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07.02.2017

Kambodscha bleibt auf Wachstumskurs

Relative Stabilität der Fundamentaldaten / Von Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Kambodschas Wirtschaft dürfte 2017 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 7%. ähnlich gut abschneiden wie in den Vorjahren. Die Konjunktur wird getragen von Bekleidung, Dienstleistungen, Baugewerbe und Immobilien. Bei den Auslandsinvestitionen in Höhe von 2,1 Mrd. US$ dominierten 2016 die Nachbarländer in den Bereichen Verarbeitendes Gewerbe, Finanzsektor, Immobilien und Tourismus. Das Land will mehr und umwarb internationale Konzerne beim diesjährigen World Economic Forum.

Für die National Bank of Cambodia war die Wachstumsperformance im Jahr 2016 zufriedenstellend. Das BIP legte um 7,0% zu und bewegte sich damit im Rhythmus der fünf Vorjahre mit einer durchschnittlichen Zuwachsrate von 7,2%. Ausschlaggebend waren der hohe Bekleidungsexport, der Tourismus sowie das Baugewerbe vor dem Hintergrund einer hohen Immobiliennachfrage. Auch konnte die im Vorjahr vom Klimaphänomen "El Nino" beeinträchtigte Landwirtschaft wieder leicht zulegen - hauptsächlich Reis, Mais, Sojabohnen, Cassava und Gummi.

Im laufenden Jahr 2017 dürfte die Wirtschaft laut der Asian Development Bank (ADB) mit einem ähnlich hohen Ergebnis abschließen, und auch für die Folgejahre bleiben die Prognosen recht positiv. Ein wichtiger Faktor liegt in der Investitionstätigkeit und der engen Beziehung zur VR China. Kambodscha profitiert vom chinesischen Kapital für größere Infrastrukturprojekte im Rahmen der chinesischen Seidenstraßeninitiative OBOR (one belt, one rooad) beziehungsweise der von China geführten Asian Infrastructure Investment Bank.

Für ihre Zahlungsbilanz konstatierte die Zentralbank 2016 einen Überschuss von 5,7% gegenüber 3,7% im Vorjahr. Ursächlich seien der kontinuierliche Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen in Höhe von 10,7% des BIP und die Abschwächung des Handelsbilanzdefizits auf 7,2% des BIP (Güter und Dienstleistungen). Der Überschuss kräftigte die Position der Auslandsreserven auf 9,2 Mrd. $ (+25%), was einer Importdeckung von 8,9 Monaten entspräche.

In der Warenverkehrsbilanz stand 2016 laut der Schätzung der Economist Intelligence Unit (EIU) einem Export von 8,8 Mrd. $ ein Import von 12,3 Mrd. $ gegenüber, was ein Defizit von 3,5 Mrd. $ ergab. Bekleidung und Schuhe stellen den Großteil der Ausfuhr mit einem Anteil um 70%, und die Einfuhren bestehen - neben Kapitalgütern und Zwischenprodukten - überwiegend aus Vorprodukten für die CMP-Bekleidungsindustrie (cutting making packaging). Die wichtigsten Exportmärkte sind die USA, Hongkong, VR China, EU, Kanada und Vietnam; die meisten Importe kommen aus Hongkong, VR China, Taiwan, Thailand und Vietnam.

Die EIU prognostiziert bis 2020 einen Anstieg des Exports auf 14,3 Mrd. $ und des Imports auf 19,9 Mrd. $ und somit ein deutlich höheres Defizit von 5,6 Mrd. $. Große Hoffnungen werden auf Thailand gesetzt, mit dem sich der bilaterale Handel in der zweiten Jahrzehnthälfte auf rund 15 Mrd. $ verdreifachen soll, hieß es auf dem letzten "Thailand-Cambodia Business Forum".

Risiken aufgrund starker Orientierung am US-Dollar

Ein Handicap im Geld- und Währungsbereich bleibt die beträchtliche Umlaufmenge an US-Dollar, da die Einlagen in ausländischer Währung einen Anteil von 83% an der Geldmenge M2 repräsentieren. Eine stärkere Aufwertung der US-Währung könnte daher den Export beinträchtigen, während die eigene Geldpolitik relativ unwirksam bliebe. Die Inflationsrate soll mit 3% leicht höher ausfallen als im Vorjahr, während der Wechselkurs des kambodschanischen Riel relativ stabil bei 4.050 Riel zum US-Dollar bleiben soll.

Bei der Geldmenge M2 prognostiziert die Zentralbank 2017 einen Zuwachs um 19% infolge höherer Kredite an die Privatwirtschaft und dem wachsenden Überschuss in der Zahlungsbilanz. Die ausstehenden Kredite beliefen sich zu Jahresbeginn auf 17,6 Mrd. $ (+18,3%), während die Einlagen 15,4 Mrd. $ erreichten (+20,7%). Die Acleda Bank als die größte lokale Geschäftsbank bescheinigt dem Bankensektor eine hohe Solidität - der Anteil notleidender Kredite betrage lediglich 3,5% - und trage somit wesentlich zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei, heißt es.

Dagegen betrachtet die ADB die rapide Kreditvermehrung in Verbindung mit dem Immobilienboom als tendenziell wachsendes Risiko für den Finanzsektor. Mit verantwortlich sind die großen Kapitalzuflüsse für Geschäftsbanken und Mikrofinanzinstitutionen. Das Fiskaldefizit von 4,3% des BIP in 2016 dürfte sich tendenziell erhöhen, wird aber vom Internationalen Währungsfonds in Anbetracht des hohen Wirtschaftswachstums und der moderaten öffentlichen Verschuldung als weniger problematisch gewertet.

Wachsende Auslandsinvestitionen

Die ausländischen Direktinvestitionen sprangen 2016 um 25% auf 2,15 Mrd. $. Den Großteil absorbierte hierbei der Finanzsektor mit 539 Mio. $ vor dem Verarbeitenden Gewerbe (390 Mio.), Immobilien (370 Mio.), der Landwirtschaft (232 Mio.) sowie Tourismus & Gastronomie (228 Mio. $). Im Vergleich zum Vorjahr waren die Banken im Plus (+5,0%) aufgrund der Aufstockung der Kapitalreserven, während die Investitionen in die Industrie rückläufig waren (-13,7%). Nach Ländern war die VR China mit 511 Mio. $ der größte Investor vor Hongkong (237 Mio.), Vietnam (192 Mio.), Japan (185 Mio.) und Singapur (169 Mio. $).

Ausländische Investoren bleiben willkommen. Erstmals suchte Premierminister Hun Sen, die große globale Bühne des World Economic Forum in Davos für Investitionen in seinem Land zu gewinnen. Kein einfaches Unterfangen, steht Kambodscha doch im Korruptionsindex von Transparency International als das Schlusslicht der ASEAN auf Rang 156 von 176 Ländern weltweit recht unrühmlich da - mit einigem Abstand zu den Nachbarn Myanmar (136), Laos (123), Vietnam (113) und Thailand (101).

Im Mai dieses Jahres erhält die Regierung eine neue Chance zur Selbstdarstellung und Investorenwerbung. Dann wird Pnom Penh zum Austragungsort des "World Economic Forum on East Asia". Die Gesamtstimmung in der ehrgeizigen jungen Tigerökonomie dürfte aber überschattet sein von der politischen Verunsicherung im Vorfeld der nächsten Regierungswahlen im Frühjahr 2018 - was aus der Sicht der EIU auch den Tourismus beeinträchtigen könnte.

Laut Weltbank avancierte Kambodscha 2015 mit einem BIP pro Kopf von 1.070 $ in der eigenen Klassifizierung zum Status eines "Lower-Middle-Income Country". Indes lebt fast die Hälfte der rund 16 Mio. Einwohner an der Armutsgrenze, davon 90% im ländlichen Raum. Doch liegt die Mobilfunkdichte bei 95%, davon zur Hälfte Smartphones, besagt eine aktuelle Studie der Marktforschungsgesellschaft Mango Tango Asia.

Struktur der kambodschanischen Einfuhr (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)

SITC Branche 2014 2015 Veränd.
0-9 Insgesamt 9.702 10.669 10,9
5 Chemische Erzeugnisse 688 718 4,4
.54 Arzneimittel 157 167 6,4
65 Textilien 3.669 3.719 1,4
71-74 Maschinen 956 749 -21,7
75+76+776 Elektronik 268 267 -0,4
77 minus 776 Elektrotechnik 278 256 -7,9
78 Kfz 395 1.062 169,1
.781 Pkw 224 372 66,1
87 Mess-, Regeltechnik 51 59 15,7
774+872 Medizintechnik 29 32 10,3

Quelle: Comtrade; Berechnungen durch Germany Trade & Invest

(W.D.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kambodscha Außenwirtschaft, allgemein, Import, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Außenhandel / Struktur, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen

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