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11.03.2019

Katar und Deutschland wollen enger zusammenarbeiten

Beide Länder möchten Handel wiederbeleben und mehr investieren / Von Thomas Hundt

Bonn (GTAI) - Wirtschaftsvertreter aus Katar und Deutschland sehen Möglichkeiten, den bilateralen Handel und Investitionen in vielen Sektoren auszuweiten.

Deutschland und Katar trafen sich am 19. Februar 2019 zur sechsten Sitzung der Deutsch-katarischen Gemischten Wirtschaftskommission. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Thomas Bareiß, und der Minister für Handel und Industrie von Katar, Al Kuwari, eröffneten die Sitzung.

Wirtschaftsvertreter aus beiden Ländern diskutierten Chancen in den Sektoren Energie, Digitale Technologien, Infrastruktur, Landwirtschaft, Lebensmittel, Gesundheit, Bildung, Sport und Kultur. Deutsche Unternehmen sehen in diesen Bereichen attraktive Chancen. Katar vergab 2018 den Hauptauftrag von Projekten im Gesamtwert von 11 Milliarden US$. Im Jahr 2019 könnten Projektbetreiber diese Summe sogar übertreffen, meinen Landeskenner.

Der Versorger Qatar General Electricity and Water schreibt derzeit beispielsweise einen 500 MW Solarpark, eine 2.500 MW Kraftwerks- und Meerwasserentsalzungsanlage, eine Waste-to-Energy-Anlage und andere Vorhaben aus. Die Auftragsvergaben befinden sich in verschiedenen Phasen.

Deutschland und Katar wollen bei der Digitalisierung und in der Logistik enger zusammenarbeiten. Vertreter des Telekommunikationsunternehmens Ooredoo wiesen darauf hin, dass es im Mai 2018 das weltweit erste 5G-Netz kommerziell in Betrieb genommen habe. Digitale Techniken wie autonome Fahrzeuge, die 5G-Datengeschwindigkeit benötigen, können also schon in Katar getestet werden.

Handel war 2018 rückläufig

Deutschland war 2017 nach den USA und China der insgesamt drittgrößte ausländische Lieferant des Emirats. Die deutschen Exporte kühlten sich 2018 allerdings um minus 38 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro ab. Sie brachen vor allem in volatilen Produktgruppen wie Yachten, Sportboote und geheim gehaltenen Warenpositionen ein, während die Ausfuhren von Maschinen und chemischen Erzeugnissen zulegten.

Die Einfuhren aus Katar schrumpften 2018 um 11 Prozent und beliefen sich auf 318 Millionen Euro. Petrochemische und chemische Produkte machen knapp 60 Prozent der Importe aus. Der Importanteil von Gas beträgt indes nur 3 Prozent, obwohl Katar als der weltgrößte Exporteur von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) gilt.

Die Gasbranche bietet verschiedene Expansionsfelder. Zum einen wird der Konzern Qatar Petroleum bis 2024 die Kapazitäten für die LNG-Herstellung von 77 Millionen auf 110 Millionen Tonnen erweitern. Zum anderen will Deutschland im Jahr 2022 sein erstes LNG-Import-Terminal in Betrieb nehmen und künftig mehr Flüssigerdgas aus Katar beziehen.

Abkommen über Freihandel und Doppelbesteuerung in der Warteschleife

Die Bedingungen für Handelsgeschäfte könnten noch besser sein. Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (FTA) zwischen der Europäischen Union sowie der Zollunion des Golf-Kooperationsrats (GCC), dem Katar angehört, wurden 2008 ausgesetzt. Der GCC hatte damals sämtlichen FTA Verhandlungen gestoppt.

Katar unterzeichnete im Dezember 2018 das OECD-Abkommen zur Bekämpfung aggressiver Steuerplanung, das eine faire Besteuerung grenzüberschreitend tätiger Unternehmen ermöglichen soll (siehe auch https://bit.ly/2J5efTQ ). Ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Katar und Deutschland würde die Geschäftspraxis noch stärker vereinfachen. Steuerexperten sollen nächste Verhandlungsschritte eruieren, denn immer mehr Firmen und Arbeitnehmer erzielen in beiden Ländern Einkünfte.

Unternehmensvertreter können ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge auf einer neuen Plattform einbringen. Beide Länder riefen im September 2018 die Arbeitsgruppe German-Qatari Joint Task Force for Trade and Investment ins Leben, welche die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Katar koordiniert (https://vae.ahk.de/laender/katar ).

Die Investitionsbeziehungen werden weiter ausgebaut

Mehr als 300 deutsche Unternehmen sind in Katar tätig. Um den Standort für ausländische Investoren attraktiver zu gestalten, hat der Emir von Katar, Sheikh Tamim bin Hamad al-Thani, im Januar 2019 ein neues Investitionsgesetz unterzeichnet. Demnach dürfen Ausländer künftig 100 Prozent der Anteile an einer katarischen Kapitalgesellschaft in den meisten Branchen halten (siehe auch https://bit.ly/2C7mBo2).

Das Emirat wiederum will zum größten arabischen Investor in Deutschland aufsteigen. Der Staatsfonds Qatar Investment Authority und private Investoren halten Anteile an großen Aktiengesellschaften. Katar kündigte im September 2018 an, dass es seine Investitionen in Deutschland von 25 Milliarden auf 35 Milliarden Euro aufstocken werde. Neue Geschäftsfelder sollen auch verstärkt über Partnerschaften mit kleinen und mittleren Unternehmen erschlossen werden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Katar können Sie unter http://www.gtai.de/katar abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Außenwirtschaftspolitik, allgemein

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Thomas Hundt

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