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01.11.2018

Kleinstfahrzeuge gewinnen in Frankreich immer mehr Nutzer

Verband drängt auf Regulierung, um Verbote zu verhindern / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Der Verkauf von Tretrollern, Elektrotretrollern, Hoverboards und anderen sogenannten Mikrotransportmitteln wächst stark. Vor allem elektrische Antriebe legen kräftig zu.

Der Verband für Mikromobilität FPMM (Fédération des professionels micro-mobilité) hat im Rahmen der Messe für nachhaltige Mobilitätskonzepte Autonomy in Paris am 19. Oktober 2018 eine erste Studie zum Markt für elektrische und mechanische Kleinstfahrzeuge präsentiert, die er gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Smart Mobility Lab erstellt hat. 2017 wurden demnach 1,73 Millionen Fahrzeuge verkauft. Dabei geht es unter anderem um elektrische und mechanische Tretroller und alle Formen von elektrisch betriebenen Rollbrettern, sogenannten E-Boards. Die Fortbewegungsmittel sind auch als Fahrzeuge für die letzte Meile (Last-Mile-Fahrzeuge) bekannt.

Die Umsätze damit erreichten in Frankreich 2017 rund 195,4 Millionen Euro, beziehungsweise 209,9 Millionen Euro inklusive Zubehör. Die Umsätze (mit Zubehör) stiegen gegenüber dem Vorjahr um 56,6 Prozent, bei einem Wachstum der Stückzahlen von 35,2 Prozent. Dieser Abstand geht auf höhere Zuwächse bei teureren elektrischen Mikrofahrzeugen zurück. Noch machen nach Stückzahlen mechanische Tretroller mit 1,33 Millionen Stück 77 Prozent des Marktes aus, gefolgt von E-Boards (Hoverboards und anderen) mit 292.000 Stück (16,9 Prozent) und Elektrotretrollern (6,0 Prozent) mit 102.000 Stück.

Laut Studie erreichen mechanisch betriebene Kleinstfahrzeuge seit zehn Jahren stabile Wachstumsraten, während der Markt für Geräte mit elektrischem Antrieb erst seit zwei Jahren kräftig zulegt. Der Verband erwartet für elektrisch betriebene Kleinstfahrzeuge bei den Stückzahlen 2018 einen Anteil von 30 Prozent nach 23 Prozent im Jahr 2017.

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Starke Absatzimpulse generieren in den Großstädten die erfolgreichen Verleihsysteme für Elektroroller Lime, Bird, Bolt, Knot und Wind, die sich seit dem Frühjahr 2018 vor allem in Paris stark ausbreiten. Sie treiben auch die privaten Verkäufe an, da potenzielle Kunden den Nutzen der Fahrzeuge im Stadtverkehr erproben können. Neben Paris sind derartige Verleihsysteme in kleinerem Umfang auch in Lyon, Bordeaux, Straßburg und Colmar im Einsatz.

Industrie will Regulierung, um Verboten zuvorzukommen

Der große Erfolg birgt Risiken für die Anbieter vor allem aufgrund zunehmender Sicherheitsbedenken und einer allmählichen Verstopfung des öffentlichen Raums durch eine Fülle neuer Transportmittel. 2017 hatte das französische Verkehrsamt (Sécurité routière) bei Unfällen mit Elektrotretrollern (und Elektromopeds, die gemeinsam erfasst werden) 178 Personen mit leichten Verletzungen, 99, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden und 5 Tote gezählt. Die Anzahl der Verletzten stieg um 23 Prozent, allerdings bei einem hohen Wachstum der Verkaufszahlen genannter Fahrzeuge.

Derzeit besteht für die Nutzung eines Elektrotretrollers weder eine Helmpflicht noch eine Verpflichtung, die Fahrzeuge mit Beleuchtung oder Reflektoren auszustatten. Auch dürfen sie auf der Straße ebenso wie auf den Gehwegen fahren. Der Verband will möglichen generellen Verboten zuvorkommen, wie sie etwa im alten Zentrum von Barcelona für den Tretroller- und Segway-Verleih ausgesprochen wurden. Daher macht er nach Aussagen des Vizepräsidenten Grégoire Henin Druck auf die Politik, damit die Nutzung elektrischer Kleinstfahrzeuge reguliert wird.

Die Transportministerin Elisabeth Borne hatte Ende September angekündigt, dass mit einem neuen Mobilitätsgesetz (Loi d'Orientation des Mobilités) auch die Straßenverkehrsordnung angepasst werden soll, um elektrische Tretroller und E-Boards, die zum Teil bis zu 40 Stundenkilometer erreichen, von den Gehsteigen zu verbannen. Bürgermeister werden auf lokaler Ebene Sonderregeln erlassen können. Das Mobilitätsgesetz soll im November 2018 vorgestellt werden.

Neben der Sicherheit im Straßenverkehr spielt bei der Ausweitung der Verleihsysteme für Elektroroller in den großen Städten die Nutzung öffentlicher Flächen und deren Regulierung eine wachsende Rolle. Die für die Entwicklung und Förderung nachhaltiger Mobilitätskonzepte in der Stadt Paris verantwortliche Klimabehörde (Agence Parisienne du Climat) will bis Ende 2018 mit den Betreibern von Verleihsystemen von Elektrotretrollern (derzeit Lime, Bird, Bolt) Verhaltenschartas vereinbaren.

Bisher hatten die Verleiher von Fahrrädern und Elektromopeds die Einhaltung entsprechender Regelwerke zugesagt. Darin wird unter anderem festgelegt, wie schnell die Anbieter auf Klagen über die Behinderung von Fußgängern durch schlecht abgestellte Leihfahrzeuge reagieren müssen und welche Strafen bei Missachtung anfallen können. Nähere Informationen zur Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte in Paris bietet der gtai-Artikel "Neue Mobilitätskonzepte erobern Paris" (http://www.gtai.de/MKT201810298004).

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Fédération des Professiones Micro-Mobilité (fpmm) http://e-fpmm.fr Verband für Mikromobilität
Autonomy www.autonomy.paris Messe für nachhaltige Mobilität

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Elektromobilität

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