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30.08.2019

Kasachstan wird als Drehscheibe auf der neuen Seidenstraße wichtiger

Zahl der Containerzüge im China-Europa-Verkehr wächst / Von Jan Triebel

Almaty (GTAI) - Die Einbindung Kasachstans in Chinas neue Seidenstraße kommt voran. Neben dem Ausbau des Straßen- und Schienennetzes fließt auch Geld in moderne Abfertigungsstellen an den Grenzen.

Kasachstan hat in den letzten Jahren für China deutlich an Bedeutung gewonnen. Umgekehrt spielt der Nachbar im Osten für Kasachstan seit längerem eine wichtige Rolle und ist bei Aus- wie Einfuhren jeweils zweitwichtigstes Partnerland. Auf China entfielen 2018 umsatzbezogen rund 10 Prozent der Ex- und 16 Prozent der Importe. Dank seiner umfangreichen Rohstofflieferungen erzielt Kasachstan seit Jahren einen Überschuss in der Handelsbilanz mit China. Die Entwicklung der bilateralen Umsätze ist aber eng an die schwankenden Preise für Energieträger und Metalle gekoppelt.

Aufgrund seiner günstigen geografischen Lage wird Kasachstan, der größte Binnenstaat der Erde, zunehmend zu einer wichtigen Drehscheibe für den Warenhandel Chinas mit Ländern in Europa und Westasien. Kasachstan spielt im Rahmen der "Belt and Road Initiative" (BRI) gleich für zwei Wirtschaftskorridore eine tragende Rolle.

Dabei handelt es sich um zwei der insgesamt sechs Komponenten des Seidenstraßen-Wirtschaftsgürtels, der die Landwege der BRI vereint: 1) die neue (oder zweite) eurasische Landbrücke mit den Endpunkten Lianyungang in der chinesischen Provinz Jiangsu und Rotterdam in den Niederlanden sowie 2) der China-Zentralasien-Westasien-Wirtschaftskorridor zwischen der autonomen Provinz Xinjiang im Westen Chinas sowie Iran und der Türkei.

Mehr als die Hälfte aller Güterzüge im Transit durch Kasachstan

Der Ausbau der kasachischen Verkehrsinfrastruktur ist in den letzten Jahren mit Blick auf die neue Seidenstraße vorangeschritten. Seit 2015 sind landesweit rund 12.500 laufende Straßen-Kilometer und mehr als 2.500 Kilometer Gleise neu entstanden oder umfassend saniert worden, wie Vizepremier Schenis Kasymbek Anfang Juli 2019 während einer Veranstaltung des Astana International Financial Centre (AIFC) in Nur-Sultan sagte.

Die Transportbranche verzeichnete vor allem beim Frachtaufkommen im Schienenverkehr spürbare Zuwächse. Kasachischen Medien zufolge wurden 2018 zwischen China und Europa und in Gegenrichtung auf allen bestehenden Routen insgesamt 6.363 Güterzüge gezählt. Mit einem Anteil von 56 Prozent nahm davon etwa jeder zweite Zug den Weg durch Kasachstan.

Lange Zeit hat die Russlandroute bei dieser Transportart die Nase vorn gehabt. Doch seit der Trockenhafen Khorgos Ende 2012 in Betrieb genommen wurde, wächst der Umschlag im Containerverkehr an der kasachisch-chinesischen Grenze deutlich. Mittlerweile wickeln international aktive Logistiker etwa zwei Drittel ihrer Containerfracht über das kasachische Schienennetz ab, laut Vizepremier Kasymbek. Bei den dafür eingesetzten Zügen betrug das Transitaufkommen des Landes laut offizieller Statistik im 1. Quartal 2019 rund 139.100 Standardcontainer (TEU) - ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Geld aus China für bessere Grenzabfertigung

Auch künftig wird mit einer steten Zunahme des Warenumschlags gerechnet. Während Khorgos hierfür gut gewappnet ist, erweisen sich die meisten anderen Abfertigungspunkte im grenzüberschreitenden Güterverkehr häufig noch als Nadelöhr. Um mittelfristig für Abhilfe zu sorgen, stellt China knapp 2,1 Milliarden Renminbi Yuan (RMB; etwa 293 Millionen US$; 1 US$ = 7,0433 RMB, Stand: 21. August 2019) bereit.

Für den Rahmenkredit gelten Vorzugskonditionen. Der Zinssatz liegt bei jährlich 2 Prozent. Die Darlehenslaufzeit beträgt 20 Jahre, die ersten fünf Jahre sind für Kasachstan tilgungsfrei. Kreditgeber ist die staatliche Export-Import Bank of China. Kasachstan ratifizierte die entsprechende Vereinbarung im Mai 2019.

Die Kreditmittel sind zweckgebunden und fließen ausschließlich in die Modernisierung von insgesamt zehn Terminals. Diese befinden sich an der kasachischen Grenze zu den Nicht-EAWU-Ländern China und Usbekistan und werden zur Abfertigung von Warenlieferungen genutzt. Hierzu gehören neben einem Terminal für Eisenbahntransporte (Dostyk) noch neun Grenzübergänge im Straßenverkehr, die erweitert und technisch aufgerüstet werden sollen. Geplant ist, die Abfertigungszeiten von derzeit durchschnittlich 60 auf 25 Minuten je Lkw zu senken und ihre Durchlassfähigkeit von aktuell zusammen etwa 450 auf 5.500 Lkw pro Tag zu erhöhen.

Um diese Ziele zu erreichen, wird Kasachstan überwiegend auf chinesische Ausrüstungen zurückgreifen. Die Kreditvereinbarung sieht vor, dass allein 70 Prozent der bereitgestellten Gelder in den Einkauf von Sicherheitstechnik des chinesischen Herstellers NUCTECH fließen, wie Alichan Smailow, Kasachstans erster Vizepremier und gleichzeitig Finanzminister, in einem Pressegespräch bestätigt hat. Ebenfalls chinesischen Ursprungs werden die an den Kontrollpunkten benötigten Ausrüstungen zur Desinfektion und Dekontaminierung der Lkw sowie die Software sein, die das Abfertigungsprozedere an der Grenze optimieren soll.

Wenig Platz für nicht-chinesisches Engagement

Überhaupt sind die Chancen in Kasachstan für nicht-chinesische Akteure, um bei Projekten zum Zuge zu kommen, die mit chinesischer Finanzhilfe verfolgt oder zukünftig umgesetzt werden, eher als gering einzuschätzen. Getreu der Devise "Wer zahlt, bestimmt die Musik" läuft es in solchen Fällen auf Auftragnehmer mit chinesischem Hintergrund hinaus. Das führt dazu, dass auch die benötigten Ausrüstungen und Materialien fast ausschließlich aus China bezogen werden. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich deutsche Firmen über ihre chinesischen oder kasachischen Dependancen einbringen können.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kasachstan können Sie unter http://www.gtai.de/kasachstan abrufen.

Unter http://www.gtai.de/seidenstrasse finden Sie zahlreiche weitere GTAI-Beiträge zum Thema neue Seidenstraße.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan, China Transport und Verkehr, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Seidenstraße

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