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10.04.2019

Katar will neue Kraftwerke bauen lassen

Erstes großes Solarprojekt und andere Vorhaben werden ausgeschrieben / Von Robert Espey

Dubai/Doha (GTAI) - Der Stromverbrauch in Katar steigt. Chancen für Energie- und Solarprojekte sind gut. Das Emirat möchte sich im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft im Klimaschutz profilieren.

Katar will bis 2030 den Anteil der erneuerbaren Energien (EE) an den Kraftwerkskapazitäten auf 20 Prozent erhöhen. Solar und Waste to Energy (WTE) Projekte haben bisher einen mageren Anteil an den Kraftwerkskapazitäten von 0,4 Prozent. In anderen Ländern des Gulf Cooperation Council (GCC) lag die Quote Ende 2018 zwischen 0,1 Prozent (Bahrain) und immerhin 2 Prozent in den Vereinigten Arabischen Emiraten, so die Berechnungen der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA).

Stromverbrauch steigt stetig, Kraftwerkskapazitäten auf 11 Gigawatt erhöht

Die Spitzenlast in den sehr heißen Sommermonaten in Katar verdoppelte sich von 2008 bis 2018. Im Sommer 2018 wurden über 8 Gigawatt erreicht. Gleichzeitig wuchs in den zehn Jahren die Stromerzeugung von 21.616 auf geschätzte 48.000 Gigawattstunden.

Katar verfügt über immense Erdgasvorkommen, daher erzeugen gasbetriebene Kraftwerke nahezu den gesamten Strom. Mit der Fertigstellung des Umm Al Houl Kraftwerks im März 2019 verfügt das Emirat über gasbetriebene Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 11,1 Gigawatt.

Katar: Entwicklung des Stromsektors
Indikatoren 2015 2016 2017
Stromerzeugung (GWh) 41.499 42.307 45.555
.pro Kopf/Jahr (kWh) 1) 17.141 16.288 16.869
Stromverbrauch (GWh) 38.852 39.667 42.806
Spitzenlast (MW) 2) 7.270 7.435 7.855
Minimallast (MW) 3) 2.320 2.410 2.600
Installierte Kraftwerkskapazitäten (MW) 8.561 8.559 10.170

1) der Pro-Kopf-Verbrauch ist sehr ungleich verteilt, einem hohen Verbrauch unter der einheimischen Bevölkerung steht ein geringer Verbrauch unter der ausländischen Bevölkerung (überwiegend asiatische Gastarbeiter) gegenüber; 2) wird in den heißen Sommermonaten erreicht; 3) wird in den Wintermonaten erreicht

Quelle: General Electricity & Water Corporation (Kahramaa)

Weitere Kraftwerke geplant

Die Qatar Electricity & Water Company (QEWC) ist der zentrale Akteur im Kraftwerksektor. Das Unternehmen ist mehrheitlich in Staatsbesitz. Der QEWC gehören vier Kraftwerke im Industriegebiet Ras Abu Fontas: Kraftwerk RAF A mit 497 Megawatt, RAF B 609 Megawatt, RAF B1 377 Megawatt und RAF B2 mit 567 Megawatt.

QEWC ist an anderen Kraftwerken des Landes mit einer Gesamtkapazität von 9.038 Megawatt beteiligt: Ras Laffan A (QEWC-Beteiligung: 80 Prozent; Kapazität: 756 Megawatt), Ras Laffan B (55 Prozent; 1.025 Megawatt), Ras Laffan C (45 Prozent; 2.730 Megawatt), Mesaieed Power Plant (40 Prozent; 2.007 Megawatt) und Umm Al Houl Power (60 Prozent; 2.520 Megawatt).

Der Netzbetreiber Qatar General Electricity & Water Corporation (Kahramaa) will in Ras Abu Fontas ein weiteres gasbetriebenes Kraftwerk, genannt Facility E, bauen lassen. Als Mindestkapazität sind 2.000 bis 2.500 Megawatt vorgesehen. Das Investitionsvolumen wird mit 3 Milliarden US-Dollar (US$) kalkuliert, einschließlich der Kosten für die 380.000 Kubikmeter/Tag Meerwasserentsalzungsanlage.

Als Projektentwickler von Facility E, die als BOOT-Projekt (Build Own Operate Transfer) realisiert werden soll, haben sich JERA (Japan), die China Electric Power Construction Group, Mitsubishi, Mitsui & Co., Marubeni, Engie (Frankreich), Itochu und die Korea Electric Power Corporation präqualifiziert. Für den Bau des Kraftwerks sind Doosan Heavy Industries & Construction, General Electric, Siemens und Samsung C&T im Rennen. Als Projektberater ist Finnlands Pöyry tätig. Die Ausschreibung wird noch 2019 erwartet.

Interessenbekundung für Müllheizkraftwerk läuft

Das bisher größte EE-Vorhaben in Katar ist ein 38 Megawatt WTE-Projekt. Es gehört zu einer im Jahr 2011 eröffneten Müllverwertungsanlage (Integrated Domestic Solid Waste Management Center/DSWMC) in der Industriestadt Mesaieed. Das DSWMC umfasst eine Verbrennungsanlage mit einer Tageskapazität von 1.500 Tonnen an Abfällen und ein 30 Megawatt Kraftwerk. Ein angeschlossenes Kompostierwerk stellt weitere 8 Megawatt an EE-Kapazität zur Verfügung.

Die QEWC forderte Mitte 2018 internationale Unternehmen zur Einreichung von Expression of Interest (EOI) Dokumenten für den Bau eines zweiten WTE-Kraftwerks auf dem Gelände der Mesaieed Müllverwertungsanlage auf. Marubeni soll zu den Interessenten gehören. Die Baukosten des DBO-Projekts (Design Build Operate) werden mit 100 Millionen US$ veranschlagt, die geplante Tageskapazität soll 1.500 Tonnen betragen. Die Ausschreibung wird in Kürze erwartet, die Fertigstellung der Anlage ist für 2022 anvisiert.

Solarprojekt nun mit guten Realisierungschancen

Die Kapazitäten aller derzeit installierten Fotovoltaikanlagen liegt nur bei 6 Megawatt. Die Stiftung Qatar Foundation (QF) ist mit insgesamt 3 Megawatt der größte Betreiber von Fotovoltaikanlagen, die sich auf dem Campus der QF befinden. Das National Convention Center hat außerdem 0,7 Megawatt an Dachanlagen installiert.

Auf den Gebäuden des weit fortgeschrittenen Stadtentwicklungsprojekts Msheireb soll die Installation von 5.200 Fotovoltaikmodulen mit einer Gesamtleistung von 1,2 Megawatt erfolgen. Das Sustainable Downtown Regeneration Project im alten Zentrum von Doha kostet insgesamt rund 6 Milliarden US$. Solarenergie wird zudem zur Erzeugung von Warmwasser genutzt.

Bis 2020 sollten eigentlich EE-Projekte mit einer Kapazität von 1.800 Megawatt am Netz sein. Katar diskutierte sein erstes großes Solarprojekt für einige Jahre. Die staatliche General Electricity & Water Corporation (Kahramaa) hatte vor sieben Jahren für 660 Millionen US$ ein 220 Megawatt Fotovoltaikprojekt vorbereitet. Das Projekt wurde dann aber 2016 aufgegeben.

Ein neues Fotovoltaikgroßvorhaben ist in Vorbereitung. Im Jahr 2017 gründeten die Qatar Electricity & Water Company (QEWC) und Qatar Petroleum das Joint Venture Siraj Solar Energy. Das Gemeinschaftsunternehmen will für 600 Millionen US$ in Al Kharsaah eine 500 Megawatt Fotovoltaikanlage errichten lassen. Für den ersten Bauabschnitt, der frühestens 2021 fertiggestellt werden dürfte, sind 350 Megawatt vorgesehen.

Das Präqualifikationsverfahren schloss im Herbst 2018 ab. Folgende Unternehmen dürfen sich demnach an der kommenden Ausschreibung beteiligen: Enel, Engie, Total, Innogy (Deutschland), Zorlu Enerji, X-Elio, CGL New Energy, Jinko Solar, Kepco, Hanwha Q Cells, Mitsubishi, Mitsui, Sojitz, Marubeni, Itochu und die Power Construction Corporation of China.

Die präqualifizierten Unternehmen wurden Ende Januar 2019 aufgefordert, die RFP-Dokumente (Request for Proposal) abzuholen. Mit einer Vergabe ist 2020 zu rechnen. Dem Vernehmen nach wurden als Projektberater Ernst & Young (Financial Adviser), DLA Piper (Legal Adviser) und Pöyry (Technical Adviser) engagiert.

Katar produziert Polysilizium für Solarmodule

Die Firma Qatar Solar Technologies erzeugt im Industriegebiert Ras Laffan hochreines Polysilizium, das zur Herstellung von Solarmodulen verwendetet wird. Ursprünglich war an QSTec die mittlerweile insolvente Bonner SolarWorld AG beteiligt. Aktuell sind die Anteileigner Qatar Solar (70 Prozent), die Qatar Foundation (29 Prozent) und die Qatar Development Bank (1 Prozent). Die QSTec Fabrik arbeitet mit Technologie der Centrotherm Photovoltaics AG aus Blaubeuren sowie von Siemens. Die Jahreskapazität beträgt rund 8.000 Tonnen (siehe auch http://www.qstec.com ).

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Katar können Sie unter http://www.gtai.de/katar abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-, Energieerzeugung, allgemein

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