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13.09.2019

Japans Unternehmen stellen mehr Start-up-Kapital bereit

Die Regierung bemüht sich den Standort zu stärken / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - In Japan sind Investitionen in Start-ups im internationalen Vergleich noch relativ gering. Das Interesse der Firmen steigt jedoch, sich an der Entwicklung von Start-ups zu beteiligen.

Start-ups in Japan bekommen vom weltweit bereitgestellten Risikokapital nur ein kleines Stück des Kuchens ab. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG wurde 2018 international eine Rekordsumme von mehr als 250 Milliarden US-Dollar (US$) in Start-ups investiert. In Nippon erreichte die Summe des Start-up-Kapitals gerade mal 3,5 Milliarden US$, wovon 2,5 Milliarden US$ von Risikokapitalgebern kamen, so Zahlen der Japan Venture Capital Association und des Venture Enterprise Center.

Entwicklung der japanischen Start-up Kapitalbeschaffung (in Mio. US$, Veränderung auf Yen-Basis in %) 1)
2017 2) 2018 3) Veränd. 2018/17
Start-up Kapitalbeschaffung 2.805 3.486 22,3
davon Venture-Capital 1.762 2.451 36,9
.im Inland 1.215 1.486 20,4
.im Ausland 548 966 73,5

1) jeweils Fiskaljahr: vom 1.4. bis 31.3. ; 2) Wechselkurs 1 US$ = 112,1 Yen; 3) Wechselkurs 1 US$ = 110,4 Yen

Quellen: Japan Venture Capital Association (JVCA), Venture Enterprise Center (VEC)

An potenziell verfügbaren Finanzierungsquellen für Start-ups mangelt es in Japan nicht. Aufgrund guter Geschäftsentwicklung in den vergangenen Jahren verfügen viele japanische Unternehmen über hohe Kapitalbestände. Gleichzeitig suchen sie nach neuen Technologien, um ihre Geschäfte anzukurbeln, dem Arbeitskräftemangel zu begegnen oder in neue Geschäftsfelder zu diversifizieren.

Laut Angaben von Recof haben die japanischen Unternehmen ihre Investitionen in Start-ups im Jahr 2018 deutlich erhöht. Dazu gehören auch eher traditionelle Adressen, wie die Japan Post Holdings, Tokyo Electric Power oder East Japan Railways. Dagegen hat der Elektronikkonzern Sony schon seit 2016 einen unternehmenseigenen Sony Innovation Fund, der weltweit bereits über 40 Investitionen in Start-ups getätigt hat.

Hohe Zuflüsse in neue Aktivitäten

Japanische Firmen haben im 1. Halbjahr 2019 ihre Aktivitäten, Start-ups zu unterstützen, ausgeweitet. So hat Sony zusammen mit Daiwa Capital Holdings im Juli 2019 einen Plan für einen neuen Innovation Growth Fund bekannt gegeben. Ziel ist ein Investitionskapital von circa 190 Millionen US$. Bereits im April hat Hitachi angekündigt, Mitte 2019 einen Hitachi Ventures Fund mit Sitz in München zu gründen, der mit 150 Millionen US$ ausgestattet sein soll.

Start-up-Beteiligungen im Ausland spielen eine zunehmende Rolle. Japans Regierung will mit Unternehmen wie Mizuho Bank und Suzuki Motor in indische Start-ups investieren und dazu 2019 einen Fond von 140 Millionen US$ auflegen. Mit Zielrichtung China hat das Handelshaus Itochu mit dem chinesischen Staatskonzern Citic einen Risikokapitalfonds von 1,8 Milliarden US$ ins Auge gefasst, um japanischen Start-ups den Weg nach China zu öffnen, so Pressemeldungen.

Softbank spielt in einer eigenen Liga

Jedoch stellt das japanische Technologieunternehmen Softbank alle diese Start-up-Aktivitäten - zumindest vom Wert her - in den Schatten. Softbank hat im Juli 2019 seinen zweiten Vision Fund aufgelegt, der mit mehr als 100 Milliarden US$ ausgestattet werden soll. Davon will Softbank allein 38 Milliarden US$ einbringen. Andere Unternehmen, wie Microsoft und Foxconn Technology aus Taiwan, sind mit im Boot.

Mit dem ersten Vision Fund hat Softbank laut CB Insights in 75 sogenannte Einhörner weltweit investiert. Darunter war kein einziges japanisches Exemplar. Das Angebot an jungen Unternehmen mit Bewertungen von mehr als 1 Milliarde US$ in Japan ist klein. Zwei sind bereits börsennotiert und damit kein Ziel für private Firmeninvestoren mehr. Damit bleiben gegenwärtig lediglich drei nicht börsennotierte Einhörner: Preferred Networks (Künstliche Intelligenz), Quoine (Fintech, Kryptowährungen) und SmartNews (App-Entwicklung).

In den USA haben hingegen 179 Start-ups, in China 93 Unternehmungen und in Indien 18 Firmen Bewertungen über der Milliarden-Messlatte. In Japan sind Start-ups eher klein, sind daher aber nicht weniger attraktiv, was ihre Innovationen anbelangt. Deshalb hat beispielsweise SAP Japan als Standort für seinen ersten Start-up-Accelerator in Asien ausgesucht. Mit seiner Start-up Initiative SAP.iO greift der deutsche Softwarekonzern seit Mitte 2019 jungen Unternehmen in Bereichen wie Automobil, Robotik und Biotechnologie unter die Arme.

Japan will mehr Start-ups hervorbringen

Japan will seine Start-up-Umgebung verbessern, damit das Land auf dem internationalen Radar für junge innovative Firmen stärker in Erscheinung tritt. Mit dem J-Startup-Programm hat das Wirtschaftsministerium das Ziel gesetzt, bis 2023 zumindest 20 Einhörner (auch börsennotierte) in Japan hervorgebracht zu haben (http://www.meti.go.jp/english/press/2018_06/0611_003_00.html).

Zudem hat der Council for Science, Technology and Innovation, der direkt der Regierung zuarbeitet, Mitte 2019 ein neues Ziel formuliert, das Japan als Start-up-Standort helfen soll. Im Land sollen auf nationaler Ebene zwei bis drei "globale Hubs" entstehen, um die Ansiedlung ausländischer junger innovativer Unternehmen zu unterstützen und die Internationalisierung japanischer Start-ups zu fördern. Die Entscheidung über die Standorte ist für 2020 angekündigt.

Dabei haben sich in Japan bereits einige Schwerpunktzentren für Start-ups entwickelt. Abgesehen von Tokyo sind beispielsweise Fukuoka (https://startup.fukuoka.jp) und Kobe (http://500kobe.com) etabliert. Eher japanisch geprägt ist die Kamakura, wo auf Initiative von einigen Start-ups das "Kamacon" (http://kamacon.com) als einheimisches "Silicon Valley" ins Leben gerufen wurde.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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