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16.09.2019

Japans Nahrungsmittelindustrie setzt auf Erneuerung

Deutschland bleibt der wichtigste Ausrüstungslieferant / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Die Investitionen in Japans Nahrungsmittelindustrie bleiben hoch. Zudem bauen die japanischen Nahrungsmittelkonzerne auch in den Zielmärkten ihre Produktion aus.

Die Verarbeitung von agrarischen Produkten hat in Japan noch Wachstumspotenzial, sei es für den einheimischen Konsum wie auch für die erhöhte Exportnachfrage. Die Produktion der japanischen Ernährungsindustrie insgesamt betrug 2018 circa 220 Milliarden US-Dollar (US$). Abgesehen von Getränken, die einen Anteil von 30,8 Prozent einnahmen, standen Mehl und Mehlprodukte (Anteil: 10,8 Prozent), Süßwaren (10,4 Prozent) sowie Milch und Milchprodukte (9,1 Prozent) auf der Erzeugungsliste oben.

Daher investieren die japanischen Nahrungsmittelkonzerne in die Modernisierung und Erweiterung sowie nicht zuletzt in die Forschung und Entwicklung. Die Investitionsabsichten der Ernährungsindustrie für das Fiskaljahr 2019 (1. April bis 31. März) sollen sich gegenüber dem Vorjahr um 14,2 Prozent auf 11,8 Milliarden US$ erhöhen, so die jährliche Capital Investment Trend Survey der Wirtschaftszeitung Nikkei Business Daily.

Ausgewählte Investitionsprojekte der Lebensmittelindustrie in Japan (in Millionen US$)
Produkte/Ort Investitionssumme Projektstand Firma/Internet
Schokoladenfabrik/Kasukabe (Präfektur Saitama) 195 2018 bis 2020 Meiji Co., Ltd. (http://www.meiji.com/global/)
Suppenfabrik/Kawasaki, (Präfektur Kanagawa) 185 2018 bis 2021 Ajinomoto Co., Inc. (http://www.ajinomoto.com/en)
Milchpulverfabrik/Sakado (Präfektur Saitama) 111 2018 bis 2020 Meiji Co., Ltd.
Eiscremefabrik/Takasaki, (Präfektur Gunma) 80 2020 bis 2021 Morinaga & Co., Ltd. (http://www.morinaga.co.jp/company/english/)
Fleisch- und Fischverarbeitung/Hofu, (Präfektur Yamaguchi) 65 2019 bis 2020 Marukyu Co., Ltd. (http://www.mrk09.co.jp)

Quellen: Unternehmens-Homepages

Automatisierungstrend hält an

Bei den Nahrungsmittelherstellern steht unter anderem die weitere Automatisierung in den Geschäftsplänen, um Arbeitskräftebedarf und Kosten zu senken. Die zunehmende Zahl der Single- und der Rentnerhaushalte wie auch Bequemlichkeit und einfache Handhabung lassen beispielsweise die Nachfrage nach abgepackten und verbrauchsfertigen Produkten steigen.

Daneben geht es auch um Innovationen bei der Vor- und Zubereitung von Nahrungsmitteln und Getränken. Neue Anwendungen werden ausgetüftelt, wie etwa die Entwicklung von Küchenrobotern. Diese werden ein wichtiger Faktor für die Restaurantketten und andere Einrichtungen mit Großküchen, um den zunehmenden Arbeitskräftemangel zu beheben.

In diesem Bereich versucht sich das Start-up Connected Robotics einen Namen zu machen, das Küchenroboter entwickelt und mit Maschinenlerntechnologie ausstattet. Zu den Investoren gehören Sony und Mitsui Real Estate. Sony hat selbst auch mit der Carnegie Mellon University ein Projekt laufen, bei dem es um den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Küche geht. Andere Akteure in Japan sind beispielsweise QBitRobotics oder die RT Corp.

Deutsche Ausrüstung gefragt

In Japan konnten die Verkäufe von Herstellungsmaschinen für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie laut Branchenverband Japan Food Machinery Manufacturers' Association (FOOMA) im Jahr 2018 um 1 Prozent zulegen. Dabei sind jedoch hauptsächlich die Mitgliedsunternehmen des Verbandes berücksichtigt. Den FOOMA-Angaben zufolge ist Deutschland der wichtigste ausländische Lieferant von Branchenausrüstung.

Der Anteil aus Deutschland lag bei 29,7 Prozent, gefolgt von China mit 11,7 Prozent und der Schweiz mit 11,2 Prozent. Deutschland liefert gemäß Handelsstatistik von UN-Comtrade vor allem Maschinen zum Herstellen von Lebensmitteln und Getränken (HS-Position 84.38), die Japan 2018 im Wert 60,7 Millionen US$ importierte, sowie Dampffiltrieranlagen (HS-Position 8419.81) im Wert von 49,8 Millionen US$.

Umsatz mit Nahrungsmittelmaschinen in Japan (in Millionen US$; Veränderung in Prozent) 1)
Segment 2017 2018 Veränd. 18/17 2)
.Back- und Süßwarenherstellung 1.264 1.288 0,3
.Herstellung von Molkereierzeugnissen 582 598 1,1
.Fleischverarbeitung 232 242 2,5
.Getränkeherstellung 214 221 1,7
.Verarbeitung von Fischereierzeugnissen 154 154 -1,5
.Herstellung fermentierter Lebensmittel, Brauereimaschinen 149 153 1,3
.Reinigung Getreide und Reis 128 132 1,5
.Mahlen von Getreide 116 118 0
.Nudelherstellung 96 93 -4,8
.andere 2.202 2.270 1,5
Insgesamt 5.138 5.269 1,0

1) jeweils Kalenderjahr; 2) auf Yen-Basis

Quelle: Japan Food Machinery Manufacturers' Association

Auslandsaktivitäten nehmen zu

Neue Erzeugungskapazitäten entstehen nicht nur im Inland. Da der heimische Markt nur noch moderat wächst, versuchen die japanischen Branchenhersteller ihre Präsenz im Ausland auszuweiten. Dort wollen sie ihre Produktion von Fertignudeln, Brot und Snacks etablieren. Dabei stehen Schwellenländer in Südostasien sowie Indien, China aber auch die USA auf der Liste der Zielmärkte.

Daher können die Anbieter von Nahrungsmittelausrüstung auch auf Drittmärkten mit japanischen Herstellern Geschäfte machen. Unter anderem hat Ajinomoto im August 2019 angekündigt, in Malaysia ein neues Werk für Gewürzmischungen zu bauen. Für das Werk, dessen Bau Ende 2019 oder Anfang 2020 beginnen und das im April 2022 seinen Betrieb aufnehmen soll, sind 87 Millionen US$ eingeplant.

Andere Beispiele sind Acecook und Calbee. Acecook, ein Hersteller von Fertignudeln, will seine Verkäufe in Vietnam bis 2022 verdoppeln. Daher dürfte das japanische Unternehmen seine bereits bestehende Produktionskapazität in Vietnam ausweiten. Der Snackhersteller Calbee sieht in seinem jüngsten Geschäftsplan vor, bis Ende März 2024 seine Auslandstätigkeiten um 9 Prozentpunkte auf 25 Prozent am Gesamtumsatz auszuweiten.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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