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14.01.2019

Kfz-Produktion in Iran stark eingebrochen

US-Sanktionen verhindern notwendige Teile-Importe / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Irans Kfz-Produktion könnte 2019/20 auf einen neuen Tiefpunkt sinken. Hoffnungen auf mehr Kooperation mit China haben sich noch nicht erfüllt. Eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht.

Die im August 2018 wieder in Kraft gesetzten US-Sanktionen gegen den iranischen Kfz-Sektor zeigen eine durchschlagende Wirkung. Die entsprechende "Executive Order" sieht Sanktionen gegen ausländische juristische und natürliche Personen vor, wenn wissentlich signifikante Transaktionen mit der iranischen Automobilindustrie abgewickelt oder ermöglicht werden.

Drastische Produktionsrückgänge

Die Vorräte an den zur Produktion notwendigen ausländischen Kfz-Teilen und Vorerzeugnissen scheinen mittlerweile weitgehend aufgebraucht zu sein und die Beschaffung neuer Teile ist oft nicht oder nur auf kostspieligen Umwegen möglich. Im Jahr 2017/18 (iranisches Jahr 1396; 21.3 bis 20.3.) liefen im Monatsdurchschnitt etwa 120.000 Pkw von den Bändern der lokalen Hersteller. Im letzten Monat (iranischer Monat Azar, November/Dezember 2018) waren es nur 38.275 Fahrzeuge, so die Statistik des Industrieministeriums.

Die negative Produktionsentwicklung seit Mitte 2018 lässt für 2018/19 gegenüber dem Vorjahr eine Schrumpfung der Pkw-Fertigung um etwa 40 Prozent auf nur noch 0,86 Millionen Einheiten erwarten. Wenn sich die politischen Rahmenbedingungen nicht wesentlich bessern, ist für 2019/20 mit einem Rückgang auf 0,5 Millionen Fahrzeuge zu rechnen.

Iran: Kfz-Produktion 2016/17 bis 2018/19 (in Einheiten) 1)
Kategorien 2016/17 (1395) 2017/18 (1396) 2) 2018/19 (1397) 3)
Insgesamt 1.350.377 1.534.799 926.500
.Pkw 1.255.211 1.441.577 860.000
.Pick-up / Kleintransporter 77.857 73.466 52.000
.Kleine und mittlere Busse 905 1.381 2.400
.Stadt- und Reisebusse 1.158 1.782 700
.Lkw 15.246 16.593 11.400

1) iranische Jahre (21.3. bis 20.3.); 2) vorläufig; 3) GTAI-Prognose

Quellen: Ministry of Industry, Mining and Trade, Germany Trade and Invest (GTAI)

Der gesamte Kfz-Ausstoß (Pkw, Lkw, Busse etc.) ist im November/Dezember 2018 auf 42.145 Einheiten gefallen (Vorjahresmonat: 146.382). Für die ersten neun Monate 2018/19 ergibt sich ein Rückgang der Automobilproduktion um 31 Prozent auf 0,76 Millionen Fahrzeuge. Irans größter Kfz-Hersteller, Iran Khodro, konnte im November/Dezember nur noch 20.196 Fahrzeuge montieren (Vorjahresmonat: 66.853). Der zweitgrößte Automobilproduzent, Saipa, meldet eine Schrumpfung um 76 Prozent auf 15.572 Fahrzeuge. Beide Unternehmen kommen zusammen auf einen Marktanteil von 85 Prozent.

An die Stelle der Hoffnungen auf eine umfassende Modernisierung der Kfz-Industrie in Kooperation mit westlichen Autobauern sind jetzt Bemühungen zur Stabilisierung der Produktion der völlig überalterten Modellpalette, die einen hohen Anteil lokal gefertigter Komponenten aufweist, getreten. Nun dürften beispielsweise die von Iran Khodro gebauten, schon lange totgesagten Peugeot-Modelle "405" und "206" sowie Modifikationen dieser Modelle bis auf Weiteres in Iran "Bestseller" bleiben. Saipa dürfte sich auf die verschiedenen Varianten des "Pride", eines Kleinwagens auf Basis des in den 1980er Jahren entwickelten Kia Pride, konzentrieren.

Leuchtturm-Projekte beendet

Zwei der begonnenen "Leuchtturm-Projekte", die lokale Fertigung des modernen "Peugeot 2008" und des "Citroen C3", mussten aufgrund des Ausstiegs der französischen PSA Gruppe beendet werden. Derzeit läuft aber noch die Montage von Bausätzen, die vor August 2018 importiert wurden. Iran Khodro hat im November/Dezember 1.021 "Peugeot 2008" fertiggestellt, insgesamt liefen bislang 5.492 Stück des französischen Klein-SUV in Iran vom Band.

Saipa meldete Ende Dezember 2018 die Auslieferung des ersten "Citroen C3". Im Mai 2018 hatte das neu gegründete Saipa-Citroen Joint Venture Bestellungen für 2.000 "C3" entgegengenommen. Eine Anzahlung von 600 Millionen Rial war erforderlich, dies entsprach damals 12.000 Euro, heute liegt der Gegenwert aufgrund des Währungsverfalls nur noch bei 5.000 Euro. Nach Firmenangaben ist Saipa in der Lage, letztlich alle Vorbestellungen auszuliefern, Beobachter haben jedoch Zweifel.

Die Fertigung von Renault/Dacia-Modellen ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Auch Renault hatte für Iran große Pläne. Durch ein neues Joint Venture und bestehende Kooperationen mit Saipa und Iran Khodro wollte Renault in Iran eine Produktionskapazität von jährlich bis zu 350.000 Fahrzeugen schaffen, über 150.000 Renault/Dacia Fahrzeuge wurden 2017/18 montiert. Im November/Dezember 2018 produzierte Iran Khodro nur noch 402 Renault/Dacia Fahrzeuge (Modell Sandero). Pars Khodro, eine Iran Khodro Tochter, fertigte 275 Sandero. Die Sandero-Produktion dürfte in Kürze ganz eingestellt werden.

Hoffnungen auf China bislang noch nicht erfüllt

Nach dem Rückzug der europäischen Hersteller wurde eine Ausweitung der Produktion chinesischer Marken erwartet, tatsächlich ist aber derzeit eine Schrumpfung zu beobachten. Während der Sanktionsphase vor 2016 hatten chinesische Hersteller in Iran ihre Marktposition ausgebaut. Jetzt aber scheinen auch für Chinas Autobauer die US-Sanktionen nicht irrelevant zu sein.

Chinesische Automobilhersteller sind in Iran mit allen Fahrzeugsparten (Pkw, Lkw, Busse) vertreten. Der Anteil chinesischer Marken an Irans Pkw-Produktion lag 2017/18 bei rund 16 Prozent, dies entsprach 0,23 Millionen Fahrzeugen. Die größten iranischen Hersteller chinesischer Marken sind die Modiran Vehicle Manufacturing Company (Marke: Chery), die Saipa Group (Brilliance, Changan), Iran Khodro (Dongfeng, Haima) sowie Kerman Khodro (Jac, Lifan, BYD).

Kerman Khodro meldet für November/Dezember 2018 einen Produktionsrückgang bei Fahrzeugen der Marken JAC und Lifan um 38 Prozent auf 2.115 Einheiten. Bei Modiran, einer Kerman Khodro-Tochter, ist die Produktion von Chery-Modellen stark rückläufig: Im November/Dezember lag der Ausstoß bei lediglich 1.918 Fahrzeugen (Vorjahresmonat: 7.339), in den ersten neun Monaten 2018/19 kam es zu einer Schrumpfung um 31 Prozent auf 36.072 Fahrzeuge.

Saipa hofft auf eine Ausweitung der Kooperation mit seinen chinesischen Partnern. Saipa hatte 2017/18 rund 12.000 Fahrzeuge des Changan SUV-Modells "C35" montiert sowie 51.000 Brilliance Modelle (H220, H230, H320, H330), davon 45.000 bei der Saipa-Tochter Pars Khodro. Die "CS35" Produktion sackte im November/Dezember 2018 auf 97 Einheiten, insgesamt 8.841 waren es in den ersten neun Monaten 2018/19. Auch die Brilliance-Produktion geht stark zurück, im November/Dezember halbierte sich der Ausstoß auf 2.257 Fahrzeuge.

Iran Khodro konnte im November/Dezember nur noch 820 Dongfeng-Modelle montieren (Vorjahresmonat: 2.246). Der Haima-Ausstoß ging auf 823 Einheiten (1.391) zurück.

Auch schwere strukturelle Probleme plagen Kfz-Industrie

Die Reaktivierung der US-Sanktionen kommt für die iranischen Kfz-Produzenten zu einem denkbar ungünstigen Moment. Seit vielen Jahren ist die Branche stark verschuldet und hat hohe, lange fällige Verbindlichkeiten gegenüber der lokalen Zulieferindustrie. Verschiedene ausländische Teile-Lieferanten hatten schon vor der Wiederinkraftsetzung der US-Sanktionen aufgrund unzureichender Liquidität bei den iranischen Kfz-Herstellern beziehungsweise langer Zahlungsziele ihr Iran-Geschäft reduzieren müssen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Iran können Sie unter http://www.gtai.de/Iran abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Kfz-Teile, -Zubehör (ohne Brennstoffzellen), Personenkraftwagen (Pkw), Nutzfahrzeuge (Nfz)

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