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01.11.2016

Kenia ist ein wichtiger Wachstumsmarkt in Ostafrika

Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und Bildung / Unklare Sicherheitslage bremst Hoffnungen / Von Judith Geller, GIZ

Eschborn (GIZ) - Die Republik Kenia zählt noch immer zu den 50 ärmsten Ländern der Welt, liegt aber im Vergleich über dem Durchschnitt der Staaten in Subsahara-Afrika. Der Küstenstaat am Indischen Ozean verfügt über die führende Industrie der Region und ist ein wichtiges Transitland. Umfangreiche Öl- und Gasfunde und ein wachsender Dienstleistungssektor lassen auf wirtschaftlichen Aufschwung hoffen.

In den Tropen Ostafrikas gelegen, erstreckt sich Kenia auf einer Gesamtfläche von rund 580.367qkm beidseits des Äquators. Weite Teile des Küstenstaates sind mit Savanne bedeckt, im Nordosten erstreckt sich die Wüste Chalbi. Im Landesinneren erhebt sich der namensgebende Mount Kenya, mit 5.199m der zweithöchste Berg Afrikas. Das zentrale Hochland fällt im Westen zum Becken des Viktoriasees ab. Kenia verfügt über eine weltweit einzigartige Biodiversität, von der große Teile zum UNESCO Naturerbe zählen oder auf der Antragsliste stehen. Eine Fläche der Größe Bayerns ist allein mit Nationalparks und Reservaten bedeckt.

Weltberühmt ist beispielsweise das Naturschutzgebiet Masai Mara an der Grenze zum Serengeti Nationalpark in Tansania. Auf der Suche nach besseren Weidegründen wagen hier riesige Wildtierherden alljährlich den Sprung über den Marafluss - ein einzigartiges Naturschauspiel, das Kenia zu einem beliebten Reiseziel vor allem bei Safariurlaubern macht. Entsprechend ist der Tourismussektor eine der wichtigsten Einnahmequellen für das ostafrikanische Land.

Besonders rasantes Wachstum verzeichnen auch der Dienstleistungs- und Bankensektor Kenias, begünstigt durch den Handyboom der vergangenen Jahre und die Anbindung an Unterseebreitbandkabel. Nach wie vor leben jedoch rund zwei Drittel der Bevölkerung von der Landwirtschaft, die zu etwa einem Viertel des Bruttoinlandsproduktes beiträgt.

Im Norden grenzt Kenia an die Nachbarländer Somalia, Äthiopien und Süd-Sudan, im Westen an Uganda und im Süden an Tansania. In den Grenzregionen kommt es immer wieder zu Territorialstreitigkeiten, insbesondere mit dem nördlichen Nachbarn Somalia sowie rund um das Ilemi Dreieck, das der Süd-Sudan für sich beansprucht.

Angeheizt werden die Grenzkonflikte durch die jüngsten Entdeckungen umfangreicher Öl- und Gasfelder, von denen sich Kenia einen wirtschaftlichen Aufschwung erhofft. Konfliktpotential mit Uganda wiederum birgt die ungeklärte Staatszugehörigkeit der Insel Migingo. Der etwa fußballfeldgroße Felsen im Viktoriasee stellt einen strategischen Standort im Konkurrenzkampf um die wertvollen Fischvorkommen der Region dar.

Unabhängigkeit 1963

Von 1895 an stand Kenia 70 Jahre lang unter der Kolonialherrschaft Großbritanniens, seit seiner Unabhängigkeit am 12.12.63 ist das Land eine Präsidialrepublik. Der Staatspräsident wird vom Volk direkt gewählt und ist gleichzeitig auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Drei der bislang insgesamt vier Präsidenten des Landes wurden von der Kenya African National Union (KANU) gestellt, der Partei von Staatsgründer Jomo Kenyatta. Seit einer umstrittenen Wahl im Jahr 2013 leitet sein Sohn Uhuru Kenyatta die Amtsgeschäfte. (Stand: Oktober 2016)

Das politische Kenia des 21. Jahrhunderts ist geprägt von tiefgreifenden politischen Umbrüchen. Nach 39 Jahren an der Macht wurde die Kenya African National Union bei den Wahlen 2002 durch eine liberal-demokratische Regierungskoalition abgelöst. Bei den folgenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2007/2008 kam es nach Manipulationsvorwürfen zu massiven Unruhen im Land.

Als Konsequenz aus dem innerstaatlichen Konflikt wurde 2008 ein Verfassungsreferendum durchgeführt. Die neue Verfassung trat 2010 in Kraft und zielt vor allem auf Dezentralisierung der Machtbefugnisse und Stärkung des Parlaments ab, beinhaltet aber auch Ansätze zur Stärkung der Frauen- und Menschenrechte sowie eine Justizreform, die Korruption und Willkür begrenzen soll.

Regional gute Werte im Bildungsbereich

Von den etwa 45,5 Mio. Einwohnern sind knapp drei Viertel auf dem Land angesiedelt. Das jährliche Bevölkerungswachstum liegt bei etwa 1,9%. Besonders hoch ist die Bevölkerungsdichte in den fruchtbaren Gebieten, der trockene Norden des Landes ist hingegen weitgehend verwaist. In der Hauptstadt Nairobi leben nach offiziellen Schätzungen etwa 3,5 Mio. Menschen, viele davon in Slums, die zu den größten Armenvierteln der Welt zählen. Alleine die beiden größten beherbergen zusammen mehr als 1 Mio. Einwohner.

Im Zentrum medialer Aufmerksamkeit steht immer wieder das Flüchtlingslager Dadaab im Norden Kenias. In dem größten Flüchtlingscamp der Welt waren zeitweise geschätzt 650.000 Bewohner untergebracht, zumeist Kriegsflüchtlinge aus dem benachbarten Somalia. 1991 gegründet, hat es sich längst vom provisorischen Zeltlager zu einer Stadt mit festen Häusern und eigener Infrastruktur entwickelt. Wiederholte Bestrebungen der kenianischen Regierung, das Lager aufzulösen, sind bislang am Widerstand der Vereinten Nationen gescheitert.

Das Durchschnittsalter der Kenianer beträgt rund 19 Jahre, die Lebenserwartung liegt mit 61,6 Jahren deutlich höher als das Mittel der Länder in Subsahara-Afrika. Auch in Sachen Bildung ist Kenia einer der Spitzenreiter in der Region, mehr als 80%der Kenianer über 15 Jahren können lesen und schreiben. Offizielle Landessprachen sind Englisch und Swahili, letztere ist vor allem im Alltagsleben unverzichtbar. Die Gesellschaft Kenias ist sehr traditionsverhaftet. Spiritualität und Religion bilden einen festen Bestanteil nicht nur des privaten Lebens.

Die Kirchen zählen zu den einflussreichsten Organisationen der Zivilgesellschaft und auch Veranstaltungen im öffentlichen Rahmen werden oft mit einem gemeinsamen Gebet begonnen. Dabei bekennt sich mit etwa 70% die Mehrheit der Bevölkerung zu unterschiedlichen Konfessionen des Christentums, etwa 20% sind Muslime und weitere 10% hängen Naturreligionen an. Ein weiterer wichtiger Lebensaspekt ist der Sport, vor allem die Laufdisziplinen. Insbesondere auf den Langstrecken führen kenianische Läufer regelmäßig die Weltranglisten an und gewinnen olympische Medaillen.

Enge Zusammenarbeit mit westlichen Partnern

Während die Polizei als schlecht ausgestattet und teilweise unprofessionell gilt, wird die kenianische Armee von den internationalen Verbündeten als kompetenter Partner geschätzt und erfährt vor allem für ihr Engagement in UN-Friedensmissionen hohe Anerkennung. Auch an der Anti-Piraterie Mission Atalanta und Initiativen gegen den internationalen Terrorismus ist das Land beteiligt.

In Kenia befindet sich zudem einer der größten Stützpunkte der Vereinten Nationen, mit Zentralen des Siedlungsprogramms HABITAT und des Umweltprogramms UNEP in Nairobi. Bei den westlichen Partnern galt Kenia lange Zeit als Hort der Stabilität, trat immer wieder als Vermittler in Regionalkonflikten auf und wurde als logistisches und diplomatisches Zentrum genutzt, beispielsweise während des Bürgerkriegs in Südsudan und des Genozids in Ruanda.

Enge diplomatische Verbindungen bestehen insbesondere zu den USA und dem Vereinigten Königreich. Mit Deutschland pflegt das Land langjährige stabile Beziehungen. Auch aufgrund seiner Nähe zum Westen ist Kenia in den vergangenen Jahren vermehrt in den Fokus islamistischer Terroristen gerückt. So verübte die radikal-islamische Al-Shabab-Miliz aus Somalia wiederholt Anschläge auf kenianischem Staatsgebiet.

Kenia ist ein wichtiges Partnerland der deutschen Entwicklungspolitik. Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser- und Sanitärversorgung sowie im Aufbau eines Systems nachhaltiger Gesundheitsfinanzierung. Aber auch Bildung, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz stehen weiter im Fokus. Zudem unterstützt die Bundesregierung das Land bei der Korruptionsbekämpfung und im Rahmen der Sonderinitiativen "EINEWELT ohne Hunger" und "Fluchtursachen bekämpfen - Flüchtlinge reintegrieren". Die Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit greifen Ziele der "Vision 2030" auf, einer langfristigen Strategie der kenianischen Regierung zur sozioökonomischen Entwicklung.

Allgemeine und aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise erteilt das Auswärtige Amt: https://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/KeniaSicherheit.html

Kontaktanschriften

Botschaft der Republik Kenia

Markgrafenstraße 63, 10969 Berlin

Tel.: 0049 30 2592 66 0, Fax: 0049 30 25 92 66 50 49 30 25 92 66 50

E-Mail: office@kenyaembassyberlin.de ; Internet: http://www.embassy-of-kenya.de

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland

Nairobi Ludwig Krapf House Riverside Drive 113, Nairobi, Kenya

Tel.: 00254 20 426 21 00; Fax: 00254 20 42 62 12 9

E-Mail: info@nairobi.diplo.de; Internet: http://www.nairobi.diplo.de

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Kenia Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein

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