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06.11.2017

Katalonien ist der führende Industriestandort Spaniens

Starke Verflechtung mit anderen spanischen Regionen / Hohe Exportquote in die EU / Von Miriam Neubert

Madrid (GTAI) - Katalonien ist wirtschaftlich ein Schwergewicht, das 19 Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, ein Viertel der Warenexporte stemmt und im regionalen Finanzausgleich einer der drei Nettozahler ist. Doch hat die Abspaltungspolitik Folgen, da Hunderte katalanische Firmen ihren Hauptsitz im Oktober 2017 vorsorglich verlegten. Es profitiert die Region Madrid. Sie hat schon 2016 mit 18,9 Prozent ähnlich viel zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung beigetragen wie Katalonien.

Unter den 17 Autonomen Regionen des Königreichs Spanien hat Katalonien nach Andalusien die meisten Einwohner. Im Jahr 2016 waren es mit 7,4 Millionen 16 Prozent der Gesamtbevölkerung. Wirtschaftlich kann diese spanische Mittelmeerregion gleich mehrere Superlative verzeichnen. Sie zieht die meisten internationalen Touristen an (2016: 18,1 Millionen), die dort insgesamt die höchste Summe ausgeben (17,5 Milliarden Euro). Mit großem Abstand ist Katalonien der wichtigste Industriestandort und Exporteur. Der Wert der verkauften Produktion des katalanischen verarbeitenden Gewerbes betrug 2016 rund 85,3 Milliarden Euro. Das ist auf Spanien bezogen fast ein Viertel (23,3 Prozent) und mehr als der Wert der nachfolgenden Industrieregionen Andalusien und Valencia zusammen.

Nicht nur die Standorte der spanischen Chemieindustrie konzentrieren sich insbesondere in Tarragona und Barcelona: Fast die Hälfte der Branchenumsätze in Katalonien werden hier gemacht. Auch hat die Kraftfahrzeugindustrie mit der VW-Tochter SEAT den größten Autoproduzenten und einen der bedeutendsten Investoren des Landes vor Ort. Hinzu kommen die Nutzfahrzeugproduktion von Nissan und ein ausgeprägter Kfz-Zuliefersektor. Pharmabranche und Nahrungsmittelverarbeitung sind weitere wichtige Zweige des verarbeitenden Gewerbes.

Kataloniens wirtschaftliches Gewicht in Spanien 2016 1)
Region 2) BIP (laufende Preise in Mrd. Euro) Anteil am spanischen BIP in % Reale Veränderung des BIP 2016/15 in % BIP pro Kopf 2016/15 in Euro (Position) Verhältnis BIP pro Kopf regional/national in %
Spanien insgesamt, darunter 1.113,9 100 3,2 23.970 100,0
.Katalonien 211,9 19,0 3,5 28.590 (4) 119,3
.Region Madrid 210,8 18,9 3,7 32.723 (1) 136,5
.Andalusien 148,5 13,3 2,8 17.651 (18) 73,6
.Region Valencia 105,1 9,4 3,3 21.296 (11) 88,8
.Baskenland 68,9 6,2 2,8 31.805 (2) 132,7
.Galizien 58,0 5,2 3,4 21.358 (10) 89,1
.Kastilien-León 55,4 5,0 3,3 22.649 (8) 94,5
.Kanarische Inseln 42,6 3,8 3,5 19.867 13) 82,9

1) erste Schätzung; 2) regionale Auswahl nach höchstem BIP-Volumen 2016

Quelle: Spanisches Statistikamt INE

Wichtigste spanische Industrieregionen *)
Autonome Region Umsatz der Industrie in Mio. Euro Anteil am Gesamtumsatz in % Beschäftigte Anteil an der Gesamtbeschäftigung in %
Insgesamt Spanien, darunter 582.357 100,0 1.984.105 100,0
.Katalonien 131.950 22,7 443.493 22,4
.Andalusien 65.682 11,3 194.917 9,8
.Region Valencia 61.517 10,6 242.212 12,2
.Region Madrid 59.974 10,3 200.143 10,1
.Baskenland 56.082 9,6 174.970 8,8
.Kastilien-Leon 37.089 6,4 120.633 6,1
.Galizien 36.575 6,3 127.396 6,4

*) Kennziffern für das Jahr 2015

Quelle: Spanisches Statistikamt INE

Entsprechend groß sind die Exportleistung und die außenwirtschaftliche Vernetzung. Von den 148.800 exportierenden Unternehmen, die das spanische Wirtschaftsministerium 2016 zählte, sind ein Drittel katalanische, darunter auch viele dort ansässige Niederlassungen ausländischer Firmen. Nach Frankreich war Deutschland für Katalonien 2016 zweitwichtigster Partner auf der Exportseite. Beim Import steht Deutschland auf Rang eins. Zentraler Handelsraum ist die EU, in die rund 65 Prozent des katalanischen Ausfuhrwerts gehen und von wo 59 Prozent des Einfuhrwerts stammen.

Enge binnenwirtschaftliche Verflechtung

Aber nicht nur das Ausland ist ein wichtiger Abnehmer katalanischer Produkte. Auch der spanische Markt spielt eine große Rolle. Mit ihm sind die katalanischen Produzenten von der Ausfuhrseite her fast genauso eng verflochten wie mit der EU. Es ist dieser Binnenhandel, der einen hohen Überschuss aufweist, während der Außenhandel (Katalonien mit dem Ausland) einen starken Negativsaldo hat. Das Wirtschaftsprognosezentrum Ceprede schätzt Kataloniens Binnenausfuhr 2016 auf 38,9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die katalanischen Ausfuhren in die EU betrugen dem spanischen Wirtschaftsministerium zufolge 42,6 Milliarden Euro, also nicht einmal 9 Prozent mehr.

Folgt man diesen Zahlen, exportiert Katalonien in die Nachbarregion Aragon mit 9,7 Milliarden Euro ein Fünftel mehr als nach Deutschland (7,7 Milliarden Euro). Auf diese binnenspanische Vernetzung und die gegenseitigen Abhängigkeiten gehen die Propagandisten der Unabhängigkeit nicht ein. In einem Schreiben des inzwischen abgesetzten katalanischen Ex-Vizepräsidenten und Wirtschaftsministers Oriol Junqueras zu der "Situation der Wirtschaft in einem katalanischen Staat" vom 19. Oktober 2017 kam sie mit keinem Wort vor.

Wichtigste Warenexportmärkte Kataloniens im Handel mit dem Ausland (in Mio. Euro)
Destinationen 2015 2016
Spanische Exporte insgesamt 249.794 254.530
Katalanische Exporte 63.885 65.142
.EU 27 41.222 42.583
..Frankreich 9.281 10.460
..Deutschland 7.588 7.736
..Italien 5.538 5.932
..Portugal 4.563 4.366
..Vereinigtes Königreich 4.096 3.910

Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Wettbewerbsfähigkeit

Wichtigste Warenabsatzmärkte Kataloniens im spanischen Binnenmarkt *)

Destinationen 2015 2016
Spanischer Binnenmarkt insgesamt, darunter 39.497 38.861
.Aragon 9.867 9.709
.Region Valencia 5.091 5.010
.Region Madrid 4.117 4.051
.Andalusien 3.427 3.372
.Kastilien-La Mancha 2.873 2.826
.Baskenland 2.706 2.662
.Kastilien-Leon 2.074 2.041
.Balearen 1.998 1.966

*) Prognosen

Quelle: Datenbank C-Intereg, Ceprede

(M.N.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien Export, Import, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Wirtschaftsbeziehungen zur EU, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Konjunktur, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Produktion / Produktivität, Verarbeitende Industrie

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