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18.06.2019

Kuba muss landwirtschaftliche Produktion erhöhen

Geringe Produktivität trotz guter natürlicher Bedingungen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Die kubanische Regierung will mehr Nahrungsmittel produzieren, um Importe zu ersetzen und den Export zu fördern. Ausländische Unternehmen sollen sie dabei unterstützen.

Die Landwirtschaft birgt enormes Potenzial für die kubanische Wirtschaft, ist jedoch zugleich eines der größten Sorgenkinder des Inselstaats. Rund 70 bis 80 Prozent der im Land verbrauchten Lebensmittel und Getränke werden jedes Jahr importiert. 2018 rissen die Einfuhren ein Minus von 722 Millionen US-Dollar in die Handelsbilanz. Einzig bei Fischprodukten, Zucker, Spirituosen und Tabak erreichte Kuba einen Exportüberschuss.

Dabei bietet das tropische Klima gute Bedingungen für den Anbau von Früchten wie Mango, Ananas, Avocado sowie Orangen und Grapefruit. Doch die staatliche (Preis)Kontrolle und die schlechte Finanzierungssituation führen dazu, dass die Möglichkeiten ungenutzt bleiben. Hinzu kommt, dass die meisten Nahrungsmittelproduzenten nur wenig professionalisiert sind. Ungenügendes Know-how in den staatlichen Betrieben und den genossenschaftlichen Kooperativen drückt die Produktivität.

Überblick über die kubanische Landwirtschaft 2018
Indikator Wert
Potenzielle landwirtschaftliche Fläche 6,3 Mio. h
Tatsächlich bewirtschaftete Fläche 2,7 Mio. h (70 Prozent Kooperativen; 30 Prozent staatliche Betriebe)
Beschäftigte 810.000 (13,2 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung)
Herstellung pflanzlicher Produkte Gemüse (5,2 Mio. t); Zucker (1,1 Mio. t); Obst (861.000 t); Reis (460.000 t); Mais (345.000 t); Bohnen (161.000 t); Zitrusfrüchte (71.000 t); Tabak (30.000 t)
Herstellung tierischer Produkte Eier (2,8 Mio. t); Milch (570.000 t); Schweinefleisch (352.000 t); Rindfleisch (183.000 t); Geflügelfleisch (37.000 t); Schaf- und Ziegenfleisch (30.000 t)

Quellen: Cartera de Opportunidades; Statistikamt ONEI

Sowohl für deutsche Exporteure als auch für Investoren können Projekte in der kubanischen Landwirtschaft interessant sein. Der Sektor ist ein Schwerpunkt der kubanischen Regierung, entsprechend stark werden potenzielle Vorhaben beworben. In der aktuellen Liste der Investitionsmöglichkeiten (Cartera de Opportunidades 2018/2019) finden sich 45 Vorschläge, womit der Sektor einer der am stärksten vertretenen Bereiche ist.

Kubas Produzenten müssen flexibler werden

Die Projektvorschläge sind von der Produktion von Früchten und Gemüse über die Tierzucht bis hin zur Herstellung von Getränken und anderen verarbeiteten Lebensmitteln breit gefächert. "Die Regierung will die Importabhängigkeit bei Mais, Bohnen und Reis senken" berichtet José Reboiras, Geschäftsführer von Bayer CropScience in Kuba. Im Bereich tropischer Früchte geht es laut dem Experten vor allem darum, mehr Orangen, Grapefruit, Ananas und Mangos für den Export und die Herstellung von Säften zu produzieren.

Viele der Vorhaben sollen entweder als Joint Venture (Empresa mixta) oder über eine Internationale Wirtschaftliche Vereinigung (Contrato de asociación económica internacional) realisiert werden. Für die Umsetzung sieht José Reboiras Herausforderungen: "In den kommenden Jahren wird es wichtig sein, dass die Produzenten flexibler werden, was Arbeitsprozesse und Anbaumethoden angeht." Dies gelte besonders für die Exportsegmente.

Reine Lieferanten haben es schwer

Für reine Technologielieferanten ist Kuba aufgrund der geringen nationalen Produktion etwa von Pflanzenschutzmitteln, Dünger und Landtechnik grundsätzlich ein vielversprechender Markt. Auf der diesjährigen Ausgabe der Agrarmesse Fiagrop hatte Deutschland mit elf ausstellenden Firmen die mit Abstand größte ausländische Präsenz. Allerdings behindert der derzeitige Devisenmangel die Absatzmöglichkeiten enorm. Unternehmen mit Lieferabsicht wird daher geraten, über konkrete Projekte gegebenenfalls zusammen mit anderen ausländischen Unternehmen im Land tätig zu werden.

Als Einstieg kann auch eine Kooperation mit einer internationalen Organisation dienen, die Kuba im Agrarsektor unterstützt. Ein wichtiger Player auf diesem Gebiet ist der International Fund for Agricultural Development (IFAD) der Vereinten Nationen. Auch die Europäische Union betreibt über das Development Cooperation Instrument (DCI) ein Ernährungsprogramm in Kuba. Weitere Informationen liefert der Bereich "Entwicklungsprojekte" unter http://www.gtai.de/kuba.

Kooperativen bearbeiten die meisten Flächen

Unter den kubanischen Akteuren liegt die Federführung für Agrarfragen beim Landwirtschaftsministerium Minag (Ministerio de la Agricultura), das ein Netz von Vertretungen und ihm zugeordneten Betrieben in den meisten Provinzen hat. Für die Verarbeitung von Lebensmitteln ist das Ministerium der Lebensmittelindustrie Minal (Ministerio de la Industria Alimentaria) zuständig. Ihm untersteht unter anderem das Unternehmen Coralsa, das für ausländische Investoren als Partner infrage kommt.

Obwohl sich fast die gesamte Agrarfläche im öffentlichen Besitz befindet, bearbeiten staatliche Firmen nur rund 30 Prozent der Flächen. Der Rest wird von genossenschaftlichen Kooperativen betrieben, von denen es drei Arten gibt: Unidades Básicas de Producción Cooperativas (UBPC), Cooperativas de Crédito y Servicios (CCS) und Cooperativas de Producción Agropecuaria (CPA).

Ausländische Firmen investieren in Nahrungsmittelfabriken

Ausländische Unternehmen sind vor allem im Bereich der verarbeiteten Lebens- und Genussmittel aktiv. In den vergangenen Jahren haben sich mit Brascuba (Tabak), Richmeat (Fleisch), TGT Caribe (Käse), Newrest (Catering), Nescor (verschiedene Lebensmittel) und Profood (Getränke) mehrere Unternehmen in der Sonderwirtschaftszone Mariel angesiedelt beziehungsweise befinden sich im Ansiedlungsprozess. Außerhalb der Zone ist der panamaische Investor und Technologielieferant TF Investment Caribbean über ein Joint Venture in der Produktion verschiedener Lebensmittel aktiv.

Noch 2019 sollen weitere Kooperationen für die Fleischverarbeitung hinzukommen. Vertreter der staatlichen Unternehmensgruppe Grupo Empresarial Ganadero sprachen auf der Messe Fiagrop im März davon, dass die Verhandlungen für sechs bis acht neue Joint Ventures bereits fortgeschritten seien. Die Interessenten kommen demzufolge hauptsächlich aus Dänemark, Deutschland und Spanien.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministerio de la Agricultura (Minag) http://www.minag.gob.cu Kubanisches Landwirtschaftsministerium
Ministerio de la Industria Alimentaria (Minal) http://www.minal.gob.cu Kubanisches Ministerium für die Lebensmittelindustrie
International Fund for Agricultural Development (IFAD) http://www.ifad.org Organisation der Vereinten Nationen für landwirtschaftliche Entwicklung
Deutsches Büro zur Förderung von Handel und Investitionen in Kuba http://www.kuba.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Cámara de Comercio de Cuba http://www.camaracuba.cu Kubanische Handelskammer

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kuba sind unter http://www.gtai.de/kuba abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein

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