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15.03.2017

Kameruns Bergbau verharrt weiter im Dornröschenschlaf

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Riesiges Bergbaupotenzial / Großinvestitionen bleiben aus vielerlei Gründen aus / Von Carsten Ehlers

Jaunde/Duala (GTAI) - Kamerun verfügt über große Vorkommen von Mineralien. Gerade die industriell genutzten Mineralien Eisenerz, Bauxit, Mangan, Kobalt und Nickel liegen noch nahezu unberührt unter der Erde. In den letzten Jahren interessierten sich immer wieder Bergbaugesellschaften für ein Engagement in Kamerun. Derzeit ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht mit dem Start größerer Bergbauprojekte zu rechnen. Daher bleiben auch die Absatzchancen für Bergbautechnik weiter gering. (Kontaktanschrift)

Kamerun ist kein traditionelles Bergbauland. Bislang dominieren Kleinschürfer den Sektor. Eine industriell betriebene Mine sucht man vergeblich, weshalb bislang auch kaum Bergbautechnik nach Kamerun geliefert wird. Dies könnte sich schlagartig ändern, sobald sich eine Bergbaugesellschaft entschließen sollte, eines der zahlreichen großen Vorkommen auszubeuten. Kamerun verfügt über reiche Ressourcen unter anderem an Bauxit, Gold, Granit, Eisenerz und Nickel. Für diese interessierten sich während des letzten Rohstoffbooms zwischen 2002 und 2013 auch weltweit agierende Minengesellschaften. Es kam jedoch zu keinem Engagement und aufgrund der inzwischen wieder niedrigen Rohstoffpreise sieht es auch nicht danach aus, dass sich daran kurzfristig etwas ändern wird.

Größtenteils sind die Bodenschätze im Land noch gar nicht erforscht. Nur etwa 40% der Ressourcen sind nach Angaben aus dem zuständigen Ministère des Mines, de l'Industrie et du Développement Technologique bekannt. Die derzeitige Regierung sieht indes den Bergbau als Kernsektor der kamerunischen Produktion für die kommenden Jahrzehnte. Daher kommt in den kommenden Jahren der Ressourcenexploration eine recht hohe Bedeutung zu und wird politisch unterstützt.

Erdbewegungsmaschinen werden über Distributoren vertrieben

Zulieferer von Bergbautechnik haben Kamerun seit Jahren als Potenzialmarkt im Blick. Speziell Hersteller von Erdbewegungsmaschinen sind bereits in Duala über Distributoren wie DEM, CFAO oder Bia präsent. Die Distributoren haben ihren Hauptsitz in der Regel in Europa. Sie kennen den Markt und sind in vielen Ländern der afrikanischen Westküste präsent. Sobald es zu einem Bergbauprojekt in Kamerun kommt, wäre die Nachfrage nach Erdbewegungsmaschinen in jedem Fall hoch, weil sämtliche Vorkommen im offenen Tagebau abgebaut würden.

Hersteller von Erdbewegungsmaschinen und ihre Vertriebspartner in Kamerun
Baumaschinenhersteller Händler Kurzbeschreibung des Händlers
Hitachi DEM In nahezu allen Ländern Nord-, West- und Zentralafrikas aktiv, dort offizieller Vertreter unter anderem von Hitachi und Wirtgen. Existiert seit 2013 als DEM, davor Demimpex, früher ausschließlich Händler, heute bietet DEM den gesamten Service an. Hauptsitz ist in Brüssel.
JCB CFAO (Duala) In vielen Staaten Nord-, West- und Zentralafrikas vertreten, dort offizieller Vertreter unter anderem von JCB. Hauptsitz in Paris. Begann bereits 1887 unter dem alten Namen Compagnie francaise de l'Afrique occidentale.
Komatsu Bia (Duala) In vielen Staaten Nord-, West- und Zentralafrikas präsent, vertritt dort unter anderem Bomag und Komatsu. Bia ist ein belgisches Familienunternehmen mit mehreren Vertretungen auch in den Benelux-Ländern.
Caterpillar Tractafrik (Duala, Garoua, Jaunde) In mehreren Staaten Zentralafrikas vertreten, dort unter anderem offizieller Vertreter von Caterpillar. Hauptsitz ist in Paris.
Volvo SMT Exklusivhändler für Volvo mit Hauptsitz in Wavre (Belgien). SMT ist in Marokko, Algerien sowie in sämtlichen Ländern West- und Zentralafrikas vertreten.
Liebherr, Bell Kanu Equipment (Duala) In mehreren Ländern West-, Zentral- und des südlichen Afrikas als Vertreter unter anderem von Liebherr, Bell und Wirtgen präsent. Hauptsitz ist in Johannesburg.

Quelle: Recherche der GTAI

Von den im Bergbau bekannten größeren EPC-(Engineering-Procurement-Construction)-Kontraktoren ist noch niemand in Kamerun präsent. Allerdings könnten auch die großen in Kamerun ansässigen Baukonzerne wie Vinci oder Arab Constractors größere Minen errichten. International ist es üblich, dass Bergbaugesellschaften die Konzipierung, den Bau sowie die Beschaffung von Ausrüstungen für die Minen an EPC-Kontraktoren auslagern. Häufig beschaffen diese Firmen die Bergbautechnik direkt bei den Herstellern.

Virtual Mining: Geld fließt, die Mineralien aber bleiben liegen

Eine Reihe von Großprojekten im Bereich Bergbau sind in Kamerun seit einiger Zeit im Gespräch. Bei den meisten Vorhaben ist es jedoch völlig offen, ob und wann es zu einer Realisierung kommt. Fast immer befinden sich die Konzessionen in den Händen weitgehend unbekannter ausländischer Junior Miner. Für den Abbau jedoch bedarf es des Engagements von großen Bergbaugesellschaften, die sowohl über das Kapital als auch über das Know-how verfügen, derartige Großprojekte zu stemmen. Zu diesem Schritt ist es bislang bei keinem der zahlreichen Bergbaukonzessionen gekommen. Aufgrund der derzeit niedrigen Rohstoffpreise verhalten sich derartige potenzielle Investoren zurückhaltend.

So wechseln immer wieder mal Konzessionen gegen Geld von einem Junior Miner zum nächsten, ohne dass auch nur ein Stein bewegt wurde. Kritiker sprechen in diesem Zusammenhang von "virtuellem Bergbau" in Kamerun, mit dem sich die fast immer börsennotierten Konzessionäre ein gutes Auskommen erwirtschaften können. Daher ist es in Kamerun auch schwierig, Informationen über die Bergbauvorhaben zu erhalten. Die Entscheidungen werden von den Junior Minern in Australien oder Kanada getroffen und deren spärliche Pressemeldungen sind tendenziell geschönt, da der Aktienkurs nach oben getrieben werden soll. Vor diesem Hintergrund ist es gut nachvollziehbar, dass häufig auch die Experten im Bergbauministerium nur schlecht über die Projekte informiert sind.

Eisenerz: Mbalam-Großprojekt liegt weiter auf Eis

Das wohl größte geplante Bergbauprojekt ist die Ausbeutung der Mbalam-Eisenerzvorkommen im Osten des Landes. Aufgrund der niedrigen Eisenerzpreise verharrt das Projekt jedoch seit Jahren im Embryonalstadium. Konzessionär ist bislang nur die kapitalschwache australische Sundance Resources. Nachdem das Unternehmen 2012 vielversprechende Machbarkeitsstudien für Mbalam fertig gestellt hat, wartet es bis heute auf kapitalstarke Partner. Zuletzt sollte die China Gezhouba Group als EPC-Kontraktor die aufwändige Infrastruktur für die Mine bereit stellen. Dazu gehört eine Bahnlinie von der Mine in Mbalam zum Verschiffungshafen Kribi über 500 km sowie der Bau eines Eisenerzterminals in Kribi. China Gezhouba Group will das Projekt nach letzten Meldungen von Anfang 2017 nur bei höheren Eisenerzpreisen angehen. Zusammen mit der Mine werden die Baukosten auf etwa 5 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Noch schlechter stehen derzeit die Chancen für den Abbau des zweiten größeren Eisenerzreservoirs in Nkout. Afferro Mining, welches die Anteile an der Konzession in Nkout hielt, wurde kürzlich von der International Mining & Infrastructure Corporation (IMIC) übernommen. IMIC kündigte laut Pressemeldungen 2016 an, seine Anteile verkaufen zu wollen. In Nkout liegen angeblich Reserven in Höhe von etwa 700 Mio. t. Allerdings werden auch für dieses Reservoir eine Transportfaszilität von rund 300 km zum Verschiffungshafen in Kribi benötigt. Keine Rede mehr ist seit 2013 von den Plänen der chinesischen Sinosteel 660 Mio. US$ in den Aufbau einer Eisenerzmine in Lobe zu investieren. Lobe hätte logistische Vorteile, weil das Vorkommen nur etwa 40 km vom gerade im Bau befindlichen Tiefseehafen in Kribi entfernt ist.

Bauxit: Australischer Junior Miner bohrt in Birsok

Südlich von Ngoundéré, einer der größeren Städte im Zentrum Kameruns, befinden sich reiche Bauxitvorkommen. Die Konzession für die Vorkommen von Minim Martap und Ngaoundal hält seit Jahren die Cameroon Alumina Limited (CAL). CAL ist ein Joint Venture der indischen Hindalco Industries, Dubai Aluminum Company und der US-amerikanischen Hydromine. CAL plante die auf 555 Mio. t geschätzten Vorkommen im Rahmen einer Großmine (Abbaukapazität: 8,5 Mio. jato) abzubauen. Ein Teil sollte in einer in der Nähe geplanten Aluminiumschmelze verarbeitet werden. Seit 2010 hat man keine Neuigkeiten mehr von dem damals auf 4,6 Mrd. US$ geschätzten Projekts gehört.

In der Nähe der CAL-Konzessionen hat 2014 der australische Junior-Miner Canyon Resources die Explorationslizenz für die Birsok-Vorkommen erworben. Canyon Resources ist dabei, Bohrungen vorzunehmen. Mit dem Bauxit soll auch die Aluminiumschmelze in Edéa bedient werden, die jährlich etwa 95.000 t Aluminium herstellt, bislang aber von Bauxitimporten aus Guinea abhängt und ihre Kapazität derzeit bei Weitem nicht ausschöpfen kann.

Kobalt, Nickel und Mangan: Geovic gibt Nkamouna-Projekt auf

Im Südosten des Landes nahe der Grenze zu Gabun, der Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik gibt es vielversprechende Vorkommen von Kobalt, Nickel und Mangan. Auch hier findet bislang kein Abbau statt. Im Gespräch war über Jahre ein größeres Projekt in Nkamouna, bis 2014 der Hauptkonzessionär Geovic das Ende seiner Pläne verkündete. Das US-amerikanische Unternehmen hielt seit 2003 die Abbaulizenz. 2011 hat Geovic eine Machbarkeitsstudie abgeschlossen, begab sich dann vergeblich auf die Suche nach Partnern und Geldgebern für das 2010 auf 650 Mio. US$ geschätzte Großprojekt. Nach Angaben von Geovic handelt es sich bei Nkamouna um eines der weltgrößten Reservoirs von Kobalt mit ebenfalls großen Vorkommen an Mangan und Nickel.

Diamanten, Uran, Gold: Unruhen wegen illegalem Goldschürfen

2013 begann die koreanische C&K Mining mit dem Abbau von Diamanten in der Mobilong-Mine. Die Vorkommen wurden von C&K einst auf 416 Mio. Karat geschätzt, womit auch der Verkaufspreis der Abbaulizenz in die Höhe getrieben werden konnte. 2014 verkaufte C&K seine Konzession dann an ein chinesisch-US-amerikanisches Konsortium, welches den Abbau nun fortführt. Die kanadische Nu Energy Corporation (gehört zu Mega Uranium) explorierte ab 2010 in verschiedenen Regionen Kameruns nach Uran. Allerdings wurde das Bohrprogramm letztlich gestoppt, weil keine signifikanten Ressourcen gefunden wurden. Gold wird in kleinerem Stil entlang von Flüssen ebenfalls in dem Grenzgebiet der vier Staaten abgebaut. Laut Medienberichten kam es bereits zu Unruhen, weil chinesische Goldschürfer wilde Camps in den Schürfregionen errichtet haben.

Bekannte Rohstoffvorkommen in Kamerun
Rohstoff Ort Geschätztes Vorkommen
Nickel-Kobalt Lomie 225 Mio. t: 0,24% Co; 0,72% Ni, 1,22% Mn
Eisenerz Mbalam (Osten) 220 Mio. t: 60% Fe; 570 Mio. t: 35% Fe
Kribi (Südwest) 300 Mio. t: 30% Fe
Bauxit Minim-Martap 560 Mio. t: 43,7% A12O3; 1,8% Si; umfasst ca. 40 Plateaus
Ngoundal 120 Mio. t: 39,2% Al; 0,9% Si, umfasst 3 Plateaus
Fongo Tongo 70 Mio. t: 47% Al; 3,6% Si
Titan Akonolinga 3 Mio. t: 1% Titan
Uran Poli und andere 40 Arten: mehr als 26.000 t
Zinn Mayo Darle 17 identifizierte Fundorte
Gold Osten, Batouri Circa 150 identifizierte Fundorte
Diamanten Mobilong Mehrere Fundorte identifiziert

Quelle: Ministère des Mines, de l'Industrie et du Développement Technologique

Bergbaugesetz soll Investoren anlocken

Zuständig für die Rahmenbedingungen des Bergbaus ist von Regierungsseite das Ministry of Industry, Mines and Technology Development (MIMTD). Das MIMTD vergibt die Explorationslizenzen und die untergeordnete Abteilung Institute for Geological and Mining Research (IRGM) zeichnet sich verantwortlich für sämtliche Bergbauaktivitäten und soll die Minenaktivitäten kontrollieren. Das 2001 verabschiedete Bergbaugesetz (Code Minier) legte mehr Wert auf Attraktivität für Investoren als das sozialistisch geprägte Vorgängergesetz. Demnach soll der Staat höchstens 10% der Anteile an einer Mine halten können und das zu einem Preis, der vor Beginn der Aktivitäten festgelegt wird. Dies soll den Unternehmen bessere Planungssicherheit gewähren.

Abbaurechte vergibt der Präsident des Landes auf Empfehlung des Bergbauministers. Sie können bei maximal 25 Jahren liegen, allerdings können sie erneuert werden. Das Gesetz schreibt des Weiteren vor, dass 15% der Mineralien lokal weiter verarbeitet werden müssen. Damit wollte die Regierung Downstream-Investitionen, wie zum Beispiel Raffinerien für Eisenerz, Nickel oder Aluminium initiieren. Inwieweit sich Investoren auf die Einhaltung der Gesetze verlassen können, kann nur schwer gesagt werden. In Kamerun haben die Unternehmen nicht immer gute Erfahrungen mit der Verlässlichkeit der Regierung gemacht. Die Nagelprobe für den Bergbau steht indes noch aus.

Erwarteter Abtritt von Präsident Biya lässt Investoren vorerst zögern

Zusätzliche Unsicherheit für Investoren bringt der anstehende Regierungswechsel. Ende 2018 dürfte der seit 1982 regierende Präsident Paul Biya sich nicht erneut zur Wahl stellen und einem Nachfolger das Amt überlassen. Landeskenner rechnen damit, dass auch der neue Kandidat aus der Regierungspartei RDPC kommen wird. Damit stiege auch die Wahrscheinlichkeit eines geordneten Wechsels. Vor der Wahl im Jahresverlauf 2018 rechnen Beobachter mit deutlich steigenden Staatsausgaben, damit die Wähler positiv gestimmt werden. Private Investoren hingegen dürften sich in dieser Phase noch mehr zurück halten, als ohnehin schon. Sie warten lieber ab, bis feststeht, wer nach 2018 das Land regiert und mit wem man gegebenenfalls Beziehungen aufbauen muss.

Gute Beziehungen zur Regierung sind wichtig in Kamerun. Die hohe Einflussnahme des Staates auf die Wirtschaft in Kamerun wird als einer der Hauptgründe dafür gesehen, dass das Land wirtschaftlich seit langem hinter seinen Möglichkeiten bleibt. Die Interventionen sind gepaart mit einer stark aufgeblähten Administration sowie einem auch für afrikanische Verhältnisse hohen Grad an Korruption und Vetternwirtschaft. Im Doing Business Report der Weltbank rangiert das Land seit jeher auf einem der letzten Plätze. In Kamerun Geschäfte zu machen ist also teuer.

Infrastruktur für Großminen muss erst noch errichtet werden

Problematisch für potenzielle Bergbauprojekte in Kamerun ist auch die mangelhafte Infrastruktur. Hierbei spielen die Energieversorgung und der Transport die wichtigste Rolle. In beiden Bereichen zeichnen sich jedoch Verbesserungen ab. Durch den Bau einer Reihe von Wasserkraftwerken dürfte das Land seine Energieversorgungskapazitäten deutlich erhöhen. Sofern die Überlandleitungen dann auch die oft entlegenen Gebiete erreichen, in denen die Mineralienvorkommen liegen, dürften sich die Kosten für einen Netzanschluss in Grenzen halten. Bereits weit fortgeschritten ist auch der Bau des neuen Tiefseehafens in Kribi, in dem auch ein Mineralienterminal entstehen soll. Größte Herausforderung dürfte die Finanzierung einer Bahnlinie von den Eisenerzvorkommen in Mbalam zum etwa 500 km entfernten Kribi werden.

Kontaktanschrift

Ministère des Mines, de l'Industrie et du Developpement Technologie (MINIMIDT)

Immeuble Rose, Porte R 32, Yaoundé, Cameroun

Tel.: 00237 22/07 04 22, Fax: -22 38 71

Internet: http://www.minimidt.gov.cm

(C.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kamerun Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik, Bergbau- und Energierecht

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