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25.10.2016

Katar investiert deutlich zurückhaltender

Niedrige Energiepreise bremsen Investitionstätigkeit / Geringere Wachstumsaussichten / Von Katrin Pasvantis

Dubai/Doha (GTAI) - Katar stellt Projekte stärker als bisher auf den Prüfstand. Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Energiebremse schwächt die Investitionstätigkeit. Einige Projekte kommen langsamer voran, andere werden vertagt oder abgesagt. Priorität haben weiter Vorhaben für die Fußballweltmeisterschaft 2022, aber auch hier drohen Verzögerungen.

Große öffentliche Infrastrukturvorhaben treiben auch 2016 Katars Wirtschaft an, aber die Projekttätigkeit hat deutlich an Schwung verloren. Wegen der niedrigen Öl- und Gaspreise, konzentriert Katar seine Investitionen auf ausgewählte Bereiche. Priorität wird Projekten eingeräumt, die direkt im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft (WM) 2022 stehen sowie Projekten, zu denen sich das Emirat vertraglich verpflichtet hat oder die es aus sonstigen Gründen für unbedingt erforderlich hält. Andere Vorhaben werden dagegen immer öfter zurückgestellt. Dem Vernehmen nach soll es sich bislang weniger um unmittelbare Sparzwänge handeln, als vielmehr um budgetschonende Überlegungen angesichts der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Energiepreise.

Der Rotstift macht aber auch vor laufenden Projekten nicht halt, wie der plötzliche Baustopp für das Projekt IDRIS (Inner Doha Re-Sewerage Implementation Strategy) Ende Juni zeigte. IDRIS ist ein auf mehrere Milliarden US$ budgetiertes Projekt für ein neues Abwassersystem in der Hauptstadt. Ebenfalls im Juni warnte die Regierung vor möglichen Verzögerungen bei der Umsetzung der WM-Projekte.

Der Projektdatenbank des Middle East Economic Digest (MEED) zufolge wurden in Katar 2015 über alle Sektoren hinweg Aufträge im Wert von 30 Mrd. $ vergeben. In diesem Jahr fällt die Auftragsvergabe deutlich verhaltener aus. Bis Ende August 2016 beläuft sich der Wert der neuen Verträge nur auf 5,0 Mrd. $.

Geschäftsumfeld wird schwieriger

Unternehmensberichten zufolge ist es deutlich mühsamer geworden, Aufträge zu gewinnen. Dabei haben deutsche Unternehmen in einigen Bereichen, wie etwa dem Tunnelbau, noch Alleinstellungsmerkmale, und können dort weiter gut Geschäfte generieren. Insgesamt sei das Geschäftsumfeld aber schwieriger geworden.

Derzeit läuft die Auftragsvergabe für das 80.000-Plätze Stadium in Lusail, das größte der WM-Stadien. Die erste Phase des Ausbaus des internationalen Flughafens Hamad International soll noch 2016 fertig gestellt werden und der gesamte Ausbau passend zur WM abgeschlossen werden. Das größte bislang in diesem Jahr vergebene Projekt ist der 2,1 Mrd. $ Hauptauftrag für die Schnellstraße Al-Khor Expressway im August.

Thyssen-Krupp hat im August den Lieferauftrag für mehr als 500 Rolltreppen und Aufzüge für die Doha Metro gewonnen und Siemens lieferte im Frühjahr eine weitere Gasturbine für das Kraftwerk Umm al-Houl. Eine positive Bilanz zog der deutsche Großanlagenbau für 2015. Dem VDMA zufolge orderten Kunden aus Katar letztes Jahr Anlagen im Wert von 375 Mio. EUR (2014: 66 Mio. EUR).

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Geringeres Wachstum

Katar ist der größte Exporteur von Flüssiggas (LNG) weltweit und die Wirtschaft ist in hohem Maße vom Gasexport abhängig. Die meisten Analysten haben ihre Prognosen zum Wirtschaftswachstum wegen der niedrigen Öl- und Gaspreise und den in der Folge gedämpften Investitionen nach unten korrigiert. Katars offizielle Prognosen gehen für 2016 von einem realen Wirtschaftswachstum von 3,9% und für 2017 von 3,8% aus. Der Internationale Währungsfonds rechnet für beide Jahre mit einem Plus von jeweils 3,4%.

Im letzten Jahr legte Katars Wirtschaft real um 3,7% zu und damit nur etwas langsamer als 2014 (4,0%). Nominal brach das Bruttoinlandsprodukt (BIP) jedoch wegen der niedrigen Energiepreise um 20,6% ein. Es ist der erste Rückgang seit 2009. Das Pro-Kopf-Einkommen ist infolge des geringeren nominalen BIP ebenfalls kräftig, um ein Viertel, zurückgegangen.

Einige staatliche und private Unternehmen haben bereits Tausende ausländischer Arbeitnehmer entlassen. Betroffen sind vor allem der Öl- und Gassektor und die Baubranche, aber auch andere Sektoren sind unter Druck geraten. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung und ein geringeres Bevölkerungswachstum haben das Konsumklima eingetrübt.

Deutsche Exporte nach Katar steigen

Trotz der schwächeren Wirtschaftslage und rückläufigen Importen bleibt die Nachfrage nach deutschen Lieferungen hoch. Während Katars Statistik für 2015 einen Rückgang der Gesamtimporte um knapp 9% ausweist, stiegen die deutschen Exporte in das Emirat laut Eurostat um 3% in 2015 und im ersten Halbjahr 2016 sogar um 39%. Besonders stark gestiegen ist der Lieferwert bei Maschinen und Ausrüstungen für die Stromerzeugung (+230%; SITC 71) sowie Fahrzeugen für den Transport von Waren und Spezialfahrzeugen (+149%; SITC 782).

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Quelle: Eurostat

Katar importiert vor allem Maschinen und Fahrzeuge. Das spiegelt sich auch in den deutschen Lieferungen wider. Etwa die Hälfte des Lieferwertes entfällt auf Maschinen und Transportequipment. Deutschland zählt zu den wichtigsten Lieferländern Katars und war 2015 der katarischen Statistik zufolge auf Rang Vier (2,4 Mrd. $), nach der VR China (3,8 Mrd. $), den USA (3,6 Mrd. $) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (2,9 Mrd. $, vor allem Reexporte aus Dubai).

Außenhandel Katar (in Mio. US$; Veränderung in %)
2014 1) 2015 2) Veränd. 2015/2014 Q1 2016
Importe (fob) 31.145 28.496 -8,5 8.574
Exporte (fob) 126.955 77.294 -39,1 13.869
..Gas, auch verflüssigt (cif) 3) 21.484 10.604 -50,6 k.A.
..Erdöl, roh) (cif) 4) 86.040 50.523 -41,3 k.A.
..Re-Exporte (cif) 1.893 2.611 37,9 619
Handelsbilanzsaldo 95.809 48.798 -49,1 5.294

1) vorläufig; 2) Schätzung; 3) SITC 343; 4) SITC 333

Quellen: Qatar Central Bank, Ministry of Development Planning and Statistics

(K.P.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein

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