Suche

18.02.2019

Kuwait investiert in Wasserwirtschaft

Mehrere Entsalzungsanlagen und Klärwerke geplant / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Die Kapazitäten der Meerwasserentsalzungsanlagen sollen mittelfristig kräftig steigen. Auch im Abwassersektor sind neue Projekte in der Pipeline.

Kuwaits Frischwasserverbrauch stieg von 2010 bis 2017 um 19 Prozent auf 728 Millionen Kubikmeter. Mittelfristig wird mit jährlichen Steigerungsraten von 2 bis 3 Prozent gerechnet. Meerwasserentsalzungsanlagen liefern 99 Prozent des Frischwassers. Die Beimischung von Grund- und Brackwasser geht weiter zurück.

Der Frischwasserverbrauch schwankt im Verlaufe eines Jahres erheblich. Die Spitzenverbräuche werden in den sehr heißen Sommermonaten erreicht, die niedrigsten Verbräuche von November bis März. Der Tagesverbrauch erreichte beispielsweise im Juli 2017 rund 2,3 Millionen Kubikmeter, während er im Januar des Jahres bei maximal 1,9 Millionen Kubikmeter lag.

Entsalzungsanlagen mit ausreichenden Kapazitäten

Die Kapazitäten der Entsalzungsanlagen legten von 2010 bis 2016 noch von 1,92 Millionen auf 2,89 Millionen Kubikmeter pro Tag zu. In den Jahren 2017 und 2018 kamen keine weiteren Kapazitäten dazu. Der Zuwachs in den Vorjahren verteilt sich auf die 2016 fertiggestellte erste Phase der Az Zour North Anlage (0,49 Millionen Kubikmeter), die 2012 in Betrieb genommene Shuaiba North Anlage (0,20 Millionen Kubikmeter) sowie Erweiterungen in Az Zour South (2014) und Shuwaikh (2011) um jeweils eine Reverse Osmosis-Anlage (RO) mit einer Leistung von 0,14 Millionen Kubikmeter.

Die beiden RO-Anlagen sind die einzigen, die dieses Verfahren einsetzen. In Az Zour North kommt das MED-Verfahren (Multi Effect Distillation) zum Einsatz. Die anderen Anlagen arbeiten mit dem MSF-Verfahren (Multi Stage Flash Evaporation).

Kuwait: Kapazitäten von Meerwasserentsalzungsanlagen (in Kubikmeter/Tag)
Meerwasserentsalzungsanlagen 2010 2018 2020 2022
Shuwaikh 88.649 225.031 225.031 225.031
.Reverse Osmosis Station -- 136.383 136.383 136.383
Shuaiba South 163.659 163.659 163.659 --
Shuaiba North -- 204.574 204.574 204.574
Doha East 190.936 190.936 190.936 --
Doha West 501.888 501.888 501.888 501.888
Doha Reverse Osmosis Station -- -- 272.765 545.530
.Phase 1 -- -- 272.765 272.765
.Phase 2 -- -- -- 272.765
Az Zour South 523.710 660.092 660.092 660.092
.Reverse Osmosis Station -- 136.383 136.383 136.383
Subiya 454.609 454.609 454.609 454.609
Az Zour North -- 486.432 486.432 1.624.137
.Phase 1 -- 486.432 486.432 486.432
.Phase 2 and 3 -- -- -- 750.105
.Phase 4 -- -- -- 387.600
Al Khairan Water & Power Plant: Phase 1 -- -- -- 568.261
Nuwaiseeb -- -- -- 340.957
Insgesamt 1.923.451 2.887.221 3.159.986 5.125.079

Quellen: Ministry of Electricity and Water, MEED Projekts

Eine erste Phase der Doha RO-Anlage dürfte noch 2019 mit einer Kapazität von 0,27 Millionen Kubikmeter/Tag in Produktion gehen. Die südkoreanische Doosan Heavy Industries & Construction Company erhielt den 422 Millionen US$ EPC-Auftrag (Engineering, Procurement, Construction). Auftraggeber ist das Ministerium für Elektrizität und Wasser (MEW). Mit der Ausschreibung der zweiten Phase mit gleicher Leistung ist 2020 zu rechnen. Die MEW sieht deren Inbetriebnahme bereits 2021 vor.

Starker Ausbau der Frischwasserversorgung anvisiert

Private Investoren sollen den künftigen Kapazitätsausbau finanzieren. Dafür zuständig ist die Kuwait Authority for Partnership Projects (KAPP). Die erste und bislang einzige Entsalzungsanlage, die als PPP-Projekt (Private Public Partnership) realisiert wurde, ist die erste Phase von Az Zour North. Zu diesem Projekt gehört auch ein 1.540 Megawatt Kraftwerk.

Die zusammengelegten Phasen 2 und 3 des Az Zour North Projekts sollen aus einem 3.200 Megawatt Kraftwerk und einer 0,75 Millionen Kubikmeter/Tag Entsalzungsanlage bestehen. Ein Interessensbekundungsverfahren wurde Ende 2018 durchgeführt. Es sollen sich 47 lokale und internationale Unternehmen gemeldet haben, auch Deutschland ist vertreten. Die Kosten der Entsalzungsanlage werden auf über 940 Millionen US$ kalkuliert. Eine Ausschreibung ist 2019 oder 2020 zu erwarten.

Zwei weitere kombinierte Kraftwerks- und Entsalzungsprojekte könnten 2020 zur Ausschreibung kommen: die erste Phase des Al Khairan Projekts (Kapazitäten: 1.500 Megawatt; 0,57 Millionen Kubikmeter/Tag) und Nuwaiseeb (3.600 Megawatt; 0,34 Millionen Kubikmeter). Für Al Khairan lief Ende Januar 2019 die Frist für eine Interessensbekundung ab. Az Zour North und Al Khairan sollen als DBFOT-Projekte (Design, Build, Finance, Operate, Transfer) umgesetzt werden. Die Planungen für Nuwaiseeb sind noch nicht weit fortgeschritten.

Die Projekte Doha (Phasen 1 und 2), Az Zour North (Phasen 2 und 3), Al Khairan und Nuwaiseeb würden unter Berücksichtigung von Stilllegungen alter Anlagen die Kapazitäten um 1,85 Millionen Kubikmeter/Tag erhöhen. Weitere Vorhaben mit 1,42 Millionen Kubikmeter sind in Planung. Der Ausbau würde weit über den erwarteten Bedarfssteigerungen liegen und ist deshalb mit Fragezeichen versehen.

Kuwait: Geplante Meerwasserentsalzungsanlagen
Projekt Investition (Mio. US$) Betreiber, Anmerkungen
Nuwaiseeb Independent Water and Power Plant (IWPP) 3.000 Ministry of Electricity & Water, 340.957 Kubikmeter/Tag, Fertigstellung 2022
New Doha East Power & Desalination Plant 2.000 Kuwait Authority for Partnership Projects, 454.609 Kubikmeter/Tag, Fertigstellung 2026
Shuaiba South Power and Desalination Plant 1.800 Ministry of Electricity & Water, 227.305 Kubikmeter/Tag, Fertigstellung 2025
Az Zour North: Phase 2 and 3: Water Desalination Plant 941 Kuwait Authority for Partnership Projects
Doha Desalination Plant: Phase 2 432 Ministry of Electricity & Water
Az Zour North: Phase 4: Water Desalination Plant 415 Kuwait Authority for Partnership Projects
Az Zour North: Phase 5: Water Desalination Plant 415 Kuwait Authority for Partnership Projects
Al Khairan Power & Desalination Plant: Phase 1: Desalination Plant 262 Kuwait Authority for Partnership Projects
Failaka Island Cogeneration Power & Desalination Plant 150 Ministry of Electricity & Water, 5.683 Kubikmeter/Tag, Projekt liegt auf Eis

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen, MEED Projects

Auch Abwassersektor mit neuen Projekten

Kuwaits größtes Klärwerk in Sulaibiya wird 2019 von 425.000 auf 600.000 Kubikmeter/Tag erweitert. Das 150 Millionen US$ Projekt wird die Kapazitäten der sechs Klärwerke des Landes auf rund 1 Million Kubikmeter/Tag erhöhen.

Wie die alte, 2004 in Betrieb genommene Sulaibiya-Kläranlage wird auch die Erweiterung als BOT-Projekt (Build, Operate, Transfer) durchgeführt. Investor ist die Utilities Development Company (UDC), ein Joint Venture der lokalen Kharafi Group (75 Prozent) und Ionics (25 Prozent), die zu General Electric gehört. Die Betreiberkonzession läuft bis 2032.

Zwei weitere Projekte werden in der neuen Sabah Al-Ahmad Sea City in Al Khiran, 90 Kilometer südlich von Kuwait Stadt durchgeführt. Die Kapazität des Klärwerks wird für 24 Millionen US$ von 5.600 auf 28.272 Kubikmeter/Tag erhöht und ein weiteres Klärwerk (46.320 Kubikmeter/Tag) für 44 Millionen US$ ist im Bau.

Kuwait: Klärwerksprojekte
Projektbezeichnung Investition (Mio. US$) Stand*) Projektträger
Upgrading North Kabd Sewage Treatment Plant 700 FEED Ministry of Public Works
Al Mutlaa Wastewater Treatment Plant 518 ST Ministry of Public Works
Wastewater Treatment Plant in South Al-Mutalaa 497 ST Ministry of Public Works
Sulaibiya Wastewater Treatment Plant Expansion (Reverse Osmosis Units) 100 ST Ministry of Electricity & Water
Sewage Water Treatment Unit 20 A Kuwait Institute for Scientific Research

*) FEED = Front-End Engineering Design, ST = Studie, A = Ausschreibung

Quellen: Pressemeldungen, Recherchen von Germany Trade & Invest, MEED Projects

Mit dem Bau des Um Al Hayman Klärwerks dürfte 2019 begonnen werden. Das 1,55 Milliarden Euro BOT-Projekt umfasst ein 600 Millionen Euro Klärwerk (500.000 Kubikmeter/Tag), ein Kanalnetz und eine Pumpstation. Ein Konsortium aus WTE Wassertechnik GmbH (Essen) und International Financial Advisers (Kuwait) unterzeichnete im November 2018 mit der KAPP einen Letter of Agreement. Dem Vernehmen nach wurde ein PPP-Vertrag noch nicht unterschrieben.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kuwait können Sie unter http://www.gtai.de/kuwait abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Kläranlagenbau, Abwasserentsorgung

Funktionen

Kontakt

Thomas Hundt

‎+49 228 24 993 439

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche