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16.08.2019

Kopenhagen will künstliche Inseln aufschütten

Wachsende Einwohnerzahl zwingt zur Erschließung neuer Flächen / Von Michal Wozniak

Stockholm (GTAI) - Aufgrund der zunehmenden Einwohnerzahl expandiert Kopenhagen aufs Küstenmeer. Die Vorhaben sollen auch vor den Auswirkungen des Klimawandels schützen.

Das Großprojekt Lynetteholmen der städtischen Entwicklungsagentur By & Havn sieht die Aufschüttung einer künstlichen Insel östlich der Innenstadt vor. Das Basismaterial wird aus anderen hauptstädtischen Baustellen entnommen. Die ersten Grundstücke sollen 2035 für die Bebauung zur Verfügung stehen, die letzten Häuser 2070 fertiggestellt werden. "Lynetteholmen wird die Fläche Kopenhagens um 2 Prozent erweitern. Es wird nicht nur ein neues Viertel beherbergen, sondern auch als Schutz vor dem steigenden Meeresspiegel fungieren", beschreibt Hans Vasehus, technischer Direktor bei By & Havn. Das Investitionsvolumen liegt bei 2,7 Milliarden Euro.

Um Aspekte des Klima- und Überschwemmungsschutzes bei dem Projekt wird sich hauptsächlich die dänische Beratungsfirma Ramboll kümmern. Sie wurde beauftragt, die Umweltverträglichkeitsuntersuchung zu begleiten, die bis Mitte 2020 abgeschlossen werden soll. Der Zweijahresvertrag hat einen Wert von 400.000 Euro netto und kann um maximal zwei weitere Jahre verlängert werden.

Die dänische Ingenieurfirma Cowi übernimmt die technische Beratung, in erster Linie bezüglich der Platzierung und Planung der neuen Insel. "Es ist entscheidend, dass wir von Anfang an nachhaltig entwerfen. Gleichzeitig müssen wir aber genug Flexibilität einplanen, um Kompatibilität mit anderen Projekten in der Umgebung zu gewährleisten, die größtmögliche Anzahl von Bedürfnissen abzudecken und den größten Mehrwert zu sichern", erklärt Cowi-Projektmanager Henrik Hostrup Pedersen. Die Firma hat vier Jahre Zeit und ein Budget von 2 Millionen Euro netto, um die angedachten 20.000 Wohnungen und 35.000 Arbeitsplätze auf den etwa 2 Millionen Quadratmetern zu verteilen.

Silicon Valley auf neun Inseln

Die Gemeinde Hvidovre, nur wenige Kilometer südwestlich von Kopenhagen, will neun Kunstinseln mit einer Fläche von 3,1 Millionen Quadratmetern aufschütten. Das Projekt Holmene soll laut der Projektverantwortlichen "einer der größten, grünsten und innovativsten Businessstandorte in Nordeuropa werden". Neben Räumlichkeiten für 12.000 Arbeitsplätze stehen deswegen auch 700.000 qm Grünflächen im Lastenheft. Eine der Inseln soll zudem zu Green Tech Island werden, einem Labor für klimafreundliche Technologien. Die Bauherren sprechen von einer Wasseraufbereitungsanlage, Stromspeicherung oder Biogasanlage.

Holmene ist eine langfristige Investition. Der erste Spatenstich soll 2022 erfolgen, die erste Insel 2028 fertiggestellt sein. Bis das Kleinstarchipel vollendet ist, sollen mehr als 30 Jahre vergehen. Laut offiziellen Angaben wird die Aufschüttung der Inseln etwa 360 Millionen Euro kosten. Darin enthalten sind Investitionen für 5,5 Meter hohe Deiche, die nicht nur Holmene selbst, sondern auch das Umland vor Sturm und Überschwemmungen schützen. Weitere knapp 64 Millionen Euro sollen in die nötige Infrastruktur - Glasfasernetze, Straßen, Brücken, Kanalisation - fließen.

Die Gemeinde Hvidovre geht davon aus, das Projekt gewinnbringend realisieren zu können. Es wird auch von der dänischen Regierung unterstützt, die es in seinen Entwicklungsplan Hauptstadt 2030 aufnahm (im Originalwortlaut unter: bit.ly/2OGjGeX). Derzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Vorhaben.

Zwang zur Erschließung neuen Wohnraums

Ambitionierte Bauprojekte sind in der dänischen Hauptstadt schon fast zur Tradition geworden. By & Havn realisiert beispielsweise mit Nordhafen (Nordhavn) und Südhafen (Sydhavnen) großangelegte Revitalisierungsprojekte, die auf alten Gewerbegebieten Wohnraum für zehnttausende Menschen und Platz für zahlreiche Unternehmen bieten sollen.

Obwohl sich der Trend 2018 umgekehrt hat, und mehr Menschen aus der Hauptstadt ins Umland zogen als umgekehrt, geht die dänische Regierung davon aus, dass die Einwohnerzahl Kopenhagens bis 2030 um 200.000 Menschen beziehungsweise 30 Prozent wachsen wird. Über 44.000 neue Wohneinheiten werden in der Stadt und dem direkten Umland bis 2035 entstehen müssen. Deswegen werden neue Möglichkeiten gesucht, Raum zu schaffen.

Kontaktadressen:

Firma Adresse Beschreibung
Gemeinde Kopenhagen http://www.kk.dk Auftraggeber zahlreicher Bauprojekte
By & Havn byoghavn.dk Bauentwicklungsagentur Kopenhagens
Gemeinde Hvidovre hvidovre.dk/English Auftraggeber der Projektes Holmene (holmene.com)
Cowi http://www.cowi.com Technische Beratung beim Projekt Lynetteholmen
Ramboll ramboll.com Umweltberatung beim Projekt Lynetteholmen

Mehr zu Dänemark erfahren Sie unter http://www.gtai.de/Daenemark

Dieser Artikel ist relevant für:

Dänemark Wasser-, Hafenbau, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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Charlotte Schneider

‎+49 228 249 93 279

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