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17.07.2019

Japan will sich gegen Cyberangriffe besser schützen

Society 5.0 braucht smarte Sicherheitslösungen / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Japan setzt auf Vernetzung als Wachstumsmotor. Dafür ist jedoch ein guter Schutz vor zunehmenden Cyberangriffen erforderlich. Solche Sicherheitslösungen kommen oft aus dem Ausland.

Cybersecurity steht in Japan weit oben auf der Agenda. Denn Regierung wie auch Unternehmen treten für einen freien Datenfluss mit Vertrauen ein. Dabei ist mit Vertrauen vor allem die Sicherheit der Netzarchitektur und der Übertragungssysteme gemeint. Diese Sicherheit muss im öffentlichen Raum wie in der Privatwirtschaft ständig überprüft und angepasst werden. Denn Cyberangriffe werden eher zunehmen als abebben.

Daher haben Unternehmen und Regierung in Japan größtes Interesse an effektiven Sicherheitslösungen. Die Umsätze mit Datensicherheit steigen und dürften auf einem Wachstumspfad bleiben. Gemäß der Japan Network Security Association soll der Umsatz im Fiskaljahr 2019 (1. April bis 31. März) um 4,5 Prozent auf 10,7 Milliarden US-Dollar (US$) zulegen. Bei Sicherheitslösungen ist das Land stark auf ausländische Produkte angewiesen.

Umsatz mit Datensicherheitstechnik in Japan nach Segmenten (in Milliarden US$; Veränderung in Prozent) 1)
Segment 2018 2) 2019 3) Veränd. 19/18 3)
.Produkte 5,3 5,6 4,4
..Contentsicherheit 2,0 2,1 4,0
..Identität und Zugang 1,1 1,2 5,7
..Systemsicherheit 0,9 0,9 5,0
..Netzwerkrisiko 0,8 0,8 4,0
..Geräte mit mehreren Funktionen 0,3 0,3 0,0
..Verschlüsselung 0,3 0,3 5,0
.Dienstleistungen 4,9 5,1 4,7
..Betrieb und Management 2,3 2,4 5,0
..Systemaufbau 1,1 1,1 3,0
..Beratung 1,0 1,0 5,0
..Ausbildung 0,3 0,4 7,0
..Versicherung 0,2 0,2 5,0
Insgesamt 10,2 10,7 4,5

1) jeweils Fiskaljahr (1. April bis 31. März); 2) vorläufig; 3) Prognose

Quelle: Japan Network Security Association

Vernetzte Fahrzeuge bieten wachsenden Markt

Ein wichtiger Kunde wird die Automobilbranche sein. Toyota beispielsweise will ab 2020 seine in Japan und in den USA angebotenen nicht-kommerziellen Fahrzeuge mit Vernetzungstechnologie ausstatten. Daher wird Toyota seine Zusammenarbeit mit seinem Hauptzulieferer Denso verstärken, sowohl in der Entwicklung von Halbleitern als auch bei der Übertragungssicherheit. Denso hat 2018 bereits zwei US-Anbieter in diesem Bereich gekauft.

Zudem gründete Denso 2018 mit der NRI SecureTechnologies ein Joint Venture, um den wachsenden Sicherheitsmarkt für elektronische Anwendungen in Fahrzeugen zu bedienen. Auf dieses Segment zielt auch der israelische Anbieter Arilou Information Security Technologies ab, der mit Alpine Electronics, dem japanischen Hersteller von Infotainmentprodukten für Automobile, eine Kooperation eingegangen ist.

Eine Reihe von Firmen ist 2018 auch in anderen Bereichen der Cybersecurity in Japan aktiv geworden, wie zum Beispiel ESET aus den USA. Der Anbieter von IT-Sicherheitslösungen hat mit Canon IT Solutions ein Joint Venture gegründet. Aus Israel ist die SCADAfence, zusammen mit der japanischen Global Brain und Mitsui Fudosan eine Entwicklungszusammenarbeit für smarte Produktionssysteme eingegangen. Von deutscher Seite hat das auf automatische Verschlüsselungen spezialisierte Unternehmen Wibu Systems 2018 ein Büro eröffnet.

Ubiquitäre Netzanbindung birgt Risiken

Je mehr das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) Geräte miteinander verbindet, desto verletzlicher werden die Daten. Um das Gefahrenpotenzial zu untersuchen, hat das Ministry of Internal Affairs and Communications 2019 eine Aktion gestartet, IoT-verbundene Geräte zu testen. Dabei wird täglich eine Vielzahl von Geräten gefunden, die ein Eingangstor für Hacker bieten können. Denn bislang haben über 100 Millionen solcher Geräte in Japan eigene IP-Adressen und sind damit angreifbar.

Die Überwachung von IoT-Geräten soll in den nächsten fünf Jahren fortgesetzt werden. Dahingehend wurden der "Telecommunications Business Act" und der "Act on the National Institute of Information and Communications Technology" ergänzt; die Ergänzungen sind seit 1. November 2018 in Kraft.

Japan häufig Ziel von Cyberattacken

Dabei geht es auch um das Vertrauen der Endnutzer in die Sicherheit der Informationstechnologien. Im Juli 2019 war der größte Anbieter von Convenience Stores, Seven&I Holdings, schon kurz nach der Einführung seines mobilen Bezahlsystems 7pay vom ersten Hackerangriff betroffen. Für das Unternehmen wie für die Regierung, die bargeldloses Bezahlen ausweiten will, ein Rückschlag, auch wenn der direkte finanzielle Schaden sehr begrenzt war.

Alleine bei Kryptowährungen erfolgten 2018 laut National Police Agency 169 bestätigte Hackerangriffe, bei denen 610 Millionen US$ entwendet wurden. Keiner der Fälle wurde gelöst. Im Verlauf jenes Jahres registrierte die Polizeibehörde im Durchschnitt pro Tag 2.753 verdächtige Zutrittsversuche zu Informationsnetzen, inklusive Cyberangriffen.

Laut Angaben des japanischen Informationssicherheitsunternehmens Soliton Systems waren 2018 weltweit über 2,2 Milliarden E-Mail-Adressen und Passwörter gestohlen worden. Darunter waren 20 Millionen Adressen mit der japanischen Internet-Endung "jp". Die Daten wurden von mehr als 3.000 Websites gestohlen.

Keine Meldepflicht vorhanden

Die Dunkelziffer an Schäden und Angriffen dürfte sehr hoch sein. Oft werden die Cyberangriffe nicht gemeldet, weil nicht entdeckt oder weil die Unternehmen einen Imageschaden fürchten. So hat die Japan Network Security Association, eine nicht-profitorientierte Organisation, gegenwärtig lediglich 234 Mitglieder, die Informationen über Vorfälle melden.

In der Überwachung von und in der Unterstützung bei Computer- und Netzsicherheitsvorfällen ist zudem das Japan Computer Emergency Response Team Coordination Center aktiv. Dieses ist ebenfalls eine nicht-profitorientierte Organisation, die sich als eine Koordinierungsstelle zwischen Sicherheitsdienstleistern, Industrieverbänden und Regierungsorganisationen versteht.

Auf nationaler Ebene ist das National Center of Incident Readiness and Strategy for Cybersecurity die zentrale Stelle, um den Informationsaustausch zwischen den relevanten Institutionen zu verbessern.

Vor dem Hintergrund, dass Japan den Ansatz einer smarten, vernetzten Gesellschaft, genannt Society 5.0, verfolgt, sollen die Sicherheitsrichtlinien so angepasst werden, dass ein möglichst geringes Risiko für kritische Infrastruktur besteht. Darunter fasst die Regierung vierzehn Bereiche zusammen, die für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben des Landes wichtig sind. Dementsprechend hat die Regierung den 2014 eingeführten "Basic Act on Cybersecurity" im Dezember 2018 ergänzt.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Japan Network Security Association https://www.jnsa.org nicht-profitorientierte Organisation mit 234 Mitgliedern
Japan Computer Emergency Response Team Coordination Center https://www.jpcert.or.jp/english/ Unterstützung bei Computer- und Netzsicherheitsvorfällen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Digitalisierung

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