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19.02.2019

Kuwait baut Gesundheitssektor aus

Staatliche Gesundheitseinrichtungen sollen nur noch den Kuwaitern zugutekommen / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Großprojekte erhöhen Krankenhauskapazitäten. Die 3,3 Millionen Ausländer erhalten eine separate Gesundheitsversorgung.

Das kuwaitische Ministry of Health (MoH) geht davon aus, dass in weniger als drei Jahren Ausländern der Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem gesperrt werden kann, abgesehen von Ausnahmen und Einzelfällen, so kuwaitische Pressemeldungen. Die Regierung begegnet damit anhaltender Kritik der Kuwaiter an einer Überlastung von staatlichen Gesundheitseinrichtungen durch Ausländer.

Starke Gebührenerhöhungen haben seit Herbst 2017 Ausländern - mehrheitlich asiatischen Arbeitskräften und deren Familien - den Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem erheblich erschwert. Viele staatliche Gesundheitseinrichtungen haben getrennte Besuchszeiten für Kuwaiter und Ausländer eingerichtet. Einige staatliche Einrichtungen bieten ihre Dienstleistungen bereits nur Einheimischen an.

Ausländer müssen Gesundheitsdienstleistungen zudem vorab bezahlen. Lebensbedrohliche Notfälle sind von einer Vorkasse ausgenommen, in Einzelfällen ist auch ein Verzicht auf die Gebühren möglich. Ausländer bezahlen außerdem eine jährliche Gesundheitsgrundgebühr von 50 Kuwait-Dinar (KD, circa 165 US-Dollar). Dem Vernehmen nach hat eine Gebührenanhebung die Zahl der Arztbesuche von Ausländern gesenkt, einige verschleppen notwendige Behandlungen.

Gemäß der kuwaitischen Gesundheitsstatistik aus dem Jahr 2016 betrug der Anteil der Ausländer bei ambulanten Behandlungen in staatlichen Krankenhäusern 41 Prozent, bei stationären Behandlungen 55 Prozent. In privaten Krankenhäusern waren es 28 Prozent für ambulante und 21 Prozent bei stationären Leistungen.

Aufbau einer getrennten Versorgung für Ausländer kommt nicht voran

Neben den zumeist teuren privaten Krankenhäusern sollen drei neue Hospitäler und 15 Gesundheitszentren die Ausländer zukünftig versorgen. Die 2014 gegründete Kuwait Health Assurance Company (Dhaman, http://www.dhaman.co ) wird diese Einrichtungen betreiben. Der an Dhaman zu zahlende Pflichtbeitrag soll zunächst 130 KD (427 US$) jährlich betragen. In welcher Höhe Zuzahlungen bei Inanspruchnahme von Dienstleistungen anfallen, ist noch unklar.

Die drei Ausländer-Krankenhäuser mit jeweils 300 Betten sollen in den Bezirken Jahra, Farwaniya und Ahmadi entstehen. Ursprünglich sollte die separate Gesundheitsinfrastruktur für Ausländer 2020 fertiggestellt sein. Das Krankenhaus in Ahmadi wird seit 2017 gebaut. Der 265 Millionen US$ Auftrag ging an die Metallurgical Corporation of China und die lokale Khalid Ali Al Kharafi & Brothers Company. Der Abschluss der Bauarbeiten wird 2020 und die Inbetriebnahme 2021 erwartet. Wann die Aufträge für die beiden anderen Ausländer-Krankenhäuser vergeben werden, ist nicht bekannt.

Bettenkapazitäten steigen, Inbetriebnahmen oft unklar

Offiziellen Angaben zufolge verfügten Kuwaits Krankenhäuser Ende 2016 über 8.409 Betten (2015: 8.340). Davon entfielen auf MoH-Einrichtungen 7.098 Betten. Drei Ölgesellschaften (Al Ahmadi, Chevron, National Petroleum) boten 240 Betten und zwölf private Krankenhäuser 1.071 Betten an. Folgende sechs MoH-Hospitäler sind als zentrale Regionalkrankenhäuser (General Hospitals) klassifiziert: Al Farwaniya Hospital (2016: 868 Betten), Al Adan Hospital (826), Al Jahra Hospital (759), Mubarak Al Kabeer Hospital (724), Al Sabah Hospital (441) und Al Amiri Hospital (414).

Die zwölf anderen MoH-Krankenhäuser sind Spezialkliniken: Psychological Medicine Hospital (828 Betten), Maternity Hospital (448), Ibn Sina Hospital (355), Al Razi Hospital (438), Chest Diseases Hospital (326), Infectious Disease Hospital (173), Kuwait Cancer Control Center (199), Physical Medicine and Rehabilitation Hospital (69), Allergy Center (36), Palliative Care (28), Sabah Al Ahmed Urology Center (74) und Zain Hospital (92).

Die Bettenkapazitäten wurden 2017 und 2018 erheblich erweitert. Allerdings ist oft unklar, wann fertiggestellte Krankenhäuser oder Erweiterungen tatsächlich den Betrieb aufnehmen. Inbetriebnahmen verzögern sich oder erfolgen in Phasen. Ende 2018 waren Krankenhausprojekte mit rund 3.700 Betten, die in der Statistik 2016 noch berücksichtigt sind, fertiggestellt. Allerdings steht nur ein Teil dieser neuen Kapazitäten tatsächlich zur Verfügung.

Zu den fertiggestellten Projekten gehören das Al Ahmadi Hospital der Kuwait Oil Company (350 Betten), das MoH Cardiac Research and Rehabilitation Center (150 Betten), das Public Health Department Building (50), das MoH Waleed and Abdul Rahman Intensive Care Centre (70) sowie die Erweiterungen des Al Amiri Hospital (420) und des Infectious Disease Hospital (224 Betten).

Zwei Mega-Projekte bringen insgesamt 2.400 zusätzliche Betten. Das 1,2 Milliarden US$ New Al Jahra Hospital (auch Al Jahra Medical City genannt mit 1.234 Betten) wurde im Juli 2018 offiziell eröffnet. Ob sich das Krankenhaus schon im Vollbetrieb befindet, ist unklar. Die Bauarbeiten für das 1,1 Milliarden US$ Al Jaber al Ahmed al Jaber al Sabah Hospital (1.168 Betten) schlossen im Frühjahr 2016 ab. Aber erst im Dezember 2018 nahm eine erste Phase den Betrieb auf, die offensichtlich nur ambulante Dienstleistungen umfasst.

Planungen für viele neue Krankenhäuser

Derzeit werden Krankenhausprojekte mit einer Gesamtkapazität von über 8.000 Betten für fast 10 Milliarden US$ gebaut oder geplant. Die größten im Bau befindlichen Projekte sind die Erweiterung des Al Farwaniya Hospital um 938 Betten, die Erweiterung des Al Adan Hospitals um 637 Betten, das New Maternity Hospital (780 Betten), die Erweiterung des Al Sabah Hospital um 617 Betten sowie die Erweiterung des Kuwait Cancer Control Center um 618 Betten.

Kuwait: Ausgewählte Krankenhausprojekte
Projekt Investition (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektträger
Kuwait Armed Forces Hospital 1.700 ST US Army Corps of Engineers
New Sabah Al Ahmad Hospital 1.000 ST Ministry of Health
Eight Hospitals Expansion: Al Farwaniya Hospital Expansion 941 DU Ministry of Health
New Pediatric Hospital in Al-Sabah Medical Area 850 DE Ministry of Public Works
Eight Hospitals Expansion: Al-Adan Hospital Expansion 772 DU Ministry of Health
New Maternity Hospital 730 DU Ministry of Public Works
Eight Hospitals Expansion: Al Sabah Hospital Expansion 636 DU Ministry of Health
Sabah al-Salem University: Medical Campus: Hospital 635 DE Kuwait University
Eight Hospitals Expansion: Kuwait Cancer Control Center 570 DU Ministry of Health
New Ibn Sina Hospital 560 PQ Ministry of Health
Medical City Hospital 350 DE Public Institution for Social Security
Expatriate Hospitals: Hospital in Ahmadi 265 DU Health Assurance Hospitals Company (Dhaman)
Expatriate Hospitals: Hospitals in Jahra and Farwaniya 503 ST Health Assurance Hospitals Company (Dhaman)
Sabah Al Ahmad New Physical Therapy Hospital 240 DU Ministry of Health
Al Salam Al Ahmadi Hospital in Mahboula 42 DU Al Salam International Hospital
X-Ray Center in Mubarak Al Kabeer Hospital 16 DE Ministry of Health
Jabriya Medical Central 15 DU Private Developer
Al Rawasy Clinic in Al Asimah 14 DU Al Rawasy
Nephrology & Kidney Transplant Center 11 DU Ministry of Health
Adan Hospital Casualty Building 11 DU Ministry of Health

*) ST = Studie, DU = Durchführung; DE = Design, PQ = Präqualifizierung

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen, MEED Projects

Die im Bau befindlichen Projekte würden nach ihrer Fertigstellung die Bettenkapazitäten auf etwa 16.000 anheben. Eine mittelfristige Regierungsplanung sieht diese Zielgröße vor. Investitionen in Krankenhäuser im Planungsstadium belaufen sich auf weitere 5,6 Milliarden US$. Es ist allerdings davon auszugehen, dass einige geplante Projekte nicht oder später realisiert werden. Es wird auch diskutiert, staatliche Projekte privaten Investoren als Private Public Partnership Vorhaben anzubieten.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kuwait können Sie unter http://www.gtai.de/kuwait abrufen.

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