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31.10.2018

Kasachstans Hauptstadt macht sich für weiteren Zuzug fit

Astana baut neue Straßen und stellt bei Fernwärme auf Erdgas um / Von Jan Triebel

Almaty (GTAI) - Die Bevölkerung Astanas wächst auch langfristig deutlich. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, muss die Stadt neuen Wohnraum schaffen und die kommunale Infrastruktur ausbauen.

Die kasachische Hauptstadt Astana expandiert in vielerlei Hinsicht. Vor allem aber wächst die Bevölkerung. Um dem Zuzug auch langfristig gewachsen zu sein, müssen viele Bereiche der kommunalen Infrastruktur quantitativ wie qualitativ angepasst werden. Konkrete Maßnahmen beschreibt ein neuer städtischer Bebauungs- und Entwicklungsplan der kasachischen Regierung von Mitte September 2018. Nur wenige Tage zuvor hatte der Präsident des Landes, Nursultan Nasarbajew, einen neuen Akim (Gouverneur/Oberbürgermeister) für Astana bestimmt. Währen der alte Akim zum Leiter der Präsidialverwaltung aufstieg, ist sein Nachfolger zuvor Finanzminister des Landes gewesen.

Zwischen dem Jahr 2000 und heute hat sich Astanas Einwohnerzahl nahezu verdreifacht. Im Frühjahr 2017 wurde die Millionenmarke übertroffen. Und der Zuzug soll zunächst unvermindert anhalten, trotz der überaus rauen klimatischen Konditionen. Nach der mongolischen Metropole Ulan Bator gilt Astana immerhin als die zweitkälteste Hauptstadt weltweit. Bei einem durchschnittlichen Anstieg der Bevölkerung Astanas um jährlich 2,5 Prozent werden 2023 voraussichtlich 1,5 Millionen Menschen in der Stadt leben. Die Marke von 2 Millionen dürfte 2030 in Sichtweite kommen.

Wohnungen für 550.000 Zuzügler

Das starke Interesse an einem neuen Arbeits- und Lebensmittelpunkt mitten in der kasachischen Steppe hat vor allem mit Astanas Rolle als administratives Zentrum des Landes zu tun. Seit 1998 ist Astana bereits neue Hauptstadt Kasachstans. Die ehemalige Hauptstadt Almaty spielt hingegen weiterhin die Vorreiterrolle als wirtschaftlicher Dreh- und Angelpunkt und ist mit aktuell 1,83 Millionen Einwohnern deutlich bevölkerungsreicher.

Als Antwort auf die Frage, wo zukünftig all die Neubürger Astanas unterkommen sollen, nennt der neue Bebauungsplan mehrere noch unerschlossene Areale innerhalb der Stadtgrenzen. Laut der Stadtverwaltung Astanas (Akimat) könnten dort bereits bis 2023 neue Wohnungen für knapp 550.000 Menschen entstehen. Untrennbar damit verbunden sind neue Leitungen zur Trinkwasserversorgung mit einer Länge von 150 Kilometern sowie 81 Kilometer an neuen Abwasserkanälen.

Zudem ist vorgesehen, mehrere Kindergärten und 37 neue Schulen zu bauen sowie zehn bestehende Bildungseinrichtungen für insgesamt zusätzlich rund 63.000 Kinder zu erweitern. Im Gesundheitssektor ist gut ein Dutzend neuer Behandlungseinrichtungen geplant. Größenmäßig stechen eine Unfallklinik mit 500 Betten und ein Versorgungszentrum für Früh- und Neugeborene mit 250 Betten heraus.

Straßennetz wird ausgebaut

Im neuen Bebauungsplan nimmt außerdem die Verkehrsproblematik viel Platz ein. Vor allem im Berufsverkehr erweist sich die vorhandene Straßeninfrastruktur - aktuell 1.039 Straßen mit einer Gesamtlänge von gut 1.100 Kilometern - angesichts des wachsenden Verkehrs als unzureichend. Während der letzten Dekade hat allein die Zahl der registrierten Pkw in Astana um mehr als 100.000 auf zuletzt gut 266.000 (Stand: 1. September 2018) zugelegt. Und die Zulassungen dürften in den kommenden Jahren um jährlich 8 bis 9 Prozent steigen.

Mit intensiven Bauaktivitäten will die Stadt einem Verkehrskollaps entgehen. So sind etwa neue Straßen mit einer Gesamtlänge von 121 Kilometern geplant sowie drei Brücken, zwei große Straßenkreuze, eine Straßenüber-/-unterführung mit mehreren Ebenen und ein Stadttunnel. Für weniger Fahrzeuge im Stadtgebiet wird zudem eine bereits im Bau befindliche Ringstraße sorgen, die zukünftig vor allem den Transitverkehr aufnehmen wird.

Darüber hinaus soll ein verbesserter öffentlicher Personennahverkehr die Innenstadtviertel vom privaten Autoverkehr entlasten. In diesem Zusammenhang werden seitens des Akimats große Hoffnungen in die Astana-LRT-Stadtbahn gesetzt. Das seit 2016 verfolgte Projekt wird nach seiner Fertigstellung täglich annähernd 150.000 Passagiere befördern können. Mehr zu dem Stadtbahn-Projekt finden Sie unter: http://www.gtai.de/MKT201810118010

Astanas neuer Akim Bachyt Sultanow ist von einer Indienststellung der Stadtbahn im Jahresverlauf 2020 überzeugt, was mehrere Monate früher wäre, als ursprünglich geplant. Den Auftrag, für den sich auch Firmen aus Spanien, Frankreich und der Türkei interessiert hatten, führt ein Konsortium von drei chinesischen Unternehmen aus. Die gut 22 Kilometer lange Trasse mit insgesamt 18 Haltepunkten verbindet Astanas internationalen Flughafen Nursultan Nasarbajew mit Nur Sholy, dem neuen Knotenpunkt der Hauptstadt für den Eisenbahnverkehr.

Erdgas als Brennstoff hält in Astana Einzug

Unter energetischen und ökologischen Gesichtspunkten werden die nächsten Jahre für große Teile der städtischen Energieversorgung laut Bebauungsplan vor allem durch den Übergang zu Erdgas geprägt sein. Gegenüber den derzeit vor Ort noch verwendeten Brennstoffen - vor allem Steinkohle, vereinzelt Heizöl - könnte der Ausstoß gesundheitsgefährdender Schadstoffe so mittel- bis langfristig in Astana um etwa 30 Prozent reduziert werden.

Konkret betroffen sind die zentrale Fernwärmeversorgung sowie zahlreiche autonome Lösungen zur Bereitstellung von Heizwärme und Warmwasser. Das Akimat von Astana rechnet spätestens für das 1. Quartal 2019 mit der abschließenden Bestätigung der Dokumentation zur Bauplanung und zum Kostenvoranschlag für den ersten großen Projektabschnitt zur Gasifizierung Astanas.

In erster Linie geht es um die Versorgung mit Erdgas der beiden bereits seit längerem betriebenen Heizkraftwerke TEZ-1 (Indienststellung 1961) und TEZ-2 (1979) sowie des moderneren TEZ-3, an dessen erster Ausbaustufe derzeit noch gearbeitet wird. Im Zeitraum bis 2021 soll TEZ-3 aufgestockt werden - für Bau und Betrieb der zweiten Ausbaustufe wird eine öffentlich-private Partnerschaft angestrebt. Bei allen drei städtischen Heizkraftwerken soll es auch weiterhin technisch möglich sein, operativ auf die Befeuerung mit Steinkohle auszuweichen. Aktuell betreibt das kommunale Unternehmen Astana-Energy (http://astana-energy.kz) die drei Heizkraftwerke.

Startpunkte des für die Gasversorgung benötigten städtischen Netzes werden zwei Verteilerstationen sein. Sie speisen das Erdgas ein, das über die neue innerkasachische Gasfernleitung Sary-Arka nach Astana gelangt. Akimat-Schätzungen gehen von einem Bedarf der Hauptstadt von rund 400 Millionen Kubikmetern pro Jahr aus. Die Pipeline Sary-Arka wird aktuell auf einer Länge von 1.081 Kilometern zwischen den Städten Kysylorda, Sheskasgan, Karaganda und Astana verlegt.

Neben den Heizkraftwerken soll ebenfalls die Versorgung einer Reihe hauptstädtischer Wohnviertel mit Erdgas zeitnah ermöglicht werden. Dazu zählen anfänglich Shelesnodoroshnyi, Jugo-Wostok sowie Köktal 1 und Köktal 2. Weitere folgen bis 2023. Alles in allem dürften für die Gasifizierung Astanas Leitungen mit einer Länge von knapp 155 Kilometern zum Transport des Erdgases und fast 750 Kilometern zu dessen Verteilung an die Endabnehmer notwendig werden.

Kontaktadresse

Akimat g. Astany

(Akimat von Astana)

010000 Astana, Saryarka rai., ul. Beibitischlik 11

T +7 7172 556-484, -485, - 486

http://astana.gov.kz

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kasachstan sind unter http://www.gtai.de/kasachstan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kasachstan Urbanisierung, Stadtentwicklung

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‎+49 228 24 993 283

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