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13.09.2019

Kfz-Markt in Australien könnte 2020 die Durststrecke hinter sich lassen

Aftersales-Markt bietet gute Chancen / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - Der Kfz-Absatz in Australien dürfte 2020 nach zwei schwierigen Jahren wieder wachsen. Chancen ergeben sich auch für die Lieferung von Ersatzteilen.

Der Kfz-Markt in Australien erlebt 2019 ein schwieriges Jahr. Bis Juli 2019 brachen die Verkaufszahlen gegenüber dem Vorjahreswert um 7,7 Prozent ein. Im Jahr 2018 war der Kfz-Absatz bereits um 3,1 Prozent gesunken. Damit wurden insgesamt rund 36.000 Fahrzeuge weniger verkauft als 2017.

Absatz von Kfz in Australien (Stückzahl)
Kategorie 2016 2017 2018 Veränderung 2018/2017
Pkw 486.257 450.012 378.414 -15,9
SUV 441.017 465.646 495.300 6,4
Leichte Nutzfahrzeuge 217.750 236.609 237.972 0,6
Schwere Nutzfahrzeuge 33.109 36.849 41.425 12,4
Insgesamt 1.178.133 1.189.116 1.153.111 -3,0

Quellen: VFacts, Recherchen von Germany Trade & Invest

Im bisherigen Jahresverlauf 2019 leidet insbesondere die Kategorie normaler Pkws (Sedan und Hatchback) unter starken Absatzrückgängen. Dies zeigt, dass vor allem eine schlechte Stimmung in den privaten Haushalten den Kfz-Market belastet. Als Hauptgrund gelten fallende Immobilienpreise, die zu einem negativen Wohlstandseffekt der Privathaushalte führen.

Führende Autohändler berichten von einer engen Korrelation zwischen der Entwicklung der Immobilienpreise und den Verkaufszahlen für Kfz. Auch Anfang 2019 von der australischen Commonwealth Bank veröffentlichte Analysen zeigen, dass sich die Indizes für Häuserpreise und die Verkaufszahlen von Oberklassewagen in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu parallel entwickelten.

Im Jahr 2018 brachen die Häuserpreise landesweit um durchschnittlich 4,8 Prozent ein, für 2019 wird sogar ein Minus von 7,8 Prozent prognostiziert. Dies sorgt für einen negativen Wohlstandseffekt. Die privaten Haushalte fühlen sich ärmer und verschieben teure Anschaffungen in die Zukunft. Hinzu kommt eine hohe Verschuldungsquote der Privathaushalte von rund 190 Prozent des verfügbaren Einkommens.

Trendwende bei den Verkaufszahlen ist für 2020 in Sicht

Zwar erstellt die Federal Chamber of Automotive Industries keine Prognosen für die Entwicklung des Kfz-Absatzes, aufgrund der bestehenden Korrelation mit den Häuserpreisen kann für 2020 jedoch mit einer Markterholung gerechnet werden. So erwarten Analysten, dass die Talsohle auf dem Immobilienmarkt bereits gegen Ende 2019 durchschritten wird. Im Jahr 2020 könnten die Häuserpreise dann wieder zwischen zwei und vier Prozent steigen.

Gestützt werden dürfte der Kfz-Absatz durch fallende Zinsen. Im Juli 2019 senkte die Reserve Bank of Australia den Leitzins auf ein Rekordtief von 1 Prozent. Beobachter rechnen bis Anfang 2020 mit weiteren Senkungen auf 0,5 Prozent.

SUVs und Pick-Ups dominieren

Der Wettbewerb unter den Autobauern ist in Australien sehr intensiv. Über 60 Marken buhlen mit über 400 Modellen um Käufer. Der japanische Hersteller Toyota lässt die Konkurrenz als führender Anbieter weit hinter sich und kommt auf einen Marktanteil von 18,8 Prozent. Die beliebteste deutsche Automarke ist VW auf Rang 9, dahinter folgen Mercedes-Benz (Platz 12), BMW (Platz 14, 23.055 verkaufte Fahrzeuge) und Audi (Platz 15, 19.416 verkaufte Fahrzeuge).

Absatz von Kfz in Australien nach Herstellern (Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in %)
Hersteller Absatz Veränderung 2018/2017 Marktanteil 2018
Toyota 217.061 0,2 18,8
Mazda 111.280 -4,4 9,7
Hyundai 94.187 -2,9 8,2
Mitsubishi 84.944 5,3 7,4
Ford 69.081 -11,6 6,0
Holden 60.751 -32,7 5,3
Kia 58.815 7,5 5,1
Nissan 57.699 2,0 5,0
Volkswagen 56.620 -2,4 4,9
Honda 51.525 10,1 4,7
Subaru 50.015 -4,8 4,3
Mercedes-Benz 39.537 -7,0 3,4

Quellen: VFacts, Recherchen von Germany Trade & Invest

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich SUVs, die im Jahr 2018 rund 43 Prozent aller verkauften Fahrzeuge ausmachten. Klassische Pkw kommen hingegen lediglich auf einen Anteil von 32,8 Prozent. Bei den beliebtesten Modellen liegen mit dem Toyota Hillux (51.705 Stück) und dem Ford Ranger (42.144 Stück) hingegen zwei Nutzfahrzeuge vorne. Solche Fahrzeuge mit großer Ladefläche werden in Australien als "Utes" bezeichnet. Auf den weiteren Plätzen folgen der Toyota Coralla (35.320 Stück), der Mazda 3 (31.065 Stück) sowie der Hyundai i30 (28.188 Stück).

Elektromobilität mit Startschwierigkeiten

Der Markt für Elektrofahrzeuge kommt hingegen nur langsam in Gang. Im Jahr 2018 wurden nur 1.352 reine Elektroautos (inklusive Hybrid Plug-in) verkauft. Dies entspricht einem Anteil von 0,2 Prozent am gesamten Kfz-Markt. Nicht enthalten ist der Hersteller Tesla, welcher keine Verkaufszahlen meldet. Experten schätzen, das sich das Absatzvolumen inklusive Tesla auf etwa 2.700 Elektrowagen beläuft. Nach Prognose von Bloomberg New Energy Finance soll der Anteil von Elektroautos am Gesamtabsatz bis 2023 auf 4 Prozent ansteigen.

Mit rund 330 öffentlichen Stationen ist das Ladenetz bislang nur schwach ausgebaut. Mitte 2019 verkündete das Unternehmen Evie Networks jedoch den Aufbau eines Netzes von Schnellladestationen entlang wichtiger Highways. Geplant sind 42 Standorte mit über 80 Schnellladestationen. Auch der Konkurrent Chargefox baut sein Netz an Schnellladestationen aus.

Ära der lokalen Pkw-Produktion ist zu Ende

Nachdem die Hersteller Toyota, Holden und Ford ihre Werke in den letzten Jahren schlossen, ist Australien im Bereich der Pkw nun vollständig auf Importe angewiesen. Alle drei Hersteller bleiben dem australischen Kontinent jedoch mit Einrichtungen zur Forschung und Entwicklung verbunden. Ford beschäftigt über das Asia Pacific Product Development Center in Melbourne noch über 2.000 Mitarbeiter in Australien. Lokal produziert werden weiterhin Nutzfahrzeuge. Hersteller wie Iveco, Volvo und PACCAR verfügen über Fertigungsstätten für Lkw, die Unternehmen Bustech und Denning sind im Bau von Bussen aktiv.

Deutsche Kfz-Exporte nach Australien könnten künftig von einem geplanten Freihandelsabkommen mit der EU profitieren. Die Verhandlungen hierzu sind im Juli 2018 bereits gestartet. Noch sind Kfz/-Teile-Einfuhren aus der EU mit einem regulären Zollsatz von 5 Prozent belegt. Ebenfalls Gegenstand der Verhandlungen ist die australische Kfz-Luxussteuer von 33 Prozent ab einem Verkaufswert von 67.525 Australischen Dollar ($A) (75.526 $A für verbrauchsarme Kfz). Die Bundesstaaten Queensland und Victoria führten 2018 beziehungsweise 2019 zudem eigene Luxussteuern auf Kfz ein (in Victoria 7 Prozent ab einem Verkaufswert von 100.000 $A).

Im Jahr 2018 lieferte Deutschland insgesamt 91.411 Fahrzeuge nach Australien, die mit 2,8 Milliarden Euro wertmäßig das wichtigste Exportgut bildeten. Rund Zweidrittel aller Kfz-Einfuhren stammen dagegen aus Ländern, mit denen Australien bereits ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat und deshalb zollfrei Kfz einführen können, darunter Japan (356.230 Einheiten), Thailand (300.274 Einheiten) und Südkorea (169.15 Einheiten).

Nachfrage nach Kfz-Teilen im Aftersales-Geschäft wächst

Der stetig wachsende Fahrzeugbestand sorgt für Geschäftschancen im Aftersales-Segment. Nach Zahlen des Australian Bureau of Statistics (ABS) waren im Januar 2019 rund 19,5 Millionen Fahrzeuge registriert (+1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Damit kommen auf 1.000 Einwohner 777 Kfz (Deutschland 692 Kfz), wobei das Durchschnittsalter der Fahrzeuge bei 10,2 Jahren liegt. Die Pkw-Flotte ist mit 9,9 Jahren dabei etwas jünger als der Bestand von leichten Nutzfahrzeugen (10,5 Jahre) oder Lkw bis 4,5 Tonnen (11 Jahre). Dieselfahrzeuge machen 24,6 Prozent des Bestandes aus.

Da immer mehr Fahrzeuge gewartet werden müssen, entsteht Bedarf für benötigte Teile und Zubehör. Nach Zahlen von IBIS World dürfte der jährliche Umsatz im Kfz-Teilehandel umgerechnet bei rund 4 Milliarden US$ liegen (5,3 Milliarden $A, Jahresdurchschnittskurs 2018:1 $A = 0,7478 US$). In Landeswährung soll der Markt im Zeitraum 2019 bis 2024 um durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahr wachsen. Mögliche Abnehmer für deutsche Lieferanten sind lokale Händler und Distributoren wie Repco, Bapcor, Auto One und Supercheap Auto.

MKT201909128006.14

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Australien können Sie unter http://www.gtai.de/australien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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