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20.07.2018

Kuwait treibt Megaprojekte im Downstream-Sektor voran

Az Zour Oil Complex macht Fortschritte / Präqualifizierung für Großaufträge / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Seit Herbst 2017 ist Bewegung in die Planungen für den Bau des dritten Olefin-Werks in Kuwait gekommen. Das Design der Anlage soll Anfang 2019 vorliegen. Jetzt hat der Projektbetreiber, die staatliche Kuwait Integrated Petroleum Industries Company, interessierte Unternehmen zur Präqualifizierung für EPC-Projekte im Gesamtwert von geschätzten 6,5 Milliarden US$ aufgefordert. Die Bewerbungsfrist endet am 20. September 2018. Fortschritte gibt es auch bei anderen Megaprojekten.

Im Rahmen der Reorganisation der Zuständigkeiten für alle im neuen Az Zour Oil Complex geplanten Aktivitäten erfolgte auch die Wiederbelebung des lange festgefahrenen Olefin 3 Projektes. Der seit Frühjahr 2017 aktiven Kuwait Integrated Petroleum Industries Company (KIPIC) wurden die Großprojekte, für die zuvor die Petrochemicals Industries Company (PIC) und die Kuwait National Petroleum Company (KNPC) verantwortlich waren, übertragen. Neben dem Bau des Petrochemiekomplexes gehören dazu das schon weit fortgeschrittene Raffinerie-Projekt sowie der ebenfalls bereits im Bau befindliche LNG Importterminal (Liquefied Natural Gas) in Az Zour.

Az Zour Petrochemicals Complex noch in der Planung

Nach KIPIC-Angaben soll der Az Zour Petrochemicals Complex über eine Gesamtkapazität von rund 2,8 Millionen Tonnen/Jahr verfügen. Der auf 7,8 Milliarden US-Dollar (US$) kalkulierte Komplex wird aus drei Hauptelementen bestehen: Olefin 3, Kuwaits zweiter Aromaten-Anlage und ein katalytischer Cracker sind geplant. Im Herbst 2017 ging der Auftrag für Front End Engineering Design (FEED) an das britische Unternehmen Amec Foster Wheeler (Wood Group), die Arbeiten sollten bis Mitte 2018 abgeschlossen sein, jetzt wird von Anfang 2019 gesprochen. Als Technologielieferant bekam Honeywell UOP den Zuschlag. Der Bau soll 2023 abgeschlossen werden. Bis alle Anlagen in Produktion sind, dürfte mindestens ein weiteres Jahr vergehen. Die geplanten Produktionskapazitäten werden mit 3.800 Tonnen/Tag Ethylen, 2.600 Tonnen Polypropylen, 3.800 Tonnen Paraxylene, 2.700 Tonnen Polyethylen, 8.000 Tonnen Benzin und 4.000 Tonnen Heizöl angegeben.

Ende Juni 2018 wurden interessierte Unternehmen zur Präqualifizierung für Olefin 3 und das Aromatenwerk aufgefordert. Mittlerweile liegen detaillierte Projektbeschreibungen vor. Die FEED-Arbeiten sind aber noch nicht abgeschlossen. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 20. September 2018. Sollten wichtige Interessenten mehr Zeit benötigen, dürfte es Verlängerungen geben.

Die Kosten von Olefin 3 (Polypropylenwerk mit einer Kapazität von 940.000 Tonnen/Jahr) werden mit 1,5 Milliarden US$ veranschlagt, die Aromatenanlage mit 5 Milliarden US$. Ob es ein zusätzliches Präqualifizierungsverfahren für den katalytischen Cracker (Kapazität: 50.000 barrel per day/bpd; 1,3 Milliarden US$) geben wird, ist unklar. Dem Vernehmen nach soll die 2019 erwartete Ausschreibung in drei EPC-Pakete (Engineering, Procurement, Construction) unterteilt werden: Olefin 3, Aromatenwerk und Cracker sowie Pipeline-Systeme und Hafen-/Verladeinfrastruktur.

Bau der Az Zour Raffinerie bereits weit fortgeschritten

Die bis 2017 zuständige KNPC hatte die Az Zour Raffinerie bereits 2008 ausgeschrieben. Letztlich ging der Auftrag für die zentrale Verarbeitungsanlage (Process Plant) im Oktober 2015 für 4,1 Milliarden US$ an ein Konsortium aus Spaniens Tecnicas Reunidas, Sinopec (VR China) und Hanwha (Korea, Rep.).

Den Auftrag über 2,9 Milliarden US$ für die Support Process Units erhielt ebenfalls im Oktober 2015 ein Konsortium aus der Fluor Corporation (USA), Hyundai Heavy Industries und Daewoo Engineering. Das Konsortium noch einen weiteren Zuschlag für Utilities & Offsites der Raffinerie (Steam Generation Unit, Air Systems, Water Systems, Cooling Water Unit etc.) über 2,9 Milliarden US$ bekommen. Zu bauende Tankanlagen, Pipelines und Verladeanlagen hat einen Wert von 4 Milliarden US$.

Der Zeitplan sieht eine Fertigstellung bis Ende 2019 und eine dann folgende Inbetriebnahme in mehreren Phasen vor. Die Raffinerie soll über eine Kapazität von 615.000 bpd verfügen, unter anderem bestehend aus 225.000 bpd Schweröl mit einem Schwefelgehalt unter 1 Prozent (Low Sulphur Fuel Oil) für lokale Kraftwerke sowie aus 340.000 bpd Leicht-Produkten für den Export.

LNG Terminal in Az Zour soll 2021 in Betrieb gehen

Zur Sicherung des wachsenden Bedarfs der Kraftwerke zusätzlich trotz geplanter Erhöhung der Förderung Gas importiert werden. Der 2,9 Milliarden US$ Auftrag zum Bau eines LNG Importterminals ging 2016 an ein süd-koreanisches Konsortium aus Hyundai Engineering, Hyundai E&C und der Korea Gas Cooperation (Kogas). Die Planung (FEED) wurde 2014 von Amec Foster Wheeler erstellt. Mit der Fertigstellung des LNG Projekts wird 2021 gerechnet. Der Terminal soll über eine Tageskapazität von 3.000 Milliarden BTU (British Thermal Unit) verfügen.

Raffinerie- und Petrochemie-Sektor wichtigster Industriezweig

Der Downstream-Sektor bleibt auch langfristig Kuwaits wichtigste Industriebranche. Die Wertschöpfung der verarbeitenden Industrie lag 2016 bei 8,1 Milliarden US$, daran hatte der Downstream-Sektor einen Anteil von 59 Prozent. Nach Fertigstellung der Az Zour Projekte dürfte sich dieser Anteil auf 70 bis 80 Prozent erhöhen.

Im Rahmen des "Clean Fuel Project 2020" (CFP) erfolgt eine Modernisierung der bestehenden Raffineriekapazitäten. Die Raffinerie Shuaiba (Kapazität: 200.000 bpd) soll außer Betrieb gehen. Die beiden anderen Raffinerien, Mina Al-Ahmad (466.000 bpd) und Mina Abdullah (270.000 bpd), werden modernisiert und nach aktuellen Umweltstandards umgerüstet. Der Projektfortschritt liegt bei etwa 60 Prozent, bis 2022 soll es abgeschlossen sein, erste Teilprojekte könnten aber schon 2018 fertig werden.

Nach Abschluss des CFP wird die Kapazität der Mina Al Ahmad Raffinerie bei 346.000 bpd liegen. Die Modernisierung der Raffinerie wird von einem Konsortium aus Japans JGC sowie den beiden koreanischen Firmen GS E&C und SK E&C durchgeführt.

Die Mina Abdullah Raffinerie soll zukünftig über eine Kapazität von 454,000 bpd verfügen. Die Arbeiten wurden in zwei Paketen vergeben. Der erste Auftrag (3,7 Milliarden US$) ging an Petrofac gemeinsam mit Samsung Engineering und CB&I (USA), der zweite Auftrag (3,4 Milliarden US$) an Fluor, Daewoo und Hyundai. Auch Siemens ist am CFP beteiligt. Beide Raffinerien werden über ein Pipeline-System miteinander verbunden und bilden dann einen integrierten Raffineriekomplex.

Nach Angaben der Gulf Petrochemicals and Chemicals Association (GPCA) zeigt die Kapazität der chemischen Industrie in Kuwait seit 2014 kein wesentliches Wachstum mehr. Kräftige Kapazitätszuwächse gab es 2009 mit einem Anstieg auf 5,3 Millionen Tonnen/Jahr sowie 2010 mit einer Expansion auf 7,7 Millionen Tonnen und 2013 auf 8,7 Millionen Tonnen. Mit einer aktuellen Kapazität von 8,8 Millionen Tonnen liegt Kuwait im GCC-Vergleich (Gulf Cooperation Council) auf dem vorletzten Rang hinter Oman (9,3 Millionen Tonnen) und vor Bahrain (1,4 Millionen Tonnen), Spitzenreiter Saudi-Arabien kommt auf fast 110 Millionen Tonnen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Pipelinebau, etc., Petrochemie

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