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31.05.2018

Kfz und -Teile: Briten liefern Waren im Wert von 21 Milliarden Euro in die EU

Großteil der Lieferungen geht nach Westeuropa

London (GTAI) - Das Vereinigte Königreich exportierte 2017 rund 21 Milliarden Euro an Straßenfahrzeugen und dazugehörigen Teilen in die Länder der Europäischen Union. Wichtigste EU-Abnehmerländer waren - hinter Deutschland - Belgien, Italien, Spanien, Frankreich und die Niederlande. Lesen Sie hier über Brexit-bedingte Absatzpotenziale in elf europäischen Ländern. (Kontaktadressen)

Für die britische Kfz-Industrie ist das Auslandsgeschäft essenziell wichtig. Acht von zehn im Vereinigten Königreich gefertigte Fahrzeuge gehen in den Export. In die Europäische Union (EU) liefert das Vereinigte Königreich pro Jahr rund 700.000 Fahrzeuge. Dazu kommen Autoteile wie Motoren, Bremsen und Karosserieteile, die im Rahmen der eng verzahnten europäischen Lieferketten oft mehrfach die Landesgrenzen überschreiten.

Britischer Export von Kfz-Teilen in die EU 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Britische Lieferungen in die EU
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 834,2
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 131,4
773.13 Kabelsätze 58,5
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 164,3
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 143,9
784.2 Karosserien (einschließlich Fahrerhäuser) 18,5
784.31 Stoßdämpfer 87,1
784.32 Andere Karosserieteile 382,6
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 667,7
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 378,8
784.35 Triebachsen mit Differential 152,3

Quelle: Eurostat

Die Partnerstaaten der EU nahmen dem Vereinigten Königreich 2017 rund 45 Prozent der Kfz und -Teileausfuhren ab und stellten sechs der größten zehn Exportzielländer. In die USA, das größte einzelne Abnehmerland, gingen mit 8,4 Milliarden Euro etwa 18 Prozent der britischen Lieferungen. Weitere wichtige außereuropäische Absatzmärkte waren China, Australien und Japan.

MKT201805308014.14

Beobachter rechnen im Falle eines "harten" Brexits damit, dass Pkw im Handel zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich mit 10 Prozent und Lkw mit 22 Prozent Zoll belegt werden könnten. Diese wären die Sätze nach den Regeln der Welthandelsorganisation. Außerdem würde es in den Häfen von Calais oder Dover wieder zu Grenzkontrollen von Lkw kommen, falls das Vereinigte Königreich die Zollunion verlassen sollte.

Ein besonderes Problem bilden Typgenehmigungen. Denn wenn das Vereinigte Königreich nicht mehr in der EU ist und keine besonderen Vereinbarungen getroffen werden, können Produzenten Kfz und -Teile mit einer Konformitätserklärung, die sich auf eine von der britischen Genehmigungsbehörde erteilte Typgenehmigung bezieht, diese in den EU-Staaten nicht mehr ohne Weiteres in den Verkehr bringen. Außerdem wären Behörden im Vereinigten Königreich nach dem EU-Austritt nicht mehr autorisiert, EU-Typgenehmigungen zu erteilen. Wenn sich Kfz-Teile, die in weitere Produktionsprozesse einfließen, zum Beispiel durch Zölle verteuern oder Lieferungen wegen Einfuhrformalitäten nicht mehr just-in-time erfolgen, können sich gravierende Folgen für die ganze Wertschöpfungskette ergeben. Fahrzeughersteller dürften dann auf Zulieferer aus anderen EU-Ländern ausweichen, unter anderem aus Deutschland.

Belgien: Kfz-Einfuhren aus Vereinigtem Königreich könnten nach Brexit zurückgehen

Im Jahr 2017 hat Belgien Straßenfahrzeuge im Wert von 45,7 Milliarden Euro importiert. Hieran hatte das Vereinigte Königreich mit 7,8 Prozent einen bedeutenden, jedoch geringeren Anteil als Deutschland mit 26,9 Prozent und Frankreich mit 11,6 Prozent. Auf dem belgischen Markt dominieren traditionell deutsche und französische Autobauer. Führender Anbieter war 2017 Renault mit einem Anteil von 9,3 Prozent an allen registrierten Neuwagen. Es folgten Volkswagen mit 9,2 Prozent, BMW mit 7,7 Prozent, Peugeot mit 7,7 Prozent, Opel mit 6,9 Prozent, Mercedes mit 6,9 Prozent, Audi mit 6,1 Prozent und Citroen mit 4,6 Prozent.

In Belgien selbst liefen 2016 etwa 399.000 Autos vom Band. Das waren erheblich weniger Fahrzeuge als noch zwanzig Jahre zuvor (1,2 Millionen Pkw). Dennoch ist die Kfz-Industrie einer der führenden belgischen Industriezweige, der 2016 etwa 6,7 Prozent des gesamten Umsatzes im verarbeiteten Gewerbe erwirtschaftet hat. Als Zulieferer spielen britische Unternehmen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Der Importanteil des Vereinigten Königreichs an wichtigen Kfz-Teilen lag in Belgien 2017 bei lediglich 2,7 Prozent. Dies war wesentlich geringer als die Einfuhrrate aus Deutschland mit 20,2 Prozent, Frankreich mit 7,5 Prozent und den Niederlanden mit 5,8 Prozent.

Insgesamt könnte sich der Marktanteil britischer Lieferanten sowohl von Straßenfahrzeugen wie auch von Kfz-Teilen durch den Brexit verringern, falls es danach zu erschwerten Einfuhrbedingungen in Belgien kommt.

Belgische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.21 bis .22 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 637,5 113,3 0,2
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 795,6 12,0 0,8
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 236,5 65,2 28,8
773.13 Kabelsätze 371,3 28,6 3,4
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 278,4 110,1 8,7
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 507,1 68,4 10,0
784.1 Fahrgestelle 28,1 1,3 3,1
784.2 Karosserien (einschließlich Fahrerhäuser) 238,9 2,6 0,1
784.31 Stoßdämpfer 183,8 39,8 14,3
784.32 Andere Karosserieteile 1.737,8 461,6 52,9
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 565,4 232,8 9,8
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 901,3 200,2 31,3
784.35 Triebachsen mit Differential 697,3 121,8 28,8

Quelle: Eurostat

Italien: Das Vereinigte Königreich ist in der Kfz-Branche schwach positioniert

Die italienische Kfz-Produktion wird vor allem durch die FCA-Gruppe geprägt. Durch die Fusion mit dem amerikanischen Chrysler-Konzern (dazu gehört unter anderem die Marke Jeep) wurde das Unternehmen in den letzten Jahren immer globaler in seinem Ansatz. In Italien werden neben den klassischen Marken Fiat, Alfa Romeo und Ferrari auch Autos der Marke Jeep hergestellt. Die weiteren weltbekannten italienischen Marken Lamborghini und Ducati gehören inzwischen zur Volkswagen-Gruppe. Deutschland bleibt als Zulieferer von Kfz-Teilen weit vorne. Seit circa zwei Jahren wächst die örtliche Kfz-Produktion nach der langen Krise wieder.

Aus dem Vereinigten Königreich kommen neben Dieselmotoren und Bremsen auch andere Karosserieteile, doch der Anteil ist im Vergleich zu Deutschland sehr niedrig. Auch hier könnten sich durch den Brexit, und entsprechende Verteuerungen, deutschen Lieferanten in geringerem Maße zusätzliche Chancen bieten.

Italienische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.21 bis .22 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 322,9 9,6 3,4
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 803,2 41,8 30,7
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 208,4 77,7 6,2
773.13 Kabelsätze 436,8 16,2 5,1
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 397,0 98,6 5,5
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 485,4 84,7 9,6
784.2 Karosserien (einschließlich Fahrerhäuser) 118,0 48,7 5,9
784.31 Stoßdämpfer 137,8 40,2 5,4
784.32 Andere Karosserieteile 704,9 135,9 15,9
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 869,5 279,8 32,2
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 1.075,1 454,7 13,0
784.35 Triebachsen mit Differential 308,5 91,5 1,8

Quelle: Eurostat

Spanien: Die Kfz-Industrie blickt pessimistisch auf den Brexit

Die Kfz-Industrie ist im EU-Binnenraum hoch integriert, besonders in Spanien, dem zweitgrößten Pkw-Produzenten der EU, ihrem größten Nutzfahrzeug- und viertgrößten Teilehersteller. In einer KPMG-Studie gab sich die spanische Industrie in Bezug auf den Brexit pessimistisch. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen schlossen aus, dass sich dadurch neue Chancen ergeben könnten.

SEAT und Volkswagen, Ford, General Motors, Mercedes-Benz, Nissan, PSA-Opel, Renault und Iveco betreiben zusammen 17 Produktionsstätten in Spanien. Sie produzieren 43 Modelle, davon 20 ausschließlich dort. Das Branchenziel von 3 Millionen Fahrzeugen wurde 2017 aus zwei Gründen nicht erreicht: intern wegen der Umstellung einiger Werke auf neue Modelle, extern durch den Rückgang auf dem drittwichtigsten Exportmarkt Vereinigtes Königreich. Das traf vor allem die Pkw-Produktion, die laut Branchenverband Anfac 2017 um 3 Prozent auf gut 2,2 Millionen Einheiten abnahm, während die Nutzfahrzeugfertigung wuchs. Die Exportquote stieg mit 2,4 Millionen ausgeführten Fahrzeugen auf 86 Prozent.

Wichtigster Lieferant von Pkw nach Spanien ist Deutschland mit über einem Drittel des Einfuhrwerts von fast 18 Milliarden Euro. Erst mit großem Abstand folgen Frankreich, Japan und das Vereinigte Königreich (7 Prozent).

Der exportstarke spanische Zuliefersektor hat 2017 einen neuen Umsatzrekord erzielt und begann das Jahr 2018 mit einer Internationalisierungsoffensive. Durch das hohe Engagement französischer und deutscher Kfz-Unternehmen in Spanien und ihrer Anteile am Fuhrpark kommt der Großteil der spanischen Kfz-Teileimporte aus diesen Ländern. Frankreich hat am Gesamtwert von fast 16 Milliarden Euro einen Anteil von einem Drittel, Deutschland von einem Viertel. Die Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich machen mit 345 Millionen Euro nur 2 Prozent aus. Diese entfallen vor allem auf Motoren, ein Segment, in dem auch deutsche Anbieter stark sind.

Spanische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.21 bis .22 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 1.308,3 489,7 105,5
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 1.905,7 436,1 249,5
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 791,6 262,6 26,3
784.32 Andere Karosserieteile 1.903,8 509,3 47,7
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 1.831,3 791,9 45,0

Quelle: Eurostat

Frankreich: Enge Beziehungen von PSA auf die Insel

Frankreich ist nach Deutschland und Spanien mit einem Produktionsvolumen von rund 1,7 Millionen Pkw der drittwichtigste Standort der Kfz-Industrie in Europa. Ein harter Brexit könnte bestehende Lieferbeziehungen empfindlich stören. Deutlich wurde dies etwa, als 2016 zur Kontrolle von Migrationsströmen in der nordfranzösischen Stadt Calais schärfere Kontrollen des Güterumschlags über den Kanaltunnel und den Hafen eingeführt wurden. Dies führte beim deutschen Autohersteller BMW, der über Calais die Produktion des Modells Mini im Vereinigten Königreich mit Motoren versorgt, zu starken Störungen bei den Lieferungen und damit im Produktionsablauf.

Engere Lieferbeziehungen zwischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich in der Kfz-Industrie betreffen vor allem den französischen Hersteller PSA, der durch die Opel-Übernahme auch zwei Werke der Marke Vauxhall in England besitzt. Zudem besteht eine Partnerschaft zwischen PSA und Ford bei Dieselmotoren. Eine Schließung der Vauxhall-Fabrik in Ellesmere Port im Zuge des Brexits wird seit Monaten diskutiert. Allerdings verkündete PSA Anfang April 2018 die Produktion im Werk Luton mit einem Investment von 100 Millionen Euro von 60.000 auf 100.000 aufzustocken. Die Verteilung der Produktion (vor allem des Modells Astra) auf französische Fabriken gilt als eine Option, zumindest wenn ab 2021 eine Modellerneuerung ansteht. Ford liefert in begrenztem Umfang Dieselmotoren aus seiner britischen Fabrik in Dagenham nach Frankreich. Bei Karosserieteilen oder Bremsen, wo britische Zulieferungen stärker ins Gewicht fallen, könnten andere kontinentaleuropäische Zulieferer zum Zuge kommen.

Französische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 935,8 68,0 28,0
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 707,7 128,0 17,6
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 1.099,0 187,2 29,2
784.31 Stoßdämpfer 285,2 109,0 10,8
784.32 Andere Karosserieteile 1.982,8 349,6 119,5
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 1.257,0 341,3 71,9

Quelle: Eurostat

Niederlande: BMW könnte Produktion ausweiten

Die niederländische Kfz-Produktion wuchs 2017 um rund 20 Prozent auf etwa 12 Milliarden Euro. Das einzige Pkw-Werk des Landes, VDL-Nedcar in Born, produziert vier Modelle für BMW. Eines davon ist der Mini, dessen Motor aus dem Werk Hams Hall bei Birmingham in Nordengland kommt. Je nach Brexit-Szenario könnte sich BMW entscheiden, die Herstellung von Motoren oder zusätzlicher Minis aus dem Vereinigten Königreich in die Niederlande zu verlagern. Dort ließe sich die Kapazität nach Unternehmensangaben problemlos mehr als verdoppeln. In Anbetracht der Förderung der E-Mobilität durch die britische Regierung soll aber zumindest der E-Mini ab 2019 im Werk Cowley/Oxford vom Band laufen. Ein weiterer Hersteller ist DAF, das in Eindhoven Lkw produziert. An Kfz-Teilen kommen aus dem Vereinigten Königreich neben Motoren zudem Karosserieteile, Kraftstoffpumpen, Stoßdämpfer, Bremsen und Triebachsen in die Niederlande. Auch hier könnten sich bei Brexit-bedingten Verteuerungen deutschen Lieferanten Chancen bieten.

Niederländische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.21 bis .22 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 290,3 5,9 163,8
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 578,2 6,2 2,8
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 106,9 16,6 22,6
773.13 Kabelsätze 202,5 78,2 6,6
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 337,2 60,2 8,6
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 344,6 67,3 8,5
784.2 Karosserien (einschließlich Fahrerhäuser) 1.844,5 14,8 1,4
784.31 Stoßdämpfer 148,2 70,8 13,6
784.32 Andere Karosserieteile 1.098,8 313,2 89,7
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 316,7 71,0 18,7
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 987,7 331,4 5,0
784.35 Triebachsen mit Differential 766,1 118,8 22,6

Quelle: Eurostat

Schweden: Kfz-Industrie wäre vom Brexit am härtesten betroffen

Vom Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union wäre in Schweden die Kfz-Industrie wohl am stärksten betroffen. Der bilaterale Handel zwischen beiden Ländern mit Kfz und Kfz-Teilen ist rege. Rund 15 Prozent des gesamten schwedischen Warenimports aus dem Vereinigten Königreich und 10 Prozent des Warenexports auf die Insel betreffen diesen Sektor. Gummireifen, Bremsen, Karosserieteile und Kolbenverbrennungsmotoren wären von möglichen Handelskomplikationen am stärksten betroffen, denn solche Teile bezieht Schweden in größeren Mengen aus dem Vereinigten Königreich.

Schwedische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.21 bis .22 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 14,2 3,7 3,2
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 97,3 31,1 2,5
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 189,2 70,0 13,3
773.13 Kabelsätze 417,1 31,1 2,4
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 167,8 43,7 4,5
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 406,6 68,6 6,5
784.32 Andere Karosserieteile 987,8 259,3 40,6
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 539,1 255,7 107,7
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 864,8 83,8 8,1
784.35 Triebachsen mit Differential 377,9 133,7 3,3

Quelle: Eurostat

Irland: Gebrauchtwagenimporte aus dem Vereinigten Königreich steigen stark an

Im Zuge der Abwertung des britischen Pfund Sterling haben sich viele irische Autokäufer zuletzt für einen Gebrauchten aus dem Vereinigten Königreich entschieden. Dort herrscht wie in Irland Linksverkehr. Im Jahr 2017 ist die irische Einfuhr von Gebrauchtwagen um 29,5 Prozent auf 93.500 Fahrzeuge in die Höhe geschnellt. Gleichzeitig sind die Zulassungen neuer Pkw 2017 um 10,4 Prozent auf 131.400 Autos gesunken. Marktführer war dabei die Marke VW mit einem Anteil von 10,6 Prozent, gefolgt von Toyota (9,7 Prozent) und Ford (9,3 Prozent). Ein Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt könnte zukünftig einen Erwerb von dortigen Neu- und Gebrauchtwagen durch irische Käufer erschweren.

Die Fahrzeugindustrie hat in Irland keine große Bedeutung und 2016 nur 0,3 Prozent zum Gesamtumsatz im verarbeitenden Gewerbe und Bergbau beigesteuert. Daher ist auch der irische Import von Kfz-Teilen mit 185 Millionen Euro (2017) gering. Der britische Anteil war dabei mit 55,9 Prozent sehr viel höher als der deutsche (11,6 Prozent).

Irische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 11,0 0,1 8,2
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 3,1 0,2 1,2
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 33,2 13,6 10,0
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 17,1 0,6 9,3
784.1 Fahrgestelle 14,5 3,7 8,1
784.2 Karosserien (einschließlich Fahrerhäuser) 0,0 10,9
784.31 Stoßdämpfer 12,8 0,4 9,5
784.32 Andere Karosserieteile 10,6 1,7 19,9
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 12,8 0,7 20,9
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 26,2 0,1 2,6

Quelle: Eurostat

Polen: Bei Kfz-Teilen entstehen nur kleine Lücken

Deutsche Premiumhersteller haben eine gute Chance, in die mögliche Lücke zu stoßen, welche die in Polen noch immer an Popularität gewinnenden Jaguar-Limousinen und Land Rover-Geländewagen hinterlassen könnten. Bei Teilen dürften vor allem Zulieferer von Karosserieelementen, Bremsanlagen, Stoßdämpfern, Zündanlagen und anderen Teilen für Verbrennungsmotoren auf neue Aufträge hoffen. Allerdings ist die Produktionsbasis in Polen stark ausgebaut, neue Investitionen kommen regelmäßig hinzu. Die Branche wächst vor allem dank der Zulieferer. Die Einkäufe der nahezu ausschließlich ausländischen Fahrzeugwerke werden oft von den Konzernzentralen gesteuert. Zudem wächst nur die Nutzfahrzeug-Produktion, Opel und Fiat melden Rückgänge. Bei der flexibleren After-Sales-Nachfrage entscheidet vor allem der Preis.

Polnische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.21 bis .22 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 484,5 87,6 0,7
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 586,9 473,7 10,2
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 340,1 123,6 5,1
773.13 Kabelsätze 378,8 122,5 4,3
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 302,1 80,4 9,1
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 406,7 92,4 4,4
784.1 Fahrgestelle 43,4 2,0 0,0
784.2 Karosserien (einschließlich Fahrerhäuser) 212,6 195,5 0,0
784.31 Stoßdämpfer 111,5 37,0 9,4
784.32 Andere Karosserieteile 1.339,9 640,0 25,5
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 850,4 299,8 16,9
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 700,4 295,6 3,3
784.35 Triebachsen mit Differential 490,4 338,7 1,7

Quelle: Eurostat

Schweiz: Kfz-Teileindustrie sorgt sich um ihren Absatzmarkt

Da es in der Schweiz keine Kfz-Produktion gibt, beschränkt sich der Import auf Kfz-Ersatzteile. Da für importierte britische Autos auch weiterhin die Ersatzteile aus dem Vereinigten Königreich bezogen werden, dürfte der Brexit wahrscheinlich kaum Einfluss auf die Importe ausüben.

Schweizer Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.21 bis .22 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 13 6 1
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 35 18 1
773.13 Kabelsätze 27 8 2
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 47 16 2
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 91 33 1
784.31 Stoßdämpfer 49 20 2
784.32 Andere Karosserieteile 183 88 5
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 136 71 2
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 41 28 1
784.35 Triebachsen mit Differential 18 8 1

Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung

Tschechien: Kfz-Industrie fürchtet um einen wichtigen Absatzmarkt

Beim Import von Komponenten für die tschechische Kfz-Industrie spielen britische Hersteller nur eine geringe Rolle. Während die Gesamtimporte an Kfz-Zubehör 2017 einen Wert von 9,1 Milliarden Euro hatten, betrugen die Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich weniger als 100 Millionen Euro. Der britische Anteil an Tschechiens Gesamteinfuhr der wichtigsten Zubehörteile liegt bei unter einem halben Prozent.

Das Vereinigte Königreich ist aber einer der wichtigsten Absatzmärkte für Autos aus Böhmen und aus Mähren. Ein Drittel des tschechischen Exportvolumens, das über den Ärmelkanal geht, besteht aus Fahrzeugen und Kfz-Teilen. Daher könnten sich negative Folgen für deutsche Zulieferer der tschechischen Teile-Produzenten und Kfz-Werke ergeben.

Allein die VW-Tochter Skoda lieferte 2017 über 80.000 Fahrzeuge in das Vereinigte Königreich. Damit war der scheidende EU-Staat der viertgrößte Absatzmarkt für Autos mit dem Flügelpfeil. Etwa ein Zehntel der tschechischen Skoda-Produktion wird dort verkauft.

Noch größer ist die Abhängigkeit bei TPCA im mittelböhmischen Kolin (Toyota Peugeot Citroën Automobile). Mehr als ein Viertel der dort montierten Kleinwagen geht in das Vereinigte Königreich. Für das einzige europäische Werk von Hyundai im mährisch-schlesischen Nosovice ist der britische der zweitwichtigste Absatzmarkt. Dort wurden 2016 über 44.000 Autos verkauft, 12 Prozent der Gesamtproduktion.

Tschechische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.23 Diesel- oder Halbdieselmotoren 1.268,7 38,0 2,7
742.2 Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen für Kolbenverbrennungsmotoren 253,5 116,0 1,4
773.13 Kabelsätze 1.062,3 298,7 5,3
778.31, .33 Zündanlagen, Anlasser, Lichtmaschinen etc. 271,8 34,9 1,3
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 923,3 248,5 4,3
784.32 Andere Karosserieteile 2.211,4 886,3 7,5
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 1.096,4 400,9 11,1
784.34 Schaltgetriebe sowie Teile 1.026,4 495,8 2,8
784.35 Triebachsen mit Differential 713,5 427,9 2,7

Quelle: Eurostat

Slowakei: Jaguar-Fabrik bringt einige britische Zulieferer mit

Die Automobilproduktion ist der wichtigste Wirtschaftszweig in der Slowakei. Sie sorgt für rund 13 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und für 130.000 Arbeitsplätze. Jährlich laufen in den drei Fabriken von Volkswagen, Kia und PSA rund eine Million Fahrzeuge vom Band.

Britische Kfz-Zulieferer haben bislang eine marginale Position in der Slowakei. Nur wenige Komponenten erreichen ein Liefervolumen von mehr als einer Million Euro. Lediglich bei Kabelsätzen haben britische Hersteller nennenswerte Marktanteile. Das könnte sich Ende 2018 mit der Inbetriebnahme der Fabrik von Jaguar Land Rover ändern. Der britisch-indische Konzern will in der ersten Ausbaustufe 150.000 Geländewagen vom Typ Discovery pro Jahr produzieren und wird auf seine angestammten Zulieferer zurückgreifen. Einige davon bauen allerdings Produktionsstätten im Umfeld der slowakischen Fabrik auf, um sich vor künftigen Handelsbarrieren im Zuge des Brexits zu schützen.

Slowakische Einfuhr von Kfz-Teilen 2017 (in Millionen Euro)
SITC Warenbezeichnung/Produktgruppe Gesamteinfuhr aus Deutschland aus dem Vereinigten Königreich
713.21 bis .22 Hubkolbenmotoren mit Fremdzündung 613,4 185,1 k.A.
773.13 Kabelsätze 779,2 98,3 32,9
778.34 bis .35 Beleuchtungs- und Signalgeräte (ohne 778.2), Scheibenwischer etc. 575,8 81,1 2,0
784.32 Andere Karosserieteile 2.579,2 844,0 3,4
784.33 Bremsen und Servobremsen mit Teilen 493,1 154,0 1,3

Quelle: Eurostat

Kontaktadressen

Eine Bestandsaufnahme der möglichen Brexit-Auswirkungen auf 13 europäische Länder finden Sie in der GTAI-Analyse "Der Brexit und seine Folgen" auf: http://www.gtai.de/brexit-zielmaerkte

In der GTAI-Reihe "Branche kompakt" finden Sie die regelmäßig aktualisierten Kurzanalysen "Kfz-Industrie und Kfz-Teile" für eine Vielzahl von Ländern: http://www.gtai.de/branche-kompakt

Dieser Artikel ist relevant für:

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