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12.11.2014

Kroatien - EU-Förderung 2014 bis 2020

Regierung steht vor Herkulesaufgabe / Große Erwartungen für Investitionsbelebung / Von Erika Anders-Clever und Snjezana Buhin Peharec

Zagreb (gtai) - Beim EU-Neuling Kroatien werden bis 2016 sowohl Fördermittel aus Vorbeitrittshilfen als auch aus "alten" (2007 bis 2013) sowie "neuen" Strukturhilfen (2014 bis 2020) vergeben. Das kann bei Antragstellern zu Verwirrung führen. Die Gelder sind inzwischen stark nachgefragt. Beobachter erwarten, dass KMU mit den Hilfen vor allem in moderne, energieeffiziente Maschinen und IKT-Ausstattung investieren. Die ersten Kohäsionsfondsprojekte kommen aus dem Bereich Wasserwirtschaft. (Kontaktanschriften)

Entscheidungsprozess und erste Projekte

Ende Oktober 2014 hat die Europäische Kommission die Partnerschaftsvereinbarung mit Kroatien abgeschlossen. Sie ebnet den Weg für Maßnahmen im Wert von insgesamt 8,6 Mrd. Euro aus Mitteln der Kohäsionspolitik im Zeitraum 2014 bis 2020. Noch nicht mit Brüssel abgestimmt sind die beiden im Juli 2014 von Kroatien eingereichten operationellen Programme (OP). Für das erste (Wettbewerbsfähigkeit und Kohäsion) lief die öffentliche Anhörung in Kroatien Ende Oktober. Es wird die Verwendung von insgesamt 6,88 Mrd. Euro regeln, die Kroatien aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) sowie dem Kohäsionsfonds (KF) zustehen. Das zweite OP, Humanressourcen, ist Grundlage für die Verteilung der 1,52 Mrd. Euro aus dem Sozialfonds (ESF). Für beide erwartet das kroatische Ministerium für regionale Entwicklung und EU-Fonds (MRRFEU), dass sie bis Ende 2014 von der Europäischen Kommission (EK) angenommen werden. Diese hatte Mitte Oktober zahlreiche Kommentare nach Zagreb geschickt.

In der Förderperiode 2007 bis 2013 hatte Kroatien nur im letzten Halbjahr - nach seinem EU-Beitritt Mitte 2013 - Zugang zu EU-Strukturhilfen. Für diesen Zeitraum waren vier OPs ausgearbeitet worden. Durch die Reduzierung auf nur noch zwei sollen nun die Fördermittel auf weniger Investitionsprioritäten konzentriert und auch die Verwaltung vereinfacht werden.

Das Partnerschaftsabkommen sieht für die Kohäsionspolitik 2014 bis 2020 insgesamt EU-Fördergelder von 8,4 Mrd. Euro vor. Der Löwenanteil von 70% (5,8 Mrd. Euro) entfällt auf EFRE- und ESF-Mittel. Bis 2020 will Kroatien 58% der EFRE-Mittel für die Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die Unterstützung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), von Forschung und Innovation sowie für die Umstellung auf eine kohlendioxidarme Wirtschaft einsetzen. Zum Ausbau der Infrastruktur in den Bereichen Umweltschutz, Klimawandel und intermodale Verkehrsnetze sollen insgesamt (einschließlich Kohäsionsfondsmittel) 3,5 Mrd. Euro verwendet werden. Für Armutsverringerung und soziale Eingliederung sind 22% der ESF-Mittel eingeplant.

Im Rahmen der Connecting Europe-Fazilität (CEF) hat Kroatien bis Ende 2016 Zugriff auf insgesamt 456 Mio. Euro für Projekte, die mit dem Ausbau des europäischen Kernverkehrsnetzes zusammenhängen. Durch Kroatien verläuft eine parallele Trasse des Mittelmeerkorridors, von Rijeka bis Budapest, die von Zagreb aus über die slowenische Hauptstadt Ljubljana auch an den Ostsee-Adria-Korridor angeschlossen wird. Zudem tangiert der Rhein-Donau-Korridor Kroatien bei Slavonski Brod (an der Grenze zu Ungarn und Serbien). Hier soll der Donauhafen ausgebaut werden. Eisenbahn- und Hafenprojekte haben in Kroatien Vorrang. Am Mittelmeerkorridor soll die Bahnlinie vom Adriahafen Rijeka über Zagreb bis zur ungarischen Grenze modernisiert und zum Teil zweigleisig ausgebaut werden. Der Hafen Rijeka wird mit neuer multimodaler Infrastruktur ausgestattet. CEF-Mittel für Verkehrsprojekte sind seit Mitte September 2014 ausgeschrieben. Gegenwärtig gibt es keine Informationen darüber, mit welchen Projekten sich Kroatien zuerst bewerben will.

Das Land bereitet sich zudem auf CEF-Finanzierungen für Energieinfrastrukturvorhaben vor. Sie sind als Projekte von gemeinsamem Interesse (PCI) eingestuft. Im Stromsektor hat die EU-Kommission den Ausbau von Fernleitungen zum Anschluss an die Stromnetze in Bosnien und Herzegowina sowie Slowenien/Ungarn als PCI ausgewählt. Im Erdgassektor erhielt der Bau eines LNG-Terminals in Omisalj (Insel Krk) einschließlich Anschlussleitungen nach Slowenien und Italien sowie die Verlegung der ionisch-adriatischen Gasleitung (Anbindung an die TAP-Pipeline) diesen Status. Für den Ölsektor hat die Kapazitätsausweitung der bestehenden Erdölpipeline von Omisalj Richtung Ungarn/Slowakei PCI-Status. Beim CEF-Tender Energy 2014 hat sich Kroatien unter anderem mit den Ingenieurarbeiten (Front-End-Engineering-Design) für das LNG-Terminal-Projekt in Omisalj beworben.

Für die territoriale Zusammenarbeit sind bis 2020 Kohäsionsmittel von insgesamt 128 Mio. Euro eingeplant. Dafür sind fünf Programme in Ausarbeitung, und zwar jeweils eins mit Italien, Slowenien, Ungarn, Serbien und Montenegro/Bosnien und Herzegowina. Darüber hinaus ist Kroatien Teil des transnationalen Kooperationsraums Mittelmeer sowie der Donau- und adriatisch-ionischen Makroregionen, wobei diese als zwei von drei Makroregionen aus dem Südosteuroparaum hervorgegangen sind. Für beide liegen zudem schon EU-Strategien vor.

Tab. 1 Vorgesehene finanzielle Mittel Kroatiens nach Zielen (in Mio. Euro)
2014 bis 2020
Stärkung von Forschung, technologische Entwicklung und Innovation 664,8 *) (EFRE)
Verbesserung des Zugangs zu Informations- und Kommunikationstechnologien 308,0 (EFRE)
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen 970,0 *) (EFRE)
Unterstützung der Umstellung auf eine CO2-arme Wirtschaft 531,8 *) (EFRE)
Förderung der Anpassung an den Klimawandel 245,4 *) (EFRE)
Umweltschutz und nachhaltiger Ressourcenverbrauch 338,0 (EFRE) + 1.649,3 (KF)
Förderung von nachhaltigem Transport und Beseitigung von Engpässen in Haupttransportnetzen 400,0 (EFRE) + 910,2 (KF)
Förderung der Beschäftigungsfähigkeit und der Arbeitskräftemobilität 466,8 (ESF)
Förderung der sozialen Eingliederung und Armutsbekämpfung 356,5 (EFRE) + 328,0 (ESF)
Investitionen in Erziehung, Bildung und lebenslanges Lernen 270,9 (EFRE) + 450,0 (ESF)
Stärkung der institutionellen Kapazitäten 191,3 (ESF)
Technische Hilfen 236,1 (EFRE) + 80,0 (ESF)
Insgesamt 8.397,1

*) ohne Landwirtschaftssektor

Quelle: Ministerium für regionale Entwicklung und EU-Fonds/ Partnerschaftsvereinbarung

Tab. 2 Vorgesehene finanzielle Mittel Kroatiens nach EU-Fonds (in Mio. Euro)
2014 bis 2020
Kohäsionspolitik insgesamt 8.397
. EFRE 4.322
. KF 2.559
. ESF * 1.516
Connecting Europe 2014-2016 456
Territoriale Zusammenarbeit 146
ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums) 2.026
EMFF (Europäischer Meeres- und Fischereifonds) 253

*) ohne Mittel für die Jugendbeschäftigungsinitiative in Höhe von 66,2 Mio. Euro

Quelle: Ministerium für regionale Entwicklung und EU-Fonds/ Partnerschaftsvereinbarung.

Tab.3 Operationelle Programme Kroatiens im Überblick 1)
Operationelles Programm und Prioritätsziele Implementierende Behörde (Managing Authorities) Vermittelnde Instanzen 1 (Intermediate Bodies 1) 2) Vermittelnde Instanzen 2 (Intermediate Bodies 2) 2)
OP Wettbewerbsfähigkeit und Kohäsion (OPKK) MRRFEU
.Spitzenleistungen im Bereich Forschung, Entwicklung und Innovation (F&E&I), Kompetenzzentren in der Wissenschaft; Stärkung von F&E&I in Unternehmen MRRFEU MZOS; MINGO SAFU; MZOS; HAMAG-Bicro
.Ausbau der Breitbandinfrastruktur im NGA (Next Generation Access)-Bereich in wirtschaftlich unattraktiven Gebieten; Aufbau von IKT-Plattformen (wie E-Government) MRRFEU HAKOM; MRRFEU SAFU
.Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von KMU MRRFEU MINPO HAMAG-Bicro
.Förderung der Energieeffizienz und Einsatz von erneuerbaren Energien im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor (Handel und Tourismus) MRRFEU MINGO FZOEU
.Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden und Wohngebäuden (Mehr- und Einfamilienhäuser), Fernheizungssystemen und bei öffentlicher Beleuchtung MRRFEU MGIPU FZOEU
.Einführung von intelligenten Stromnetzen (Pilotprojekte) MRRFEU MINGO MINGO
.Schutz und Management von Kultur- und Naturerbe MRRFEU MRRFEU SAFU
.Überwachung der Luftqualität entsprechend der Richtlinie EG/50/2008; Sanierung von Industriebrachen MRRFEU MZOIP; MRRFEU FZOEU; SAFU
.Anpassung an den Klimawandel; Abfallverringerung und Ausbau von Abfallzentren; Artenvielfalt, nachhaltiges Management in Natura-2000-Gebieten MRRFEU MZOIP FZOEU
.Wassermanagement; Katastrophenmanagementsysteme MRRFEU MP Hrvatske vode
.Ausbau von intermodaler Infrastruktur im Rahmen der TEN-T; Beseitigung von Engpässen MRRFEU MPPI MPPI
.Investitionen in Gesundheits- und Sozialinfrastruktur, vor allem in benachteiligten Gebieten; Investitionen in Bildungsinfrastruktur MRRFEU MRRFEU SAFU
OP Humanressourcen (OPULJP) MRMS
.Beschäftigungsfähigkeit und Arbeitskräftefreizügigkeit MRMS MRMS; MINPO; HZZ HZZ; HAMAG-Bicro
.soziale Eingliederung von gefährdeten Gruppen; soziales Unternehmertum MRMS MSPM; HZZ; MIZ; MINT; MRMS; MINPO HZZ; Nationale Stiftung für Entwicklung der Zivilgesellschaft; HAMAG-Bicro
.Qualitätsverbesserung von Ausbildungsprogrammen und lebenslangem Lernen MRMS MZOS; MINT MZOS
.intelligente öffentliche Verwaltung; Stärkung von NGOs MRMS MRMS; Regierungsamt für die Zusammenarbeit mit NGOs HZZ; Nationale Stiftung für Entwicklung der Zivilgesellschaft

1) Abkürzungen für die kroatischen Namen, siehe Anschriftenteil; 2) entsprechend dem Entwurf für die Durchführungsverordnung über Behörden im Verwaltungs- und Kontrollsystem für ESF, EFRE und Kohäsionsfonds. 3) Procedere/Bedingungen werden im Einzelnen erst im Rahmen der Ausrufe zur Projekteinreichung bekannt gegeben, die bisher noch nicht erfolgt sind. Bisherige Ankündigungen siehe Kapitel Verwaltungsstruktur und Abläufe.

Quelle: Ministerium für regionale Entwicklung und EU-Fonds

Für Kroatien sind keine OPs auf Ebene von Regionen geplant, weil das Land insgesamt als weniger entwickelte Region eingestuft ist. Für nachhaltige urbane Entwicklungen erhalten die sieben größten Städte des Landes (Zagreb, Split, Rijeka, Osijek, Zadar, Pula und Slavonski Brod) aber rund 7% des EFRE unter dem ITI-Mechanismus (Integrated Territorial Development). Die maximale Kofinanzierungsrate beträgt für Kroatien insgesamt 85%. Sie gilt grundsätzlich für Investitionsprojekte der öffentlichen Hand. Im Falle von Unternehmen sind die Regeln der höchstens zulässigen Förderintensitäten zu beachten. Kroatien ist diesbezüglich auf zwei Fördergebiete aufgeteilt, wobei im adriatischen Teil des Landes die maximale Förderquote mit 35% höher ausfällt als im kontinentalen Teil, wo sie 25% beträgt. In beiden Regionen haben KMU Anspruch auf einen Aufschlag, der bei Mittelstandsunternehmen 10% und bei Kleinunternehmern 20% ausmacht. Bei der höchsten Förderintensität werden de minimis-Hilfen nicht angerechnet, die innerhalb von drei Jahren maximal 200.000 Euro pro Unternehmen ausmachen können.

In Kroatien werden im Herbst 2014 Fördermittel aus dem letzten Halbjahr des vorangegangenen Förderzeitraums ausgeschrieben, auf die das Land erst durch seinen Beitritt Mitte 2013 Zugriff bekam. Der erste für Unternehmen bestimmte Call galt Projekten zur Wettbewerbsstärkung und im Tourismussektor. Dabei erhielten 28 Unternehmen Förderungen von insgesamt 33 Mio. Euro. Mitte Oktober war der Tender für IKT-Investitionen für KMU mit einer Fördersumme von 5 Mio. Euro noch offen.

Im Sommer 2014 hat das Ministerium für Unternehmertum (MINPO) die erste Ausschreibung aus dem neuen EU-Finanzrahmen auf den Weg gebracht. Es geht dabei um den Bau eines regionalen Zentrums für die Entwicklung von Unternehmerkompetenzen in Südosteuropa. Für den Spätherbst 2014 wurden weitere Projektaufrufe für KMU angekündigt. So stehen für moderne Produktionsanlagen und die Entwicklung neuer Produkte 130 Mio. Euro zur Verfügung, für die Anpassung an Produktstandards und -zertifizierungen rund 70 Mio. Euro sowie ferner 40 Mio. Euro für die Entwicklung einer modernen Geschäftsinfrastruktur.

Kroatische KMU haben zudem Zugriff auf Mittel aus dem EU-Rahmenprogramm Horizont 2020, konnte sich aber bei der ersten Ausschreibungsrunde mit keinem seiner neun Projektvorschläge durchsetzen.

Tab.4 Geplante Großprojekte im Rahmen des OP Wettbewerbsfähigkeit und Kohäsion 2014 bis 2020
Projekt Geschätzte Kosten (in Mio. Euro) Geplanter Ausschreibungstermin
Verbesserung der Luftqualität 20 1) k. A.
Ausbau erneuerbarer Energien und Erhöhung der Energieeffizienz 511 1) k. A.
Wasserwirtschaftsprojekte 1.050 1)
.Kastela-Trogir/Split-Solin 250 4. Quartal 2015
.Nin-Privlaka-Vrsi-Vir 100 1. Quartal 2015
.Zagreb-Osten 70 3. Quartal 2014
.Rijeka 25 4. Quartal 2015
.Vukovar 49 3. Quartal 2016
.Velika Gorica 47 3. Quartal 2014
.Ostslawonien 23 1. Quartal 2015
Abfallmanagement (11 Abfallwirtschaftszentren) 600 (475 1)) Piskornica (Ende 2014); Biljane Donje (1. Quartal 2015); Lecevica (2. Quartal 2015)
Straßen- und Brückenbau 400 1)
.Peljesac-Brücke und Zufahrtstraßen 2) 365 2. Quartal 2015
.Autobahnabschnitt Beli Manastir-Osijek 70 1. Quartal 2015
.Landstraße D403 in Rijeka- Anbindung ans Containerterminal Zagrebacka Obala 66 4. Quartal 2015
.Autobahn Zagreb-Karlovac: Ausbau der dritten Spur 40 4. Quartal 2016
Bahn 480 1)
.Umgehungstrasse für Güterverkehr für Zagreb 780 nach 2017
.Verkehrskorridor Vb
..Goljak-Skradnik 660 4. Quartal 2016
..Hrvatski Leskovac-Karlovac 356 4. Quartal 2015
..Krizevci-Koprivnica-Grenze zu Ungarn 275 1. Quartal 2016
.Verkehrskorridor X
..Dugo Selo-Novska 670 4. Quartal 2016
..Okucani-Vinkovci 355 4. Quartal 2015
..Zagreb-Sisak 195 nach 2017
..Podsused-Samobor 90 4. Quartal 2016
..Zapresic-Zabok 68 4. Quartal 2014
..Vinkovci-Vukovar 60 3. Quartal 2016
Flughafen Dubrovnik 245 4. Quartal 2014

1) geplante EU-Fördergelder; 2) Gemäß Europäischer Kommission lassen sich nicht alle regionalen Straßenbauprojekte mit den verfügbaren Kofinanzierungen von rund 330 Mio. Euro umsetzen, so dass noch Prioritäten zu setzen sind.

Quellen: Ministerium für regionale Entwicklung und EU-Fonds, Entwurf des OP Wettbewerbsfähigkeit und Kohäsion; HZ Infrastruktura; Recherchen von Germany Trade & Invest

Verwaltungsstruktur und Abläufe

Beim EU-Neuling Kroatien werden bis 2016 noch EU-Hilfen sowohl aus dem Vorbeitrittsfonds IPA als auch Strukturhilfen aus dem EU-Haushalt 2007 bis 2013 (für das zweite Halbjahr 2013) und aus dem EU-Finanzrahmen 2014 bis 2020 verteilt. Das MRRFEU ist nach eigenen Worten darum bemüht, in dieser Übergangsphase die Verwaltungsstrukturen so wenig wie möglich zu verändern, um das System nicht weiter zu komplizieren. Gleichwohl soll die Kontrolle gestärkt werden, um sicherzustellen, dass die Mittel entsprechend den Entwicklungszielen vergeben werden.

Das MRRFEU selbst fungiert als implementierende Behörde (Managing Authority) für das OP Wettbewerbsfähigkeit und Kohäsion. Darunter gibt es zwei Ebenen von vermittelnden Instanzen. Die erste - politische - (IB1) bilden vor allem Ministerien, die Projektaufrufe veröffentlichen und zunächst auch die Projektanträge entgegennehmen und evaluieren. Künftig sollen die Anträge von den vermittelnden Instanzen der zweiten Ebene angenommen werden. Die Aufgabe dieser administrativen Ebene wird zudem sein, die Förderverträge für die Evaluierung vorzubereiten und in enger Abstimmung mit den Begünstigten die Projektumsetzung festzulegen.

Unter dem IPA-Programm waren diese implementierenden Agenturen zum Teil auch in die Entwicklung von Projekten involviert. Eine Schlüsselrolle bei Aufrufen für Projekte von Unternehmen hatte bislang die zentrale Agentur für Finanzierungen und Vertragsabschlüsse bei EU-Programmen und -projekten (SAFU), die stark ausgebaut worden war. Für KMU-Projekte zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit erhält in der neuen Förderperiode nun die Agentur für KMU, Innovationen und Investitionen, HAMAG-Bicro, diese Rolle. Sie untersteht dem Ministerium für Unternehmertum und KMU. In ihr sind die Agenturen Hamag Invest (Garantien und Investitionsförderung für KMU) und Bicro (Innovationsförderung) zusammengefasst.

Grundsätzlich sind KMU Hauptzielgruppe für die Strukturhilfen für Unternehmen. Antragsteller müssen in Kroatien niedergelassen sein und ihre Geschäfte dort abwickeln. Tochtergesellschaften ausländischer Gruppen erfüllen das KMU-Kriterium in der Regel nicht. Als große Unternehmen können sie sich aber mit Projekten aus den Bereichen F&E sowie erneuerbare Energien und Energieeffizienz bewerben. Zudem werden einige Tender voraussichtlich zulassen, dass der Projektträger mit einem ausländischen Unternehmen zusammenarbeitet.

Zu den üblichen Auswahlkriterien zählen die Umsetzbarkeit und Fristen eines Projekts sowie sein Beitrag zur Erreichung der im OP gesetzten Ziele oder die Eignung des Bewerbers. Sonderpunkte gibt es zudem für Vorhaben in benachteiligten Gebieten, in denen der Entwicklungsindex unter 75% des Landesdurchschnitts liegt.

Zentrale Ausschreibungsplattform für EU-Strukturhilfen ist: http://www.strukturnifondovi.hr. Die Calls erscheinen zudem auf den Webseiten der jeweils ausschreibenden Stellen (sogenannte vermittelnde Instanzen der ersten Ebene). Die Seite ist derzeit nur auf Kroatisch verfügbar; eine englische Fassung ist im Aufbau. Auf der zentralen Internetplattform sind ebenfalls alle Antragsformulare elektronisch abrufbar. Auch alle Rückfragen sowie Ausschreibungsänderungen werden dort veröffentlicht. Bewerbungsformulare sind elektronisch auszufüllen, müssen gleichwohl zunächst aber auch noch auf einer CD zusammen mit der unterzeichneten Papierversion per Post eingereicht werden. Das ist noch mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden, zumal die Dokumente eingescannt werden müssen. Eine vollständige Online-Abwicklung (E-Cohesion) soll Ende 2015 möglich sein.

Die Zuteilungen für KMU basieren auf dem Prinzip "first come, first served", das bisher als zu intransparent und für die Verteilung nicht optimal kritisiert wurde. Künftig sollen jährlich - nach Sektoren - die Terminpläne für Calls und Abgabefristen veröffentlicht werden. Die vollständigen Tender-Dokumente sollen drei Monate vor Start der Aufrufe auf http://www.strukturnifondovi.hr erscheinen. Eine Vorregistrierungspflicht besteht nicht.

Nur wenige kroatische KMU betreiben eine systematische Geschäftsplanung, und die Antragstellung stellt sie vor erhebliche Probleme. Die Einschaltung eines Beraters ist daher in der Regel ein Muss. Nach einem Zuschlag erledigen dann rund die Hälfte der Unternehmen die weitere Abwicklung selbst. Die Unternehmen können sich für Beratung und Unterstützung auch an die regionalen Entwicklungsagenturen der Gespanschaften wenden. Beim Ministerium für Regionalentwicklung und EU-Fonds wurde die Agentur für Regionalentwicklung (ARR) als Dachorganisation eingerichtet. Sie ist auch für grenzüberschreitende Projekte zuständig. Die kroatische Wirtschaftskammer (HGK) hat einen Katalog mit privaten Beratungsunternehmen und deren Hauptkompetenzen veröffentlicht. Die Publikation ist auf Kroatisch unter http://www.hgk.hr/wp-content/blogs.dir/1/files_mf/katalog_savjetodavnih_usluga_zajednice_poslovih_savjetnika21.pdf erhältlich.

Unternehmenserfahrungen

Die EU-Fördermittelvergabe hatte in der Vorbeitrittsphase einen schweren Start, und nicht wenige Unternehmen resignierten angesichts des Aufwandes. Zuletzt lief es dann reibungsloser. So erhielt ein KMU-Projekt, das im April 2012 eingereicht wurde, erst im November 2013 den Zuschlag. Danach dauerte es dann nur noch vier Wochen bis der Fördervertrag unterschrieben werden konnte. Inzwischen erkennen Beobachter auch bei der Auswertung der eingereichten Projektunterlagen erhebliche Verbesserungen. Entscheidungen würden nun innerhalb von 90 Tagen getroffen, heißt es.

Kaum zugänglich waren bislang Informationen im Vorfeld der Aufrufe zur Projektabgabe. Lediglich die Woche wurde vorab bekanntgegeben. Die Ausschreibungen waren oft nur kurze Zeit offen und der Andrang zuletzt sehr groß. Da das Prinzip "first come - first served" galt, hatte nur jemand eine Chance, der den Antrag am ersten oder zweiten Tag einbringen konnte. Die Anträge mussten auf Verdacht vorbereitet und später entsprechend den Auswahlkriterien angepasst werden. Bei kleineren Fehlern wurde aber üblicherweise nachgehakt, und sie führten nicht zum Ausschluss.

Die Vorfinanzierung stellt für die meisten kroatischen KMU ein Problem dar. Viele haben keinen Zugang zu einer Bankgarantie oder können nur einen Kredit zu hohen Zinsen bekommen. Oft mangelt es an den erforderlichen Business-Plänen. Als besondere Hürde wird die Einhaltung der EU-konformen Vergabeverfahren angesehen.

Von der EU finanzierte Projekte werden auf der zentralen Plattform für die Strukturfonds (http://www.strukturnifondovi.hr) veröffentlicht. Eine Auswahl davon ist auf einer Landkarte nach Bezirken einsehbar.

Kontaktanschriften:

Lenkungsorgan für die EU-Fonds

Ministarstvo regionalnoga razvoja i fondova Europske unije (MRRFEU)

(Ministerium für regionale Entwicklung und EU-Fonds)

Rackoga 6, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/640 06-00, -60, Fax: -44

E-Mail: fondovi@mrrfeu.hr, Internet: http://www.mrrfeu.hr

Ansprechpartner für die wichtigsten 10 operationellen Programme

Ministarstvo poduzetnistva i obrta (MINPO)

(Ministerium für Unternehmertum und Handwerk)

Ulica grada Vukovara 78, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/610-61 11, -65 48, Fax: -69 21

E-Mail: pitanja@minpo.hr, Internet: http://www.minpo.hr

Ministarstvo znanosti, obrazovanja i sporta (MZOS)

(Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Sport)

Donje Svetice 38, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/456 90 00, Fax: -459 43 01

E-Mail: uzoj@mzos.hr, Internet: http://www.mzos.hr

Ministarstvo gospodarstva (MINGO)

(Ministerium für Wirtschaft)

Ulica grada Vukovara 78, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/610-61 11, Fax: -91 10

E-Mail: info@mingo.hr, Internet: http://www.mingo.hr

Ministarstvo poljoprivrede (MP)

(Ministerium für Landwirtschaft)

Ulica grada Vukovara 78, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/610-61 11, Fax: -92 01

E-Mail: office@mps.hr, Internet: http://www.mps.hr

Ministarstvo pomorstva, prometa i infrastrukture (MPPI)

(Ministerium für Seewesen, Verkehr und Infrastruktur)

Prisavlje 14, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/616 91 11, -378 45-43, Fax: -91

E-Mail: info@mppi.hr, Internet: http://www.mppi.hr

Ministarstvo zastite okolisa i prirode (MZOIP)

(Ministerium für Umwelt- und Naturschutz)

Ulica Republike Austrije 14, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/371 71-11, Fax: -49

Internet: http://www.mzoip.hr

Ministarstvo graditeljstva i prostornoga uredjenja (MGIPU)

(Ministerium für Bauwirtschaft und Raumordnung)

Ulica Republike Austrije 20, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/378 24 44, Fax: -377 28 22

Internet: http://www.mgipu.hr

Ministarstvo uprave (MU)

(Ministerium für Verwaltung)

Maksimirska 63, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/235-75 55, Fax: -76 07

E-Mail: kontakt-uprava@uprava.hr, Internet: http://www.uprava.hr

Ministarstvo rada i mirovinskoga sustava (MRMS)

(Ministerium für Arbeit und Rentenversicherungssystem)

Ulica grada Vukovara 78, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/610-63 10, -67 27, Fax: -93 00

E-Mail: info@mrms.hr, Internet: http://www.mrms.hr

Ministarstvo socijalne politike i mladih (MSPM)

(Ministerium für Sozialpolitik und Jugend)

Savska cesta 66, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/555-71 11, Fax: -72 22

E-Mail: ministarstvo@mspm.hr, Internet: http://www.mspm.hr

Ministarstvo zdravlja (MIZ)

(Ministerium für Gesundheit)

Ksaver 200a, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/460 75 55, Fax: -467 70 76

E-Mail: eu.fondovi@miz.hr, Internet: http://www.zdravlje.hr

Ministarstvo turizma (MINT)

(Ministerium für Tourismus)

Prisavlje 14, 10000 Zagreb,

Tel.: 003851/616-91 11, -93 50, Fax: -93 96

E-Mail: kabinet@mint.hr, Internet: http://www.mint.hr

HAMAG-BICRO

Hrvatska agencija za malo gospodarstvo, inovacije i investicije

(Kroatische Agentur für Kleinwirtschaft, Innovationen und Investitionen)

Prilaz Gjure Dezelica 7, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/488 10-03, Fax: -09

E-Mail: hamagbicro@hamagbicro.hr, Internet: http://www.hamaginvest.hr

Fond za zastitu okolisa i energetsku ucinkovitost (FZOEU)

(Fonds für Umweltschutz und Energieeffizienz)

Ksaver 208, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/539 18-00, Fax: -10

E-Mail: kontakt@fzoeu.hr, Internet: http://www.fzoeu.hr

Hrvatske vode

Ulica grada Vukovara 220, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/630 73 33, Fax: -615 59 10

E-Mail: voda@voda.hr, Internet: http://www.voda.hr

Sredisnja agencija za financiranje i ugovaranje programa i projekata Europske unije (SAFU)

(Zentrale Agentur für Finanzierung und Vertragsschließung von EU-Programmen und -projekten)

Ulica grada Vukovara 284/C, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/459-12 45, Fax: -10 75

E-Mail: info@safu.hr, Internet: http://www.safu.hr

Hrvatski zavod za zaposljavanje (HZZ)

(Kroatisches Amt für Beschäftigung)

Radnicka cesta 1, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/612 60-00, Fax: -38

E-Mail: hzz@hzz.hr, Internet: http://www.hzz.hr

Hrvatska regulatorna agencija za mrezne djelatnosti (HAKOM)

(Kroatische Regulierungsagentur für Netzmärkte)

R. F. Mihanovica 9, 10110 Zagreb

Tel.: 003851/700 70-07, Fax: -70

Internet: http://www.hakom.hr

Institutionen, Berater, die bei Antragstellung Hilfestellung geben bis hin zum Ausfüllen von Vordrucken

Deloitte d.o.o.

Radnicka cesta 80, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/235 19-00, Fax: -99

E-Mail: cehrreception@deloittece.com, Internet: http://www.deloitte.com/hr

Razbor d.o.o.

IV. Vrbik 6, 10000 Zagreb

Tel./Fax: 003851/457 27 69

E-Mail: info@razbor.hr, Internet: http://www.razbor.hr

Superna

B.J.Jelacica 22B, 40000 Cakovec

Tel.: 00385 40/49 94 50

E-Mail: Patrick.galeski@superna.hr; Internet: http://www.superna.hr

EU projekti

Almeria Centar/Ulica grada Vukovara 284, 10000 Zagreb

Tel./Fax: 003851/553 48 78

E-Mail: info@eu-projekti.com, Internet: http://www.eu-projekti.info

Zajednica poslovnih savjetnika pri HGK

(Vereinigung von Geschäftsberatern bei der kroatischen Wirtschaftskammer)

Nova cesta 3-7, 10000 Zagreb

Tel.: 003851/460 68-24, Fax: -29

E-Mail: jravlic@hgk.hr, Internet: http://www.hgk.hr

(E.A./SN.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kroatien, EU Wirtschaftsbeziehungen zur EU, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Ausschreibungswesen

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Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

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