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08.11.2018

Kolumbiens Agrarsektor bietet mehr als nur Kaffee

Neues Gesetz ermöglicht größere Anbauflächen / Von Edwin Schuh

Bogotá (GTAI) - Kolumbien gehört weltweit zu den größten fünf Exporteuren von Kaffee, Bananen, Palmöl und Schnittblumen. Das ausgezeichnete natürliche Potenzial soll jedoch noch besser genutzt werden.

Kolumbien ist flächenmäßig mehr als dreimal so groß wie Deutschland, jedoch mit 50 Millionen Einwohnern deutlich geringer besiedelt. Das tropische Klima sorgt für hervorragende Bedingungen für die Landwirtschaft. Hinzu kommen Höhenlagen zwischen 0 Metern und 4.000 Metern über dem Meeresspiegel, was den Anbau einer Vielzahl verschiedener Agrarprodukte ermöglicht. Gemäß der Welternährungsorganisation FAO steht Kolumbien dank hoher Niederschläge weltweit auf Rang vier, was die Verfügbarkeit von Wasser angeht.

Trotz der exzellenten Bedingungen werden die Möglichkeiten bislang noch nicht voll ausgeschöpft. Ein Grund dafür ist der jahrzehntelange, gewalttätige Konflikt zwischen der kolumbianischen Regierung, Guerilla und Paramilitärs, welcher sich vor allem in ländlichen Gebieten abspielte. Viele Zonen waren daher tabu für Investitionen der professionellen Agrarindustrie, und die vorhandene Landwirtschaft blieb technologisch auf einem niedrigen Stand.

Regierung gibt Flächen für die Agrarindustrie frei

Außerdem wurde die Agrarindustrie von dem Gesetz 160 von 1994 zurückgehalten, welches den Landbesitz einzelner Unternehmen auf kleinere Flächen beschränkte. Ein neues Gesetz (1.776 von 2016) ermöglicht nun die Errichtung der speziellen Landwirtschaftszonen ZIDRES (Zona de Interés de Desarrollo Rural, Económico y Social) mit größeren Anbauflächen. Im August 2018 wurde von der Regierung ein Gebiet von 175.000 Hektar im Bundesstaat Meta zur ersten ZIDRES erklärt. Weitere Gebiete sollen folgen. Laut dem Nationalen Planungsdepartment DNP (Departamento Nacional de Planeación) könnte insgesamt eine Fläche von 7,3 Millionen Hektar zu ZIDRES erklärt werden. Rund 85 Prozent davon entfallen auf die Bundesstaaten Vichada, Meta, Córdoba, Magdalena und Casanare.

Agrarindustrie nach brasilianischem Vorbild

Dank der Gesetzesänderung will Kolumbien zukünftig - nach dem Vorbild Argentiniens und Brasiliens - noch stärker Agrarindustrie in großem Stil betreiben. Vor allem die riesige Region der östlichen Ebenen ("Llanos Orientales"), welche als Feuchtsavanne klassifiziert ist, soll noch stärker erschlossen werden. Sie ähnelt der Cerrado-Region in Brasilien, wo riesige Mengen an Soja und Mais produziert werden. Dank Investitionen in das Autobahnnetz werden zukünftig die Transportkosten vom Landesinneren an die Häfen sinken, was den kolumbianischen Agrarsektor international wettbewerbsfähiger macht. Dabei hat Kolumbien den Vorteil, dass dank der Lage am Pazifik der wichtige Absatzmarkt VR China deutlich besser zu erreichen ist als von Brasilien aus.

Kolumbiens Exporte wichtiger Nahrungsmittel (in Mio. US$; Veränderung in %)
Bezeichnung (SITC-Klassifizierung) 1. Halbjahr 2018 1. Halbjahr 2017 Veränderung 1. Halbjahr 2018/1. Halbjahr 2017
Nahrungsmittel und Getränke insgesamt, darunter 3.893,5 3.765,5 3,4
.Kaffee, Tee etc. (07) 1.357,1 1.456,2 -6,8
.Rohstoffe tierischen und pflanzlichen Ursprungs (29) 876,9 822,9 6,6
.Gemüse und Früchte (05) 653,2 668,3 -2,3
.Pflanzliche Fette und fette Öle (42) 353,6 244,1 44,8
.Zucker, Zuckerwaren und Honig (06) 249,9 251,2 -0,5
.Getreide und Getreideerzeugnisse (04) 68,3 62,7 9,0
.Fisch, Meeresfrüchte etc. (03) 67,7 47,2 43,5
.Fleisch und Zubereitungen von Fleisch (01) 50,9 40,1 27,1

Quelle: Statistikamt DANE

Kolumbianischer Kaffee wird auf der ganzen Welt geschätzt

Am bedeutendsten sind bislang der Anbau von Bananen an der Karibikküste, die Herstellung von Palmöl im Norden und Osten des Landes sowie der Kaffeeanbau in der Andenregion. Die Kaffeeproduktion wird 2018 laut dem Verband der Kaffeebauern FNC (Federación Nacional de Cafeteros; http://www.federaciondecafeteros.org) bei 14 Millionen Säcken á 60 Kilogramm liegen, ähnlich wie in den vergangenen Jahren. Damit ist Kolumbien drittgrößter Kaffeeproduzent weltweit hinter Brasilien und Vietnam. Dort wird jedoch hauptsächlich die minderwertige Robusta-Sorte angebaut, während Kolumbien Arabica-Kaffee produziert.

Die Produktion von Palmöl ist 2017 um 42 Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen gestiegen, so der Verband Fedepalma (Federación Nacional de Cultivadores de Palma de Aceite; http://web.fedepalma.org). Für 2018 wird allerdings ein Rückgang von rund 5 Prozent erwartet, ausgelöst von einem niedrigeren Weltmarktpreis und Pilzbefall. Kolumbien gilt als viertgrößter Palmölproduzent weltweit, allerdings mit deutlichem Abstand zu Indonesien, Malaysia und Thailand.

Die Exporte von Bananen stiegen 2017 gemäß dem Branchenverband Augura (Asociación de Bananeros de Colombia; http://www.augura.com.co) um 5 Prozent auf 98,4 Millionen Kisten á 20 Kilogramm. Der Wert der Ausfuhren lag bei 850 Millionen US-Dollar (US$), so der Verband. Ziel für 2018 sei es, zum ersten Mal die Marke von 100 Millionen Kisten zu überschreiten. Kolumbien ist nach Ecuador und Costa Rica der drittgrößte Exporteur von Bananen weltweit. Die Produktivität liegt in Kolumbien - gemessen in Produktion je Hektar - jedoch hinter der Konkurrenz. Rund 85 Prozent der Lieferungen gingen 2017 an die EU und 14 Prozent an die USA.

Wichtige Unternehmen in Kolumbiens Agrarsektor
Sektor Unternehmen Umsatz 2017 (in Mio. US$)*) Internet
Kaffee
Expocafé 318,1 http://www.expocafe.com
Racafé 289,3 http://www.racafe.com
Colcafé 262,9 http://www.colcafe.com
Carcafé 254,8 https://carcafe.com.co
Palmöl
Acepalma 298,5 http://www.acepalma.com
Biocosta 168,6 http://cibiocosta.com
Daabon (auch Bananen, Kaffee, Avocado etc.) 108,5 http://www.daabon.com
Aceites Manuelita (auch Zucker) 108,3 http://www.manuelita.com
Bananen
Uniban 179,8 http://www.uniban.com
Banacol 179,6 http://www.banacol.com
Tecbaco 155,3 http://www.tecbaco.com
Banasan 112,5 http://www.banasan.com.co
Blumen
The Elite Flower 139,1 http://www.eliteflower.com
Sunshine Bouquet 134,8 http://www.sunshinebouquet.com

*) berechnet mit durchschnittlichem Wechselkurs für 2017 (1 US$ = 2.951 kol$)

Quelle: La Nota Económica - Vademécum de Mercados 2018

Hohe Margen bei exotischen Früchten

Schnittblumen, welche seit den 1970er Jahren in der Hochebene von Bogotá für den Export angepflanzt werden, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. So exportierte Kolumbien 2017 Schnittblumen (HS Code 0603) im Wert von 1,4 Milliarden US$, was einem Weltmarktanteil von 16 Prozent entspricht. Nur die Niederlande exportiert noch mehr. Der Sektor wird vom Verband Asocolflores (Asociación Colombiana de Exportadores de Flores; https://asocolflores.org/) angeführt.

Auch Reis und Zuckerrohr werden in großem Stil angebaut, jedoch hauptsächlich für den lokalen Konsum. Bei Reis ist Kolumbien international nicht wettbewerbsfähig, weshalb sich der Verband Fedearroz (Federación Nacional de Arroceros; http://www.fedearroz.com.co) regelmäßig für Importbeschränkungen und Subventionen einsetzt. Noch viel Potenzial für den Export werden exotischen Früchten wie Ananas, Mango, Physalis, Sternfrucht und Maracuja eingeräumt, die deutlich höhere Margen bieten als etwa Mais oder Soja. Ähnliches gilt für Avocado und hochwertigen Kakao.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministerio de Agricultura http://www.minagricultura.gov.co Ministerium für Landwirtschaft
Unidad de Planificación Rural Agropecuaria UPRA http://www.upra.gov.co Planungsbehörde für Landwirtschaft
Sociedad de Agricultores de Colombia SAC http://www.sac.org.co Verband der Landwirte
Agroexpo https://agroexpo.com/ Landwirtschaftsmesse; 11. bis 21. Juli 2019 in Bogotá

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kolumbien sind unter http://www.gtai.de/kolumbien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kolumbien Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Pflanzenproduktion

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