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07.02.2018

Kuwait investiert in Verkehrsinfrastruktur

Fortschritte bei Flug- und Seehäfen, Schienenprojekte verzögert / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Obwohl Kuwaits Entwicklungsplanung Investitionen in den Bereichen Schiene, Häfen und Flughafen als Prioritäten nennt, dominiert bei der Auftragsvergabe weiterhin der Straßenbau. Es könnte aber 2018 und 2019 im Hafensektor sowie beim Flughafenprojekt neue Aufträge geben. Die Ausschreibungen für die Schienenprojekte verzögern sich weiter und sind nun frühestens 2020 zu erwarten. Die Finanzierung der Metro und des nationalen Schienennetzes sollen private Investoren übernehmen.

Lange stand in der Abflughalle des Kuwait International Airport das Modell eines Masterplans aus dem Jahr 2005. Erst im Mai 2016 wurde der Auftrag zum Bau des Terminals 2 für 4,3 Milliarden US-Dollar (US$) vergeben. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium bestehend aus der lokalen Kharafi National und der türkischen Limak Insaat Sanayi.

Den bereits seit 2011 vorliegenden Entwurf für Terminal 2 lieferte das Londoner Architekturbüro Forster+Partners. Der Terminal ist nach den Kriterien des U.S. Green Building Council als LEED-Gold (Leadership in Energy and Environmental Design) konzipiert. Das Dach des Terminals wird zur Installation einer Solaranlage mit 12 Megawatt genutzt. Der Terminal 2 soll an 51 Gates jährlich 25 Millionen Passagiere abfertigen können. Die Bauarbeiten laufen seit Ende 2016, die Fertigstellung wird nun schon für 2020 anvisiert, ursprünglich war 2022 vorgesehen. Nach Eröffnung des neuen Terminals soll der alte geschlossen werden.

Flughafen operiert weit über der Kapazität

Am Kuwait International Airport liegt das Passagieraufkommen bereits seit 2008 oberhalb der Kapazität von 7 Millionen. Dennoch blieb der Bau eines neuen Terminals über zehn Jahre in der Planungsphase stecken. Nach Angaben der General Administration of Civil Aviation ist die Passagierzahl 2017 gegenüber dem Vorjahr um 2 Millionen auf 13,7 Millionen gestiegen. In den beiden Jahren zuvor gab es Zuwächse von 5 (2016) und 9 Prozent (2015). Die Zahl der Starts und Landungen erhöhte sich 2017 um 7 Prozent auf rund 111.600.

Die Zeit bis zur Eröffnung des Terminals 2 soll durch einen provisorischen Terminal überbrückt werden. Dieser wird 2018 in Betrieb gehen und über eine Kapazität von 4,5 Millionen Passagieren verfügen, ein "Soft Opening" ist schon im Frühjahr geplant. Der 147 Millionen US$ Auftrag zum Bau des Terminals ging an die türkische Cengiz Insaat Sanayi Ve Ticaret zusammen mit der lokalen First Kuwaiti General Trading & Contracting Company. Das Konsortium ist auch für die Wartung des Terminals verantwortlich. Derzeit gibt es Diskussionen, das Provisorium dauerhaft zu nutzen.

Landebahn in der Ausschreibung

In der Ausschreibungsphase (Präqualifizierung) befindet sich der Bau einer weiteren neuen Landebahn für 500 Millionen US$, die Dorsch Gruppe ist als Berater tätig. Eine erste neue Landebahn ist im Bau, vergeben ist auch die Instandsetzung der existierenden Landebahn. Bereits 2013 fertiggestellt wurde die erste Phase der neuen "Cargo City" (143 Millionen US$). Die 414 Millionen US$ teure, neue Verwaltungszentrale des Directorate General of Civil Aviation sollte 2017 fertig werden, als neuer Termin wird jetzt Mitte 2018 genannt.

Jazerra Airways lässt am Kuwait Airport für 46 Millionen US$ einen eigenen Terminal mit einer Kapazität von 1,2 Millionen Passagieren bauen, Auftragnehmer ist die First Kuwaiti General Trading & Contracting Company, eine Inbetriebnahme ist 2018 geplant. Jazeera Airways (seit 2005) ist Kuwaits private Billigfluglinie.

Fortschritte und weitere Ausschreibungen bei Mega-Seehafen

Kuwait will seinen Logistiksektor auch durch den im Bau befindlichen Mubarak Al-Kabeer Mega Port sowie durch die Modernisierung der bestehenden Häfen stärken. Der Mubarak Al-Kabeer Port befindet sich auf der bislang unbewohnten Boubyan Insel im Nordosten des Landes an der Grenze zu Irak. Das Projekt soll insgesamt 9 Milliarden US$ kosten, die laufende erste von drei Phasen rund 4 Milliarden US$. Nach Abschluss aller Entwicklungsphasen soll der Hafen über eine Container-Kapazität von 3,6 Millionen TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) verfügen.

Bislang fertiggestellt ist eine etwa 30 Kilometer lange Straßenverbindung zwischen dem Festland und dem Hafenstandort an der Ostküste der Insel (Phase 1: Package 1), der Auftrag wurde von einem Konsortium aus China Harbor, der Gulf Dredging Company und der Shaheen Alghanem Company ausgeführt. Auch der Bau von vier Container-Liegeplätzen (Package 2) soll weitgehend abgeschlossen sein (Auftragnehmer: Hyundai Engineering & Construction; 1,2 Milliarden US$).

Der Ausbau des Hafenbeckens sowie der Fahrrinnen (Package 3A) sollen 2018 vergeben werden (Kostenschätzung: 900 Millionen US$). Die Planungen für den Bau eines Container-Depots und die Beschaffung der notwendigen Fördertechnik im Wert von 1 Milliarde US$ (Packages 3B und 3C) laufen. Ferner ist ein 80 Millionen US$ Kraftwerk (Diesel) vorgesehen (Package 3D) sowie der Bau von Arbeiterunterkünften (Package 3E) für 100 Millionen US$. Die Bauarbeiten auf der Boubyan Insel werden durch den weichen Lehmboden erschwert.

Weitere geplante Hafenprojekte sind unter anderem der Ausbau des Shuwaikh Port für über 700 Millionen US$ und die Erweiterung des Shuaiba Port für 100 Millionen US$. Für die Modernisierung des kleinen Doha Port (Warenumschlag 2017: 0,3 Millionen Tonnen; Schätzung) ist im Herbst 2017 ein 17 Millionen US$ Auftrag vergeben worden.

Zukunft der Schienenprojekte ungewiss

Eine Metro für den Großraum Kuwait Stadt und ein nationales Schienennetz mit Anbindung an ein geplantes regionales Eisenbahnsystem des Golfkooperationsrats stehen weiterhin auf der Agenda von Kuwaits "Vision 2035". Bereits 2006 hatte Spaniens Ineco einen ersten Masterplan für ein 140 Kilometer langes Metronetz und ein 400 Kilometer langes Schienenfernnetz erstellt. Die Verantwortung für die Schienenprojekte liegt jetzt bei der für Public-private-Partnership-Projekte zuständigen Kuwait Authority for Partnership Projects (KAPP). Im März 2016 trat ein neues PPP-Gesetz (Law No. 116 of 2014) in Kraft.

Nach bisheriger Planung sollte die Metro eine Gesamtläge von 160 Kilometern haben, es waren fünf Linien mit 69 Stationen vorgesehen. Das Investitionsvolumen wurde mit 7 Milliarden US$ kalkuliert. Auf Basis einer neuen Durchführbarkeitsstudie soll das "Kuwait City Metropolitan Rapid Transit Project" nun einen erneuten Anlauf versuchen. Ein überarbeitetes Konzept unter Berücksichtigung der neuen Durchführbarkeitsstudie ist noch nicht erstellt, aber es wird von einer Verkleinerung des geplanten Metronetzes ausgegangen.

Eine Kommission unter Leitung der "Roads and Land Transport Authority" soll nun beraten und über das weitere Verfahren entscheiden. Es soll auch eine neue Studie zur Finanzierung des PPP-Projekts erstellt werden. Eine Zeitplanung zum weiteren Projektverlauf ist nicht bekannt. Eine Aufforderung an interessierte Investoren, Interessenbekundungen (Expression of Interest) abzugeben, dürfte frühestens 2019 erfolgen, eine Vergabe des Projekts 2020 oder später.

Der Bau eines nationalen Schienenfernverkehrssystems mit Anschluss an das geplante GCC-Schienennetz ist ebenfalls in der Schwebe, die Kosten werden auf 10 Milliarden US$ geschätzt. Auch hier wird an neuen Studien gearbeitet und es soll dann die Kommission der "Roads and Land Transport Authority" beraten. Der Nachbar Saudi-Arabien müsste für das GCC-Netz etwa 700 Kilometer entlang der Ostküste bauen, es wird derzeit nach möglichen privaten Betreibern gesucht.

Kuwaits Schienenfernverkehrsnetz ist auf insgesamt 574 Kilometer (zweispurig) geplant, davon entfallen 317 Kilometer auf Hauptstrecken und 257 Kilometer auf Nebenstrecken. Hauptlinien sind die Strecken zwischen der irakischen Grenze (Umm Qasr) und der saudischen Grenze im Süden bei Nuwaiseeb sowie ein Abzweig zur Boubyan Island beziehungsweise zum dort im Bau befindlichen neuen Mega-Hafen. Nebenstrecken sind Abzweige zum Shuaiba Port, zum Shwaikh Port und zum Flughafen sowie Abzweige nach Salmi im Westen sowie nach Abdaly im Norden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kuwait können Sie unter http://www.gtai.de/kuwait abrufen.

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Flughafenbau, Wasser-, Hafenbau

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