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17.10.2019

Kanadas Northwest Territories haben viel ungenutztes Bergbau-Potenzial

Bessere Infrastruktur ist Schlüssel zum Erfolg / Von Daniel Lenkeit

Toronto (GTAI) - Der Norden Kanadas braucht Hilfe bei der Entwicklung seiner Infrastruktur. Für die Northwest Territories Kanadas ist dies der Weg, um ihre umfangreichen Bodenschätze anzuzapfen.

Kanada ist ein rohstoffreiches Land. Vor allem der Norden birgt in vielen Teilen ungenutztes Potenzial. Die Northwest Territories (NWT) gehören zu den führenden Bergbauregionen der Welt und sind bekannt für ihren Diamanten- und Goldabbau.

Aber das Angebot reicht sehr viel weiter - von Uran über Zink, Blei, Wolfram, Kupfer, Kobalt bis zu Lithium und seltenen Erden. Von neuen Bergbauprojekten träumen daher viele Bewohner und Politiker der NWT seit Jahren. Oft mangelt es an Investitionen. Die Wünsche der lokalen Bevölkerung reichen von momentan wenig realistischen Öl- und Gasförderprojekten in der Beaufortsee (hohe Explorationskosten, niedrige Ölpreise und seit 2016 fünfjähriges Explorationsmoratorium durch die Bundesregierung) über Telekommunikationsanschlüsse bis hin zum Abbau von Lithium.

Ein wichtiger Vorteil bei der Bearbeitung des NWT-Markts: Die Landrechte der indigenen Bevölkerung sind weitgehend geklärt, ebenso sind politische Beziehungen zwischen indigenen Regierungen im Territorium und der NWT-Regierung etabliert. Bei Projekten kann auf funktionierende Verfahren zur Abstimmung zurückgegriffen werden; die Interessen von Indigenen und NWT-Regierung an wirtschaftlicher Entwicklung sind gleichgerichtet. So ist mit einem relativ unproblematischen Planungsverfahren zu rechnen.

Bestätigungen über das vorhandene Bergbau-Potenzial der NWT gibt es regelmäßig und ausreichend. Lithium-Cäsium-Tantal-Pegmatite in den Gebieten um Yellowknife wurden beispielsweise schon Ende der 1970er Jahre entdeckt. Die steigende globale Nachfrage für das Leichtmetall führt nun zu mehr Interesse an den NWT-Vorkommen, und 2016 bestätigten fünf Gesteinsproben den hohen durchschnittlichen Grad (2,5 Prozent) der Lithiumoxide in den Pegmatiten rund um die Hauptstadt des Territoriums. Der Bergbau bildet eine wichtige Basis der gesamten Wirtschaft der NWT. Viele der hier vorhandenen Rohstoffe wecken globales Interesse, doch bremst die mangelhafte Infrastruktur im Norden Kanadas deren Produktion oft aus.

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Bedarf an Ganzjahresstraßen und lokalen Energielösungen ist hoch

Der Ausbau der Straßen- und Energienetze soll helfen, die Bodenschätze des Territoriums zu bergen und auf die Märkte zu bringen. Verbindungen zu und aus den vorhandenen Minen erfolgen momentan über sogenannte "ice roads" (Winterstraßen aus Eis). Das funktioniert nur für einige Monate im Jahr und die globale Erwärmung verkürzt den Zeitraum weiter, in dem die Bergbauoperationen über die ice roads versorgt werden können. Auch die Energieversorgung der Minen ist unwirtschaftlich und kompliziert, da sie in den meisten Fällen über Diesel gedeckt wird.

Siehe dazu auch http://www.gtai.de/MKT201910168000

Die NWT drängen auf mehr Ganzjahresstraßen und den Zugang zu effizienter, sauberer Elektrizität in abgelegenen Gebieten, vor allem um ihre Bergbauindustrie am Leben zu erhalten.

Es gibt dafür bereits konkrete, strategische Planungen. "Transformative" Infrastrukturprojekte werden sie genannt - wie der "Slave Geological Province Access Corridor" - eine 413 Kilometer lange, zweispurige Schotterstraße, inklusive Strom- und Telekommunikationsleitungen oder der Ausbau des Taltson Hydro Kraftwerks (von 18 auf 78 Megawatt). Sie würden der ressourcenbasierten Wirtschaft der NWT helfen, auch in Zukunft Bergbauprojekte attraktiv zu halten.

Sicher dürfte die Realisierung der beiden Großprojekte die ganze Wirtschaft der NWT beflügeln. Und obwohl ihre Umsetzung noch in der Ferne liegt, wurde kürzlich ein erster wichtiger Schritt getan. Die Lokalregierung und der Bund beauftragten im Sommer 2019 Planungsstudien und Umweltgutachten für beide Projekte - eine Investition von 31 Millionen US-Dollar (US$).

Deutsche Unternehmen als Projektpartner sehr willkommen

Nun sind die Planungskosten das eine, die Projektkosten gleichwohl eine andere Hausnummer. Der zweispurige Korridor durch die Slave Geological Province wird mit 800 Millionen US$ veranschlagt. Die Kosten der Taltson-Kraftwerkserweiterung werden auf über 1 Milliarde US$ geschätzt. Die kanadische Bundesregierung hat in ihrem 2019er Haushalt 13,5 Millionen US$ Förderung zugesagt und signalisiert Bereitschaft, ein wichtiger Partner im Projekt zu bleiben. Aber die NWT benötigen mehr Investitionen, auch internationales Engagement ist sehr willkommen.

Könnte sich Deutschland in der Entwicklung des kanadischen Nordens früh engagieren, insbesondere mit geologischen Studien, technischer Planung von Transportwegen für (tauende) Permafrostböden, Energieversorgung durch den Ausbau von Übertragungsnetzen beziehungsweise die Schaffung von lokalen Mikronetzen oder dem Bau von Tiefwasserhäfen für den LNG Export, würde es sich frühzeitig als verlässlicher Partner positionieren. Wenn die Infrastruktur einmal steht, könnte Kanada dann ein noch wichtigerer Lieferant von Rohstoffen werden.

Während einer Reise in die NWT wird schnell deutlich, wie sehr alle maßgeblichen Ministerien der Regionalregierung Interesse an vertiefter Kooperation mit Deutschland haben. Sie seien "open for business" und nicht nur die Bundesregierung in Ottawa, sondern auch europäische Partner und Unternehmen sollten mehr "Norden denken" als bisher. "Think North!", sagt der nun scheidende Ministerpräsident der NWT, Bob McLeod.

Von dem kürzlich verabschiedeten Arktisplan der kanadischen Regierung erwartet die NWT-Regierung neben Antworten auf soziale Probleme der nördlichen Gemeinden vor allem Kapital (1,5 Milliarden US$) für die Umsetzung der großen Infrastrukturprojekte.

Ein strategisches Interesse an der Entwicklung seines Nordens hat Kanada mehrfach bekräftigt und nun den umfangreichen Rahmenplan dafür entwickelt. Dieser soll den Ton angeben für die Entwicklung des Nordens. Doch das bisher bereitgestellte Geld aus Bundeskassen reicht nicht aus. Der neue Arktisplan der Regierung gibt den NWT neue Hoffnung. Mehr aber nicht.

Siehe dazu auch: http://www.gtai.de/MKT201910168004

PPP-Projekte gern gesehen

Aufgrund der enormen Kosten transformativer Infrastrukturprojekte in den NWT hofft die Regionalregierung neben mehr Unterstützung aus Ottawa darauf, das Instrument der Public-private-Partnerships (PPP) stärker zu nutzen. PPP haben sich, beispielsweise im Krankenhausausbau (Stanton Territorial Projekt, Yellowknife) oder bei Telekommunikationsinfrastruktur (Mackenzie Valley Glasfaserverbindung) bereits als erfolgreich erwiesen.

Von der Regionalregierung werden PPP-Projekte als effektives Mittel gesehen, um strategische Infrastruktur für die NWT zu schaffen, ohne dabei staatliche Kontrolle aus der Hand zu geben.

Ein umfangreicher Ausbau der Infrastruktur im Norden wird viele Jahrzehnte dauern. Der Schlüssel zur Realisierung liegt, wie so häufig, in der (fehlenden) Nachfrage. Wer kauft zum Beispiel die zusätzliche Energie aus einer Taltson-Kraftwerkerweiterung? Es bräuchte eine Mine und diese bräuchte eine Straße. Ein Teufelskreis, der wohl nur mit Hilfe staatlicher Impulse durchbrochen werden kann.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/kanada Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Regierung der Northwest Territories (NWT) http://www.gov.nt.ca/en/service-directory/business-economy Offizielle Regierungsseite - Wirtschaft
Öffentliche Ausschreibungsdatenbank NWT https://contracts.fin.gov.nt.ca/psp/fsprdsp/SUPPLIER/ERP/c/GNT_SS.GNT_LOGIN.GBL
Abteilung für Wirtschaftsförderung NWT http://www.iti.gov.nt.ca/en/services/contract-registry Industrieförderung
Canada's Arctic and Northern Policy Framework http://www.rcaanc-cirnac.gc.ca/eng/1560523306861/1560523330587 Arktisplan der Regierung

Weitere Informationen zu Kanada finden Sie unter: http://www.gtai.de/kanada

Dieser Artikel ist relevant für:

Kanada Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung

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Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

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