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23.03.2017

Kasachstan baut Kapazität seiner Häfen aus

Anstieg des Frachtaufkommens erwartet / Fährhafen Kuryk soll im April 2017 kommerzielle Tätigkeit aufnehmen / Von Fabian Nemitz

Almaty (GTAI) - Kasachstan erwartet in den kommenden Jahren einen Anstieg des Gütertransports über das Kaspische Meer. Dafür soll die Kapazität der Häfen bis 2018 auf 23,5 Mio. t pro Jahr steigen. Zuletzt war das Frachtaufkommen jedoch rückläufig. Der neue Fährhafen in Kuryk, rund 70 km südlich von Aktau, soll im April 2017 die kommerzielle Tätigkeit aufnehmen. (Kontaktanschriften)

Kasachstan rechnet in den kommenden Jahren mit einem wachsenden Transportaufkommen an seinen Häfen am Kaspischen Meer. Hoffnung geben das Ende der Iran-Sanktionen und der steigende Güterverkehr auf der Transkaspischen Internationalen Transportroute (TITR), die von der VR China über Kasachstan, das Kaspische Meer, Aserbaidschan und Georgien in die Türkei und nach Europa führt.

Die Regierung in Astana verfolgt das Ziel, die Kapazität der Seehäfen von 2016 bis 2018 von rund 19,5 Mio. auf 23,5 Mio. t pro Jahr auszuweiten. Der wichtigste Hafen Kasachstans ist der Hafen Aktau (Gebiet Mangystau). Betrieben wird er von der staatlichen Bahngesellschaft Kasachstan Temir Sholy (KTSh). Partner bei der Entwicklung ist das Unternehmen DP World aus Dubai.

Im Jahr 2016 wurde am Hafen Aktau ein neuer Terminal fertiggestellt: der Aktau Marine North Terminal (AMNT; http://www.amnt.kz). Betreiber des AMNT ist Aktauski Morskoi Sewerny Terminal. Dank der Inbetriebnahme hat sich die Kapazität des Hafens um 3 Mio. t auf 19,5 Mio. t erhöht. Neu hinzu kamen Abfertigungsanlagen für Getreide (1,5 Mio. t) und allgemeine Güter (1,2 Mio. t) sowie für Container (240.000 Stück). Aktuell verfügt der AMNT über drei Anlegestellen. Die österreichische Liebherr-Tochter Nenzing hatte 2015 vier Hafenmobilkräne nach Aktau geliefert.

Zahlreiche Projekte in Sonderwirtschaftszone Morport Aktau geplant

Der AMNT ist Teil der Sonderwirtschaftszone (SWZ) "Morport Aktau" (http://www.sez.kz), die 2003 in unmittelbarer Umgebung des Hafens auf einer Fläche von 2.000 ha eingerichtet wurde. In der SWZ haben sich bislang 14 Unternehmen angesiedelt. Zahlreiche weitere sollen in den nächsten Jahren hinzukommen. Eine Übersicht über Projekte in der SWZ finden Sie unter folgendem Link: http://www.sez.kz/ru/Zhobalar/proektu_na_stadi_realizasii

Güterumschlag am Hafen Aktau seit 2013 rückläufig

In den vergangenen Jahren ist das Güteraufkommen am Hafen Aktau allerdings stark gesunken. Ein Grund hierfür liegt im Rückgang bei der Verschiffung von Öl und Ölprodukten. Mit 12 Mio. t entfällt der größte Teil der Kapazitäten des Hafens auf vier Ölterminals. Negativ auf das Transportaufkommen wirkten sich auch der Konjunktureinbruch aus, im Zuge dessen die Importe Kasachstans von 2013 bis 2016 von 48,8 Mrd. auf 25,2 Mrd. US$ gesunken sind.

Entwicklung des Warenumschlags am Hafen Aktau (in 1.000 t)
2013 2014 2015 Jan.-Sep. 2016 Veränderung Jan.-Sep. 2016/Jan.-Sep. 2015
Warenumschlag insgesamt, darunter 10.081 10.267 5.897 4.149 -11,7
.Öl und Ölprodukte 6.283 5.954 3.521 1.723 -42,9
.Trockengut, darunter 3.797 4.312 2.376 2.425 44,0
..Metallwaren 718 1.229 1.071 1.070 24,7
..Getreide 527 686 501 407 68,2
..andere Güter 574 431 338 229 -12,3
..Fährtransporte 1.978 1.966 466 719 122,6

Quelle: Hafen Aktau

Verschiffung von Lkw mit hohem Wachstum

Für die ersten drei Quartale 2016 meldet der Hafen einen Rückgang des Güteraufkommens um 11,7% auf 4,15 Mio. t. Während der Umschlag von Öl und Ölprodukten weiter sank, konnte der Transport von Trockengut deutlich zulegen.

Einen rasanten Aufschwung verzeichnete dabei die Verschiffung von Lkw über das Kaspische Meer. Nach Aussage von Shenis Kassymbek, dem Minister für Investitionen und Entwicklung, wurden in den ersten drei Quartalen 2016 mehr als 10.000 Lkws transportiert. Das waren mehr als das Fünffache des Gesamtjahres 2015.

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch Einschränkungen bei Transporten über russisches Territorium gegen die Türkei (nach dem Abschuss eines Kampfflugzeugs im November 2015) und die Ukraine. Hinzu kamen Verbesserungen bei den Transport- und Abfertigungsbedingungen. Die durchschnittliche Abfertigungszeit hat sich dadurch von zehn auf vier Stunden verringert.

Hafen Kuryk soll im April 2017 kommerziellen Betrieb aufnehmen

Sollte sich der Aufschwung fortsetzen, wird der Hafen Aktau schnell wieder an die Grenzen seiner Kapazität für Fährtransporte kommen. Nach Aussage von Kassym Tlepow, dem Leiter der Abteilung für Seetransport im Ministerium für Investitionen und Entwicklung, liegt diese bei rund 2 Mio. t pro Jahr. Da eine Erweiterung des Hafens Aktau wegen des beschränkten freien Geländes nicht möglich sei, wurde der Bau eines neuen Fährhafens in Kuryk, rund 70 km südlich von Aktau, beschlossen.

Die Arbeiten am Hafen Kuryk hatten im April 2015 begonnen. Im Dezember 2016 wurde die erste Ausbaustufe fertiggestellt. Betreiber des Hafens, der im April 2017 die kommerzielle Tätigkeit aufnehmen soll, ist das zur kasachischen Eisenbahn gehörende Unternehmen Port Kuryk. Nach Aussage von Igor Prozenko, dem Leiter der Abteilung für Navigation, Kommunikation und IT, sollen in dem Hafen 2017 mindestens 540.000 t Güter umgeschlagen werden.

Die Fertigstellung des Hafens ist bis Ende 2017 anvisiert. Bis dahin sollen laut Prozenko ein weiterer Anleger, darunter für RoRo-Transporte, und der Bau von Molen abgeschlossen sein. Die Kapazität des Hafens werde künftig bei 5,1 Mio. t pro Jahr liegen. Der Staat unterstützt den Bau des Hafens im Rahmen des Wirtschaftsprogramms "Nurly Shol". Seit der Fertigstellung der 14 km langen Bahnstrecke Jersai-Borshakty verfügt der Hafen über einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. In den Jahren 2015 und 2016 hat KTSh insgesamt rund 60 Mio. $ in den Bau des Hafens investiert.

Künftig sollen am Hafen Kuryk eine Schiffsreparaturwerft, ein Werk für Metallkonstruktionen (TOO Jersai) und weitere Anlagen entstehen. Projektpartner beim geplanten Bau der Werft sind der staatliche Ölkonzern KasMunaiGas und die italienische Eni. Der Projektbeginn verzögert sich jedoch. Laut Angaben von Alik Aidarbajew, dem früheren Gouverneur des Gebiets Mangystau, hätten die Arbeiten bis Ende 2016 starten sollen. Grund für die Verzögerung ist der Verfall der Ölpreise. Der Bau der Werft ist Teil des Vertrags zur Erkundung des Offshore-Ölfelds Issatai. Dabei sehen die Bestimmungen vor, dass die Werft nur gebaut werden soll, wenn die Wirtschaftlichkeit des Ölprojekts gegeben ist.

Bau von neuem Versorgungshafen für Erweitung von Ölfeld Tengis

Seit November 2016 laufen die Arbeiten am Bau eines neuen Hafens in der Nähe der Öllagerstätte Sapadnaja Prorwa. Dies teilte der Bürgermeister des Rajons Shylyoi (Gebiet Atyrau) am 5.11.16 der Presse mit. Der Bau des Hafens steht in Verbindung mit den Investitionen in die Ausweitung der Förderung am Ölfeld Tengis. Die Produktion an der größten Lagerstätte Kasachstans soll von derzeit rund 27 Mio. auf 39 Mio. t pro Jahr ausgeweitet werden. Die Kosten hierfür werden auf fast 37 Mrd. $ geschätzt. Der neue Hafen dient der Belieferung der Baustellen. Wichtigster Versorgungshafen für die Ölindustrie in Kasachstan ist der rund 140 km nordwestlich von Aktau gelegene Hafen Bautino.

Investitionen in neue Schiffe und Navigationssysteme

Die Ziele des Staates für die Entwicklung der Häfen und des Seehandels sind im Programm "Nurly Shol" festgelegt. Demnach erwägt die Regierung bis 2020 den Kauf von vier neuen Schiffen, darunter zwei Fähren und zwei Frachtern für den Transport von Trockengut. Darüber hinaus sollen die Navigationssysteme in den Häfen auf den Standard der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation gebracht werden.

Alle Ausschreibungen veröffentlicht der Hafen Aktau auf seiner Internetseite unter folgendem Link: http://www.portaktau.kz/zakupki/zakupki-sposobom-tendera

Ausgewählte Zielwerte des Programms Nurly Shol
2016 2017 2018 2019
Kapazität der Seehäfen (in Mio. t) 19,5 21,5 23,5 23,5
Anteil der Häfen Aktau und Kuryk am Fähr- und Trockenguttransport im Kaspischen Meer (in %) 10 10 25 30

Quelle: Präsidentenerlass Nr. 389 vom 12.12.16

Kontaktanschriften

Seehafen Aktau

Abteilung für internationale Beziehungen

Tel.: 007 7292/44 54 72

E-Mail: HYPERLINK "mailto:aktauport@aktauport.kz" aktauport@aktauport.kz, Internet: HYPERLINK "http://www.portaktau.kz" http://www.portaktau.kz

Hafen Kuryk

Direktor: Herr Myrsabek Saktaganow

Leiter der Abteilung für Planung und Wirtschaft: Herr Duman Abdrachmanow

Tel.: 007 7172/61 02 14, Mobil: 007 776/14 41 44

E-Mail: kzduman@mail.ru

(N.M)

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Kasachstan Wasser-, Hafenbau

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‎+49 228 24 993 283

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