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18.06.2019

Kubas Tourismusbranche hat lange Projektpipeline

Nationale und internationale Hotelbetreiber erweitern ihre Kapazitäten / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Kuba investiert in Hotels, um im Tourismus weiter zu wachsen. Auch neue Freizeiteinrichtungen sind in Planung, damit die Insel interessant für internationale Besucher bleibt.

Im Jahr 2019 werden Prognosen zufolge rund 5,1 Millionen internationale Touristen Kuba besuchen. Das wären 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit entwickelt sich der Markt dynamischer als 2018 (+6 Prozent). Eine Herausforderung ist allerdings der insgesamt sinkende Umsatz. Mittelfristig gehen sowohl kubanische als auch internationale Hotelketten jedoch von guten Wachstumsperspektiven aus, wie die zahlreichen Bauprojekte neuer Hotels zeigen.

Die Expansion ist nicht nur für deutsche Tourismusfirmen interessant, auch Lieferanten von Bauausrüstung können zum Zug kommen. Die Hotel- und Freizeiteinrichtungen benötigen unter anderem Klimatechnik, Elektronik für die Gebäudesteuerung, gastronomische Ausstattung und Zugangstechnik, da entsprechende Produkte nur in geringem Umfang in Kuba hergestellt werden.

Nationale und internationale Ketten bauen neue Häuser

Der Schwerpunkt der staatlichen Projekte liegt in Havanna und dem Touristenort Varadero. In Havanna baut der Immobilienentwickler Almest derzeit zwei Hotels im Geschäftsviertel Miramar sowie ein weiteres in Vedado. Letzteres wird mit 42 Stockwerken das höchste der Stadt sein. In Varadero eröffnete Almest 2018 das Hotel Oasis.

Ausländische Hotelbetreiber bauen - teilweise in Joint Ventures mit staatlichen Firmen - ebenfalls ihre Kapazitäten aus. Führend dabei sind die spanischen Ketten Meliá und Iberostar. Alleine Meliá errichtet derzeit drei Hotels in Havanna und hat Pläne für acht weitere Häuser in den Provinzen Cienfuegos, Trinidad und Camagüey.

Iberostar vergab Ende Dezember den Bau des Iberostar Trinidad an die italienische Gruppe T.O.MA., die das rund 83 Millionen US-Dollar (US$) teure Objekt zusammen mit dem staatlichen Bauunternehmen Dinvai aufbauen wird. Weitere wichtige Hotelketten vor Ort sind Accor, Be Live (Globalia), Kempinski, Roc und Sercotel. Nach Angaben des Tourismusministeriums werden derzeit insgesamt 40 Hotels mit 18.000 Zimmern neu gebaut oder saniert. Bis 2030 sollen es laut Regierung 103.000 Zimmer sein, momentan sind es nur rund 74.000.

Freizeiteinrichtungen sollen Wachstum anheizen

So ambitioniert der Zubau neuer Hotels auch ist - den Verantwortlichen dürfte klar sein, dass mittelfristig zusätzliche Tourismusangebote nötig sind, um die Kapazitäten zu füllen. Schon aktuell liegt die Auslastung nur bei 38,5 Prozent. Da der Anteil an Kreuzfahrtgästen steigt (die im Durchschnitt weniger vor Ort ausgeben als andere Touristen), sanken die gesamten Einnahmen aus dem Fremdenverkehr 2018 um 4,6 Prozent.

Bereits seit längerer Zeit ist der Aufbau von bis zu 19 Golfplätzen im Gespräch. Für fünf der Projekte gibt es konkrete Pläne des staatlichen Unternehmens Cuba Golf zusammen mit ausländischen Partnern. Für das wichtigste unter ihnen - den Multifunktionskomplex Rancho Luna-La Milpa - sucht das spanische Unternehmen Urbas Grupo Financiero Investoren. Auf der Halbinsel Pasacaballos sollen für etwa 4,1 Milliarden US$ in mehreren Phasen Golfplätze, ein Jachthafen, Hotels, Bungalows und Freizeiteinrichtungen entstehen.

Auch in den Städten sind neue Tourismusangebote geplant, so der Puerto Arte (Kunsthafen) auf einem alten Hafengelände Havannas. Jens Meier-Ewert von der deutschen Projektfirma BERmeeCU berichtet: "Wir wollen aus dem alten Kohlekai einen Kulturkai mit Amphitheater, Fesselballon, einem 360 Grad-LED-Panoramaturm, Galerien sowie gastronomischem Angebot machen".

Generell, so sagt Meier-Ewert, wird dem Projekt von kubanischer Seite großes Interesse entgegengebracht. Bereits seit 2016 entwickelt das Team der Projektfirma BERmeeCU das Projekt. "Zusammen mit unserem kubanischen Partner EGREM hoffen wir, dass bald die nächsten Genehmigungen der Baubehörden vorliegen", so der Geschäftsführer. Danach komme es darauf an, das Kooperationsabkommen mit den staatlichen Organisationen zügig auszuhandeln.

Unterschiedliche Kooperationsformen möglich

Die kubanische Tourismuswirtschaft teilt sich von staatlicher Seite in zwei große Bereiche auf: die Unternehmen des Tourismusministeriums wie Transtur und Ecotur sowie die Firmen, die den Streitkräften unterstehen, darunter Grupo Gaviota und Gran Caribe. Daneben kontrollieren auch andere Ministerien wie das Landwirtschaftsressort eigene Tourismusableger.

Diese Firmen kommen in der Regel als Joint-Venture-Partner für ausländische Partner infrage. In den Gemeinschaftsprojekten dringt die kubanische Seite häufig auf eine Mehrheitsbeteiligung, vorgeschrieben ist dies jedoch nicht und es gibt Ausnahmen. Ende 2018 gab es 27 Joint Venture ausländischer und kubanischer Unternehmen, die zusammen rund 5.000 Hotelzimmer verwalteten.

Häufig Betrieb über Dienstleistungsverträge

Die weitaus häufigere Form ist allerdings, dass ausländische Hotelbetreiber die Verwaltung von Häusern übernehmen, die ihrerseits im Eigentum der kubanischen

Staatsfirmen bleiben. Ende 2018 bestanden 95 solcher Verträge, die rund 45.000 Zimmer umfassten.

Für Projekte über Freizeiteinrichtungen wie den Puerto Arte wird häufig das Schema der Internationalen Wirtschaftlichen Vereinigung (Asociación Económica Internacional - AEI) angewandt. Im Gegensatz zum Joint Venture wird hierbei kein neues Unternehmen gegründet, sondern lediglich ein Vertrag über die künftige Zusammenarbeit bei einem bestimmten Projekt geschlossen. Dieses Modell macht nur wenige gesetzliche Vorgaben und ist entsprechend flexibel.

US-Politik verunsichert die Branche

Eine Mitte April gefällte Entscheidung von Seiten der USA kann in den kommenden Monaten und Jahren dazu führen, dass ausländische Tourismusunternehmen vorsichtiger in Kuba agieren. Demnach ist es seit Anfang Mai für US-Amerikaner und deren Nachfahren möglich, in den USA auf Schadensersatz für ihren im Zuge der Revolution 1959 enteigneten Besitz zu klagen. Dabei könnten sie gerichtlich gegen ausländische Unternehmen vorgehen, die in Kuba auf entsprechenden Grundstücken tätig sind. Die Regelung ist Teil des Helms-Burton-Acts, war bislang jedoch stets ausgesetzt. Auch erschwerte US-Präsident Trump jüngst die Reisegenehmigungen.

für US-Bürger.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministerio de Tourismo (Mintur) http://www.mintur.gob.cu Kubanisches Tourismusministerium
Deutsches Büro zur Förderung von Handel und Investitionen in Kuba http://www.kuba.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Cámara de Comercio de Cuba http://www.camaracuba.cu Kubanische Handelskammer

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kuba sind unter http://www.gtai.de/kuba abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuba Tourismus / Hotels / Gastgewerbe, allg., Hochbau, Tourismus

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