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07.09.2018

Kfz-Nachfrage in Australien entwickelt sich robust

Aftersales-Markt verspricht stabiles Wachstum / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - Der Kfz-Markt in Australien eilt von Rekord zu Rekord. Die wachsende Fahrzeugflotte sorgt auch für Bedarf bei Ersatzteilen.

Der australische Kfz-Absatz erzielte 2017 mit rund 1,19 Millionen verkauften Fahrzeugen den dritten Höchstwert in Folge. Auch das 1. Halbjahr 2018 ließ sich mit einem Plus von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gut an, so dass bei gleichbleibender Entwicklung erstmals die Schwelle von 1,2 Millionen verkauften Automobilen geknackt werden könnte.

Absatz von Kfz in Australien (Stückzahl)
Kategorie 2016 2017 Veränderung 2017/2016 in %
Pkw 486.257 450.012 -7,5
SUV 441.017 465.646 5,6
leichte Nutzfahrzeuge 217.750 236.609 8,7
schwere Nutzfahrzeuge 33.109 36.849 11,3
insgesamt 1.178.133 1.189.116 0,9

Quellen: VFacts, Recherchen von Germany Trade & Invest

Das Marktumfeld für die Automobilindustrie gestaltet sich insgesamt positiv. Die Wirtschaft Australiens soll nach Prognose der Zentralbank in den Jahren 2018 und 2019 mit jeweils 3,25 Prozent ordentlich wachsen. Gepaart mit einer niedrigen Arbeitslosigkeit von zurzeit 5,3 Prozent dürfte dadurch auch die zuletzt schwächelnde Lohnentwicklung in Gang kommen und das Konsumklima stärken. Dabei erleichtern niedrige Zinsen den Autokauf. Der Leitzinssatz der Reserve Bank of Australia liegt seit August 2016 auf einem Rekordtief von 1,5 Prozent.

Fallende Häuserpreise bilden Unsicherheitsfaktor

Risiken für den Kfz-Absatz ergeben sich hingegen aus der Abkühlung des Immobilienmarktes. Der größte Autohändler des Landes, die Automotive Holding Group (AHG), berichtet von einer engen Korrelation zwischen der Entwicklung der Immobilienpreise und den Verkaufszahlen für Kfz. Durch den Boom bei den Häuserpreisen gab es in den vergangenen Jahren einen spürbaren Wohlstandseffekt. Die australischen Haushalte fühlten sich reicher und ließen sich dadurch leichter zum Autokauf animieren.

Nach Einschätzung zahlreicher Analysten dürfte die Rallye auf dem australischen Immobilienmarkt jedoch vorerst vorbei sein. Die National Australia Bank prognostiziert für die Jahre 2018 und 2019 in den Großstädten mit -1,8 und -0,1 Prozent eine negative Wertentwicklung. Auch die Volkswirte von anderen Instituten wie Westpac oder ANZ Bank erwarten fallende Preise. AHG setzt deshalb bereits auf Sonderaktionen, um Kunden in ihre insgesamt über 100 Filialen zu locken. AHG vertreibt Modelle von 32 verschiedenen Herstellern, darunter Toyota, Ford, Mazda und Mitsubishi. Ein weiterer großer Autohändler ist die Autosports Group mit 37 Filialen und einem Fokus auf das Luxussegment (unter anderem BMW und Mercedes Benz).

Der Wettbewerb unter den Autobauern ist in Australien sehr intensiv. Über 60 Marken buhlen mit über 400 Modellen um Käufer. Der japanische Hersteller Toyota lässt die Konkurrenz als führender Anbieter weit hinter sich und kommt auf einen Marktanteil von 18,2 Prozent. Die beliebteste deutsche Automarke ist VW auf Platz 7 der Rangliste, dahinter folgen Mercedes-Benz (Platz 12; 42.489 verkaufte Fahrzeuge), BMW (Platz 14; 23.619 verkaufte Fahrzeuge) und Audi (Platz 15; 22.011 verkaufte Fahrzeuge).

Absatz von Kfz in Australien nach Herstellern (Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in %)
Hersteller Absatz 2017 Veränderung 2017/2016 Marktanteil 2017
Toyota 216.566 3,3 18,2
Mazda 116.349 -1,6 9,8
Hyundai 97.013 -4,5 8,2
Holden 90.306 -4,2 7,6
Mitsubishi 80.654 9,9 6,8
Ford 78.161 -3,8 6,6
Volkswagen 58.004 2,5 4,9
Nissan 56.954 -15,3 4,8
Kia 54.737 28,3 4,6
Subaru 52.511 11,7 4,4

Quellen: VFacts, Recherchen von Germany Trade & Invest

Pick-Up Fahrzeuge und Dieselmodelle sind in Downunder begehrt

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich SUV, die im Jahr 2017 rund 39,2 Prozent aller verkauften Fahrzeuge ausmachten. Klassische Pkw kommen hingegen lediglich auf einen Anteil von 37,8 Prozent. Bei den beliebtesten Modellen liegen mit dem Toyota Hillux (47.093 Stück) und dem Ford Ranger (42.728 Stück) hingegen zwei Nutzfahrzeuge vorne. Solche Fahrzeuge mit großer Ladefläche werden in Australien als "Utes" bezeichnet. Auf den weiteren Plätzen folgen der Toyota Corolla (37.333 Stück), der Mazda 3 (28.780 Stück) sowie der Hyundai I30 (25.831 Stück).

Ohne spürbare Auswirkungen blieben bislang die Abgasskandale um Dieselfahrzeuge. Bei den australischen Autofahrern sind Dieselmodelle weiterhin sehr gefragt. Im Jahr 2017 stiegen die Verkaufszahlen von mit Dieselmotoren ausgestatteten Fahrzeugen um 8,1 Prozent auf 313.551 Einheiten. Insgesamt sind damit rund 2,23 Millionen Dieselautos auf den Straßen Australiens unterwegs, was einem Anteil von 22,2 Prozent an der Fahrzeugflotte des Landes entspricht.

Eine wichtige Stütze für die Kfz-Nachfrage bilden die privaten Haushalte, die 2017 rund 48,4 Prozent aller Autokäufe tätigten. Unternehmen und Autovermietungen sind mit 42,1 und 6,2 Prozent weitere wichtige Kundengruppen.

Ära der lokalen Pkw-Produktion ist zu Ende

Nachdem die Hersteller Toyota und Holden im Jahr 2017 ihre Werke in Melbourne und Adelaide schlossen, ist Australien im Bereich der Pkw nun vollständig auf Importe angewiesen. Ford hatte schon 2016 die Automobilproduktion in Downunder eingestellt. Alle drei Hersteller bleiben dem australischen Kontinent jedoch mit Einrichtungen zur Forschung und Entwicklung verbunden. Holden investiert bis Mitte 2019 rund 92 Millionen US-Dollar (US$) in den Ausbau des Forschungszentrums in Melbourne. Ford beschäftigt über das Asia Pacific Product Development Center noch über 2.000 Mitarbeiter in Australien.

Lokal produziert werden weiterhin Nutzfahrzeuge. Hersteller wie Iveco, Volvo und PACCAR verfügen über Fertigungsstätten für Lkw, die Unternehmen Bustech und Denning sind im Bau von Bussen aktiv.

Deutsche Kfz-Exporte nach Australien könnten künftig von einem geplanten Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) profitieren. Die Verhandlungen hierzu sind im Juni 2018 bereits gestartet. Noch sind Kfz-/-Teile-Einfuhren aus der EU mit einem regulären Zollsatz von 5 Prozent belegt. Hinzu kommt eine Luxussteuer von 33 Prozent ab einem Verkaufswert von 66.331 Australischen Dollar ($A) (75.526 $A für verbrauchsarme Kfz). Im Jahr 2017 lieferte Deutschland insgesamt 91.132 Fahrzeuge nach Australien, die mit 2,8 Milliarden Euro wertmäßig das wichtigste Exportgut bildeten.

Rund zwei Drittel aller Kfz-Einfuhren stammen dagegen aus Ländern, mit denen Australien bereits ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat und aus denen deshalb zollfrei importiert werden kann, darunter Japan (341.663 Einheiten), Thailand (297.482 Einheiten) und Südkorea (175.802 Einheiten).

Nachfrage nach Kfz-Teilen im Aftersales-Geschäft wächst

Der stetig wachsende Fahrzeugbestand sorgt auch für Geschäftschancen im Aftersales-Segment. Nach Zahlen des Australian Bureau of Statistics waren im Januar 2018 rund 19,2 Millionen Fahrzeuge registriert (+2,1 Prozent). Damit kommen auf 1.000 Einwohner 776 Kfz, wobei das Durchschnittsalter der Fahrzeuge bei 10,1 Jahren liegt. Die Pkw-Flotte ist mit 9,8 Jahren dabei etwas jünger als der Bestand von leichten Nutzfahrzeugen (10,5 Jahre) oder Lkw bis 4,5 Tonnen (11,1 Jahre).

Da immer mehr Fahrzeuge gewartet werden müssen, entsteht Bedarf für Teile und Zubehör. Nach Zahlen von IBIS World dürfte der jährliche Umsatz im Kfz-Teilehandel umgerechnet bei rund 4 Milliarden US$ liegen (5,2 Milliarden $A, Jahresdurchschnittskurs 2017:1 $A = 0,7681 US$). In Landeswährung soll der Markt im Zeitraum 2018 bis 2023 um durchschnittlich 1,9 Prozent pro Jahr wachsen. Mögliche Abnehmer für deutsche Lieferanten sind lokale Händler und Distributoren wie Repco, Bapcor, Auto One und Supercheap Auto. Die deutsche Continental übernahm 2018 den australischen Ersatzteilhändler Kmart Tyre and Auto Service (KTAS).

MKT201809068004.14

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Australien können Sie unter http://www.gtai.de/australien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Australien Fahrzeuge, -zubehör, allgemein, Straßenfahrzeuge, allgemein, Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Personenkraftwagen (Pkw), Nutzfahrzeuge (Nfz)

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