Suche

21.09.2017

Japans Nahrungsmittel- und Getränkeproduktion soll 2017 zunehmen

Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie erlebt derzeit Fusionswelle / Lebensmittelimporte aus der EU dürften durch Freihandelsabkommen steigen / Von Michael Sauermost

Tokyo (GTAI) - Die Inlandsfertigung von Nahrungsmitteln und Getränken in Japan soll 2017 um knapp 3 Prozent zulegen. Die großen Hersteller planen im Fiskaljahr 2017 mehr Investitionen in neue Anlagen und Ausrüstungen im In- und Ausland. Im Nahrungsmittelsegment sind Firmenübernahmen im Ausland eine immer beliebter werdende Strategie. Im Getränkesegment spitzt sich der Wettbewerb zu. Kaffee wird in Japan immer beliebter, während der Bierkonsum weiter tendenziell rückläufig ist.

Japans Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie entwickelt sich auf hohem Niveau weiter. Die Fachzeitschrift Nikkan Keizai Tsushinsha schätzt, dass die Inlandsfertigung von Nahrungsmitteln und Getränken im Kalenderjahr 2017 auf rund 24,2 Billionen Yen (etwa 201,7 Milliarden Euro; 1 Euro = rund 120 Yen; im Jahresdurchschnitt 2016) steigen wird. Dies würde ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber 2016 bedeuten.

Nahrungsmittel- und Getränkehersteller wollen 2017 mehr investieren

Die großen Nahrungsmittel- und Getränkehersteller planen Investitionserweiterungen. Eine Umfrage des Wirtschaftsverlags Nikkei zu den privaten Anlageinvestitionen im Fiskaljahr 2017 (01. April bis 31. März) kommt zu dem Ergebnis, dass die 61 berücksichtigten Branchenunternehmen Investitionen von 922 Milliarden Yen in neue Anlagen und Ausrüstungen im In- und Ausland tätigen wollen. Gegenüber den im Vorjahr tatsächlich vorgenommenen Kapitalanlagen käme dies einer Steigerung von 4,2 Prozent gleich.

Produktion ausgewählter Nahrungsmittelerzeugnisse (in Milliarden Yen, Veränderung in Prozent)
Segment 2016 1) 2017 2) Veränd. 17/16 2)
Süßwaren 2.444 2.480 1,5
Molkereiprodukte 2.175 2.193 0,8
.Milch 715 712 -0,4
.Eis 484 484 0,0
.fermentierte Milch 414 435 5,1
.Käse 163 163 0,0
Gesundheitskost 1.100 1.145 4,1
Brot 936 936 0,0
Fleischverarbeitung 728 733 0,7
.Würste 345 347 0,6
.Schinken 253 253 0,0
.Speck 130 133 2,3
Gefrierkost 699 711 1,7
.Fertiggerichte 590 602 2,0
Nudeln 595 588 -1,1
Instant-Nudeln 529 533 0,8

1) Schätzung; 2) Prognose

Quelle: Nikkan Keizai Tsushinsha

Toyo Suisan wird rund 9 Milliarden Yen in eine Fertigungsanlage für Mikrowellenreis in der Präfektur Fukushima investieren. Sato Foods Industries erweitert angesichts der wachsenden Nachfrage nach vorgekochtem Reis seine Kapazitäten in der Präfektur Niigata. Hanamaruki Foods erweitert seine Kapazitäten für Instant-Misosuppen um 10 Prozent in der Fertigungsanlage in der Präfektur Gunma. Asahi Group Holdings baut die Instant-Misosuppenproduktion um 20 Prozent bis 2019 aus.

Die lokalen Absätze im Süßwarensegment laufen trotz schrumpfender Kinderbevölkerung gut. Auf rund 450 Milliarden Yen schätzt die Japanese Ice Cream Association den Inlandsmarkt für Speiseeis. Lotte Holdings plant, 32 Milliarden Yen bis Juni 2019 in eine Schokoladenfabrik zu investieren.

Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie erlebt derzeit eine Fusionswelle. Japans viertgrößter Snackhersteller Morinaga & Co. und der zweitgrößte Molkereiproduktehersteller Morinaga Milk Industry wollen sich ab April 2018 zusammenschließen und dann bei Forschung und Entwicklung Synergien schaffen.

Hersteller suchen weiter nach Geschäftschancen im Ausland

Die großen Lebensmittelhersteller bleiben auf der Suche nach neuen Geschäftsmöglichkeiten im Ausland. Nachdem Ajinomoto bereits strategische Produktionserweiterungen auf Überseemärkten vorgenommen hat, soll jetzt eine Offensive im Tiefkühlkostsegment gestartet werden; zunächst über die französische Einzelhandelskette Carrefour.

Eine immer beliebter werdende Strategie sind Firmenübernahmen im Ausland. Ajinomoto plant, bis 2020 Überseehersteller im Gesamtwert von 200 Milliarden Yen zu akquirieren. Der asiatische Raum ist dabei erste Präferenz. Die Jahresumsätze von Nahrungsmitteln will der Produzent bis 2020 um 30 Prozent erhöhen.

Angaben der All Nippon Kashi Association zufolge beliefen sich die Snackabsätze 2015 auf 3,3 Billionen Yen. Jährlich werden Wachstumsraten um die 3 Prozent erwartet. Da der lokale Markt begrenzten Raum für Wachstum bietet, suchen die Snackhersteller zunehmend neue Chancen auf Auslandsmärkten. Calbee investiert beispielsweise 1 Milliarde Yen in den Ausbau der Fertigungsanlage in Hongkong, SVR. Außerdem sollen die Kapazitäten in Taiwan und in den Philippinen wachsen. Ezaki Glico will zuckerfreie Schokolade in Thailand produzieren; der Konkurrent Fujiya Kuchen in Taiwan. Morinaga verfolgt ein Kaubonbonprojekt in Taiwan.

Freihandelsabkommen werden den Nahrungsmittelmarkt in Zukunft weiter prägen. Im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg haben sich die EU und Japan am 06. Juli 2017 prinzipiell über den Abschluss eines Freihandelsabkommens geeinigt. Lebensmittelimporte aus der EU dürften dadurch steigen. Molkereierzeugnisse stehen dabei besonders im Blickfeld.

Produktion alkoholfreier Getränke soll 2017 um 1,2 Prozent zulegen

Der Wettbewerb auf dem lukrativen Getränkemarkt spitzt sich zu. Mittelfristig erwarten die Hersteller bei alkoholfreien Getränken eine Stagnation - allerdings auf hohem Niveau. Die steigende Konkurrenz sorgt dafür, dass regelmäßig neue Geschmacksrichtungen und Designs im Einzelhandel platziert werden, die dann nach kurzer Lebensdauer ausgetauscht werden. Fitness-, Gesundheits- und Funktionsgetränke sind lukrative Nischenbereiche. Der japanische Markt für Mineralwasser weist laut dem Marktforschungsinstitut Yano mittlerweile ein Volumen von knapp 280 Milliarden Yen auf.

Prognostizierte Produktion alkoholfreier Getränke 2017 (in 1.000 Kiloliter, Wert in Milliarden Yen, Anteil und Veränderung in Prozent)
Segment Menge Wert Anteil Veränd. 17/16
.Kaffeegetränke 3.068 940 24,2 1,0
.Teegetränke 6.046 885 22,8 2,1
.kohlensäurehaltige Getränke 3.872 721 18,6 0,4
.Fruchtsäfte 1.866 358 9,2 0,4
.inländisches Mineralwasser 3.191 275 7,1 0,5
.Sportgetränke 1.487 253 6,5 0,0
.Gemüsesäfte 495 133 3,4 6,0
.Getränke auf Milchbasis (trinkfertig) 627 124 3,2 3,0
.andere alkoholfreie Getränke 163 68 1,8 -2,0
.Sojamilch 345 49 1,3 8,0
.importiertes Mineralwasser 342 39 1,0 -2,0
Insgesamt 21.731 3.877 100,0 1,2

Quelle: Nikkan Keizai Tsushinsha

Auch im Inland wird weiter investiert. Die Asahi Group Holdings will mehr als 10 Milliarden Yen für eine Produktionserweiterung und ein Logistikzentrum ausgeben. Dadurch, dass die Getränkehersteller ihre Produkte permanent modifizieren, um die Nachfrage anzukurbeln, ist der Markt stets in Bewegung. Chancen entstehen im Segment der Fitness- und Gesundheitsgetränke.

Japanische Weinproduzenten haben begonnen, ihre Kapazitäten drastisch auszubauen. Mercian, ein Unternehmen das zu Kirin Holdings gehört, will bis 2027 die Anbaufläche der Weingüter auf 600.000 Quadratmeter mehr als verdoppeln. Der Weinkonsum stieg 2016 im achten Jahr in Folge und erreichte rund 380.000 Kiloliter. Importierter Wein hat einen Marktanteil von mehr als 70 Prozent.

Kaffee wird immer beliebter. Die Convenience Stores machen mit ihren Coffee-to-go-Angeboten Rekordumsätze und rüsten ihre Kaffeemaschinen auf. 7-Eleven will in 19.000 Filialen neue Geräte installieren, die neben dem herkömmlichen Kaffee verschiedene Variationen ausschenken können. Die Verkaufszahlen sollen dadurch von 900 Millionen auf 1 Milliarde Becher jährlich steigen.

Der Bierkonsum ist weiter tendenziell rückläufig; 2016 wurden rund 2,5 Millionen Kiloliter abgesetzt. Seit dem 01. April 2017 gibt es eine einheitliche Biersteuer. Vorher war die Steuer für Erzeugnisse mit niedrigem Malzgehalt sowie für "Bier der dritten Kategorie" (aus Malzersatz) niedriger. Jetzt gilt ein einheitlicher Satz von 55 Yen pro 350 Milliliter.

(S.M.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Getränke, Nahrungsmittel

Kontakt

Oliver Höflinger

‎+49 30 200 099 327

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche