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25.01.2018

Keine Reallohnerhöhungen in der Türkei 2018

Bedeutung von Erfolgsprämien und Zusatzleistungen nimmt zu / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (GTAI) - Die Reallöhne in der Türkei dürften in diesem Jahr stagnieren. Personalberatungsfirmen gehen bestenfalls von einer Steigerung der Gehälter in Höhe der Inflation aus. Für ausländische Firmen bedeutet der fortlaufende Wertverlust der lokalen Währung Personalkosteneinsparungen.

Die expansive Finanz- und Kreditpolitik der Regierung bewirkt, dass die Verbraucherpreise weit stärker steigen als erwartet. So erreichte die jährliche Teuerungsrate Ende 2017 rund 12 Prozent. Seit Ende 2017 geht die Inflation zwar aufgrund von Basiseffekten wieder zurück. Doch wird sie im Laufe des Jahres 2018 kaum unter 10 Prozent fallen. Da die meisten Firmen ihre Jahresbudgets und Kostenkalkulationen für 2018 bereits aufgestellt haben, bedeutet dies, dass die meisten Arbeitnehmer auf Realeinkommenszuwächse verzichten werden.

Die vom türkischen Wirtschaftsmagazin "Capital" veröffentlichte Zusammenstellung über die zu erwartenden Gehaltsspannen in den wichtigsten Berufsgruppen und Branchen geben einen guten Überblick über die aktuelle Vergütungsstruktur in der Türkei (zur Lohntabelle).

Hohe Inflation verhindert reale Einkommensverbesserungen

Die Präsidentin des türkischen Verbandes für Personalmanagement PERYÖN (http://www.peryon.org.tr) und die Human Resources Direktorin der STFA-Holding, Berna Öztinaz, erwartet für 2018 nominale Lohn- und Gehaltssteigerungen von 9 bis 10 Prozent. Wegen des verschärften Wettbewerbs am Markt und des Kostendrucks haben die meisten Unternehmen kaum Spielräume für Lohnerhöhungen, die über die Inflation hinausgehen.

Die voraussichtlichen Verlierer werden Angestellte im mittleren Management sein, so die Einschätzung des Türkei-Chefs und Firmenpartners Murat Yesildere der Personalentwicklungsgesellschaft Egon Zehnder (http://www.egonzehnder.com). Im Bereich der unteren Lohngruppen werden in vielen Fällen gar keine Steigerungen stattfinden - abgesehen von der gesetzlich vorgeschriebenen Erhöhung des Mindestlohnes. Dieser wurde zum 1. Januar 2018 um 14,2 Prozent auf 1.603 Türkische Lira netto (345 Euro; 1 Euro = 4,64 TL) angehoben.

Relativ hohe Lohnsteigerungen im IT-Sektor erwartet

Die Geschäftsführerin Ayse Nazmiye Uca des Unternehmens Datassist Turkey (http://www.datassist.com.tr) rechnet in den Branchen Bau, Banken und Versicherungen im Vergleich zu den letzten Jahren mit unterdurchschnittlichen nominalen Lohnerhöhungen, die sogar unter 9 Prozent liegen könnten. In der Arzneimittelindustrie dürften die Löhne höchstens um 12 Prozent steigen. Das Unternehmen Datassist erbringt für circa 350 Firmen Lohnbuchhaltungsdienste.

Demgegenüber rechnen Experten in der Kfz- und Zulieferindustrie sowie in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) mit überdurchschnittlichen Lohnanhebungen, die im IT-Bereich sogar 20 Prozent erreichen könnten. Um 2 bis 3 Prozent über dem Durchschnitt dürften nach den Worten der Geschäftsführerin von Oxygen Consultancy (http://www.oxygen-tr.com), Zeynep Dogrul Asa, auch die Löhne in der Energiewirtschaft, in der Petrochemie, im Bergbau und in der Metallindustrie steigen. Generell wird jedoch davon ausgegangen, dass die Lohndifferenzen zwischen den einzelnen Branchen tendenziell abnehmen werden.

Abkehr von Löhnen auf Devisenbasis bei internationalen Firmen

Die in der Türkei tätigen ausländischen Firmen zahlen in der Regel höhere Löhne und gewähren mehr Nebenleistungen als türkische Betriebe. Dies ist unter anderem damit zu erklären, dass internationale Unternehmen Gehälter in Euro oder US-Dollar festlegen, so dass die Arbeitnehmer von der Abwertung der lokalen Währung und damit von der Inflation weniger berührt werden.

Allerdings wächst nach Angaben der Personalentwicklungsgesellschaft Randstad (http://www.randstad.com.tr) wegen des steigenden Wettbewerbs am Markt die Neigung auch bei ausländischen Firmen, die Löhne auf einheimische Währung umzustellen. Mit der Abwertung der lokalen Währung wächst allerdings für internationale Firmen auch der Spielraum für Lohnanpassungen.

Die Tendenz nimmt zu, die Löhne mehr an individuelle Leistungen und Erfolge der Arbeitnehmer anzupassen. In vielen Firmen wird darüber diskutiert, ob Erfolgsboni zukünftig nicht nur bei Verkaufsabteilungen, sondern auch in anderen Unternehmensbereichen Anwendung finden sollten.

(N.B.)

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Türkei Arbeitsmarkt / Löhne / Ausbildung

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