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18.02.2019

Kuwait will Kraftwerkskapazitäten ausbauen

Anteil der Erneuerbaren Energien soll von null auf 15 Prozent steigen / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Kuwait benötigt zusätzliche Kraftwerke und sucht private Investoren. Vergaben von konventionellen und solaren Projekten werden erwartet.

Kuwait muss seine Kraftwerkskapazitäten ausbauen, um den kräftig steigenden Stromverbrauch zu decken. Die in den sehr heißen Sommermonaten erreichte Spitzenlast wuchs von 2010 und 2018 bereits um fast ein Drittel auf 14,4 Gigawatt. Die Reservekapazitäten sinken.

Das Ministerium für Elektrizität und Wasser erwartet von 2017 bis 2030 einen weiteren Anstieg der Spitzenlast um 13 Gigawatt auf 26,8 Gigawatt und strebt eine Reservekapazität von 10 Prozent beziehungsweise 3 Gigawatt an. Da sich die Reservekapazität auf die verfügbaren Kapazitäten bezieht, müsste die installierte Kraftwerksleistung 2030 eigentlich auf etwa 34 Gigawatt angehoben werden.

Laufende Kraftwerksprojekte erhöhen die Kapazitäten auf über 20 Gigawatt

Zwischen 2010 und 2015 wuchsen die Kapazitäten noch um satte 4,9 Gigawatt. Die Ausweitung der Kraftwerkskapazitäten verlief in den letzten Jahren erheblich langsamer als geplant. Ende 2018 lagen die installierten Kapazitäten mit 18,8 Gigawatt nur 534 Megawatt über dem 2015 erreichten Wert von 18,3 Gigawatt. Durch den Abschluss von Erweiterungsprojekten in den Kraftwerken Az Zour South und Subiya sollen 2019 oder 2020 insgesamt 1,25 Gigawatt hinzukommen.

Kuwait: Entwicklung der installierten Kraftwerkskapazitäten (in Megawatt)
Kraftwerke 2010 2015 2018 2020 1)
Insgesamt installiert 2) 13.383 18.260 18.794 20.044
Shuwaikh (Gasturbinen) 252 252 252 252
Shuaiba South (Dampfturbinen) 720 720 720 720
Shuaiba North 876 876 876 876
.Gasturbinen 660 660 660 660
.Combined Cycle Turbines 216 216 216 216
Doha East 1.158 1.158 1.122 1.122
.Dampfturbinen 1.050 1.050 1.050 1.050
.Gasturbinen 108 108 72 72
Doha West 2.541 2.541 2.541 2.541
.Dampfturbinen 2.400 2.400 2.400 2.400
.Gasturbinen 141 141 141 141
Az Zour South 4.936 5.806 5.806 6.056
.Gasturbinen (Old Plant) 111 111 111 111
.Dampfturbinen 2.400 2.400 2.400 2.400
.Gasturbinen 1.865 2.365 2.365 2.365
.Combined Cycle Turbines 560 930 930 1.180
Subiya 2.900 5.367 5.867 6.867
.Dampfturbinen 2.400 2.400 2.400 2.400
.Gasturbinen 500 2.320 2.320 2.320
.Combined Cycle Turbines -- 647 647 647
.Phase CCGT 1 -- -- -- 250
.Phase OCGT 2 -- -- 500 500
.Phase CCGT 3 -- -- -- 750
Az Zour North (Phase 1) -- 1.540 3) 1.540 1.540
.Gasturbinen -- 1.100 1.100 1.100
.Combined Cycle Turbines -- 440 440 440
Shaqaya (Solar, Wind) -- -- 70 70
.Concentrated Solar Power (CSP) -- -- 50 50
.Photovoltaik (PV) -- -- 10 10
.Wind -- -- 10 10

1) Prognose; 2) verfügbare Kapazitäten fallen geringer als die installierten aus; 3) Az Zour North wird seit 2015 als installierte Kapazität erfasst und ging 2016 ans Netz

Quelle: Ministry of Electricity and Water

Das Subiya Kraftwerk wird derzeit um eine 750 Megawatt kombinierte Gas- und Dampf-Anlage (GuD) erweitert. Siemens ist der Haupttechnologielieferant des 581 Millionen US-Dollar (US$) Projekts. Aus Deutschland kommen die zwei Siemens SGT5-4000F Gasturbinen, eine SST5-5000 Dampfturbine, Generatoren sowie Schalt- und Kontrollanlagen. Die Gasturbinen sollen noch 2019 in Betrieb gehen, die Zuschaltung der Dampfturbine ist Ende 2020 geplant.

Weitere 250 Megawatt sollen in Subiya durch die Kombination existierender Gasturbinen mit einer neuen Dampfturbine ergänzt werden. Die Dampfturbine und Generatoren liefert General Electric. Das 216 Millionen US$ Projekt soll Ende 2019 abgeschlossen sein.

Ein ähnliches Vorhaben wird derzeit im Kraftwerk Az Zour South durchgeführt. Die zusätzlichen 250 Megawatt kosten dort 204 Millionen US$. Zwei Dampfturbinen und ein Generator kommen von Siemens und sollen Mitte 2019 den Betrieb aufnehmen. In Subiya arbeiten bereits acht Siemens SGT5-2000E Gasturbinen und zwei SST5-4000 Dampfturbinen.

Viele Kraftwerksprojekte in der Planung, Verzögerungen wahrscheinlich

Konventionelle Kraftwerke sollen mit wenigen Ausnahmen auf PPP-Basis (Private-public-Partnership) realisiert werden. Das erste und bislang einzige in Kuwait als PPP-Projekt gebaute Kraftwerk ist die Phase 1 in Az Zour North (1,5 Gigawatt). Das 1,7 Milliarden US$ Projekt einschließlich Meerwasserentsalzungsanlage ging im Dezember 2016 mit voller Leistung ans Netz. Privater Investor ist ein Konsortium aus Frankreichs Engie, der lokalen AH Al Sagar & Brothers und Japans Sumitomo. Das Konsortium hält 40 Prozent an der Betreibergesellschaft Shamal Azzour Al-Oula KSC. Die restlichen 60 Prozent sind in kuwaitischem Staatsbesitz. Ein Börsengang ist in Vorbereitung, der Staat will seinen Anteil auf 10 Prozent reduzieren.

Die Kuwait Authority for Partnership Projects (KAPP) ist für PPP-Vorhaben zuständig. Drei seit Jahren geplante Kraftwerksprojekte mit einer Gesamtleistung von 8,3 Gigawatt könnten 2019 oder 2020 unterschriftsreif werden. Es handelt sich um die Phasen 2 und 3 des Az Zour North Kraftwerks (3,2 Gigawatt), die Phase 1 des Al Khairan Kraftwerks (1,5 Gigawatt) und das Kraftwerk Nuwaiseeb (3,6 Gigawatt).

Ein Interessensbekundungsverfahren für Az Zour North wurde Ende 2018 durchgeführt. Es sollen sich 47 lokale und internationale Unternehmen gemeldet haben, auch Deutschland ist vertreten. Für Al Khairan lief eine Frist für die Interessensbekundung Ende Januar 2019 ab. Beide Kraftwerke sollen als DBFOT-Projekte (Design, Build, Finance, Operate, Transfer) realisiert werden. Eine Ausschreibung für Nuwaiseeb wird 2020 erwartet.

Kuwait: Konventionelle Kraftwerksprojekte in der Planungsphase (Studie)
Projektbezeichnung Investitionssumme (Millionen US$)
Al Zour North: Phase 2 & 3: Power Plant 1) 3.000
New Doha East Power & Desalination Plant 1) 2.000
Shuaiba South Power and Desalination Plant 2) 1.800
Nuwaiseeb Power and Water Desalination Plant: Phase 1 3) 1.500
Al Zour North: Phase 4: Power Plant 1) 772
Al Zour North: Phase 5: Power Plant 1) 772
Al Khairan Power & Desalination Plant: Phase 1: Power Plant 1) 488
Al Khairan: Phase 3 1) 480
Al Khairan: Phase 2 1) 480
Solar PV Facility for Ground Water Reservoirs: Phase 1 2) 82

1) Projektbetreiber Kuwait Authority for Partnership Projects (KAPP); 2) Projektbetreiber ist das Ministerium für Elektrizität und Wasser; 3) Projektbetreiber ist KAPP gemeinsam mit dem Ministerium für Elektrizität und Wasser

Quellen: Pressemeldungen; Recherchen von Germany Trade & Invest; MEED Projects

Erneuerbare Energien mit Fragezeichen

Kuwait strebt bis 2030 einen Anteil Erneuerbarer Energien (EE) an der Stromerzeugung von 15 Prozent an. EE-Anlagen von insgesamt bis zu 5,0 Gigawatt sollen gebaut werden.

Der Großteil der geplanten EE-Kapazitäten entfällt auf das nach langem Planungsvorlauf 2014 gestartete Shagaya Projekt. Die erste Phase schloss 2018 nach vier Jahren Bauzeit mit einem 50 Megawatt CSP-Kraftwerk (Concentrated Solar Power), einer 10 Megawatt Fotovoltaikanlage und einem 10 Megawatt Windkraftwerk ab.

Das Ministerium für Elektrizität und Wasser betreibt das Shagaya Projekt zusammen mit dem Kuwait Institute for Scientific Research. Fichtner wurde als Berater engagiert. Es sind eigentlich drei weitere Ausbauphasen mit insgesamt 4,8 Gigawatt Fotovoltaik- und CSP-Anlagen vorgesehen. Das Projekt wird geprüft und Änderungen der Konzepte sind wahrscheinlich. Eine Zeitplanung ist nicht bekannt.

Ölgesellschaft plant Fotovoltaikgroßprojekt

Die Kuwait National Petroleum Company (KNPC) will außerdem die 1 Gigawatt Al Dibdibah Solar Power Plant bauen lassen und später etwa 15 Prozent dessen Fotovoltaikstroms selbst nutzen. Das 1,2 Milliarden US$ EPCF-Projekt (Engineering, Procurement, Construction, Financing) soll dem Shagaya Komplex angegliedert werden. Die KNPC hat die Frist für die Angebotsabgabe mehrfach verlängert. Abgabetermin ist jetzt der 3. März 2019. Insgesamt 28 Unternehmen konnten sich präqualifizieren, darunter die in Saarbrücken ansässige Greencells GmbH.

Die Gesamtkapazität bereits realisierter kleiner Fotovoltaikvorhaben wird auf insgesamt 9 Megawatt geschätzt. Damit summieren sich die EE-Kapazitäten auf 79 Megawatt. Dies entspricht nur einem Anteil von 0,4 Prozent an den Kraftwerkskapazitäten des Landes. Viele weitere kleinere Fotovoltaikprojekte wie Aufdachanlagen werden aber vorbereitet.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kuwait können Sie unter http://www.gtai.de/kuwait abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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