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10.01.2019

Konstante Investitionstätigkeit in Ägyptens Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie

Großteil der Maschinen und Anlagen werden importiert / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Ägyptens Nahrungsmittelverkäufe über den Einzelhandel werden bis 2020 auf rund 98 Milliarden US$ prognostiziert. Nahrungsmittelhersteller bauen ihre Produktionen aus.

Obwohl zum ägyptischen Markt für Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen keine Statistiken verfügbar sind, kann von einer konstanten Investitionstätigkeit ausgegangen werden. Pro Jahr berichten ägyptische Medien über etwa 30 bis 40 Investitionsprojekte oder -pläne von Nahrungsmittelherstellern. Darunter befinden sich größere Vorhaben wie der Bau ganzer Fabriken, aber auch die Anschaffung zusätzlicher Produktionslinien oder die Erneuerung von Anlagen. Insbesondere Hersteller mit einem nennenswerten Anteil des Auslandsgeschäfts legen erfahrungsgemäß Wert auf moderne Technik.

Seitdem sich die Importe durch die Abwertung des ägyptischen Pfundes stark verteuert haben, setzen Unternehmen vermehrt auf lokale Bezugsquellen. Dabei geht es sowohl um landwirtschaftliche Produkte als auch inländische Verpackungsmaterialien. Die große Mehrheit der Maschinen und Anlagen stammen allerdings weiterhin aus dem Ausland. Die inländische Maschinenbauproduktion ist nur gering. Im Jahr 2017 gaben die Importe von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen von 287,2 auf 213,0 Millionen US-Dollar (US$) gegenüber dem Vorjahr nach. Die Bezüge aus Deutschland fielen von 63,3 Millionen auf 44,6 Millionen US$ zurück. Wegen der gesunkenen Gesamteinfuhr büßte Deutschland nur 1,1 Prozentpunkte Lieferanteil ein und erreichte 20,9 Prozent.

Größter Verbrauchermarkt der arabischen Welt

Die ägyptische Bevölkerung wächst jährlich um etwa 2,5 Prozent und ihr Bedarf steigt grundsätzlich an. Voraussichtlich Ende 2019 werden 100 Millionen Menschen im Land leben. Der private Verbrauch soll 2018 und 2019 real um 5,6 beziehungsweise 5,5 Prozent zulegen. Das US-amerikanische Department of Agriculture skizziert Ägypten als größten Verbrauchermarkt und die am weitesten diversifizierte Volkswirtschaft der arabischen Welt. Die Nahrungsmittelverkäufe im Einzelhandel erreichten 2015 ein Volumen von 70 Milliarden US$ und sollen bis 2020 auf 98 Milliarden US$ anschwellen.

Die Konkurrenz zwischen importierten Lebensmitteln und lokal produzierten ist in Ägypten stark. Etwa 40 Prozent der Lebensmittelnachfrage wurde 2016 durch Importe befriedigt. Lokale Hersteller decken den Großteil des Bedarfs an süßen und salzigen Snacks. Bei Hühnerfleisch wird 90 Prozent des Bedarfs aus inländischen Quellen gedeckt, gegenüber 60 Prozent bei rotem Fleisch. Trotz einer zunehmenden Milchproduktion summieren sich die Importe von Molkereiprodukten auf etwa eine Milliarde Dollar jährlich.

Kostensteigerungen durch Subventionsabbau

Ägypten baut seit 2014 die Subventionen für Kraftstoffe, Strom, Gas und Wasser ab. Dieser schrittweise Prozess lässt in Zukunft weitere direkte und indirekte Kostensteigerungen erwarten, etwa im Transportsektor. Eine genaue Voraussage ist aber nicht möglich. Neue Preise werden zumeist erst kurz vor ihrem Inkrafttreten bekanntgegeben und der Zeitpunkt der nächsten Abbaustufe kann ebenfalls variieren. Unternehmen fahren einen unterschiedlichen Kurs hinsichtlich der Subventionskürzungen. Im Sommer 2018 plante der Käsehersteller Obour Land laut einem Pressebericht, seine Produkte um zwei bis vier Prozent zu verteuern. Der Molkereiprodukte- und Safthersteller Juhayna hält den Anteil des Stroms und der Kraftstoffe an den eigenen Kosten hingegen nicht für so hoch, dass Anhebungen erforderlich seien.

Viele ägyptische Verbraucher haben weiterhin Mühe, die gestiegenen Preise für Waren und Dienstleistungen aufzufangen. Bereits vor der Kursfreigabe des ägyptischen Pfundes im November 2016 musste eine Durchschnittsfamilie etwa 40 Prozent ihrer Ausgaben für Lebensmittel aufwenden. Hinzu kommt, dass die Preise für Obst und Gemüse überproportional steigen. Im September 2018 waren sie laut der ägyptischen Zentralbank um 41,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Die Inflationsrate und der Anstieg der Verbraucherpreise haben sich allerdings insgesamt abgeschwächt und stabilisiert. Im September 2018 meldete die Zentralbank eine Rate von 16 Prozent. Die Economist Intelligence Unit erwartet 2019 einen Anstieg der Verbraucherpreise um 14,4 Prozent, was einem Rückgang um 2,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr entspräche.

Ein Beleg für optimistische Zukunftserwartungen ist der dynamische Expansionskurs des organisierten Einzelhandels, der den traditionellen Händlern stetig Marktanteile abnimmt. Unter anderem weiten Majid Al-Futtaim (Carrefour), HyperOne, die Discountsupermarktkette Kazyon und Lulu Hypermarkets aus Indien ihre Präsenz in Ägypten aus. Der organisierte Einzelhandel (Einzelhandels- und Großhandelsketten sowie Hypermärkte) stellt in Ägypten etwa ein Prozent der Geschäfte, hat damit aber einen Marktanteil von 23 Prozent erobert. Laut dem Department of Agriculture haben diese Märkte ihre Nahrungsmittelverkäufe von 2011 bis Ende 2017 verdoppelt.

Weiterführende Informationen zu Ägypten finden Sie unter http://www.gtai.de/aegypten

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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