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08.02.2018

Kuwait baut Gesundheitssystem aus

Behandlungskosten für Ausländer steigen / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Die kuwaitische Regierung strebt mittelfristig eine Verdoppelung der Bettenkapazitäten in Krankenhäusern an. Derzeit sind Krankenhausprojekte im Wert von über 11 Milliarden US-Dollar (US$) im Bau oder in Planung. Der Ausbau des staatlichen Gesundheitssystems soll aber im Wesentlichen den Kuwaitern zugutekommen. Für die mehrheitlich ausländische Bevölkerung wird ein getrenntes Gesundheitssystem geschaffen. Nur etwa 900 Betten sind für die heute über 3 Millionen Ausländer geplant.

Die Situation im überlasteten staatlichen Gesundheitssektor hat sich für die einheimische Bevölkerung seit Oktober 2017 deutlich entspannt. Grund: Den 3,1 Millionen in Kuwait lebenden Ausländern (mehrheitlich asiatische Arbeitskräfte und deren Familien) wurde der Zugang zum Gesundheitssystem erheblich erschwert. Gab es bislang schon in vielen staatlichen Krankenhäusern und Gesundheitszentren gesonderte Besuchszeiten für Kuwaiter (tagsüber) und Ausländer (abends), werden seit Oktober von Ausländern zusätzliche, hohe Gebühren verlangt, die viele asiatische Arbeiter nicht aufbringen können.

Zukünftig gesonderte Gesundheitseinrichtungen für Ausländer

Neben den neuen Gebühren müssen Ausländer weiterhin jährlich eine Gesundheitsgrundgebühr von 50 Kuwait-Dinar (KD; 167 US$) zahlen. Im Ergebnis ist die Zahl der Arztbesuche von Ausländern stark rückläufig, notwendige Behandlungen werden verschleppt. Ausländer müssen jetzt jede Gesundheitsdienstleistung vorab bezahlen. Es gibt allerdings einige Ausnahmen. Beispielsweise soll bei lebensbedrohlichen Situationen ohne Vorkasse behandelt werden dürfen, auch ein Verzicht auf Gebühren soll möglich sein.

Die Verdrängung der Ausländer aus dem staatlichen, für die 1,4 Millionen Kuwaiter weitgehend kostenlosen Gesundheitssystem durch hohe Gebühren ist nur ein Zwischenschritt zum vollständigen Ausschluss der Ausländer von staatlicher Gesundheitsversorgung. Zukünftig sollen Ausländer in drei neuen Krankenhäusern und 15 Gesundheitszentren versorgt werden. Betreiber der Einrichtungen wird die 2014 gegründete Kuwait Health Insurance Company (Daman) sein. Der an die Krankenversicherung zu zahlende Pflichtbeitrag soll zunächst jährlich 130 KD (433 US$) betragen, die Regelung soll voraussichtlich ab 2020 gelten. In welcher Höhe Zuzahlungen bei Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen anfallen, ist noch unklar.

Als Standorte der drei geplanten Ausländer-Krankenhäuser sind in die Bezirke Jahra, Farwaniya und Ahmadi vorgesehen. Im Juli 2016 wurde Hill International mit dem Projektmanagement für zunächst zwei Hospitäler mit jeweils 300 Betten in Jahra und Ahmadi beauftragt. Ende 2016 ging der Bauauftrag über 531 Millionen US$ an die China Metallurgical Group Corporation (MCC). Im November 2017 gab der damalige Gesundheitsminister Jamal Al Harbi den offiziellen Startschuss zum Bau eines ersten Krankenhauses, mit den Bauarbeiten wurde aber noch nicht begonnen.

Starker Ausbau des Krankenhausangebots für Einheimische

Parallel zur Implementierung des Segregationskonzepts im Gesundheitswesen will Kuwait die Krankenhauskapazitäten für die einheimische Bevölkerung kräftig erweitern. Die gegenwärtig im Bau befindlichen oder geplanten Krankenhausprojekte würden bei termingerechter Fertigstellung Kuwaits Bettenkapazität bis 2020 um etwa 10.000 auf 18.000 erhöhen. Die staatliche Planung kalkuliert aber mit einem geringeren Anstieg auf 15.000 Betten. Die zusätzliche Bettenkapazität entfällt im Wesentlichen auf staatliche Träger, dient somit nahezu ausschließlich der Versorgung der Einheimischen.

Die aktuellsten Daten der kuwaitischen Gesundheitsstatistik beziehen sich auf 2015. Den Angaben zufolge lag Ende 2015 die Bettenkapazität bei insgesamt 8.340, davon entfielen auf Einrichtungen des Ministry of Health (MoH) 7.026 Betten. Drei Ölgesellschaften (Al Ahmadi, Chevron, National Petroleum) boten 232 Betten und 12 private Krankenhäuser 1.082 Betten. Sechs der 17 MoH-Hospitäler mit insgesamt 4.033 Betten sind als zentrale Regionalkrankenhäuser (General Hospitals) klassifiziert: Al Farwaniya Hospital (2015: 869 Betten), Al Adan Hospital (826), Al Jahra Hospital (757), Mubarak Al Kabeer Hospital (731), Al Sabah Hospital (433) und Al Amiri Hospital (417).

Die anderen MoH-Krankenhäuser sind Spezialkliniken: Psychological Medicine Hospital (816 Betten), Maternity Hospital (458), Ibn Sina Hospital (358), Al Razi Hospital (361), Chest Diseases Hospital (326), Infectious Diseases Hospital (173), Kuwait Cancer Control Center (199), Physical Medicine and Rehabilitation Hospital (75), das Allergy Center (36), Palliative Care (95) und Sabah Al Ahmed Urology (96).

In den vergangenen beiden Jahren (2016/2017) wurde die Bettenkapazität unter anderem durch die Fertigstellung des neuen Al Ahmadi Hospital der Kuwait Oil Company (350 Betten), des MoH Cardiac Research and Rehabilitation Center (150 Betten) sowie des Public Health Department Building (50 Betten) erweitert.

Krankenhausprojekte für über 11 Milliarden US$ im Bau oder in Planung

Die Bauarbeiten an dem mit fast 1.200 Betten zukünftig größtem Krankenhaus des Landes, dem 1,2 Milliarden US $ teuren Jaber Ahmed al-Jabber al-Sabah Hospital in South Surra, wurden zwar schon 2016 abgeschlossen, ein Termin für die Eröffnung erster Abteilungen des Krankenhauses steht aber noch nicht fest. Ende 2017 wurde gemeldet, das Krankenhaus habe die Ausrüstungen für eine erste Phase des Großprojekts erhalten. Dabei handelt sich um Ausstattungen zur ambulanten Behandlung. In der zweiten Phase sollen die Einrichtungen zur stationären Versorgung hinzukommen und schließlich in der dritten Phase die Intensivmedizin.

Gegenwärtig sind Krankenhausprojekte im Wert von über 6 Milliarden US$ im Bau, darunter sieben Projekte des "Eight Hospital Expansion" Programms. Dieses umfasst für 4 Milliarden US$ die Schaffung 4.300 zusätzlichen Betten, die laufenden sieben Projekte schaffen etwa 4.000 neue Betten. Das größte im Bau befindliche Hospital ist das Al Jahra Hospital mit über 1.100 Betten für 1,3 Milliarden US$. Die Bauarbeiten sollen noch 2018 abgeschlossen werden, Bauherr ist das Herrscherhaus (Al Diwan Al Amiri). In der Bauphase ist auch das New Maternity Hospital mit 780 Betten, für das 730 Millionen US$ veranschlagt werden.

Krankenhaushausprojekte im Wert von über 5 Milliarden US$ sind in der Planungsphase, allerdings ist bei den meisten Vorhaben der weitere Projektablauf ungewiss. Einige der geplanten Projekte sollten als PPP-Projekte (Public-private-Partnership) durchgeführt werden. Aber die für PPP-Projekte zuständige "Kuwait Authority for Partnership Projects" (KAPP) hat aktuell keines der Projekte auf ihrer Liste. Als erstes PPP-Projekt im Gesundheitssektor wurde 2011 der Bau eines 500 Millionen US$ New Physical Medicine & Rehabilitation Hospital (500 Betten) präsentiert. Das Projekt wurde aber 2013 aufgegeben.

Für den Bau des New Ibn Sina Hospitals (500 Betten, 560 Millionen US$) haben sich bereits im Frühjahr 2016 drei lokale und ein indischer Anbieter präqualifiziert, seither wird auf die Ausschreibung gewartet. Das New Pediatric Hospital (792 Betten, 500 Millionen US$) in der Al-Sabah Medical Area ist seit 2012 in der Planung. Auch das Police Hospital (500 Betten, 780 Millionen US$) ist seit etwa sechs Jahren in Planung. Ebenfalls keine Bewegung ist beim auf 1,7 Milliarden US$ veranschlagten Kuwait Armed Forces Hospital zu verzeichnen, das mit Unterstützung der US Army Corps of Engineers gebaut werden soll.

Zwei große Krankenhausprojekte liegen derzeit offiziell auf Eis. Eines der Projekte des "Eight Hospital Expansion" Programms, der 355 Millionen US$ Ausbau des Ibn Sina Hospital, steckt seit mehr als zwei Jahren fest, gemäß Planung soll die Bettenzahl um etwa 300 Betten steigen. Ebenfalls das New Razi Hospital Projekt (500 Betten, 500 Millionen US$) zeigt seit Abschluss der Design-Phase Ende 2015 keine Fortschritte.

(R.E.)

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Kuwait Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Gesundheitspolitik, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung

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