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30.04.2018

Kolumbien verbessert Umgang mit Abwasser

Fortschritte erzielt bei der Wasserversorgung / Investitionen in Kläranlagen folgen / Von Edwin Schuh

Bogotá (GTAI) - Den Vereinten Nationen zufolge steht Kolumbien bei den Frischwasserressourcen weltweit auf Platz sechs mit 2.145 Milliarden Kubikmetern. Nur Brasilien, Russland, Kanada, die USA und die VR China haben größere Wasserressourcen als das flächenmäßig deutliche kleinere Kolumbien. Um diese Ressourcen zu schützen, will das Land in die Abwasseraufbereitung investieren. Trotz Verbesserungen fließt noch immer über die Hälfte des Abwassers ungeklärt in die Flüsse und den Ozean. (Kontaktadressen)

Nach neuesten Angaben hat die Regierung Santos in der Periode 2014 bis 2018 rund 2,7 Milliarden US-Dollar (US$) in den Ausbau der Leitungswasser- und Kanalisationsnetze investiert. Dadurch haben zusätzlich 6,3 Millionen Personen Anschlüsse an fließendes Wasser und 7 Millionen Personen Anschlüsse an das Abwassersystem erhalten. Allein in die unterentwickelte Karibikregion flossen ein Drittel der staatlichen Investitionen. Damit hat die Regierung die Ziele ihres nationalen Entwicklungsplans 2014-2018 deutlich übertroffen.

Wasserinfrastruktur auf dem Land noch ausbaufähig

Dennoch erwarten die kommende Regierung, welche ab August 2018 das Amt übernimmt, große Herausforderungen im Wassersektor. Das Land hat trotz der Fortschritte der letzten Jahre noch große Defizite in der Wasserversorgung und -aufbereitung. Gemäß dem kolumbianischen Verband für Umwelttechnik Acodal sind die Zustände vor allem auf dem Land als Folge des langjährigen bewaffneten Konflikts noch mangelhaft: Nur 73 Prozent der Bevölkerung haben hier Anschluss an Leitungswasser und 70 Prozent an die Kanalisation. Auch die Qualität sei mangelhaft, so erhalten 58 Prozent der Landbevölkerung kein für den menschlichen Konsum geeignetes Wasser.

Vor allem an der abgelegenen Pazifikküste, in gebirgigen Landesteilen und an der Karibikküste ist die Grundversorgung noch schlecht. In den Städten liegt die Abdeckung bei fließendem Wasser mit 97 Prozent und bei der Kanalisation mit 93 Prozent deutlich höher. Ziel ist mittelfristig eine komplette Abdeckung. In Kolumbien leben rund 75 Prozent der Bevölkerung in Städten. Die Diskrepanz im Wassersektor zwischen städtischen und ländlichen Gebieten liegt an dem Investitionsverhalten der Politiker, die ihre Gelder lieber auf die Ballungsräume mit den meisten Wählern konzentrieren.

Fortschritte bei der Abwasseraufbereitung

Bei der Abwasseraufbereitung wurden ebenfalls Fortschritte erzielt, wenn auch ausgehend von einem niedrigen Niveau. Ende 2011 wurden 30 Prozent des Abwassers behandelt, dieser Anteil stieg bis Ende 2017 nach Angaben der Regierung auf 42 Prozent. Es fließt also noch immer über die Hälfte des Abwassers ungeklärt in die Flüsse oder in den Küstenregionen ins offene Meer und verunreinigt die natürlichen Wasservorkommen. Dies ist deutlich mehr als etwa in Chile, wo eine Rate von 100 Prozent bei der Abwasseraufbereitung erreicht wird.

Der Aufsichtsbehörde für öffentliche Versorgung (Superintendencia de Servicios Públicos Domiciliarios) zufolge verfügten Ende 2017 von den 1.122 Gemeinden Kolumbiens nur 541 Gemeinden über ein System zur Abwasseraufbereitung. Die meisten Anlagen befinden sich in den Bundesländern Cundinamarca (137 Anlagen), Antioquia (90), Boyacá (39), Cauca (37) und Tolima (36). Die größten Kläranlagen sind die PTAR (Planta de Tratamiento de Aguas Residuales) Salitre in Bogotá mit einer durchschnittlichen Durchflussmenge von 5.620 Liter/Sekunde, PTAR Cañaveralejo in Cali (6.006 Liter/Sekunce) und die PTAR San Fernando in Medellín (1.309 Liter/Sekunde). In Medellín wird in diesem Jahr die neue PTAR Bello in Betrieb genommen, welche eine Kapazität von 5.000 Liter/Sekunde haben wird.

Megaprojekte in Bogotá

Am meisten investiert wird im Bereich Abwasser derzeit in Bogotá, wo sich die Kläranlage Salitre im Ausbau befindet. Die Kapazität der bislang einzigen Kläranlage der Hauptstadt wird von 4.000 Liter/Sekunde auf 7.000 Liter/Sekunde erhöht. Daneben ist in Bogotá eine zweite Wasseraufbereitungsanlage geplant. Die PTAR Canoas soll im Süden der Stadt entstehen und mit 14.000 Liter/Sekunde die größte Anlage Kolumbiens werden. Beide Projekte sind Teil des Plans zur Säuberung des Bogotá-Flusses, der durch Abwasser stark verunreinigt ist. Er gilt als "toter" Fluss, die Wasserqualität reicht teilweise nicht einmal für den industriellen Gebrauch aus. Dank der beiden Kläranlagen soll das Wasser des Flusses zukünftig sogar für die Landwirtschaft nutzbar sein.

Aktuelle Projekte in Kolumbiens Abwassersektor
Name Investitionen (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung
Kläranlage Canoas (Bogotá) 1.500 Finanzierung zwischen Bundesland Cundinamarca, Umweltbehörde CAR und Stadt Bogotá geregelt; Baubeginn 2019 Empresa de Acueducto, Alcantarillado y Aseo de Bogotá (EAAB); Kapazität 14.000 l/s *)
Wasserversorgung und Kanalisation in Santa Marta 951 Projekt soll noch 2018 von der Stadt Santa Marta als PPP ausgeschrieben werden Kläranlage soll Wasser aus dem Magdalena-Fluss aufbereiten; Kapazität 4.000 l/s
Ausbau Kläranlage Salitre (Bogotá) 480 Im Bau seit April 2017; Inbetriebnahme 2021 Ausbau der bestehenden Kläranlage auf 7.000 l/s; Unternehmen Aqualia Infraestructuras (Spanien), Aktor (Griechenland), CASS Constructores (Kolumbien)
Ausbau Kläranlage Cañaveralejo (Cali) 115 Teilauftrag im März 2018 an die spanische Acciona Agua vergeben Empresas Municipales de Cali; Projekt finanziert von der Zentralregierung
Kläranlage Rio de Oro (Bucaramanga) 80 Vorstudien, unter anderem finanziert von der KfW Kapazität 1.845 l/s; Empresa Pública de Alcantarillado de Santander
Kläranlage San Silvestre (Barrancabermeja) 40 Bau durch Aqualia Intech (Spanien) und Construvicol (Kolumbien); Inbetriebnahme 2021 Kapazität 1.000 l/s; Aguas de Barrancabermeja
Kläranlage Neiva 44 Vorstudien sollen Mitte 2018 veröffentlicht werden Soll 90 Prozent des Abwassers der Stadt klären, welches aktuell in den Magdalena-Fluss geht; Empresas Públicas de Neiva

*) Liter/Sekunde (l/s)

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Die Regierung genehmigte Anfang 2018 staatliche Investitionen in Höhe von 167 Millionen US$ für den Wassersektor des Bundeslandes Cundinamarca. Die Investitionen werden im Zuge des Wasserplans des Bundeslandes (Plan Departamental de Agua) für 2018 getätigt. Kein anderes Bundesland hat einen so umfangreichen Wasserplan wie Cundinamarca. Rund 68 Prozent der Investitionen sollen in den Ausbau der Wasserleitungen fließen und 24 Prozent in die Wasseraufbereitung.

Qualität des Leitungswassers teilweise mangelhaft

Die Qualität des Leitungswassers wird von der SIVICAP (Subsistema de Información para Vigilancia de Calidad de Agua Potable) überprüft. Ende 2017 war in 57 Prozent der untersuchten Gemeinden das Leitungswasser risikofrei. Ein Viertel der Gemeinden wies Leitungswasser mit geringem oder mittlerem Risiko auf, in 16 Prozent der Gemeinden war das Risiko des Leitungswassers hoch und in 2,4 Prozent der Gemeinden gesundheitsgefährdend. Besonders schlechte Ergebnisse erzielten die Bundesländern Sucre, Huila und Caldas. Für die schlechte Wasserqualität sind entweder fehlende Wasseraufbereitungsanlagen verantwortlich oder deren schlechter Zustand und unfachmännischer Betrieb. Generell ist die Wasserqualität in den Großstädten besser als auf dem Land, so wiesen die Metropolen Bogotá, Medellín, Cali und Barranquilla keine Probleme bei der Wasserqualität auf.

Die nächste Gelegenheit, sich über den kolumbianischen Wassersektor zu informieren, bietet der Umweltfachkongress von Acodal (http://www.acodal.org.co/61-congreso-internacional-acodal/) Ende Mai 2018 in Cartagena. Dabei kann auch deutsche Technologie vorgestellt werden. Unter anderem die deutschen Unternehmen Ferrostaal, ProMinent, KSB, Aerzen und HUBER sind bereits im Wassersektor Kolumbiens aktiv.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kolumbien sind unter http://www.gtai.de/kolumbien abrufbar.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociación Colombiana de Ingeniería y Ambiental (Acodal) http://www.acodal.org.co Verband für Umwelttechnik
Viceministerio de Agua y Saneamiento Básico http://www.minvivienda.gov.co/viceministerios/viceministerio-de-agua Vizeministerium für Wasser und sanitäre Grundversorgung

Dieser Artikel ist relevant für:

Kolumbien Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau, Abwasserentsorgung

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