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19.07.2019

Kenias langer Weg zum Selbstversorger

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Deutsche Futtermittelverarbeitungsmaschinen gefragt / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Kenias Staatspräsident Uhuru Kenyatta verspricht seit Amtsantritt die Nahrungsmittelselbstversorgung des Landes. Doch wird die Liste der Missstände nicht kürzer - sondern länger.

Eine Million Menschen in Kenias trockenem Norden sind vom Hungertod bedroht und brauchen dringend Nahrungsmittelhilfe. Die Tiere in den großen Viehherden sind abgemagert und haben fast keinen Marktwert mehr. Noch im Januar 2019 gab es andere Bilder aus Kenia: Lastwagen voller Maiskolben, deren Fahrer zum Teil eine Woche warten mussten, bevor die staatlichen Lager die Mengen abnehmen konnten.

Der kenianische Staatspräsident Uhuru Kenyatta verspricht unterdessen seit seinem Amtsantritt im April 2013 die Nahrungsmittelselbstversorgung des Landes - bislang ein leeres Versprechen. Stattdessen steigen die Nahrungsmittelimporte: 2017 zuletzt auf 2,37 Milliarden US-Dollar (US$) - 2010 waren es noch 846 Millionen US$.

Damit Kenia in Zukunft zum Selbstversorger werden kann, braucht es: mehr künstliche Bewässerung, besseres Bodenmanagement, Einsatz von Düngemitteln, professionelles Saatgut, mehr Gewächshäuser, bessere Anbaumethoden, Minimierung der Verluste nach der Ernte, angemessene Lagerung und mehr Verarbeitung.

Öffentliche Hand überfordert

Seit ein paar Jahren wird in Kenia eine systematische Plünderung des Gemeinwesens beobachtet, so dass die öffentliche Hand ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen kann: Illegale Importe, minderwertige und zu spät gelieferte Düngemittel, unbrauchbares Saatgut, neue Straßen, die schon nach einem Jahr wieder kaputt sind, unbezahlte Farmer, ausgeplünderte Kooperativen und Staatsbetriebe - die Liste der chronischen Missstände ist lang. Zudem zeigt sich Kenia beim Thema künstliche Bewässerung völlig überfordert. Fertige Dämme bleiben ungenutzt oder dienen als Viehtränke oder zum Wäschewaschen. Beinahe täglich berichtet die kritische kenianische Presse über neue Missstände und benennt die Schuldigen mit Namen - aber verurteilt werden nur die "kleinen Fische".

Zudem wirken sich der Klimawandel, schlechte Agrarpraktiken und mangelndes Wasser negativ auf die landwirtschaftliche Produktion aus. Wenn es mal regnet, dann führt dies oft zu Überschwemmungen mit destruktiven Folgen. Infolge von Erbteilung werden zudem aus kommerziellen Familienbetrieben immer kleinere Subsistenzbetriebe. Durch Bebauung gehen weitere wertvolle Parzellen für die Landwirtschaft verloren. Und auch das ungebremste Bevölkerungswachstum gleicht jedes ökonomische Wachstum aus.

Anlieferungen von Nahrungsmitteln an institutionelle Ankaufstellen
Feldfrucht Einheit 2016 2017 *) Veränd. in %
Mais 1.000 t 265,8 239,2 -10,0
Weizen 1.000 t 215,9 156,9 -27,3
Kaffee 1.000 t 39,7 33,7 -15,1
Tee 1.000 t 473,0 439,9 -7,0
Baumwolle 1.000 t 15,8 11,9 -24,7
Zuckerrohr Mio. t 7,2 4,8 -33,2
Pyrethrum-Extrakt t 3,3 1,9 -42,4
Sisal 1.000 t 24,3 22,5 -7,4
Rohreis 1.000 t 38,1 30,4 -20,2

*) vorläufig

Quelle: Economic Survey 2018, Kenya National Bureau of Statistics

Grundnahrungsmittel aus lokaler Produktion

Bislang war Kenia das industrielle Zentrum Ostafrikas, eine Stellung, die allerdings schon bald Äthiopien einnehmen dürfte. Viele kenianische Produktionsbetriebe haben eine monopolartige Stellung oder profitieren von Absprachen mit anderen Wettbewerbern. Dies erschwert den Markteinstieg für ausländische Investoren. Eine Produktion vor Ort ist aufgrund der schlechten Infrastruktur sowie den vergleichsweise hohen Löhnen und Energiekosten zu teuer. Und mit Importen lässt sich in der Regel mehr Geld verdienen als mit einer eigenen Produktion.

Auf Expansionskurs sind derweil kenianische Firmen, die Grundnahrungsmittel für die breite Bevölkerung anbieten: Billiges Toastbrot aus importiertem Weizen, Öl und Margarine aus importiertem Palmöl sowie das kenianische Grundnahrungsmittel Maismehl. Dabei geht der Trend angesichts chronisch verstopfter Straßen zu einer dezentralen Produktion.

Kenianische Importe von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen (in Millionen US$)
HS-Code 2015 2016 2017
8422.30 Maschinen und Apparate zum Füllen, Verschließen, Versiegeln oder Etikettieren von Flaschen, Dosen, Schachteln, Säcken oder anderen Behältnissen; Maschinen und Apparate zum Verkapseln von Flaschen, Gläsern, Tuben oder ähnl. Behältnissen; Maschinen und Apparate zum Versetzen von Getränken mit Kohlensäure. 19,76 37,95 41,02
8422.40 Maschinen und Apparate zum Verpacken oder Umhüllen von Waren "einschl. Schrumpffolienverpackungsmaschinen" (ausg. Maschinen und Apparate zum Füllen, Verschließen, Versiegeln oder Etikettieren von Flaschen, Dosen, Schachteln, Säcken oder anderen Behältnissen sowie Maschinen und Apparate zum Verkapseln von Flaschen, Gläsern, Tuben oder ähnl. Behältnissen). 12,53 6,00 15,82
8437 Maschinen, Apparate und Geräte zum Reinigen, Sortieren oder Sieben von Körner- oder Hülsenfrüchten; Maschinen, Apparate und Geräte für die Müllerei oder zum Behandeln von Getreide oder Hülsenfrüchten; Teile davon (ausg. von der in der Landwirtschaft verwendeten Art, Warmbehandlungseinrichtungen, Zentrifugaltrockner sowie Luftfilter). 32,88 32,20 36,09
8438 Maschinen und Apparate zum industriellen Auf- oder Zubereiten oder Herstellen von Lebensmitteln, Futtermitteln oder Getränken; Teile davon (ausg. Maschinen und Apparate zum Gewinnen oder Aufbereiten von tierischen oder pflanzlichen Ölen oder Fetten). 63,23 69,15 91,55
Summe =SUM(ABOVE) 128,4 =SUM(ABOVE) 145,3 =SUM(ABOVE) 184,48

Quelle: International Trade Centre

Nach den noch vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2018 für 17,2 Millionen Euro Lebens- und Futtermittelverarbeitungsmaschinen nach Kenia, mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Namibia können Sie unter http://www.gtai.de/kenia abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kenia Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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