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06.12.2018

Kraftspritze für Israels Satellitenbauer

Luft- und Raumfahrtkonzern erhält Großauftrag aus dem Ausland und Hilfe von der Regierung / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Der israelische Konzern Israel Aerospace Industries darf vier neue Satelliten bauen. Das ist ein positives Signal für Israels gesamte Raumfahrtbranche.

Mit zwei Großaufträgen ging eine zweijährige Unsicherheitsphase in der israelischen Satellitenbaubranche mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern Israel Aerospace Industries (IAI) an der Spitze zu Ende. Im November 2018 unterzeichneten IAI und der US-amerikanische Betreiber von Erdbeobachtungssatelliten XpressSAR ein Memorandum of Understanding, in dessen Rahmen das US-Unternehmen drei von IAI zu bauende Beobachtungssatelliten erwirbt und eine Option für einen vierten erhält. IAI ist auch dafür verantwortlich, dass die Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht werden und von dem Käufer in voll funktionsfähigem Zustand übernommen werden.

XpressSAR plant die Stationierung einer Konstellation von insgesamt vier Satelliten in der Erdumlaufbahn im Jahr 2022. Nach Unternehmensangaben soll damit hochwertige Beobachtung häufig bewölkter Erdregionen zwischen dem 45 Breitengrad Nord und dem 45 Breitengrad Süd ermöglicht werden.

Die Vereinbarung mit XpressSAR stellt für IAI einen wichtigen Durchbruch auf dem internationalen Markt dar. Der Wert des Auftrags wurde nicht publik gemacht, doch dürfte der Preis pro Satellit, so die israelische Wirtschaftszeitung Globes, zwischen 180 Millionen und 200 Millionen US-Dollar liegen. Die Satelliten sollen mit bildgebender SAR-Technologie (Synthetic Aperture Radar) ausgestattet werden und damit Objekte sichtbar machen können, die mit optischer Technologie schwer zu erkennen sind.

Regierung finanziert neuen Kommunikationssatelliten

Finanziell nicht so umfangreich wie der bau dreier Aufklärungssatelliten, strategisch jedoch von entscheidender Bedeutung, ist die im September 2018 von der israelischen Regierung getroffene Entscheidung, bei IAI einen Telekommunikationssatelliten in Auftrag zu geben, genannt AMOS 8. Die AMOS-Serie ist nicht nach dem biblischen Propheten Amos benannt, sondern steht für Affordable Modular Optimized Satellite.

Bisher wurden sechs AMOS-Satelliten gebaut, fünf davon von IAI. Allerdings gelangte AMOS 6 nicht in den Orbit, da die Trägerrakete von Typ Space-X Falcon 9 im Jahr 2016 beim Start explodierte und der Satellit dabei zerstört wurde. Daraufhin erwarb die israelische Firma Spacecom, die die AMOS-Satelliten kauft und betreibt, die Ku-Band-Frequenzen des bereits im Orbit befindlichen AsiaSat-8-Satelliten und benannte diesen in AMOS 7 um, um ihre Marke zu wahren.

Im Februar 2018 kündigte Spacecom dann an, den Bau von AMOS 8 in Auftrag geben zu wollen, allerdings nicht bei IAI, sondern bei der US-amerikanischen Loral Space & Communications Inc. Der Grund war der gegenüber dem geschätzten Kostenpunkt eines neuen IAI-Satelliten um rund die Hälfte niedrigere Preis, den die amerikanische Firma für den neuen Kommunikationssatelliten verlangte: 112 Millionen US$.

Damit stand die israelische Kommunikationssatellitensparte mit leeren Auftragsbüchern da und drohte ihre Tätigkeit einstellen zu müssen. Das allerdings wollte die Regierung nicht riskieren, vor allem damit Israel bei der Kommunikationssatellitentechnologie nicht vom Ausland abhängig würde. Deshalb beschloss das Kabinett, einen aus Staatsmitteln finanzierten Kommunikationssatelliten bei IAI zu bestellen. Als Folge trat Spacecom vom Vertrag mit Loral Space & Communications zurück und erklärte, nun doch den neuen israelischen Satelliten - unter dem Namen AMOS 8 - betreiben zu wollen.

Inwieweit das ein dauerhaftes Happy End bedeutet, muss sich erst zeigen, legte doch der Streit um AMOS 8 einen Wettbewerbsnachteil der israelischen Branche - die höheren Kosten - bloß. Israelische Fachkreise verwiesen in diesem Zusammenhang denn auch auf die Tatsache, dass Spacecom als ein privatwirtschaftliches Unternehmen den Kauf eines viel teureren israelischen Satelliten gegenüber seinen Anteilseignern nicht hätte vertreten können. Als ein wichtiger Grund für die Preisdifferenz zwischen IAI und Loral Space & Communications wurden die Größenvorteile des US-Unternehmens genannt, das bereits 270 Satelliten gebaut habe, während IAI es auf nur 20 bringe.

Satellitenbau gilt als strategisches Gut

Vorerst aber können IAI und deren Zulieferer aufatmen - nicht nur wegen des zweifelsohne bedeutsamen Auftrags für AMOS 8, sondern auch, weil die israelische Regierung ihre Bereitschaft zeigte, die technologische Basis der einheimischen Satellitenindustrie als ein strategisches Gut aufrechterhalten zu wollen. Nach Angaben der israelischen Raumfahrtagentur (Israel Space Agency) ist Israel eines der wenigen Länder, die über die gesamte Wertkette der Satellitenbranche verfügen, und damit Satelliten entwerfen, bauen, starten und betreiben können. Als Satellitenbauer ist IAI zwar der unbestrittene Hauptakteur, doch sind in der Israel mehrere Dutzend Unternehmen tätig, die Komponenten und Ausrüstungen für Satelliten sowie Produkte für andere Bereiche der Raumfahrt herstellen.

Die Aufrechterhaltung eines breiten Spektrums technologischer Lösungen für die Raumfahrtindustrie ist auch für Israels Fähigkeit von Bedeutung, an internationalen Kooperationsprojekten teilzunehmen. Ein Beispiel ist der von IAI im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit Frankreich gebaute und 2017 mit einer Trägerrakete der Firma Arianespace in die Erdumlaufbahn gebrachte Erderkundungssatellit Venus. Wie der Generaldirektor der israelischen Raumfahrtagentur Avi Blasberger beim Start erklärte, sei Venus ein Beweis für Israels international führende Fähigkeit zur Miniaturisierung von Satelliten. Der Satellit wiege mit 250 kg nur ein Drittel bis zur Hälfte dessen, was Andere derselben Kategorie auf Waage brächten.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse* Anmerkungen
Israel Space Agency https://www.space.gov.il/en Raumfahrtagentur
Israel Aerospace Industries http://www.iai.co.il/2013/22031-en/homepage.aspx Israels führender Luft- und Raumfahrtkonzern

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Israel Sonstige Elektrotechnik / Elektronik

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