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13.06.2019

Japan will Stromübertragung flexibilisieren

Investitionen in interregionale Stromtrassen und Übertragungsnetze erforderlich / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Japan setzt auf mehr Wettbewerb im Stromnetz, ohne die Sicherheit der Elektrizitätsversorgung zu verringern. Dazu soll die Übertragungsinfrastruktur verstärkt werden.

Japans Energiesystem befindet sich seit Fukushima 2011 in der Transformation. Dies betrifft sowohl Fragen des Energiemix und der Umweltbelastung wie auch der Produktion und der Verteilung von Elektrizität. Dabei ist die Belastungsfähigkeit der Stromnetze ein kritischer Bestandteil der gesamten Infrastruktur. Investitionen in das gesamte Übertragungsnetz werden daher in den nächsten Jahren stattfinden.

Denn die Versorgungssicherheit soll erhöht, schwankungsstarke erneuerbare Energien besser absorbiert und der nächste Schritt in der Deregulierung des Strommarktes unterstützt werden. Ab dem Fiskaljahr 2020 (1. April bis 31. März) erfolgt eine Trennung von Stromtransport und Verteilnetzen, nachdem 2016 der Elektrizitätshandel voll liberalisiert wurde.

Um die Reform des Elektrizitätssystems voranzutreiben, ist 2015 die Organization for Cross-regional Coordination of Transmission Operators (OCCTO) gegründet worden. Diese soll auf eine stabile Stromversorgung, stabile Elektrizitätspreise und Wahlmöglichkeiten für die Stromkunden abzielen und den interregionalen Stromtransport zwischen den zehn regionalen Versorgern regulieren.

Außer Stromtrassen auch große Umspannstationen erforderlich

Zwischen den zehn regionalen Versorgern besteht zwar eine Stromverbindung von Kyushu im Westen bis Hokkaido im Osten, jedoch ist deren Übertragungskapazität begrenzt. Die Verbindungen sollen ausgebaut werden, gerade auch im Hinblick auf die Sicherheit der Stromversorgung. Dies zeigen die Ereignisse der von Erdbeben und von Taifunen betroffenen Inselgruppe.

So hat nicht zuletzt das Erdbeben in Hokkaido 2018 einen Stromausfall auf der nördlichen Insel verursacht, der die gesamte Stromversorgung für 45 Stunden lahmlegte. Eine Versorgung durch Stromzufuhr von der Hauptinsel war ebenfalls nicht sofort gewährleistet, nicht zuletzt, weil auch die Übertragungskapazität zwischen Hokkaido und Tohoku zu gering ist. Daher ist im März 2019 eine zusätzliche Stromtrasse in Betrieb genommen worden, um die Kapazität von 0,6 auf 0,9 Gigawatt zu erhöhen.

Über eine weitere Erhöhung der interregionalen Übertragungskapazität zwischen Kyushu und Tohoku um 300 Megawatt wird gegenwärtig diskutiert. Um ähnliche Stromausfälle in den wirtschaftlichen Zentren mit dem größten Strombedarf - Region Tokyo, Chubu und Kansai - zu verhindern, investieren mehrere Unternehmen in den Kapazitätsausbau ihrer Stromübertragungsnetze.

Dabei hat Japan die Besonderheit, dass zwischen West- und Ostjapan unterschiedliche Frequenzen (West: 60 Hertz, Ost: 50 Hertz) genutzt werden. Tokyo ist eine 50-Hertz-Region und Chubu eine 60-Hertz-Region. Zusätzlich zu den Stromtrassen sind daher auch große Umspannstationen erforderlich; zudem sind die lokalen Verteilnetze noch nicht auf die Veränderungen im Energiesystem ausgerichtet.

Geplanter Ausbau der Stromübertragungskapazität
Region Stromunternehmen Zusätzliche Kapazität (in MW) Investitionen (in Mio. US$) Fertigstellung
Tohoku-Tokyo Tohoku Electric 4.550 1.391 2027
Tokyo-Chubu Tokyo Electric, Chubu Electric, J-power 1.800 1.685 2028

Quelle: Ministry of Economy, Trade and Industry

Übertragungskapazitäten auch für Strom aus erneuerbaren Energien

Zusätzliche Übertragungskapazitäten bei den überregionalen Stromtrassen sollen auch dabei helfen, aus erneuerbaren Energien erzeugte Elektrizität landesweit besser verteilen zu können. Denn gerade in Hokkaido und Tohoku im Osten sowie Kyushu im Westen sind viele Wind- und Solarfarmen, die einen Überschuss an Strom aus erneuerbaren Energien produzieren, der anderswo gebraucht wird.

Beispielsweise existieren auf der Insel Kyushu bereits mehr als 8 Gigawatt an Solarkapazitäten. Der regionale Elektrizitätsversorger Kyushu Electric Power musste im Oktober 2018 für zwei Tage die Einspeisung von Solarstrom stoppen, um einen Blackout des Elektrizitätsnetzes zu verhindern. Denn im September waren vier Nuklearreaktoren in Kyushu wieder ans Netz gegangen und damit war die Grundstromversorgung mehr als ausreichend.

Mit Genehmigung von OCCTO wurde daher im Herbst 2018 mehr als 1 Gigawatt Strom an andere Versorger auf der Hauptinsel Honshu übertragen. Diese Art der Flexibilisierung des Elektrizitätsmarktes soll zukünftig bessere Auslastung, höheren Wettbewerb und idealerweise auch geringere Strompreise bringen. Zumal der Anteil an erneuerbaren Energien weiter zunehmen soll.

Lag der Anteil im Fiskaljahr 2016 bei 15 Prozent, soll er laut "Strategic Energy Plan" im Fiskaljahr 2030 bei circa 22 bis 24 Prozent liegen. Kernenergie soll dann einen Anteil von 20 bis 22 Prozent erreichen, während er 2016 lediglich 2 Prozent betrug, da viele Reaktoren noch nicht wieder hochgefahren werden durften. Die Nutzung fossiler Energien wird in diesem Zeitraum von 84 auf 56 Prozent verringert, so Angaben der Agency of National Resources and Energies.

Stromnachfrage dürfte künftig eher sinken

Insgesamt wird in Japan der jährliche Elektrizitätsbedarf gemäß OCCTO in den nächsten zehn Jahren eher leicht sinken als steigen. Denn die Bevölkerung schrumpft, die Industrie und die Verbraucher nutzen stromsparende Maschinen und Geräte und nicht zuletzt sorgen smarte Zähler und Geräte dafür, Strom effizienter einzusetzen.

Japans Einfuhr von Generatoren (in Millionen US$)
HS-Code Warenbezeichnung 2017 2018 aus Deutschland (2018)
8501 Elektromotoren und Generatoren 1.750 1.896 54
8502 Stromerzeugungsaggregate und elektrische rotierende Umformer 255 215 82
8503 Teile für Elektromotoren, Generatoren 470 573 26
8504 Transformatoren, elektrische Stromrichter sowie Drosselspulen und andere Induktionsspulen; Teile davon 3.168 3.246 116

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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