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28.02.2019

Kuwaits Bauwirtschaft mit Potenzial

Städtebauprojekte bieten Chancen / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Der wachsende Wohnraumbedarf der einheimischen Bevölkerung soll vor allem durch den Bau neuer Städte gedeckt werden. Auch das "Silk City"-Projekt ist wieder im Gespräch.

Eine zügige Umsetzung der laufenden und geplanten Wohnungs- und Städtebauprojekte würde der kuwaitischen Bauwirtschaft einen anhaltenden Boom bescheren. Aber zwischen Planung und Realisierung klafft eine große Lücke. Oft verzögern sich staatliche Großprojekte (oder werden ganz aufgegeben) infolge der Spannungen zwischen Regierung und Parlament, das Vergabe und Durchführung öffentlicher Aufträge häufig kritisiert und Prüfungen verlangt. Zudem erweist sich die angestrebte verstärkte Mobilisierung privater Investoren als schwierig.

Die Bauindustrie ist zwischen 2014 und 2018 real um insgesamt 29 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig ist der Anteil der Branche am Bruttoinlandsprodukt von 2 auf geschätzte 1,4 Prozent gesunken. Zweistellige Rückgänge wurden 2016 (-11 Prozent) und 2017 (-12 Prozent) verzeichnet. Die Talfahrt hat sich 2018 deutlich verlangsamt, das Minus dürfte bei nur noch 3 Prozent gelegen haben.

Der Bauindustrie ist der Wirtschaftszweig mit der drittgrößten Beschäftigtenzahl, mehr Beschäftigte haben die staatliche Verwaltung (einschließlich Militär) und die privaten Haushalte (Hausangestellte). Nach Angaben der Public Authority for Civil Information (PACI) arbeiteten in der Bauwirtschaft Ende 2018 rund 0,44 Millionen Personen, dies entsprach einem Anteil an der Gesamtbeschäftigung von 16 Prozent.

Nur 4 Prozent der Beschäftigung im Bausektor entfiel auf Kuwaiter. Die größte Ausländergruppe bildeten asiatische Arbeitskräfte (62 Prozent der Gesamtbeschäftigung), gefolgt von anderen Arabern (33 Prozent; aus Ägypten, Jemen etc.), Arbeitskräfte aus Europa und Nordamerika kamen zusammen auf ein Prozent.

Städtebauprojekte sollen Wohnungsmangel beseitigen

Der wichtigste Akteur im Wohnungsbausektor ist Public Authority for Housing Welfare (PAHW). Die Organisation ist für die Versorgung der einheimischen Bevölkerung mit Wohnraum zuständig. Derzeit liegen etwa 100.000 Anträge auf staatlich geförderten beziehungsweise bereitgestellten Wohnraum vor. Damit warten fast eine halbe Million Kuwaits, also rund ein Drittel der einheimischen Bevölkerung, auf die Zuteilung von Häusern, Wohnungen oder erschlossenem Bauland.

Kuwaitische Staatsbürger haben grundsätzlich Anspruch auf staatliche Wohnungsversorgung (Cradle to Grave Welfare State). Die PAHW will durch Mega-Städtebauprojekte den Wohnungsmangel beseitigen. Nach offiziellen Angaben lebten Ende 2018 in rund 304.000 kuwaitischen Haushalten 2,08 Millionen Personen, darunter 0,65 Millionen Hausangestellte. Ein durchschnittlicher kuwaitischer Haushalt bestand aus 4,7 Einheimischen und 2,1 Hausangestellten. In mehr als der Hälfte der Haushalte lebten acht oder mehr Personen. Die Haushaltsgröße ist oft auf unfreiwillige Mehrgenerationenhaushalte zurückzuführen: Verheiratet Kinder wohnen infolge des Wohnungsmangels weiterhin bei den Eltern.

Kuwait: Zahl und Größe der Haushalte (Stand: Ende 2018)
Haushaltsgröße Zahl der kuwaitischen Haushalte 1) Zahl der ausländischen Haushalte 2)
Alle Haushalte 304.013 484.510
.1 bis 4 Personen 71.917 373.894 3)
.5 bis 8 Personen 104.382 86.641
.ab 9 Personen 127.714 23.975

1) in kuwaitischen Haushalten leben auch Ausländer (in der Regel Hauspersonal); 2) etwa 1,2 Millionen Ausländer leben nicht in privaten Haushalten, sondern in Sammelunterkünften/Collective Households (Labor Camps, umgebaute Mehrfamilienhäuser etc.); 3) drunter 214.130 Ein-Personen-Haushalte

Quelle: Public Authority for Civil Information (PACI)

Die PAHW hat derzeit Projekte im Gesamtwert von 26 Milliarden US-Dollar (US$) im Bau oder weitere Vorhaben im Wert von 29 Milliarden US$ in Planung, so die Daten von MEED Projects (Middle East Economic Digest). Folgende Städtebauprojekte befinden sich in der Bauphase: South al-Mutlaa City (28.288 Wohneinheiten, vor allem Einfamilienhäuser), Sabah Al Ahmad (11.000), South Abduallah Al-Mubarak (3.260), West Abduallah Al-Mubarak (5.201), East of Taima (509), Jaber Al-Ahmed (6.673), Northwest Sulaibikhat (1.736), Wafra Housing Expansion (k.A.) und das Low-Cost Housing Project (9.800).

Der PAHW zufolge gibt es zwei Projekte in der Designphase: South Saad Al- Abduallah (25.000 Wohneinheiten) und East Sabah Al-Ahmed City (k.A.). Als zukünftige Projekte werden Nawaf Al-Ahmed (52.000 Wohneinheiten), Al Sabriya (52.000) und Al Khairan (35.530) genannt. Die Zukunft der geplanten Projekte gilt allerdings als ungewiss. Auch bei den schon im Bau befindlichen Vorhaben gibt es hinsichtlich der weiteren Entwicklung viele Fragezeichen.

Für das größte laufende PAHW-Projekt, die South Mutlaa City, wurde 2016 ein erstes Infrastrukturpaket im Wert von 955 Millionen US$ an ein Konsortium aus der italienischen Salini Impregilo und dem türkischen Unternehmen Kolin Insaat vergeben. Der Auftrag umfasst unter anderem den Bau von 150 Kilometer Straßen, das Wasserversorgungs- und Abwassersystem, das Telekommunikationsnetz sowie landschaftsbauliche Maßnahmen. Die Arbeiten dürften erst 2021 abgeschlossen werden können.

Ein 708 Millionen US$ Auftrag zur Erschließung von 18.000 Grundstücken in South Mutlaa City ist 2017 vergeben worden. Es folgten 2018 zwei Auftrage für insgesamt 328 Millionen US$ zur Erschließung weiterer 10.000 Grundstücke.

Mit dem Bau der Sabah Al Ahmed City wurde 2011 begonnen. Die meisten Bauabschnitte sind fertiggestellt. Noch im Bau sind unter anderem Apartment-Komplexe. Im November 2018 ist ein Auftrag für 720 Apartments unterschrieben worden. Es wird an Plänen zur südlichen Erweiterung (South Sabah Al Ahmed) gearbeitet, als Berater sind Foster+Partners engagiert.

Auch die Jaber Al Ahmad City (westlich von Kuwait Stadt; Bezirk Al Jahra) ist schon zu großen Teilen fertiggestellt. Baubeginn war bereits 2005. Derzeit sind in der Planung unter anderem "Mixed-use" Projekte, Einzelhandelsprojekte, ein Business Center und ein islamisches Zentrum.

Das Low-Cost Housing Project soll Wohnraum für ausländische Arbeitskräfte schaffen, ein 224 Millionen US$ Auftrag für Infrastrukturarbeiten soll im Februar 2019 dem chinesischen Staatsunternehmen Sinohydro erteilt worden sein.

Das South Saad Al Abdullah City Projekt (südlich von Kuwait City) betreibt die PAHW gemeinsam mit der Korea Land and Housing Corporation (KLH). Das 4 Milliarden US$ Vorhaben kommt aber offensichtlich nur langsam voran. Die Planungen laufen seit 2016, mit den Design-Arbeiten wurde 2017 begonnen.

Das Mega-Projekt "Silk City" soll in Kooperation mit China realisiert werden

Ein erster Masterplan für den Bau der "Silk City" (Madinat al-Harir) in der weitgehend unerschlossenen Region Subiya wurde 2005 vorgelegt, erstellt von Eric Kuhne & Associates. Das Projekt verschwand zeitweise in der Versenkung, ist aber seit 2014 wieder in der Diskussion. Es erfolgte die Gründung einer Silk City Authority (Leiter seit April 2018: Faisal Al-Medlej), die nun für die Entwicklung der "Silk City" und der benachbarten Boubyan Island (mit dem neuen Mubarak Al Kabeer Port) zuständig ist.

Bereits 2014 gab es erste Vereinbarungen (Absichtserklärungen) mit China über eine Zusammenarbeit beim "Silk City" Projekt. Im Februar 2019 wurden anlässlich des Besuchs einer chinesischen Delegation unter Leitung des stellvertretenden Chefs der Chinese National Development and Reform Commission einige Details der mit 86 Milliarden US$ veranschlagten ersten Entwicklungsphase des Silk City Projekts bekanntgegeben. In der ersten Phase sollen unter anderem ein internationaler Flughafen sowie ein Schienennetz gebaut werden. Federführend auf chinesischer Seite soll die China Communications Construction Company sein.

Das chinesische Interesse scheint sich aber insbesondere auf den Ausbau des neuen Mubarak Al Kabeer Port zu richten. Der Hafen soll ein internationaler Logistik-Hub werden, ferner sind dort eine Industrie- sowie eine Freihandelszone geplant. Beijings Engagement in Kuwait ist Teil der chinesischen "Neuen Seidenstraße" Strategie (One Belt One Road).

Die "Silk City" Region erhält mit der nun für 2019 erwarteten Fertigstellung des 2,5 Milliarden US$ teuren, 8-spurigen Sheikh Jaber Al-Ahmad Al-Sabah Causeway (36 km) eine schnelle Verbindung nach Kuwait City (über die Kuwait Bay). Die Brücke wird von Hyundai E&C zusammen mit der lokalen Combined Group Contracting Company gebaut.

In späteren Ausbauphasen soll in "Silk City" das höchste Gebäude der Welt, der 1.000 Meter Mubarak Al-Kabir Tower mit über 200 Etagen, entstehen. Ferner sind unter anderem ein Kongress- und Messezentrum, eine Sport City sowie ein internationaler Business and Financial District geplant. Eine Wohnbevölkerung von letztlich 700.000 wird angestrebt.

Weitere Informationen und Berichte finden Sie unter http://www.gtai.de/kuwait

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Bauwirtschaft, allgemein

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Thomas Hundt

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