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14.04.2017

Kuwait investiert in die Wasserwirtschaft

Erweiterung der Entsalzungs- und Klärwerkskapazitäten / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait City (GTAI) - Der Staat Kuwait will bis 2030 die Kapazitäten seiner Entsalzungsanlagen weit mehr als verdoppeln. Allerdings dürften nicht alle Vorhaben umgesetzt werden. Private Investoren sollen die Projekte durchführen. Auch im Abwassersektor gibt es Pläne zum Ausbau. Das aufbereitete Abwasser dient zur Versorgung der Landwirtschaft und zur Bewässerung von Grünflächen. Ein deutsch-kuwaitisches Konsortium hat bei einem Klärwerksprojekt gute Chancen auf einen Vertragsabschluss.

Die Versorgung Kuwaits mit Frischwasser erfolgt über Meerwasserentsalzung. Aktuell verfügen die Entsalzungsanlagen über eine Gesamtkapazität von 2,9 Mio. cbm/Tag, etwa 1,9 Mio. cbm waren es 2010. Die jüngste Kapazitätserweiterung erfolgte 2016 mit der Inbetriebnahme der 1. Phase der Az Zour North Power and Desalination Plant (Kapazität: 486.400 cbm/Tag). Kuwaits Frischwassererzeugung ist zwischen 2010 und 2016 von 610 Mio. auf etwa 700 Mio. cbm gestiegen.

Im Bau ist die Doha RO-Anlage (Umkehrosmose, Reverse Osmosis) mit einer Kapazität von 272.800 cbm/Tag. Der 390 Mio. US$ EPC-Vertrag (Engineering, Procurement and Construction) wird von Doosan Heavy Industries & Construction (Korea, Rep.) durchgeführt. Die Fertigstellung wird bis Jahresende erwartet. Langfristig ist eine 2. Phase vorgesehen.

Die geplanten Ausbauphasen in Az Zour North sollen zusätzliche Entsalzungskapazitäten von über 800.000 cbm/Tag bringen. Für die 2. Phase, die ebenso wie die 1. Phase als Private Public Partnership (PPP) realisiert werden soll, liegen bereits Angebote vor. Die Meerwasserentsalzungsanlage wird eine Kapazität von nochmals 486.400 cbm/Tag haben. Nach Angaben des Ministry of Electricity and Water (MEW) ist die 3. Phase mit 227.300 cbm/Tag geplant, die 5. Phase mit einer 113.700 cbm RO-Anlage. Ob die 4. Phase eine Meerwasserentsalzungskomponente umfassen soll, ist unklar. Az Zour North ist als Independent Water and Power Project (IWPP) konzipiert.

Kuwait: Meerwasserentsalzungsanlagen in der Planung
Projekt Investitionssumme (in Mio. US$) Betreiber
Nuwaiseeb IWPP 3.000 Ministry of Electricity & Water
Doha East Power & Desalination Plant 2.000 Kuwait Authority for Partnership Projects
Shuaiba South Power and Desalination Plant 1.800 Ministry of Electricity & Water
Al Zour North IWPP: Phase 2: Water Desalination Plant 941 Kuwait Authority for Partnership Projects
Al Zour North IWPP: Phase 3: Water Desalination Plant 479 Kuwait Authority for Partnership Projects
Doha Desalination Plant: Phase 2 432 Ministry of Electricity & Water
Al Zour North IWPP: Phase 4: Water Desalination Plant 415 Kuwait Authority for Partnership Projects
Al Zour North IWPP: Phase 5: Water Desalination Plant 415 Kuwait Authority for Partnership Projects
Doha Desalination Plant: Phase 1 *) 390 Ministry of Electricity & Water
Al Khiran Power & Desalination Plant : Phase 1: Desalination Plant 262 Kuwait Authority for Partnership Projects

*) bereits im Bau

Quellen: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest

Für die erste von drei Ausbauphasen der Al Khairan Power & Desalination Plant läuft das Präqualifizierungsverfahren. Dem MEW zufolge ist für jede Phase eine Meerwasserentsalzungsanlage mit einer Kapazität von 568.300 cbm/Tag vorgesehen. Die 1. Phase soll 2021 in Betrieb gehen, die 2. Phase erst 2030. Ein ebenfalls in drei Phasen geplantes Dampfturbinenkraftwerk in Al Nuwaiseeb soll letztlich über Meerwasserentsalzungskapazitäten von 818.300 cbm/Tag verfügen (340.950 cbm, 340.950 cbm, 136.400 cbm/RO).

Nutzung von Brackwasser rückläufig

Kuwait verfügt über Grundwasserreservoirs, die Brackwasser liefern. Nach Angaben des MEW sind derzeit in fünf Grundwasservorkommen (Shagaya, Sulaibiya, Um Qudair, Al Wafra, Al Atraff) Pumpen mit einer Förderkapazität von 659.000 cbm/Tag installiert. Hier sind die Grundwasserförderungskapazitäten der Kuwait Oil Company (KOC) nicht enthalten.

Die Grundwassernutzung ist aber stark rückläufig. Zwischen 2005 und 2015 reduzierte sich die Förderung von 154 Mio. auf 75 Mio. cbm. Das Brackwasser wird vor allem zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen, öffentlicher Grünanlagen und privater Gärten sowie zur Beimischung in Meerwasserentsalzungsanlagen beziehungsweise zur Beimischung bei Frischwasser genutzt. Die Förderkapazität der Al Wafra Brackwasservorkommen soll zur Versorgung der neuen Meerwasserentsalzungsanlage Az Zour North auf 65.500 cbm/Tag erhöht werden. Das Brackwasserverteilernetz hat eine Länge von etwa 8.100 km. Es gibt rund 79.000 Abnehmer von Brackwasser, davon sind etwa 76.000 private Haushalte.

Klärwerke versorgen Landwirtschaft und Grünanlagen

Das in den sechs Kläranlagen des Landes aufbereitete kommunale Abwasser wird zum Großteil zur Versorgung der Agrarzonen Sulaibaiya und Abdali sowie zur Bewässerung von Grünanlagen verwendet. Zwischen 2010 und 2015 erhöhte sich die Menge des aufbereiteten Abwassers von durchschnittlich 525.244 auf 724.631 cbm/Tag. Die Planung sieht bis 2020 eine Erhöhung auf 885.000 cbm/Tag vor.

Der Zuwachs wird im Wesentlichen durch die im Bau befindliche Erweiterung von Kuwaits größtem Klärwerk in Sulaibaya für 150 Mio. $ entstehen. Das Klärwerk arbeitet seit 2004, die Aufbereitung erfolgt durch Umkehrosmose mit Ultrafiltrationsmembranen, eine Vorkläranlage steht 25 km entfernt in Ardiya. Die Aufbereitungskapazität in Sulaibaya wird von bislang 425.000 auf 600.000 cbm/Tag erhöht. Das Projekt soll noch 2017 abgeschlossen sein, Diskussionen über die Erweiterung liefen seit 2006.

Kuwait: Abwasseraufbereitung nach Kläranlagen 2015 (in cbm/Tag, Jahresdurchschnitte)
Kläranlage (Jahr der Inbetriebnahme) Nominale Kapazität Abwasseraufnahme Aufbereitetes Abwasser
Al Rigga (1982) 180.000 216.836 194.626
Al Jahra (1982) *) 85.000 0 0
Um Al Hayman (2001)) 27.000 23.859 23.804
Al Wafra (2002) 6.000 563 555
Al Sulabyia (2004) 425.000 452.369 352.135
Sabah Al Ahmed und Al Khiran (2009) 5.600 1.884 1.735
Kabd (2011) 180.000 153.881 151.776
Insgesamt =SUM(ABOVE) 908.600 =SUM(ABOVE) 849.392 =SUM(ABOVE) 724.631

*) seit März 2014 außer Betrieb

Quelle: Ministry of Public Works

Wie die bestehende Anlage wird auch die Erweiterung des Klärwerks als BOT-Projekt durchgeführt. Zwischen dem Ministry of Public Works (MPW) und der privaten Utilities Development Company (UDC), ein Joint Venture aus der lokalen Kharafi Group (75%) und Ionics (25%; Ionics wurde 2004 von General Electric übernommen) wurde 2002 ein Vertrag über den Bau und Betrieb des Klärwerks abgeschlossen, die Betreiberkonzession läuft bis 2032. Mit dem MPW besteht ein Abnahmevertrag für das aufbereitete Abwasser. Die UDC wird beim Betrieb des Klärwerks vom britischen Versorgungsunternehmen United Utilities unterstützt.

Deutsches Unternehmen im Rennen um Klärwerksprojekt

Auf dem Gelände des 2001 eröffneten Klärwerks Um Al Hayman soll eine neue Anlage gebaut werden, zunächst ist eine Kapazität von 500.000 cbm/Tag geplant, mit einer Option auf 700.000 cbm. Nach Fertigstellung soll das Klärwerk Al Rigga (180.000 cbm/Tag) geschlossen werden. Für das 1,55 Mrd. Euro BOT-Projekt (Klärwerk, Kanalnetz, Pumpstation) sind derzeit zwei Konsortien im Rennen: WTE Wassertechnik GmbH (Essen) / International Financial Advisers (Kuwait) und Kharafi National (Kuwait) / Alfanar Group (Saudi-Arabien). Dem Vernehmen nach hat das deutsch-kuwaitische Konsortium mit 1,61 $ pro cbm aufbereitetem Abwasser das günstigere Angebot vorgelegt, der Konkurrent verlangt 1,70 $. Der Gewinner schließt mit dem MPW einen Abnahmevertrag mit 25jähriger Laufzeit ab.

Es gibt Planungen für den Ausbau des 2011 in Betrieb genommenen Klärwerks Kabd von gegenwärtig 180.000 auf 425.000 cbm/Tag. Ferner soll in Kabd North eine neue Kläranlage mit einer Kapazität von 70.000 cbm/Tag entstehen. Beide Maßnahmen sollen insgesamt 700 Mio. $ kosten, eine Ausschreibung wird erst ab 2019 erwartet. Für die im Aufbau befindliche Sabah Al-Ahmad Sea City (auch bekannt unter Al-Khiran Pearl City) sind zwei Klärwerksprojekte geplant (28.272 und 46.320 cbm/Tag).

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Kuwait, Zypern, türk. verw. Teil Energie- und Wasserpreise, Umwelttechnische Anlagen, Armaturen, Ventile, Filter, etc., BOT/PPP, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung

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