Alkali-Speicherbatterien 1.549 1.492 -0,6
...aufladbare Nickel-Metall-Hydrid-Akkus 1.451 1.402 -0,3
...andere 98 90 -4,7
..aufladbare Lithium-Ionen-Akkus 3.463 3.644 8,6
...für Kfz 2.075 2.414 20,0
...andere 1.388 1.230 -8,6
Insgesamt 7.055 7.192 5,2

1) Umrechnung anhand des Wechselkurses: 1 US$ = 109,70 Yen; 2) 1 US$ = 113,19 Yen; 3) auf Yen-Basis

Quelle: Ministry of Economy, Trade and Industry (METI)

Japans Batteriehersteller bauen Kapazitäten aus

In Japan ist Panasonic der größte Hersteller für Lithium-Ionen-Batterien für den Einsatz in Elektrofahrzeugen. Lange Zeit war das Unternehmen weltweit Marktführer, hat diesen Titel jedoch an den größten chinesischen Hersteller, CATL (Contemporary Amperex Technology Co. Limited), verloren. Im Mai 2018 hat CATL in Japan ein Büro eröffnet, um japanische Autokunden zu bedienen.

Panasonic baut derweil seine Produktion sowohl in den USA, wo es die Giga-Factory für Tesla erweitert, als auch in China und in Japan aus. Zwischen 2018 und 2022 plant Panasonic, seinen Umsatz im Batteriegeschäft auf insgesamt etwa 10,3 Milliarden US-Dollar (US$) zu verdoppeln. In Japan arbeitet Panasonic hauptsächlich mit Toyota zusammen; das Joint Venture Primearth EV Energy stellt Batterien für Hybride und Plug-in-Hybride her.

Der insgesamt größte Batteriehersteller Japans, die GS Yuasa, ist unter anderem mit Honda in der Erzeugung von Lithium-Ionen-Batterien aktiv (Joint Venture: Blue Energy). Zudem hat GS Yuasa ein Joint Venture mit Mitsubishi Corp. und Mitsubishi Motors Corp. (Joint Venture: Lithium Energy Japan). Selbstredend hat GS Yuasa auch bereits in China mehrere Batteriefabrikationen, jedoch noch keine für Lithium-Ionen-Batterien. Allerdings hat das Unternehmen Anfang 2018 angekündigt, 2019 in Ungarn die Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge aufnehmen zu wollen.

Auch bei Batterievorprodukten wird die Erzeugung erhöht

Die Ausweitung der Batterieproduktion bedeutet auch mehr Bedarf an Vorprodukten. Daher sind die japanischen Werkstofflieferanten dabei, ihre Erzeugung zu erhöhen. Ende 2017 verkündete Asahi Kasei, die bei Separatoren zu den weltweit führenden Anbietern zählt, das Investitionsbudget um 268 Millionen US$ aufzustocken, um die Kapazitäten in Japan und den USA bis 2020 zwischen 30 und 40 Prozent auszuweiten. Zudem überlegt Asahi Kasei, möglicherweise in Osteuropa und Südkorea Kapazitäten einzurichten.

Toray Industries, ebenfalls ein führender Produzent von Separatoren, hat sich Mitte 2018 dahingehend geäußert, bis 2020 etwa 1,1 Milliarden US$ investieren zu wollen. Damit sollen unter anderem Kapazitäten für Batterieteile in Europa und möglicherweise auch eine Produktion in den USA aufgebaut werden. Toray will die Kapazitäten zwischen 2017 und 2020 etwa verdreifachen.

Aufgrund der Vielzahl der neuen Elektrofahrzeugmodelle, die für die nächsten drei Jahre angekündigt sind, wird die Nachfrage nach Batterien und Komponenten sehr schnell zulegen. Laut Yano Research Institute legte der Bedarf an den vier hauptsächlichen Komponenten für Lithium-Ionen-Batterien - Separatoren, Anoden, Kathoden und Elektrolyt - seit 2014 jährlich um mehr als 100 Prozent zu und erreichte 2016 bereits knapp 10 Milliarden US$; Tendenz weiter steigend.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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