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27.08.2019

Japans Außenhandel spürt zunehmenden Gegenwind

Reihe von Faktoren lässt Exporte sinken / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Bei der Entwicklung des Außenhandels sieht Japan 2019 rot: Ein- wie Ausfuhren weisen sinkende Tendenz auf, wobei hauptsächlich der Exportwert nach unten weist.

Die Im- und Exporte Japans schrumpfen 2019. Dafür sind hauptsächlich internationale Entwicklungen verantwortlich, wobei sicherlich die Handelsspannungen zwischen den USA und China den wichtigsten Faktor darstellen. Zudem ist seit Juli 2019 die Streichung von Handelsprivilegien mit Südkorea hinzugekommen, auch wenn von diesen Maßnahmen auf Ex- und Importe keine großen direkten Auswirkungen erwartet werden.

Japan musste im Juli 2019 vermelden, dass die Gesamtausfuhren den achten Monat in Folge zurückgegangen sind. Auf Yen-Basis ist der Exportwert nach vorläufigen Angaben in den ersten sechs Monaten 2019 um 4,7 Prozent gesunken, der Importwert zeigte sich um 1,1 Prozent schwächer. Dabei ist vor allem der Handel mit Asien vom Exportrückgang betroffen.

Japans Außenhandel mit ausgewählten Ländern im 1. Halbjahr 2019 (in Milliarden US$; Veränderung in Prozent)
Land/Region Ausfuhr Veränd. 19/18 *) Einfuhr Veränd. 19/18 *)
Insgesamt 355,1 -4,7 363,4 -1,1
.Asien 188,1 -7,3 172,1 -1,8
..China 65,3 -8,2 84,3 0,1
..Hongkong, SVR 16,7 -3,4 1,2 2,9
..Südkorea 24,3 -11,0 15,1 -7,4
..Taiwan 20,8 -2,0 13,2 -1,2
..Thailand 15,3 -3,8 12,8 3,0
.USA 72,6 5,2 40,4 1,8
.EU 42,2 -1,4 44,5 2,0
.Deutschland 10,3 -2,9 12,7 -0,5

*) auf Yen-Basis

Quelle: Ministry of Finance

Handelsdefizit steigt

Einem Ausfuhrwert von 355,1 Milliarden US-Dollar (US$) stand ein Einfuhrwert von 363,4 Milliarden US$ gegenüber. Dadurch steigt das Außenhandelsdefizit und wirkt sich negativ auf die Wachstumsaussichten der japanischen Volkswirtschaft aus. Für das Gesamtjahr 2019 wird erwartet, dass sich die Importe besser entwickeln als die Exporte. Vor der angekündigten Mehrwertsteuererhöhung im Oktober 2019 ziehen Konsumenten ihre Käufe von langlebigen und teureren Waren vor, was die Importnachfrage ankurbelt.

Für das schlechte Abschneiden bei den Ausfuhren sind vor allem die sinkenden Lieferungen nach China verantwortlich, dem vom Gesamtwert größten Handelspartner Japans. Die Lieferungen sanken in den ersten sechs Monaten 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum in Landeswährung um 8,2 Prozent. Dabei war der Rückgang bei Kfz-Teilen, Produktionsausrüstung für die Halbleiterindustrie und elektronischen Bauelementen besonders ausgeprägt.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China, der in China hergestellte Waren deutlich verteuert, beeinträchtigt die internationalen Lieferketten und führt dazu, dass die Bestellungen bei japanischen Unternehmen geschrumpft sind. Hingegen konnten die japanischen Exporte in die USA zulegen. Diese stiegen im Vergleich zum 1. Halbjahr 2018 um 5,2 Prozent. Der Handelsüberschuss mit den USA hat sich gegenüber dem Vorjahreshalbjahr 2018 auf Yen-Basis um knapp 10 Prozent weiter aufgebläht.

In den bereits angelaufenen bilateralen Handelsgesprächen zwischen den USA und Japan über ein Freihandelsabkommen werden die USA das steigende "unfaire" Defizit als Druckmittel nutzen, um von der japanischen Regierung mehr Zugeständnisse zu erhalten. Im Mittelpunkt der Verhandlungen werden Japans Automobilexporte und höhere US-Rindfleischlieferungen nach Nippon stehen.

Handel mit Südkorea schwächelt ebenfalls

Als wäre dies noch nicht genug, hat Japan mit Südkorea eine neue Baustelle, die den Außenhandel belastet. Die japanischen Ausfuhren in das Nachbarland gingen in den ersten sechs Monaten 2019 um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück, was vor allem mit sinkender Nachfrage nach Vor- und Zwischenprodukten für die Halbleiterindustrie zu tun hat.

Dieser Rückgang erfolgte, noch bevor Japan Anfang Juli stärkere Kontrollen beim Export mit Südkorea ankündigte. Eine der neuen Maßnahmen ist, die Ausfuhren von drei Chemikalien für die Halbleiterherstellung nach Südkorea stärker zu reglementieren, da es nach japanischen Angaben in mehreren Fällen zu Unregelmäßigkeiten gekommen war. So gab demnach ein südkoreanisches Unternehmen fälschlicherweise an, Hydrogenfluorid für die lokale Produktion einzuführen, jedoch wurde das Material nach China reexportiert.

China betreibt unter anderem mit Nordkorea Handel. Bei Japans Exportkontrolle steht im Fokus, die Verbreitung von potentiell gefährlichen Erzeugnissen an Drittländer, die unter Sanktionen stehen, zu verhindern, wie etwa Nordkorea. Nordkoreanische Strohfirmen in China versuchen jedoch, trotz Sanktionen an Erzeugnisse zu gelangen, die beispielsweise für die Waffenentwicklung benötigt werden.

"Fast Track" mit Südkorea wird ausgebremst

Zudem hat Japan sein Nachbarland Südkorea auf seiner Liste der Präferenzländer für schnelle Handelsabwicklung um einen Grad von Gruppe A (ehemals "white list") auf Gruppe B zurückgestuft. Daher werden Exportgenehmigungen nicht mehr automatisch erteilt, sondern werden für bestimmte Produkte intensiver und zeitaufwendiger geprüft und möglicherweise abgelehnt.

Dadurch fühlt sich die südkoreanische Regierung provoziert und hat Mitte August 2019 angekündigt, Japan im Gegenzug ebenfalls von ihrer "weißen Liste" vertrauenswürdiger Partner zu nehmen. Daher müssen südkoreanische Firmen nun für den Export von mehr als 1.700 strategischen Erzeugnissen nach Japan ab September Genehmigungen beantragen, was Ausfuhrverfahren deutlich verzögern kann.

Unglücklicherweise und nicht ganz zufällig fallen diese Maßnahmen zeitmäßig mit der Auseinandersetzung beider Länder über Reparationszahlungen für Zwangsarbeiter während der japanischen Kolonialzeit 1910 bis 1945 zusammen. Der Oberste Gerichtshof Südkoreas hatte 2018 entschieden, dass japanische Unternehmen dazu verklagt werden könnten, koreanische Zwangsarbeiter kompensieren zu müssen. Der Disput ist stark politisiert und schwelt seit Monaten.

Japans Wirtschaftsministerium erwartet jedoch nicht, dass sich die eingeführten Maßnahmen notwendigerweise negativ auf den Außenhandel mit Südkorea auswirken. Denn beispielsweise geht der Handel mit Taiwan ungehindert vonstatten, obwohl die Insel in Gruppe C eingestuft ist, wofür noch striktere Genehmigungsverfahren erforderlich sind. In der Regel erteilt Japan jedoch relativ schnell Exportgenehmigungen dorthin und Taiwan hat sich über diese Einstufung nicht beklagt.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan, Südkorea Außenhandel / Struktur, allgemein

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