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05.04.2019

Japans Automobilfirmen erweitern Überseekapazitäten

Südostasien und Indien finden besonderes Investitionsinteresse / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Japans Kfz-Branche erlebt eine konjunkturelle Schwächephase. Umso mehr schauen die Hersteller auf die Absatzaussichten und Investitionserfordernisse in wichtigen Wachstumsmärkten.

In Japan erwartet die Japan Automobile Manufacturing Association (JAMA), dass 2019 die Verkäufe und Neuregistrierungen von Fahrzeugen stagnieren beziehungsweise leicht sinken werden. In China haben sich die Aussichten im Kfz-Markt nach mehreren Wachstumsjahren ebenfalls verschlechtert. Dies soll jedoch nur eine kurze Wachstumspause darstellen.

Für die japanischen Branchenunternehmen ist der Trend relativ eindeutig: Der asiatische Nachbar wird in wenigen Jahren eine globale Spitzenstellung sowohl beim Kfz-Absatz als auch bei der Kfz-Produktion einnehmen. Zudem wird China als Exportkonkurrent an Stärke gewinnen. Von daher suchen Japans Kfz-Unternehmen nach Strategien, sich in anderen Wachstumsmärkten gut zu positionieren.

China elektrifiziert

In China sind die japanischen Autohersteller bereits stark investiert. Sie wissen, dass der Markt zu wichtig ist, um vernachlässigt zu werden. Sie wissen auch, dass sie beim Elektrofahrzeugangebot hinterherhinken. Daher ist eine neue Investitionswelle zu erwarten, um die politisch vorgegebene Elektrifizierungsquote bei den angebotenen Modellen zu erreichen.

So hat Toyota Ende 2017 bereits angekündigt, ab 2020 in China mit der Einführung batterieelektrischer Fahrzeuge zu beginnen, bevor andere Märkte angegangen werden. Jedoch hält sich das Unternehmen bedeckt, wieviel in neue Kapazitäten investiert wird. Jedenfalls bestehen mit der Guangzhou Automobile Group und der FAW Group mehrere Joint Ventures.

Bei Nissan sind Produktionserweiterungen in bestehenden Werken im Gange. Dadurch wird Nissan, dessen chinesischer Partner die staatliche Dongfeng Motor Group ist, zum größten japanischen Autohersteller im Reich der Mitte. Honda erweitert ebenfalls seine Produktionskapazität zusammen mit dem Joint-Venture-Partner Guangzhou Automobile Group. Nicht zuletzt hat Mazda Ende 2018 bekannt gegeben, dass mit dem Joint-Venture-Partner China Changan Automobile Group im Jahr 2020 ein nur für den chinesischen Markt konzipiertes Elektroauto eingeführt wird.

Südostasien fährt japanische Autos

Der südostasiatische Automarkt, den japanische Fahrzeuganbieter dominieren, soll auch bei Automobilen der nächsten Generation japanisch geprägt werden. Von den rund 3,6 Millionen Autos, die gegenwärtig in der ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) verkauft werden, machen japanische Marken einen Anteil von über 80 Prozent aus. Bei Elektrofahrzeugen soll zukünftig auch ein hoher Marktanteil erreicht werden.

Unterstützt durch die neuen Investitionsanreize in Thailand für die Produktion von Elektrofahrzeugen wollen Toyota Motor und Honda Motor entsprechende Fahrzeuge dort herstellen. Thailand ist in der Region bereits der wichtigste japanische Produktionsstandort. In kleinem Umfang fertigt Toyota bereits Hybridfahrzeuge in Thailand.

Den Titel des größten Absatzmarktes in der ASEAN trägt jedoch Indonesien. Dort wurden laut ASEAN Automotive Federation im Jahr 2018 rund 1,1 Millionen Fahrzeuge verkauft, fast überwiegend lokal gefertigte japanische Marken. Die Produktion soll weiter steigen und laut Ziel der Regierung 2020 etwa 1,5 Millionen Einheiten erreichen. Dazu wird Mitsubishi Motors beitragen: Mit einer angekündigten Investition von circa 37 Millionen US-Dollar (US$) soll die jährliche Erzeugungskapazität von derzeit 160.000 Einheiten auf dann 220.000 Einheiten erhöht werden.

Produktionsstätten japanischer Autohersteller in der ASEAN 2017
Standort Werke Produktionskapazität (in Einheiten)
Thailand 28 2.520.000
Indonesien 27 1.574.000
Malaysia 16 754.000
Philippinen 11 158.000
Vietnam 10 107.000

Quelle: Japan Automobile Manufacturing Association

Indien hat viel Potenzial

Indien hat vor allem beim japanischen Kfz-Hersteller Suzuki eine hohe Bedeutung. Auf dem Subkontinent ist das Unternehmen sehr früh eingestiegen und besitzt heute einen Marktanteil von über 50 Prozent. Mit dem im Januar 2019 neu eröffneten zweiten Werk in Gujarat hat Suzuki Motor dort eine Produktionskapazität von 500.000 Einheiten. Ein drittes Werk ist geplant, um bis 2020 die Kapazität auf 750.000 Einheiten zu erhöhen. Dafür sind Investitionen von 550 Millionen US$ geplant.

Zusammen mit dem Joint Venture Maruti Suzuki India, an dem Suzuki 56 Prozent der Anteile hält, erreicht die japanische Marke in Indien gegenwärtig eine Produktionskapazität von 2 Millionen Fahrzeugen. Dies entspricht etwa der Hälfte der indischen Kapazität an vierrädrigen Fahrzeugen. Während Maruti Suzuki die Spitzenposition hält, ist Toyota Kirloskar Motor Pvt. Ltd. der sechstgrößte Produzent in Indien.

Daher will auch Toyota seine Präsenz verstärken und hat 2018 mit Maruti Suzuki eine Kooperation vereinbart. Diese sieht vor, dass bestimmte vor Ort hergestellte Modelle unter dem jeweils anderen Logo verkauft werden können und gemeinsam neue Modelle für Indien entwickelt werden. Weltweit ist Indien derzeit immerhin der viertgrößte Absatzmarkt für Fahrzeuge nach China, den USA und Japan.

Afrika wird mobiler

Die Zusammenarbeit zwischen Toyota und Suzuki soll auch auf dem afrikanischen Kontinent intensiviert werden. Ähnlich wie in Indien werden Kompaktautos von Suzuki aus indischer Produktion zukünftig auch in Afrika mit dem Toyota-Logo vertrieben. Während Toyota eine Fertigung in Südafrika unterhält, ist Suzuki noch nicht mit einem Werk in Afrika vertreten. In Afrika beliefen sich 2018 die Verkäufe von Suzuki-Kompaktautos auf rund 25.000 Einheiten, von Toyota-Modellen auf 190.000 Einheiten.

Afrika rückt für Japans Autohersteller aber definitiv stärker in den Fokus, denn laut dem Marktforscher Frost & Sullivan sollen sich die Neuwagenverkäufe dort zwischen 2016 und 2025 auf rund 3,3 Millionen Einheiten verdoppeln, was Afrika als Produktionsstandort interessanter macht. So plant Nissan, bis zum Jahr 2022 in Ghana eine Fertigung aufzubauen. Näheres zur Investitionshöhe ist noch nicht bekannt.

Zudem hat Nissan auch einen Kapazitätsaufbau in Algerien angekündigt. Dabei kann das japanische Unternehmen auf seine Partnerschaft mit Renault zurückgreifen, was unter anderem die Teilelieferung und das Händlernetz anbelangt. Die Produktion von Renault soll sich in Afrika auf etwa 600.000 Einheiten belaufen. Der französische Hersteller besitzt in einigen afrikanischen Ländern sehr hohe Marktanteile.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan, China, Indien, Afrika, ASEAN Personenkraftwagen (Pkw)

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