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10.04.2019

Katar legt neue Wasserprojekte auf

Erstes Klärwerk mit privaten Investoren geplant / Von Robert Espey

Dubai/Doha (GTAI) - Katars Wasserinfrastruktur verfügt noch über ausreichende Kapazitäten. Aber der Bedarf steigt schnell. Zusätzliche Wasser-, Klärwerke und Speicher sollen gebaut werden.

Katar gewinnt sein Trinkwasser im Wesentlichen aus Meerwasserentsalzungsanlagen. Der Wüstenstaat nahm 2018 die Um Al Houl Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb und sichert damit seine Trinkwasserversorgung vorerst. Um Al Houl kann täglich 0,62 Millionen Kubikmeter produzieren. Davon entfallen 0,35 Millionen Kubikmeter auf eine RO-Anlage (Reverse Osmosis) und 0,27 Millionen Kubikmeter auf eine MSF-Anlage (Multiple Stage Flash). Die zehn großen Entsalzungsanlagen des Landes verfügen nun über eine Gesamtkapazität von 2,4 Millionen Kubikmeter pro Tag (870 Millionen Kubikmeter jährlich).

Der Wasserverbrauch (Netzeinspeisung) dürfte spätestens 2020 die Marke von 700 Millionen Kubikmeter erreichen oder überschreiten. Angesichts der zahlreichen laufenden Entwicklungsprojekte - viele in Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft 2022 - wird sich der Verbrauchsanstieg danach sogar noch beschleunigen.

Der Nachfragezuwachs erfordert unter Berücksichtigung der Differenz zwischen Wassererzeugung und Netzeinspeisung eine Produktion von mindestens 720 Millionen Kubikmetern. Geschätzte 650 Millionen Kubikmeter waren es 2018. Im Zeitraum 2008 bis 2018 wurde die Trinkwasserproduktion bereits mehr als verdoppelt.

Wasserversorgung in Katar
Indikatoren 2008 2016 2017
Trinkwasserproduktion (Millionen Kubikmeter) *) 312 560 606
Trinkwasserverbrauch (Netzeinspeisung, Mio. Kubikmeter) 301 540 585
Meerwasserentsalzungsanalgen installierte Kapazität (Mio. Kubikmeter/Tag) 0,99 1,73 2,07
Wasserspeicher Kapazität (Mio. Kubikmeter) 2,08 5,84 6,7

*) Erzeugung der Meerwasserentsalzungsanlagen

Quelle: General Electricity & Water Corporation (Kahramaa)

Wasserversorger mit mehreren Großprojekten

Der Energie- und Wasserversorger Qatar General Electricity & Water Corporation (Kahramaa) will für 3 Milliarden US-Dollar (US$) im Industriegebiet Ras Abu Fontas ein neues Kraftwerks- und Meerwasserentsalzungsprojekt, Facility E genannt, bauen lassen. Die Entsalzungsanlage soll 0,38 Millionen Kubikmeter/Tag leisten.

Als Entwickler des BOOT-Projektes (Build Own Operate Transfer) haben sich JERA (Japan), die China Electric Power Construction Group, Mitsubishi, Mitsui & Co., Marubeni, Engie (Frankreich), Itochu und die Korea Electric Power Corporation präqualifiziert. Für den Bau des Kraftwerks sind Doosan Heavy Industries & Construction, General Electric, Siemens und Samsung C&T im Rennen. Als Projektberater ist Finnlands Pöyry tätig. Die Ausschreibung wird noch 2019 erwartet.

Kahramaa begann 2015 mit einem 8 Milliarden US$ Megaprogramm Water Security Mega Reservoirs Program und baut ein vernetztes System an Wasserreservoirs. Das Programm soll nach 20 Jahren abgeschlossen sein.

In der ersten Phase (Primary Reservoirs & Pumping Stations/PRPS) werden an fünf Standorten 14 Reservoirs mit einem Fassungsvermögen von jeweils 0,45 Millionen Kubikmetern und Pumpstationen gebaut. Die Reservoirs an den Standorten Umm Birka (PRPS 1, Baukosten 259 Millionen US$) und Umm Salal (PRPS 2, 259 Millionen US$) wurden 2018 fertiggestellt. Noch 2019 sollen die Bauarbeiten an den restlichen drei Standorten Rawdat Rashid (PRPS 3, 608 Millionen US$), Abu Nakhla (PRPS 4, 659 Millionen US$) und Al Thumama (PRPS 5, 659 Millionen US$) abgeschlossen werden.

Ein 650 Kilometer langes Pipeline-System (Rohrdurchmesser DN 900 bis 1.600) verbindet die Reservoirs und diese mit den Entsalzungsanlagen im Süden von Doha (Ras Abu Fontas und Facility D) sowie in Ras Laffan (nördlich von Doha). Für den Bau des Pipeline-Systems wurden Aufträge im Gesamtwert von über 1,2 Milliarden US$ vergeben. Mit Ausnahme eines Teilprojekts, das in Kürze abgeschlossen sein soll, ist das Pipeline-System im Wesentlichen fertiggestellt.

Noch mehr Wasserspeicher

Die erste Phase des Water Security Mega Reservoirs Program bringt zusätzliche Speicherkapazitäten von 6,36 Millionen Kubikmetern. Damit steigen die Kahramaa-Speicherkapazitäten von 4,39 Millionen im Jahr 2017 auf 10,75 Millionen Kubikmeter. Dies entspricht dem derzeitigen Durchschnittverbrauch von etwa sechs Tagen. Bis 2026 sollen die Speicherkapazitäten an den fünf Standorten um weitere 10,45 Millionen Kubikmeter erhöht werden. Entscheidungen über den weiteren Projektverlauf stehen allerdings noch aus.

Abwasserbehandlung reicht noch aus

Die sechs großen und 17 kleinen Kläranlagen des Emirats können nahezu das gesamte Abwasseraufkommen verarbeiten. Das aufbereitete Abwasser wird zur Bewässerung und zum Auffüllen der Grundwasserbestände verwendet.

Die Kapazitäten der Kläranlagen wurden von 2012 bis 2018 mehr als verdoppelt. Aktuell sind es 795.000 Kubikmeter pro Tag. Den stärksten Zuwachs brachte das 2016 eröffnete Klärwerk Doha North in Umm Slal Ali mit einer Leistung von 245.000 Kubikmeter pro Tag.

Mit dem Bau von Doha North wurde 2008 begonnen, die Inbetriebnahme erfolgte in zwei Phasen 2015 und 2016. Die Kosten einschließlich Pumpstationen, Pipelines und Trocknungsanlage für Klärschlamm betrugen 2,7 Milliarden US$. Keppel Seghers aus Singapur war für das Design und den Bau verantwortlich und erhielt einen Zehnjahresvertrag für den Betrieb des Klärwerks.

Privater Betreiber soll in eine Kläranlage investieren

Das wichtigste Projekt im Planungsstadium ist die Al Wakrah Kläranlage. Die für den Abwassersektor zuständige Qatar Public Works Authority (ASHGHAL, http://www.ashghal.gov.qa) möchte einen DBOT-Vertrag (Design, Build, Operate, Transfer) mit einer Laufzeit von 25 Jahren abschließen. Danach will ASHGAL die Anlage übernehmen. ASHGHAL möchte künftig möglichst viele Projekte dem Privatsektor übergeben.

Katar: Auswahl an Abwasserprojekten in der Planung 1)
Projekt Budget (Mio. US$) Projektstand 2)
Local Road & Drainage Program, Doha South: Treated Sewage Effluent D-Line 300 A
Al Wakrah And Al Wukair Sewage Treatment Plant 200 PQ
Doha Pumping Station & Outfall 150 FEED
Refurbishment & Upgrade of Pumping Stations 100 FEED
Integrated Industrial Wastewater Treatment Phase 1 100 A
Diversion for Sewage Flows from Doha South to Doha West 80 A
New Sewage Pumping Station PS25/9A(N) 50 FEED
Muaither, Al Mearad and Rawdat Abal Heeran Treated Sewage Effluent 40 ST
Diversion for Sewage Flows from Doha South to Doha West PS44 20 A
Pilot Ground and Surface Water Treatment Facility 15 PQ

1) Projektbetreiber ist die für den Abwassersektor zuständige Qatar Public Works Authority (ASHGHAL); 2) A = Ausschreibung, PQ = Präqualifizierung, FEED = Front End Engineering Design, ST = Studie

ASHGHAL präsentierte am 26. März 2019 in Doha das für das Al Wakrah PPP-Projekt (Public-private-Partnership) interessierten in- und ausländischen Unternehmen. Projektmanager Khalid Al Khayareen erklärte, die Kläranlage solle zunächst über eine Kapazität von 150.000 Kubikmeter pro Tag verfügen, die Infrastruktur müsse aber für eine spätere Erweiterung auf 600.000 Kubikmeter ausgelegt werden. Das 200 Millionen US$ Projekt umfasst auch eine Abwasser-Pumpstation mit einer Kapazität von 600.000 Kubikmeter pro Tag sowie eine TSE-Infrastruktur (Treated Sewage Effluent) mit Speichern und einer Pumpstation.

Unternehmen konnten bis zum 7. April 2019 Interessensbekundungen (Expression of Interest) einreichen. Eine Liste mit präqualifizierten Unternehmen wird Mitte 2019 erwartet und die Ausschreibung bis Ende 2019. ASHGAL hat PricewaterhouseCoopers als Financial Advisor, Mott MacDonald als Technical Advisor und Eversheds Sutherland als Legal Advisor engagiert.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Katar können Sie unter http://www.gtai.de/katar abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau, Abwasserentsorgung

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