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22.05.2019

Kasachstan setzt auf die digitale Kennzeichnung von Waren

Pilotprojekt für Arzneimittel geplant / Von Jan Triebel

Almaty (GTAI) - Kasachstan folgt dem internationalen Trend zur digitalen Kennzeichnung von Waren. Nach Pilotprojekten für Pelz- und Tabakerzeugnisse könnte bald eines für Medikamente starten.

In Kasachstan hält die digitale Warenkennzeichnung Einzug. Erste Pilotprojekte und Testläufe mit verschiedenen Systemen zum Labeling und zur Nachverfolgung von Produkten gibt es bereits. Weitere sind vorgesehen.

Kennzeichnung von Medikamenten ohne kryptografischen Verifizierungscode

Von nationalem und internationalem Interesse ist insbesondere die Frage, welchen Weg Kasachstan bei Arzneimitteln einschlagen wird. Demnächst könnte ein Pilotprojekt zur Serialisierung von Medikamenten in Kasachstan starten, wie ein Vertreter des kasachischen Nationalen Expertisezentrums für Arzneimittel, Medizinprodukte und Medizintechnik (http://www.ndda.kz) Mitte April 2019 ankündigte. Ein konkreter Termin, wann die Testphase beginnen soll, wurde auf einer Veranstaltung des Projektbüros für Kennzeichnungsfragen bei der nationalen Unternehmervereinigung Atameken (http://atameken.kz) noch nicht genannt.

Fest steht, dass das Expertisezentrum, welches dem Ministerium für Gesundheitsschutz untersteht, die Pilotphase in zwei Etappen plant. Zunächst werden nur Importeure teilnehmen, die bereits mit DataMatrix-Codes (2D-Codes) zur Warenkennzeichnung vertraut sind. Firmen, die in Kasachstan Medikamente produzieren, sollen erst mit Beginn des zweiten Projektabschnitts dazu kommen.

Zudem wurde bekannt, dass sich Kasachstan auf einen reinen DataMatrix-Code festlegen wird und nicht dem Beispiel Russlands zur Arzneimittelkennzeichnung folgen will. Dort müssen nämlich die 2D-Codes, die auf den Medikamentenverpackungen angebracht werden, zusätzlich kryptografische Verschlüsselungselemente aufweisen. Kasachstan will auf diese - zumindest in der Testphase - verzichten. Dadurch sollen die Kosten des Vorhabens für alle Beteiligten niedriger gehalten werden.

Mehr Verbrauchervertrauen und weniger Graumarkt als Ziel

Weitere Kennzeichnungsmerkmale würden vor allem die Arzneimittelimporte aus Drittstaaten gefährden. Kasachstan ist in starkem Maße auf den Einkauf von Medikamenten im Ausland angewiesen. So gingen rund drei Viertel der Umsätze mit fertigen Arzneimitteln auf dem kasachischen Markt im Jahr 2018 auf das Konto von Importen aus Ländern außerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU).

Die Einführung einer digitalen Kennzeichnung von Medikamenten wird eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der verschiedenen Vertriebsstufen ermöglichen. Damit soll nicht nur das Verbrauchervertrauen gestärkt, sondern auch der Arzneimittel-Graumarkt eingedämmt werden. Das kasachische Finanzministerium rechnet derzeit zwischen 50 und 60 Prozent der Medikamente, die sich im Umlauf befinden, dem grauen Markt zu.

Umfassende Informationen liegen zurzeit noch nicht vor. Importeure und Vertreter ausländischer Pharmahersteller sind sich aber sicher, dass die digitale Kennzeichnung ihrer Produkte in Kasachstan verpflichtend werden wird. Gradmesser dürfte Russland sein, das seit Jahresbeginn 2019 die flächendeckende digitale Kennzeichnung für zahlreiche Warengruppen vorantreibt. Russland, das Kasachstans wichtigster Partner innerhalb der EAWU ist, führt aktuell einen Probelauf für Medikamente durch. Die Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel soll hier ab dem 1. Januar 2020 greifen.

Testlauf für Tabakwaren mit Russland

Erfahrungen mit digitalen DataMatrix-Codes zur Warenkennzeichnung konnte Kasachstan bereits bei einem Testlauf für Tabakwaren zwischen Anfang Oktober 2018 und Ende März 2019 sammeln. In Kasachstan beteiligten sich zunächst nur bestimmte lokale Produzenten. Ab Mitte Februar 2019 stießen dann ausgewählte Importeure von Tabakerzeugnissen hinzu.

Für den kasachischen Teil des Projekts lag die Zuständigkeit beim Komitee für Staatseinnahmen (http://kgd.gov.kz/ru/content/markirovka-i-proslezhivaemost-tabachnyh-izdeliy-1). Für die Erfassung aller Daten war die staatliche Aktiengesellschaft Zentr elektronnych finansow (https://ecc.kz) verantwortlich. Als technischer Dienstleister fungierte das halbstaatliche Telekommunikations- und IT-Unternehmen Kazakhtelecom (https://telecom.kz). Die Ergebnisse des Testlaufs werden derzeit noch ausgewertet.

Erfolgreiches Pilotprojekt für Pelzwaren

Außerdem nimmt Kasachstan an einem von der EAWU initiierten Pilotprojekt zur digitalen Kennzeichnung von Pelzwaren teil. Da das Land mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen hatte, konnte die Testphase zum geplanten Termin im Frühjahr 2016 nur in Russland und Belarus anlaufen. Kasachstan ist erst seit Ende November 2017 dabei.

Die Mühen haben sich jedoch gelohnt: In Kasachstan verdreifachten sich die offiziell registrierten Importe von Pelzwaren zwischen Ende November 2017 und Ende März 2018 - im Vergleich zu den entsprechenden Vorjahresmonaten. Den deutlichen Anstieg führen Beobachter auf die eingeführte Kennzeichnung zurück, die eine bessere Kontrolle des Warenumlaufs ermöglicht.

Dass mehr Pelze im Land legal gehandelt werden, bezeugt auch der hohe Zulauf für das Rückverfolgungssystem. Im Berichtszeitraum registrierten sich etwa 850 Akteure, die für mehr als 220.000 Bekleidungsartikel aus Naturpelz einen fälschungssicheren RFID-Tag beantragt haben. Dieser dient als digitales Kennzeichnungsmittel und ermöglicht die Rückverfolgung.

Technisch betreut die in Nur-Sultan ansässige Firma Isker Akparat (http://www.i-akparat.kz) den kasachischen Teil des Vorhabens. Zu Kooperationspartnern des Spezialisten für RFID-Systeme zählen auch die deutschen Unternehmen Mühlbauer Group und FEIG ELECTRONIC. Mit der Seite https://markirovka.gov.kz verfügt das Pilotprojekt über eine internetbasierte Plattform, auf der sich kasachische Teilnehmer anmelden, RFID-Tags beantragen und registrieren können.

Kennzeichnungspflicht für weitere Waren im Gespräch

In Kasachstan werden auch für andere Produkte und Warengruppen Systeme zur digitalen Kennzeichnung erwogen. Aktuell überlegt das Land, sich an einem EAWU-Vorhaben zur Kennzeichnung von Schuhen zu beteiligen, das Belarus angestoßen hat. Innerhalb der EAWU, zu der neben Kasachstan auch Russland, Belarus, Armenien und Kirgisistan gehören, besteht aktuell noch kein einheitliches System zur digitalen Warenkennzeichnung. Perspektivisch ist dessen Einführung aber geplant.

Zudem kursieren in Fachkreisen Ideen, die zunächst nur für den kasachischen Markt bestimmt sind. Hierzu zählen Hühnereier, für die bereits ein Pilotprojekt (https://track.dfo.kz/ru/qaztrack/qaztrack-help) konzipiert wurde. Dabei könnte die in Kasachstan entwickelte Software Qaztrack eingesetzt werden, die QR-Codes - eine weitere Modifikation der 2D-Codes - zur Rückverfolgung nutzt. Das System zielt auf die etwa 30 großen kasachischen Eierproduzenten ab, die den lokalen Hühnereier-Markt fest in der Hand haben. Der Anteil von Import-Eiern lag in den letzten Jahren in Kasachstan stets unter 1 Prozent.

Unter http://www.gtai.de/MKT201901288001 erhalten Sie Informationen zur digitalen Kennzeichnungspflicht in Russland.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kasachstan sind unter http://www.gtai.de/kasachstan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan, Weißrussland, Belarus, Russland Handel, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Textilien, Bekleidung, Leder, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika, Digitalisierung

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