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20.04.2016

Koreanische Außenwirtschaftsförderung ist breit aufgestellt

Unterstützung für Drittlandprojekte / Hohe Lieferbindung bei Entwicklungszusammenarbeit / Von Alexander Hirschle

Inhalt

Seoul (GTAI) - Die Außenwirtschaftsförderung von Korea (Rep.) ist breit aufgestellt und umfasst zahlreiche Instrumente. Neben dem traditionellen Exportgeschäft liegt ein Schwerpunkt auf der Förderung von Auslandsinvestitionen und Projekten in Drittländern, bei denen heimische Firmen in den vergangenen Jahren im weltweiten Vergleich eine führende Rolle eroberten. Darüber hinaus beinhaltet das Instrumentarium klassische Maßnahmen wie Marktinformationen, Recherchen, Geschäftskontakte und Messebeteiligungen.

Einleitung

Die koreanische Außenwirtschaft ist 2015 ins Taumeln geraten. Die Exporte des asiatischen Landes zeigten um 8% nach unten. Dies entsprach dem höchsten Rückgang der Ausfuhren seit der Finanzkrise 2008/2009. Die Importe gingen mit einem Minus von 17% sogar noch stärker zurück. Das Projektgeschäft koreanischer Bauunternehmen im Ausland - mit einem Umsatz von 66 Mrd. US$ im Vorjahr eine enorm wichtige Einnahmequelle für die lokalen Firmen - ist 2015 sogar um rund 30% eingebrochen.

Die breit aufgestellte koreanische Außenwirtschaftsförderung steht daher vor großen Herausforderungen. Aber nicht nur die aktuellen Negativtrends sind zu bewältigen. Auch die Tatsache, dass die Entwicklung zu großen Teilen von den Unternehmenskonglomeraten - den sogenannten Chaebols - abhängt, bereitet den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Aufbau und Förderung eines exportorientieren, wettbewerbsfähigen Mittelstandes werden daher groß geschrieben.

Die Außenwirtschaftsförderung umfasst zahlreiche Akteure mit sich zum Teil überschneidenden Aufgaben und ist daher eher übersichtlich aufgestellt. Im internationalen Kontext schätzen Experten die Förderung der Auslandsaktivitäten als äußerst offensiv, wettbewerbsfähig und gut ausgerüstet ein. So soll der Umfang der finanziellen Unterstützung im Ausland größer gewesen sein als beispielsweise die Förderung von US-Unternehmen durch die amerikanische Exim Bank - obwohl Korea (Rep.) nur ein Zehntel der Wirtschaftskraft der USA umfasst.

Instrumente und Konditionen der Außenwirtschaftsförderung

Handelsbezogene staatliche Absicherungsmaßnahmen

Bei den handelsbezogenen staatlichen Absicherungsmaßnahmen spielt die 1992 als Korea Trade Insurance Corporation gegründete und 2010 in K-Sure umbenannte Organisation eine entscheidende Rolle. K-Sure soll qua Definition Außenhandel und Auslandsinvestitionen lokaler Firmen mittels Exportversicherungen, Investitionsabsicherungen, Kreditgarantien sowie zahlreichen anderen Programmen und Leistungen unterstützen, um auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu stärken.

Die Agentur untersteht dem Handelsministerium Motie (Ministry for Trade, Industry and Energy), gilt als Pendant zur deutschen Euler Hermes und bietet ein umfangreiches Instrumentarium kurz- und langfristiger Kreditversicherungen gegen Zahlungsausfall und -verzug oder Bankrott des Importeurs oder auch der Banken sowie gegen politische Risiken wie Kriege, Revolutionen oder Moratorien an. Darüber hinaus können sich exportierende Unternehmen gegen Zinsschwankungen oder Wechselkursrisiken absichern. Ferner besteht die Möglichkeit, sich gegen Materialschäden beim Export von in Korea (Rep.) hergestellten Produkten abzusichern.

Einige der Instrumente sind speziell auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ausgerichtet. Die Unterstützung durch K-Sure steht im- und exportierenden Firmen zur Verfügung. Das Finanzierungsvolumen ist je nach Projektgröße variabel. Eine Übersicht über das Produktspektrum mit detaillierten Beschreibungen der Instrumente und Abläufe ist auf der englischsprachigen Version der Unternehmenswebsite unter https://www.ksure.or.kr/en/index.do abrufbar.

Darüber hinaus bietet die Institution verschiedene in Zusammenhang mit Kreditvergaben stehende Dienstleistungen wie Recherche, Kreditmanagement und Unterstützung bei der Eintreibung von Forderungen an. K-Sure verfügte gemäß dem Jahresbericht 2014 Ende 2013 über 490 Beschäftigte, die in der Zentrale in Seoul, in 13 Inlandsfilialen sowie in 14 Auslandsbüros tätig sind.

Im Jahr 2014 unterstützte K-Sure koreanische Firmen bei Geschäften im Wert von insgesamt 190,2 Bill. Won (circa 136,0 Mrd. Euro; 1 Euro = 1.399 Won; Jahresdurchschnittskurs 2014). Der Wert lag damit unterhalb der Fördersummen der Vorjahre (2012: 202,3 Bill.; 2013: 203,7 Bill. Won). Gemäß der offiziellen Planungen sollte das Volumen 2015 auf 195 Bill. Won steigen, 42 Bill. Won sind dabei für KMU vorgesehen gewesen. Deren Förderung war 2014 um 7,2% auf 38,5 Bill. Won aufgestockt worden und überschritt erstmalig 20% der Gesamtsumme. Im Jahresausblick hatte K-Sure der Förderung von KMU einen besonderen Stellenwert für 2015 eingeräumt.

Regional lag der Schwerpunkt der Fördermaßnahmen Ende 2014 auf Asien (26,6% der ausstehenden Kreditbeträge), vor dem Nahen und Mittleren Osten (20,0%) und Europa (18,2%). Nord- und Lateinamerika lagen mit 9,0% und 9,5% fast gleichauf vor Ozeanien (7,1%) und Afrika (4,7%), die allerdings die höchsten Zuwachsraten aufwiesen. Auch für 2015 hat der Geschäftsplan der Organisation Schwerpunkte bei der Förderung des Außenhandels und des Projektgeschäfts in Afrika, Lateinamerika und anderen Schwellenländern vorgesehen.

Darüber hinaus ist die 1976 gegründete Export-Import Bank of Korea (Korea Eximbank) im Bereich Garantien tätig. Sie gilt in Fachkreisen als das Pendant zur Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), bietet aber im Gegensatz dazu in ihrem Portfolio neben Finanzierungen auch Kreditgarantien zur Absicherung gegen Zahlungsausfall für Exportgeschäfte an, darunter Bieter- ("Bid Bonds"), Anzahlungs- ("Advance Payment Bonds") und Vertragserfüllungsgarantien ("Performance Bonds") sowie Gewährleistungsbürgschaften ("Warranty Bonds").

Handelsbezogene Finanzierungsmaßnahmen

Die Eximbank ist die offizielle Exportkreditagentur von Korea (Rep.) und somit die wichtigste Institution für handelsbezogene Finanzierungsmaßnahmen. Offiziellen Angaben zufolge stimmen die Geschäftsbedingungen mit denen der OECD (Organization for Economic Co-operation and Development) überein. Die Eximbank bietet Exportkredite ("Export Promotion Loans") für Kapitalinvestitionen, Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Auslandsmarketingmaßnahmen für lokale Unternehmen an.

Die Kredite können von KMU in Anspruch genommen werden sowie von Großfirmen, die in den Sektoren Dienstleistungen (Gesundheit, Kultur, Information und Kommunikation sowie Tourismus) oder "grüne Energien" (unter anderem erneuerbare Energien, Senkung von CO2-Emissionen, Energieeffizienz) tätig sind. Bis zu 90% der Projektkosten können auf diese Weise finanziert werden, die Laufzeiten sind auf maximal zehn Jahre begrenzt.

Weitere Kreditvarianten, die von der Eximbank angeboten werden, sind "Export Growth Loans", die eine Obergrenze von 60 Mrd. Won beziehungsweise 40 Mrd. Won für KMU haben, sowie "Export Project Loans" mit einem Limit von 90% des Exportwertes. Darüber hinaus offeriert die Institution "Export Facilitation Loans", die auch von ausländischen Unternehmen oder Organisationen in Anspruch genommen werden können - so lange diese zu einem Exportgeschäft einer koreanischen Firma beitragen und als Importeure heimische Waren abnehmen.

Maximale Laufzeit sind 30 Jahre mit einer tilgungsfreien Dauer von höchstens fünf Jahren. Bis zu 90% der für das Importgeschäft anfallenden Kosten können übernommen werden. Des Weiteren bietet Eximbank Importkredite für die Einfuhr von Rohstoffen und "essentiellen Produkten" wie Kapitalgütern, die als wichtig für die Wirtschaft eingestuft werden.

Als maximale Kreditsumme sind hierbei 80% des Vertragswertes angesetzt, für KMU liegt die Grenze bei 90%; die Laufzeit ist auf zehn Jahre begrenzt. Detaillierte Informationen zu den Kreditkonditionen sind auf der Website https://www.koreaexim.go.kr/site/main/index002 unter den Menüpunkten "Financial Products" / "Loans" abrufbar.

Die Eximbank ist im Frühjahr 2015 in der heimischen Presse aufgrund fehlerhafter Evaluierung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen in die Kritik geraten. Da mehr als 100 der Kreditnehmer seit 2011 in Konkurs gegangen sind, droht der Bank ein Verlust von Darlehen und Kreditgarantien in Höhe von bis zu 1,2 Mrd. US$, so der Korea Herald.

Experten fordern daher eine drastische Neuausrichtung der Evaluierungsprozesse der Eximbank, so der Korea Herald. Die koreanische Regierung entschloss sich Mitte 2015 dazu, 271 Mio. US$ in die Institution einzuschießen, um die finanzielle Stabilität zu gewährleisten. Presseangaben zufolge sind deren Rahmendaten schlechter als die anderer staatlicher Finanzierungsorgane.

Die Eximbank ist derweil bemüht, ihre internationalen Kontakte und Kooperationen weiter auszubauen. So schloss die Institution im Frühjahr 2015 eine Reihe von Vereinbarungen mit Entwicklungsbanken in Lateinamerika ab, um Firmen bei der Expansion ihrer Geschäfte in dieser Region besser unterstützen zu können. Pressemeldungen zufolge hat Eximbank im März 2015 eine Übereinkunft über Kreditfazilitäten mit der Central American Bank for Economic Integration (CABEI) mit einer Obergrenze von 100 Mio. US$ unterzeichnet.

Eximbank erhofft sich durch diese neue Kooperation mit Zentralamerika nicht nur Unterstützung für koreanische Unternehmen, sondern auch die Ausweitung ihres Auslandsnetzwerks - zumal sie bisher noch über keine offiziellen Repräsentanzen in Lateinamerika verfügt. Bereits zuvor hatte die Bank ein Garantieabkommen mit der Inter-American Development Bank (IDB) geschlossen. Dadurch sieht sich Eximbank in die Lage versetzt, finanzielle Unterstützung in ganz Lateinamerika leisten zu können.

Bereits Ende 2014 hatte Eximbank eine Absichtserklärung mit der australischen Export Finance and Insurance Corporation (Efic) unterschrieben, um Informationen bezüglich der Auslandsexpansion von KMU auszutauschen. Als eines der erklärten Ziele der Vereinbarung wurde festgezurrt, gemeinsame Projekte in Drittstaaten zu identifizieren. Darüber hinaus soll die Bedeutung Australiens als Brückenkopf für die Märkte Ozeaniens gestärkt werden.

Die Organisation Kotra (Korea Trade-Investment Promotion Agency) ist die staatliche Außenwirtschaftsfördergesellschaft und bietet ein breites Spektrum an Dienstleistungen für exportierende Unternehmen an. Dazu zählen Unterstützung bei Messeauftritten im Ausland, Delegationsreisen, Marktforschung und -recherche sowie Consultingservices. Kotra wurde 1962 gegründet und verfügt über 123 Auslandsbüros in 83 Ländern mit insgesamt mehr als 1.000 Angestellten und einem Budget für 2015 im Umfang von 220,5 Mrd. Won.

Kotra hat angesichts rückläufiger Exporte im 1. Halbjahr 2015 die Notwendigkeit gesehen, verstärkt auf KMU zu setzen. Nur so könnten künftig wieder hohe Steigerungsraten der Ausfuhren erzielt werden, so die Einschätzung der Verantwortlichen. Aus diesem Grund will sich Kotra darauf konzentrieren, KMU bei ihren Ausfuhrgeschäften zu unterstützen. Ziel ist es, die Zahl exportorientierter KMU bis 2017 von derzeit 90.000 auf 100.000 zu steigern.

Um dies zu erreichen, will Kotra die Angestelltenzahlen in diesen Bereichen ausbauen und neue Büros mit Fokus auf den Sektoren Gesundheit, Dienstleistungen und E-Commerce einrichten. Darüber hinaus sollen bis Ende 2015 neue Vertretungen in Osteuropa wie in Serbien oder der Slowakei eröffnet werden.

Ein weiteres Instrument, um die Ausfuhren wieder in Gang zu bringen und neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen, sind detaillierte Analysen internationaler Märkte. Kotra setzt seit Herbst 2015 verstärkt auf dieses Mittel und will auf diese Weise neue Exportpotenziale identifizieren.

Darüber hinaus setzt Kotra auf maßgeschneiderte Marketingmaßnahmen für koreanische Erzeugnisse in den jeweiligen Zielländern. So soll in der VR China und in Südostasien der Aspekt der "Korean Wave" bei Messen und Produktpräsentationen in den Vordergrund gestellt werden. Alle 126 Büros weltweit sollten im 2. Halbjahr 2015 konkrete Vorschläge für länderspezifische Marketingstrategien entwickeln.

Neben Kotra bieten zahlreiche andere Institutionen Unterstützung im Bereich Informationen und Beratung an. So die Korea Development Bank (KDB), die Korea International Trade Association (Kita) sowie Ministerien wie Motie oder Molit (Ministry of Land, Infrastructure and Transport).

Auch Verbände wie Kbiz (Korea Federation of SMEs), SMBA (Small and Medium Business Administration) und die Handelskammer KCCI (Korea Chamber of Commerce and Industry) bieten Statistiken, Informationen, Recherchen und die Organisation von Konferenzen an.

Neben zahlreichen auf KMU ausgerichteten Schwerpunkten, speziellen Förderinstrumenten und -konditionen von K-Sure, Eximbank, Kotra und anderen Organisationen unterstützt insbesondere der Mittelstandsverband Kbiz heimische KMU beim Gang auf Auslandsmärkte. Als Mittel greift Kbiz dabei auf Messebeteiligungen und die Teilnahme an Delegationsreisen zurück. Darüber hinaus bietet der Verband Informationen über Freihandelsabkommen für seine Mitglieder. Kbiz hat mit 30 Institutionen in 17 Ländern Kooperationsabkommen abgeschlossen.

Sektorale Schwerpunkte der Außenwirtschaftsförderung

Großanlagenbau in Drittländern

Das Projektgeschäft in Drittländern nimmt in Korea (Rep.) eine enorme Bedeutung für die Wirtschaft ein. Seit 50 Jahren engagieren sich Firmen bei Vorhaben im Ausland. Im Jahr 2014 wurde mit 66 Mrd. US$ das zweitbeste Resultat der Geschichte erreicht. Mehr als 450 Unternehmen errangen dabei 708 Aufträge in 99 Ländern weltweit. Der Großteil der Projekte (48%) wurde dabei im Nahen und Mittleren Osten abgewickelt, gefolgt von Asien mit 24%.

Im Jahresverlauf 2015 litten die Auftragseingänge aufgrund des gesunkenen Rohölpreises jedoch stark unter den rückläufigen Orders aus dem Nahen und Mittleren Osten, die um mehr als 70% zurückgingen. Übergreifend sank der Wert der globalen Projekte um mehr als 30%. Darüber hinaus haben heimische Unternehmen im Auslandsprojektgeschäft zuletzt stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt und werden von der Konkurrenz aus anderen Ländern beispielsweise aus Südeuropa bedrängt.

In der Vergangenheit waren koreanische Firmen mit "Kampfpreisen" in den Markt gegangen und hatten bei ihren Angebotskalkulationen zum Teil Risiken ausgeblendet. Dies führte dazu, dass beträchtliche Finanzierungslücken in die Budgets der durchführenden Chaebols gerissen wurden. Mit einer nun konservativeren Preispolitik als Resultat dieser Negativergebnisse tun sich die heimischen Anbieter allerdings schwer gegenüber internationalen Wettbewerbern, so deutsche Firmenvertreter.

Die Förderung von Drittlandprojekten gilt als eine der wichtigsten Prioritäten der Regierung. Unter dem Label "Hochwertige Modernisierung des Auslandsbaus" wurde Anfang 2014 das "Korea Consulting Center for Overseas Infra & Plant Projects" (KOCC) gegründet. Die Organisation besteht aus den sieben Mitgliedern Eximbank, K-Sure, KDB, ICAK (International Contractors Association of Korea), KOPIA (Korea Plant Industries Association), Koshipa (Korea Offshore & Shipbuilding Association) und CG (Construction Guarantee).

KOCC hat zum Ziel, Unternehmen zu unterstützen, indem die Initiative Informationen über Auslandsprojekte zur Verfügung stellt und finanzielle Förderleistungen wie Garantien für kleine und mittelständische Baufirmen sowie Ingenieurbüros über seine Mitgliedsorganisationen gewährleistet.

Das Ministry of Land, Infrastructure and Transport selbst sollte 2015 den Planungen zufolge 5 Mrd. Won für die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen im Rahmen ihrer Drittlandprojekte ausgegeben haben. Seit 2003 hat Molit 814 KMU bei 775 Projekten mit 27,4 Mrd. Won unterstützt, dabei konnten Aufträge im Wert von 4,5 Mrd. US$ gewonnen werden.

Große Bauunternehmen und öffentliche Gesellschaften können nur indirekt über Kooperationen mit KMU in den Genuss dieser Fördermittel kommen. Die maximale Fördersumme liegt bei 200 Mio. Won pro Vorhaben, maximal 70% der Projektkosten wie zum Beispiel Machbarkeitsstudien oder Kontakte zu Auftraggebern werden bei kleinen Firmen übernommen. Bei mittleren Unternehmen liegt der maximale Anteil bei 50%, bei großen Gesellschaften - im Falle einer Kooperation mit KMU bei 30%.

K-Sure bietet Unternehmen bei Auslandsprojekten Absicherungen gegen politische und kommerzielle Risiken wie Konkurs oder Zahlungsverzug des Hauptgesellschafters oder lokaler Projektentwickler an, so unter anderem durch die "Overseas Construction Works Insurance". Ebenso hat K-Sure Investitionsgarantien in ihrem Portfolio. Auch die Eximbank bietet Garantien für Auslandsinvestitionen oder andere Aktivitäten auf Drittmärkten an.

Im traditionellen Einsatzgebiet der Eximbank - dem Kreditgeschäft - offeriert die Institution Investitionskredite mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren und bis zu 100% der Gesamtsumme im Fall von Rohstoffprojekten. Ende 2014 legte die Eximbank Private Equity Fonds auf, um übergreifend die Expansion im Ausland zu fördern. Geplant sind fünf Fonds in drei Bereichen im Gesamtwert von 92,5 Mrd. Won. Eximbank agiert dabei als Hauptinvestor, aber auch private Firmen sollen als Kapitalgeber integriert werden.

Eximbank hat dabei etwa ein Drittel der Gesamtsumme - 30 Mrd. Won - für Bauprojekte in Drittländern in den Segmenten Infrastruktur und Energie vorgesehen. Das gesamte Volumen der Fonds unter Berücksichtigung privater Mittel soll 150 Mrd. Won umfassen. Weitere Fonds mit Zuschüssen der Eximbank sind unter anderem in den Bereichen KMU-Förderung, Fusionen und Akquisitionen im Ausland sowie beim Aufbau von Krankenhäusern in Drittländern vorgesehen.

Heimische Unternehmen erhoffen sich einen Impuls für das Projektgeschäft im Ausland durch die Etablierung der Asian Infrastructure and Investment Bank (AIIB) und der Tatsache, dass das Land als Gründungsmitglied voraussichtlich den viertgrößten Anteil an der Institution halten wird. In der lokalen Presse wird bereits gefeiert, dass Korea (Rep.) damit einen "Fuß in der Tür" zu Infrastrukturprojekten in ganz Asien hat.

Laut Experten erwarten die Unternehmen, dass sie an den Aufträgen in gleicher Relation wie die Anteile der Regierung an der Bank beteiligt werden. Vor allem Baufirmen wie Hyundai E&C, Daewoo E&C und Samsung C&T dürften davon profitieren, da sie über eine erhebliche Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen.

Medieninformationen zufolge will die AIIB Infrastrukturfonds im Wert von 100 Mrd. US$ für die Kreditvergabe an Bauprojekte in asiatischen Entwicklungsländern auflegen. Nach Schätzungen der Asian Development Bank (ADB) dürfte die Nachfrage nach Infrastrukturvorhaben in Asien bis 2020 etwa 730 Mrd. US$ erreichen. Derzeit beläuft sich die Summe der Infrastrukturfonds internationaler Entwicklungsbanken in Asien nur auf 10 Mrd. US$ pro Jahr und kann damit den hohen Bedarf nicht decken. Mit der Implementierung der AIIB hoffen hiesige Firmen, ein Stück von diesem Kuchen abzubekommen.

Schiffbau

Eximbank ist im Schiffbausektor engagiert, weil viele der Unternehmen dieser Branche eine aktive Rolle im Projektgeschäft in Drittländern und dabei vor allem beim Bau von Offshore-Anlagen spielen. Allerdings kamen im Jahresverlauf 2015 am Horizont düstere Wolken auf: Die Eximbank musste in die Klemme geratenen Schiffbauern unter die Arme zu greifen, da diese in den Vormonaten erhebliche Verluste im Offshore-Sektor hinnehmen mussten.

Gemeinsam mit der Korea Development Bank (KDB) wurde im Juli 2015 eine großangelegte Umstrukturierung der Verbindlichkeiten beim Schiffbauer Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering eingeleitet, der allein im 2. Quartal 2015 Verluste in Höhe von 1,7 Mrd. US$ vermelden musste. Eximbank ist mit 8,3 Bill. Won der größte Gläubiger von Daewoo und will KDB beim Krisenmanagement und bei der Sicherstellung von Liquidität für die Firma unterstützen.

Bereits im Februar 2015 hatte die OECD in einem Report über den koreanischen Schiffbau davor gewarnt, dass Eximbank und K-Sure durch die sich verschleppende Profitabilität der lokalen Branchenunternehmen in Schwierigkeiten geraten könnten. Die OECD sah durch diese Entwicklung auch erhöhte fiskalische Risiken für den Staatshaushalt.

Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation der Schiffbauer habe die Regierung ihren Einfluss im Sektor vor allem über Beteiligungen staatlicher Behörden an den Firmen intensiviert, so die OECD. Auch sei der öffentliche Sektor über die in diesem Zusammenhang ausgeweiteten Exportgarantien verwundbar und höheren Risiken ausgesetzt.

Dienstleistungen

Eximbank hat sich auch auf die Förderung der Exporte immaterieller Güter wie Logistik, Gesundheitswesen, Filme, Spiele und Software ausgerichtet. Zu diesem Zweck bietet sie eigenen Angaben zufolge eine große Bandbreite finanzieller Maßnahmen an. Im Gesamtjahr 2014 beliefen sich die Ausschüttungen in diesem Segment auf mehr als 1,8 Mrd. US$, wobei mit 57% der Löwenanteil der Summe auf den Logistiksektor inklusive Schiff- und Luftfahrt entfiel. Die Fördersumme erhöhte sich jedoch nur geringfügig gegenüber dem Vorjahr.

Im Gegenzug dazu wurde 2014 die Unterstützung für die Gesundheitsbranche inklusive Pharmazie und Krankenhäuser massiv um 30% im Vergleich zum Vorjahr ausgeweitet. Diese erreicht nun einen Anteil von 24% an den gesamten Dienstleistungen. Die Förderung kultureller Inhalte umfasst knapp 11% und wurde um 4,5 Prozentpunkte ausgeweitet. Für 2015 hat die Eximbank Förderleistungen für den Dienstleistungssektor von 2,5 Bill. Won vorgesehen, was einer Steigerung um rund 25% im Vergleich zu 2014 entsprochen hätte.

Kreativindustrie

Die Agentur Kocca (Korea Creative Content Agency) gab im September 2015 ein Programm bekannt, mit dem sie 20 KMU aus dem Bereich Gaming für ihren Weg auf Auslandsmärkte fit machen wollen. Zu den Fördermaßnahmen, die von Kocca für die ausgewählten Firmen bereitgestellt werden, zählen unter anderem Übersetzungsdienstleistungen in zwei Sprachen und kostenlose Beratung, wie die Spiele an die jeweiligen Zielmärkte kulturell angepasst werden können.

Darüber hinaus bietet Kocca Testläufe bezüglich der Kompatibilität von Spielen mit Betriebssystemen und Endgeräten an. Die Agentur hilft sogar Unternehmen bei der Prüfung der Markttauglichkeit mit Testgruppen in den USA, Kanada, Deutschland, Schweden und Japan. Zu guter Letzt umfasst das Förderpaket die Unterstützung beim Besuch internationaler Konferenzen sowie Matchmaking.

Kocca wurde 2009 gegründet mit dem Ziel, die Kreativindustrie im In- und Ausland zu fördern wie etwa Filme, TV-Serien, Popmusik ("K-Pop"), Comics sowie PC- und mobile Spiele. Die Unterstützung beim Gang auf die internationalen Märkte umfasst neben den oben genannten Mechanismen auch Messebeteiligungen, den Aufbau internationaler Geschäftsnetzwerke und Marktanalysen.

Rohstofferschließung im Ausland / Landwirtschaft

Neben besonderer Kreditbedingungen für Auslandsprojekte im Bereich Rohstoffe durch die Eximbank bietet K-Sure auch einen "Overseas Natural Resources Development Fund Insurance" an, um eine konstante und stabile Rohstoff- und Energieversorgung sicherzustellen. Ferner offeriert K-Sure speziell für landwirtschaftliche Produkte und Fischereierzeugnisse Exportgarantien gegen kommerzielle, politische und Preisrisiken.

Verknüpfung mit der Entwicklungszusammenarbeit

Korea (Rep.) ist eines der wenigen Länder, das den Sprung vom Entwicklungshilfenehmer zum Geberland vollzogen hat. Noch in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war Seoul abhängig von internationaler Unterstützung. Schon früh wurde allerdings mit vereinzelten Maßnahmen wie medizinischer Hilfe für ärmere Länder oder Fortbildungsmaßnahmen begonnen.

Die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) lag 2014 mit knapp 1,9 Mrd. US$ auf Rang 16 unter den 29 OECD-Mitgliedsstaaten. Allerdings wies das Land über die letzten fünf Jahre das höchste Wachstum der Mittel mit einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 17,8% auf, während der Schnitt innerhalb der OECD nur 2,3% erreichte.

Von den 2014 bereitgestellten Mitteln wurden knapp 1,4 Mrd. US$ im Rahmen bilateraler Hilfe und 460 Mio. US$ über multilaterale Organisationen ausgeschüttet. Der Großteil floss in asiatische Länder, gefolgt von Afrika, Südamerika sowie dem Nahen und Mittleren Osten. Im April 2015 gab die Regierung bekannt, in den nächsten vier Jahren weitere 300 Mio. US$ an EZ-Mitteln für Weltbankprojekte in Entwicklungsländern zur Verfügung zu stellen.

Von der amerikanischen Exim Bank wird jedoch bemängelt, dass die Entwicklungshilfe zu einem großen Teil auf Lieferbindungen zurückgreift und somit indirekt heimische Unternehmen fördert. So sollen 2013 knapp die Hälfte der Gelder gebunden oder teilgebunden gewesen sein. Damit überholte Korea (Rep.) erstmals Japan beim prozentualen Anteil gebundener Hilfe an der gesamten EZ.

Die Rolle der Freihandelsabkommen

Korea (Rep.) hat in den vergangenen zehn Jahren mit atemberaubender Geschwindigkeit ein sehr dichtes Netz an Freihandelsabkommen (FHA) aufgebaut. Das erste FHA wurde 2004 mit Chile abgeschlossen, seither wurden 16 Abkommen mit 52 Ländern unterzeichnet, die fast 75% des weltweiten Bruttoinlandsproduktes abdecken. Das Land ist neben Chile und Peru das einzige Land weltweit, das FHA mit den drei großen Wirtschaftsmächten USA, EU und VR China aufweisen kann.

Elf FHA sind bereits in Kraft, fünf müssen noch ratifiziert werden. Grundsätzlich bedeutet diese Entwicklung für heimische produzierende Firmen den Vorteil einer Erweiterung des ansonsten verhältnismäßig kleinen Binnenmarkts. Internationale Investoren können von Korea (Rep.) aus zollbefreit oder zumindest -ermäßigt weite Teile der globalen Märkte erschließen.

Nachteile könnten allerdings durch die Implementierung der Freihandelszone TPP (Trans Pacific Partnership) erwachsen. TPP könnte dazu führen, dass Korea (Rep.) seine bisherigen komparativen Vorteile durch das dichte Netz bilateraler Abkommen einbüßt. Die lokalen Unternehmerverbände befürchten vor allem einen stärkeren Wettbewerb auf dem wichtigen Absatzmarkt USA und eine intensivere Konkurrenz durch japanische Hersteller.

(Stand der Informationen: Oktober 2015)

(A.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Südkorea Internationale Organisationen, Entwicklungszusammenarbeit, Außenwirtschaftspolitik, allgemein

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